Gute Mörder, schlechte Mörder

Eine lobenswerte Kampagne um der medialen Aufarbeitung des „deutschen Herbstes“ und der Geschichte der Roten Armee Fraktion etwas entgegenzusetzen. Die Broschüre (PDF-Link) glänzt mit einem sehr, sehr empfehlenswerten Text, die jenseits von peinlichem Verbalradikalismus a la „Schweinesystem“ und ähnlichem differenziert eine kleine Analyse schafft, die beleuchtet mit welchen Methoden welche Akteure die Rote Armee Fraktion diffamieren, pathologisieren und historisieren und auch weshalb sie das tun. Auf jeden Fall einer der gelungereren Versuche eine Antwort auf die Hetze zu finden.

Hier schonmal ein Auszug, der mir unter anderem gefallen hat:

The german way: “Aufarbeitung” der Geschichte

Deutschland baut seit der Wiedervereinigung zunehmend seine Vormachtstellung in
einem erstarkenden Europa und seine Rolle als “global player” aus: Da stört unbewältigte
Geschichte, weshalb sich die rotgrüne Bundesregierung in ihrer Amtszeit so intensiv mit
der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit beschäftigte: Sie wollte sich als eine geläuterte
Nation präsentieren, die aus ihren Fehlern gelernt habe und dafür die Konsequenzen
trage – und nun bitte, bitte wieder uneingeschränkt mitspielen und mitentscheiden wolle
bei den ganz Großen. Eine Anerkennung der deutschen Schuld an den NS-Verbrechen
fand auf verschiedenen Ebenen statt: Das Holocaust-Mahnmal wurde gebaut, der Fonds
zur Entschädigung der Zwangsarbeiter eingerichtet, der “Aufstand der Anständigen”
ausgerufen, am 8. Mai 2005 wurde am Brandenburger Tor das “Fest der Demokratie”
gefeiert und alles schien in bester Ordnung. Wer erinnerte sich denn da zum Beispiel
noch daran, dass der Fonds viel zu spät und auch nur auf massiven Druck von außen
eingerichtet wurde, zunächst nur schleppend eingezahlt wurde und längst nicht alle Opfer
des NS-Faschismus vom Gnadenbrot etwas ab bekamen, weitere Forderungen jedoch
nicht mehr möglich sind? Es war kein Zufall, dass nach der rot-grünen “Aufarbeitung” der
NS-Zeit und auf den staatstragenden “Antifaschismus” der “Brand” von Jörg Friedrich,
der Opfer-Mythos von Dresden, der “Untergang” mit Hitler als Leidensfigur und
Geschichtsrevisionisten à la Oettinger folgten, dies war und ist eine logische Abfolge. Die
Geister, die ich rief…

Allen ans Herz legen möchte ich die Diskussionsveranstaltung mit Karl-Heinz Dellwo am 08.11 um 20 Uhr im Clash, im Mehringhof (U-Bahnhof Mehringdamm). Der hat ja immer recht viel und kontroverses zu erzählen.


2 Antworten auf “Gute Mörder, schlechte Mörder”


  1. 1 berlinerin 27. Oktober 2007 um 7:52 Uhr

    das clash ist in der nähe vom u-bhf mehringdamm, gneisenaustr. 2a …
    eine gneisenauerstr. gibt es nicht.

  2. 2 Wendy 27. Oktober 2007 um 9:57 Uhr

    Kay.

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