[…] Dass die Konferenz einiger linker Gruppen, die sich im Anschluss an den Prozess gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm gewissermaßen nachträglich um theoretische Klärung bemühen will, einen Schritt in diese Richtung darstellt, muss nach Lage der Dinge bezweifelt werden. Der Aufruf jedenfalls zeugt von großer Konfusion: Wo es höchst allgemein und unverbindlich um die »Bestimmung politischer, sozialer, ökonomischer und struktureller Prozesse im Kapitalismus« geht – struktureller Prozesse! – und ein »Ansatz« den nächsten jagt, ist Aufschluss über die gegenwärtige Situation nicht zu erwarten. Zumal es sich bei einem der beiden zur Wahl stehenden »Ansätze« um den so genannten Postoperaismus von Toni Negri und anderen handelt, der die gesamte Kritik der politischen Ökonomie kurzerhand für veraltet erklärt und stattdessen einen stumpfen Manichäismus von produktiver »Multitude« und parasitärem »Empire« bedient. So dürfte die Konferenz eine weitere Illustration für den eigenartigen Umstand bieten, dass gerade die Linken, die sich die theoretische Reflexion auf die Fahnen schreiben, nur zur vollständigen Vernebelung der gesellschaftlichen Situation beitragen, da sie sich im Gestrüpp allerlei modischer Theorien verheddern. […]
Der bisher wohl beste Artikel da. Kennt jemand den Autor? Wo wirkt der so mit?
Der beste kam meiner Meinung nach von Ernst Lohhoff. Wat Top so an Marx Vokablen geremixt hat, würd ich mir fast noch selber zutrauen. Grigath hat nüscht neuet beizutragen gehabt. Und Baum war auch nicht mein Fall.
Wo nimmt denn der Baum seine Klasse her? Wie kann man denn bei der Vielzahl von Beschäftigungsformen zum einen und dem schon lange nicht mehr existenten Klassenbewusstsein auf der anderen noch ernsthaft von Klasse reden?
Ob sich die Beschäftigungsformen tatsächlich soweit seit Prägung des Klassenbegriffs geändert haben, dass dieser obsolet wird, wage ich zu bezweifeln. Und nur, weil es kein Klassenbewusstsein gibt, heißt es ja nicht, dass die Kategorie Klasse blödsinnig ist.
Das ganze Gerade von den Klassen sollte wohl eher als Einfordern einer größeren Orientierung an (Lebens-)Realitäten der Menschen gelesen werden.
Unbedingt zu empfehlen ist dieses Interview mit zwei „Freunden der klassenlosen Gesellschaft“: Zum Hype um den Postoperaismus.
Der Klassenbegriff ist ja ein objektiver Begriff, d.h. es gibt sie einfach die Lohnarbeiter – völlig egal ob sie jetzt revolutionär drauf sind oder sonstwie. Das ist erstmal objektive Kategorie der antagonistisch zerissenen Gesellschaft.
Würde daran auch festhalten wollen (siehe auch Thesen im KOSMOPROLET Nr. 1) – da es eben eine gesellschaftliche Realität benennt die nicht durch Demokratisierung und Parzellierung der Arbeiterklasse verschwunden ist. Nur weil die Arbeiter nicht mehr traditionell ihr Milieu haben und ein eigenes Produzentenbewußtsein sind sie nicht verschwunden.
Die akademisch geprägte Wertkritik dagegen denkt sich die subversive Bewegung als große Volkshochschule, in der den Subjekten zunächst die Bewegungsgesetze des Kapitals beigebracht werden müssen, bevor sie die bestehende Ordnung in Frage stellen können.
Dieser Satz aus dem Artikel ist aber nicht so ganz richtig. Die fundamentale Wertkritik (!) aus Nürnberg, wozu ich EXIT und KRISIS zurechne (und die Streifzüge-Leute) ist ja gerade nicht akademisch. Das hat ja Kurz schon 1988 in nem Text geschrieben, daß eben kritische Theorie nicht mehr in der Uni hauptsächlich sich bilden kann (qua Ausschaltung institutioneller Freiräume durch das Ende der Frankfurter Schule et cetera).
Klar hat der Robert Kurz keine große Bewegung hinter sich (um das mal so verdinglicht zu sagen). Aber es geht in dieser Phase auch ersteinmal darum, die theoretische Begriffsbildung zu vertiefen – eben weil die Linke keine relevante Kraft ist momentan. Das der ne Volkshochschule für angehende Revolutionäre will ist ja auch eher ein lasches Argument gegen die Wertkritik. Kurz hat in nem Interview klar gesagt, er will ersteinmal eine kritische Gegenöffentlichkeit schaffen – und nicht irgendwie Menschen sammeln die dann auf Abruf Wertkritik starten. Das sowas ein langer Prozess ist, sollte einleuchten.
Das Argument die Wertkritik wäre gegen jede Praxis, halte ich für verkürzt.
Der ersten Ausführung würde ich so zustimmen, der zweiten nicht. Siehe Text, bin zu faul.
Thesen zu Staat und Imperialismus.
Also für diese beiden Links bin ich wirklich dankbar.
Danke carlos!
Interview mit einer UG-Sprecherin auf Radio Corax Halle
„Das „…ums Ganze!“-Bündnis wird in den nächsten Wochen Audio-Mitschnitte der Veranstaltungen veröffentlichen.“ (Indymedia).
Yeah.
Meh.
Man kann das doch in unter einer Woche transcodieren (selbst wenn die Aufnahme analog auf Bändern sein sollte) und schon mal zur Verfügung stellen. Irgendwelche nötigen Verbesserungen können dann doch nachgeliefert werden.
Für den livestream!
Lieber Livestream als Mainstream was?
Mainstream gibt’s in FFM eh schon.
Erste Berichte (EoB und steffentreffen) liegen bereits vor.
Audiodokumentation ist da:
http://www.keimform.de/2007/12/11/die-ums-ganze-kongress-dokumentation/