Michael Heinrich zum „UmsGanze“-Kongress

Eingreifen, aber nicht belehren! Die Kritik an den Voraussetzungen der eigenen Kapitalismusanalyse ist die Voraussetzung aller Kritik. Es kommt aber auch darauf an, die Kritik in die Tat umzusetzen.

Das Label »Wertkritik« wurde vor allem von Ro­bert Kurz und der Zeitschrift Krisis benutzt. Die­se Position schließt die Betonung der sachlichen Herrschaft des Werts mit einem fragwür­digen Tech­nikdeterminismus zusammen: Die »mi­kro­elektronische Revolution« führe dazu, dass dem Kapital die »Wertsubstanz« ausgehe. Daher sei die unvermeidliche Zusammenbruchskrise schon in vollem Gange, auch wenn man das nicht so richtig sehen könne, da dieser Zusammenbruch immer wieder durch andere Faktoren verdeckt werde.

Mit »(Post)Operaismus« sind vor allem die an Michael Hardt und Toni Negri anschließenden Strömungen gemeint. Dort ist es nicht die Technik, sondern die nebulöse »Multitude«, welche die Entwicklung des Kapitalismus vorantreibt und am Ende auch den Kommunismus bringen soll. Wobei dieser eigentlich schon da, aber – ganz ähn­lich wie die wertkritische Zusammenbruchs­krise – noch nicht so richtig sichtbar ist.

Beide Richtungen gefallen sich in großen theo­­retischen Würfen, bei denen der analytische Ertrag aber eher begrenzt bleibt. Den eigenen Be­haup­tungen wird die Konfrontation mit der empirischen Wirklichkeit des gegenwärtigen Kapitalismus gerne erspart. Für eine emanzipatorische Praxis sind beide Richtungen nicht sonderlich gut zu gebrauchen, sodass man für den Frankfur­ter Kongress nur hoffen kann, dass die Teilnehmer nicht an der allzu eingeschränkten Perspektive der Veranstalter kleben bleiben.

Der Kongress findet vom 07. bis zum 09.12 in Frankfurt am Main statt. Weitere Infos hier.