Wir sind Marx!

Papst Benedikts Lob des Kommunismus. Js.

Finden ernsthafte Diskussionen um Alternativen zum Bestehenden also nur links von den Etablierten statt? Im Prinzip ja. Aber unverhofft mischt sich jetzt jemand in die Debatte, der bislang als reaktionärer Hardliner galt: Josef Ratzinger alias Papst Benedikt XVI. Mit seiner jüngst veröffentlichten zweiten Enzyklika „Spe salvi facti sumus“ („Auf Hoffnung hin sind wir gerettet“) verblüffte er Gläubige wie Ungläubige gleichermaßen. Sein Text, schreibt Alexander Smoltczyk, Spiegel-Korrespondent in Rom, „liest sich passagenweise wie eine Tübinger Vorlesung aus den späten Sechzigern. Der Papst zitiert die Väter der Revolte, Marx und Engels, Kant, Horkheimer und Adorno, und bisweilen klingt er wie der alte Philosoph des ,Prinzip Hoffnung`, Ernst Bloch, vermischt mit einer Dosis New Age.“ (Spiegel Online, 30.11.07)

Besonders Karl Marx hat es dem mächtigen Mann im Vatikan angetan: Nachdem Friedrich Engels die „grauenvollen Lebensbedingungen“ des Proletariats „in einer erschütternden Weise geschildert“ hatte, war es Marx, der „mit sprachlicher und denkerischer Kraft … den revolutionären Sprung“, den „Fortschritt zum Besseren, zur endgültig guten Welt“ vorbereitete. Er tat das „mit eingehender Genauigkeit, wenn auch parteilich einseitig“ und „mit großem analytischen Vermögen“. Da gerät der Pontifex geradezu ins Schwärmen: „Seine Verheißung hat mit der Klarheit der Analysen und der eindeutigen Angabe der Instrumente für die radikale Veränderung fasziniert und tut es noch und immer wieder.“

Ganzer Text hier.


4 Antworten auf “Wir sind Marx!”


  1. 1 carlos 10. Dezember 2007 um 0:09 Uhr

    Da kommt ja glatt ein unheuerlicher Verdacht auf: Sollte Seine Heiligkeit von dieser gesanglichen Darbietung in weihevoller Umgebung etwa so nachhaltig beeindruckt gewesen sein, dass er heimlich das Schmökern angefangen hat?

    P.S. So viel übrigens zum „Humor alter Männer“!

  2. 2 narodnik 10. Dezember 2007 um 20:58 Uhr

    Man kann ja von ihm sonst sagen was man will – intellektuell ist der aber schon drauf. Und auch den Kapitalismus mag er so sehr nicht (wenngleich im Sinne der Innerlichkeitsideologie der Kirche):

    „Wir sehen die Macht, die nun die Besitzwelt über den Menschen ausübt. Je mehr sie haben, desto mehr werden sie auch versklavt, weil sie ständig der Wahrung und Vermehrung dieses Besitzes hinterher sein müssen.“

    Immerhin ermöglicht so dieses religiöse Moment noch das Denken von Transzendenz, d.h. es könnte auch anders sein – entgegen dem neoliberalen Pragmatismus im Hier-und-Jetzt.

  3. 3 besserscheitern 11. Dezember 2007 um 1:55 Uhr

    „Immerhin ermöglicht so dieses religiöse Moment noch das Denken von Transzendenz, d.h. es könnte auch anders sein – entgegen dem neoliberalen Pragmatismus im Hier-und-Jetzt.“ – Der passende Lektüretip zu diesem Gednaken wäre meiner Meinung nach Max Horkheimers „Kritik der Instrumentellen Vernunft“, das erste Kapitel „Zwecke und Mittel“. Horki erklärt was Religion und KT gemeinsam haben. Beide versuchen sich im Bestimmen der objektiven Vernunft.

  1. 1 Befreiungstheologie | NARODNIK Pingback am 10. Dezember 2007 um 20:59 Uhr
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