Herzensangelegenheiten.

Sprache des Herzens. Jagdszenen aus Oberbayern (1): Wie vor 57 Jahren in Landsberg Verteidiger der Naziverbrechen auf deren Opfer stießen. Von Markus Mohr

Wie aus einer anderen Welt: Markus Mohr beschreibt, wie sich innerhalb von kürzester Zeit 4000 BürgerInnen der Stadt Landsberg, sowie die hohe Politik sammelten, um die Hinrichtung von Nazi-Kriegsverbrechern abzuwenden und wie sich mehrere hundert Überlebende der lokalen Vernichtungslager geschichtsrevisionistische Reden anhören mussten. Doch lest selbst:

[…] Detailliert wurden in den Landsberger Nachrichten in drei ungezeichneten Artikeln über die Kundgebungsredner berichtet, die auf der vor dem Rathaus errichteten Bühne das Wort ergriffen. In seiner Eröffnungsansprache bemerkte Oberbürgermeister Thoma, daß die Stadt – die in ihrem Gefängnis mit Adolf Hitler in den Jahren 1923/24 einen außerordentlich prominent gewordenen Gefangenen beherbergt hatte – »durch den Vollzug der Todesurteile einen traurigen Ruhm« erhalte. Der örtliche CSU-Bundestagsabgeordnete und spätere Bundesjustizminister Richard Jäger machte der Zeitung zufolge in »markanten, zielklaren« Ausführungen deutlich, daß »jedes Menschenleben heilig« sei, und von daher »die heutige Art genauso verurteilt werden [müsse], wie jene, die den Juden oder dem Heimatvertriebenen das Leben nahm.« Nun, so Jäger, müsse »die Sprache des Herzens gesprochen werden, eine Sprache, die in der ganzen Welt die gleiche sei.« Nachfolgend thematisierte der Bundestagsabgeordnete und spätere Botschafter der Bundesrepublik in Brasilien, Gebhard Seelos, »in scharfen Angriffen die Nürnberger Prozesse«. Das Mitglied der ansonsten die Todesstrafe befürwortenden Bayernpartei erklärte, daß die USA den Anspruch verloren hätten, »sich einen Rechtsstaat zu nennen«. Demgegenüber repräsentiere diese Kundgebung »das ganze deutsche Volk«, das jedes Unrecht ablehne, gleich, so Seelos, »ob es vor oder nach 1945 begangen wurde (…). Darum rufe er den Amerikanern zu: ›Hört auf mit dem grausamen Spiel, zerschlagt nicht die heiligen Güter des Christentums, der Menschlichkeit und des Rechts.‹« Die Landsberger Nachrichten verzeichneten zu dieser Aussage »stürmischen Beifall«[…]

Ein anderer interessanter Artikel beschäftigt sich mit der „Psychologie der Massen“, ich bin da noch nicht ganz durch, daher kann ich den auch nicht adäquat zusammenfassen. Sah aber ganz lesenswert aus.

Die Fähigkeit, frei zu sein. Vor 100 Jahren erschien die deutsche Erstausgabe von Gustave Le Bons »Psychologie der Massen« – einem Buch über Ursprünge moderner Herrschaft. Von Gerhard Wagner


2 Antworten auf “Herzensangelegenheiten.”


  1. 1 plemo 07. Januar 2008 um 23:32 Uhr

    mit chemischen drogen hab ich nix am hut. das war vor 12 jahren mal aktuell. heute ist das was mich betrifft völlig aus der mode. bier und schnpps reicht vollkommen. :)

  2. 2 Wendy 08. Januar 2008 um 0:16 Uhr

    Ganz schön deplatziert, der Kommentar, aber trotzdem gut zu wissen.

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