Afrika in Den Haag

Als diesen Kurs unterstützend begleitendes Medium schreibt Der Spiegel derzeit fleißig Afrikas Historie als besetzter Kontinent um. Der weißen Herrschaft einen janusköpfigen Charakter zubilligend, präsentiert er den europäischen Kolonialismus als zivilisationsbringende Lichtgestalt und gewalttätigen Ausplünderer in einem. Indem das »Nachrichtenmagazin« die anhaltend nachwirkende koloniale Schuld an der afrikanischen Dauerkrise geschichtsrevisionistisch relativiert, schafft es zugleich die Voraussetzungen, Afrika selbst – oder stellvertretend auch: deren Eliten – für den Zustand des Kontinents alleinverantwortlich zu machen. Jüngstes Beispiel: »Der Schlächter von Monrovia«.

An sich nichts neues, trotzdem interessant, zu mal das ja auch gerade in (post-)linken Kreisen en vogue wird.

Noch was zum Lachen: Die sog. „FAU“ im Kampf gegen „Überausbeutung“ und „unbezahlte Praktika“. Einerseits Affirmation, andererseits Kampf gegen Windmühlen. Welche_r Arbeitergeber_in stellt denn bitte schön bezahlte Praktikant_innen ein?


25 Antworten auf “Afrika in Den Haag”


  1. 1 M.A.S.S.I.V. 21. Januar 2008 um 13:49 Uhr

    „Welche_r Arbeitergeber_in stellt denn bitte schön bezahlte Praktikant_innen ein?“

    Diese Frage zeigt irgendwie auf, das du in diesem Themenbereich gar keine Ahnung hast.

  2. 2 scheckkartenpunk 21. Januar 2008 um 14:01 Uhr

    bezahlte Praktikas waren mal Standard

  3. 3 tee 21. Januar 2008 um 17:39 Uhr

    und sind sie in einigen bereichen immer noch. es richtet sich doch schliesslich auch bei praktika alles nach angebot und nachfrage.

  4. 4 Wendy 21. Januar 2008 um 19:35 Uhr

    Ja, viele Leute wollen bzw. müssen Praktika machen und haben den Unternehmern im Gegenzug nichts anzubieten. Daher können die, ob der riesigen Bewerber_innenzahl schon die Konditionen bestimmen, zu denen das läuft. Wenn sich 200 Leute für ein Praktikum bewerben, dann sind die auch alle Druckmittel. Und das wird sich so schnell nicht ändern. Was sollen die machen? Streiken?

    Da ändert auch keine reformistische Kampagne was dran.

  5. 5 MPunkt 21. Januar 2008 um 21:06 Uhr

    Ist doch eine hohle Diskussion, ob es auch mal bezahlte Praktika gab und gibt, weil das den Fehler der Kampagne völlig ignoriert. Auch wenn die FAU auf der Kampagnenseite im Gegensatz zum Kampagnenplakat noch ein Lippenbekenntnis gegen Lohnarbeit bringt, so hat sie sich von deren Kritik längst verabschiedet und kann gerade deswegen auch unbezahlte Arbeit nicht vernünftig kritisieren. Vielmehr bleibt ihr nur, das hat Wendy schon richtig erkannt, aber nicht zu einem Argument ausgeführt, ein NORMALarbeitsverhältnis zum wünschenswerten Maßstab zu nehmen, um an diesem „ÜBERausbeutung“ zu skandalisieren. Womit sie umgekehrt bekundet, für ein vernünftiges, „normales“ Maß an Ausbeutung zu sein.

    Dass es dieses Maß eben nicht gibt und geben kann, könnte die FAU schon dem Begriff „Ausbeutung“ entnehmen, den sie noch mit sich rumschleppt. Ab wann soll die denn bitte für den Ausgebeuteten was taugen? Aber mehr noch: die Lohnarbeit ist das Mittel des Kapitalisten für deren Zweck, aus ihrem Geld mehr Geld zu machen. Dafür kaufen sie die Arbeitskraft, was schon eine Menge Härten für die auf den Verkauf ihrer Arbeitskraft angewiesenen hat: sie brauchen überhaupt erst mal einen Kapitalisten, der sie für seinen Zweck gebrauchen kann, um überhaupt an Geld, das Mittel zur Überwindung des universellen Ausschlusses qua staatlich durchgeherrschter Eigentumsordnung, zu kommen. Wenn das aufgeht, darf man sich für den Zweck des Kapitalisten abschuften. Und dessen Zweck, die Vermehrung seines Geldes, steht im Widerspruch zu dem Zweck, für den der Arbeiter lohnarbeiten geht, weil der Lohn, den er dafür wegzahlt, ja an der Vermehrung seines Geldes fehlt.

    Insofern ist unbezahlte Arbeit auch gar keine ÜBERausbeutung, keine Abweichung von dieser kapitalistischen Normalität, sondern da hat der Kapitalist sich lediglich für ihn optimal durchsetzen können. Und das kann er, weil die auf den Verkauf ihrer Arbeitskraft angewiesenen so sauerpressbar sind, eben wegen ihrer Angewiesenheit. Da kommen die eben auch mal drauf, sogar eine Weile unbezahlt zu arbeiten (was ja dem Zweck, für den sie arbeiten, widerspricht), um darüber überhaupt an eine Lohnarbeit kommen zu können. Diese aufs Zurechtkommen gerichtete Kalkulation moralisch damit zu kontern, was den nächsten Kritikpunkt an den Plakaten aufmacht, dass die Leute auf diese Weise zu Klassenverrätern werden würden, weil sie damit den „normalen“ Lohn auch für die Arbeit anderer drücken und sich das ja nun wirklich nicht gehöre.

    Diese beiden Fehler schließen sich darin zusammen, dass beide auf dem Wunsch nach einem „gerechten Lohn für ein gerechtes Tagewerk“ (als gäbe es dafür einen objektiven Maßstab, s.o.) basieren, von dem aus nach beiden Seiten hin skandalisiert wird: zur Seite der Kapitalisten hin, dass die glatt ÜBERausbeutung betreiben, zur Seite der Kostenlosarbeiter hin, dass die sich das gefallen lassen – nicht etwa (primär) weil das sie schädigt, sondern weil dadurch die Klasse nicht mehr ihren gerechten Lohn erhalte. Aber wenn man Gewerkschaft, nur eben ganz dolle kämpferisch, machen will, ist dieser Unsinn völlig konsequent.

  6. 6 scheckkartenpunk 21. Januar 2008 um 22:03 Uhr

    nun – deine aussage trifft nicht die gegebenen realitäten. eine menge leute haben unternehmen ganz schön was zu bieten. es gibt ja branchen wie architektur oder der ganze medienkram, da sind inzwischen menschen fast gezwungen ein praktikum nach abschluß des studiums zu machen. die haben 5 jahre studiert, da wird nur aus kalkulation immer behauptet, dass diese nichts könnten.

    es hat sich einfach etabliert, dass auch diese oft unbezahlt sind. das sah vor ein paar jahren aber noch anders aus.

    in den niederlanden gibt es für praktikas beispielsweise einen mindestlohn.

  7. 7 der Klassensprecher von 1984 21. Januar 2008 um 23:05 Uhr

    nun – deine aussage trifft nicht die gegebenen realitäten. eine menge leute haben unternehmen ganz schön was zu bieten.

    Geil.
    Dann meld‘ dich mal bei verdi, die können bestimmt Typen wie dich bei ihrer Schulterklopf-Kampagne gebrauchen,.

    Egal ob die Leute „ganz schön was zu bieten“ haben; wert sind sie in diesem Laden hierzulande das was bezahlt wird.

  8. 8 Wendy 22. Januar 2008 um 0:43 Uhr

    Na endlich, die Kavallerie ;-) . Ich kann mich MPunkt und dem Klassensprecher nur anschließen. Das hätte ich wohl kaum so ausformulieren können.

  9. 9 scheckkartenpunk 22. Januar 2008 um 1:29 Uhr

    „Welche_r Arbeitergeber_in stellt denn bitte schön bezahlte Praktikant_innen ein?“

    ist einfach eine Falschaussage – egal ob die Kavalerie im Gesamten recht hat ;)

  10. 10 Wendy 22. Januar 2008 um 1:37 Uhr

    Weist ja trotzdem darauf hin, dass das eigentlich niemand mehr zu machen braucht. Schließlich sind Praktikant_innen meist unausgebildete Leute, die sich in Massen um nen Job bewerben. Nen Job, der eh schon von allen umsonst gemacht wird. Also: Welcher Unternehmer stellt denn in einer solchen Situation bezahlte Praktikant_innen ein?
    Da kann die FAU noch so viel mahnen. Wirkliche Kampfmittel haben die Praktikant_innen ja auch nicht. Streiken fällt schonmal raus.

  11. 11 difficultiseasy 22. Januar 2008 um 2:00 Uhr

    kann dann wenigstens irgendwer fordern das fau-hafte in der restlinken unmöglich zu machen.
    danke.

  12. 12 Wendy 22. Januar 2008 um 2:11 Uhr

    Ne, ich fordere lieber, die Restlinke auf die stille Treppe zu schicken, bis sie eingesehen hat, was ihr Fehler ist.

  13. 13 difficultiseasy 22. Januar 2008 um 3:20 Uhr

    wie gewinnt man eigentlich eine restlinke? wo is der andere teil hin? hat man die aus linken zusammenhängen per rundbrief ausgesperrt. und funzt das dann nich auch in die andere richtung? wie weiss man dann noch auf welcher seite man sicher ist und welche man sauber halten muss?

  14. 14 scheckkartenpunk 22. Januar 2008 um 11:27 Uhr

    praktikas sind eben nicht mehr nur für in der mehrheit unausgebildete. darauf wollte ich hinweisen – und das verschärft die ganze situation doch noch. nicht mal hochausgebildet (zumindest wird das ja so deklariert, wenn ein abgeschlossenes studium vorhanden ist) sind unbezahlte praktikas zu vermeiden. auch eine qualifizierung für den lohnarbeitsmarkt ist nicht mehr viel wert (nach bezahlung gemessen).

    @diffi: warste nicht auf dem plenum?

  15. 15 tee 22. Januar 2008 um 12:29 Uhr

    Schließlich sind Praktikant_innen meist unausgebildete Leute, die sich in Massen um nen Job bewerben. Nen Job, der eh schon von allen umsonst gemacht wird.

    und das ist einfach blödsinn. praktikant/innen sind doch auch so begehrt weil sie mit ihrer qualifikation arbeit verrichten können, für die das unternehmen sonst leute einstellen müsste. dabei handelt es sich in der mehrzahl nicht um schuhverkäufer, sondern um stinknormale bis höherqualifizierte arbeit. gerade im akademischen bereich (wo die meisten und längsten praktika zu finden sind) machen sie den grossteil der arbeit, die vor wenigen jahren noch von gut bezahlten akademiker/innen gemacht wurde und auch heute noch oft gemacht wird. deine aussage jedenfalls ist so völliger quatsch.

  16. 16 difficultiseasy 23. Januar 2008 um 1:09 Uhr

    @scheckkartenpunk:
    das letzte plenum hab ich verpasst, war damit beschäftigt mich in der restlinken unmöglich zu machen, wie es das plenum davor beschlossen hat.

  17. 17 scheckkartenpunk 23. Januar 2008 um 2:58 Uhr

    @diffi: das war auch besser so – die restlinke war nur damit beschäftigt sich selbst unmöglich zu machen :D

    wieviele restlinke(n) gibt es eigentlich? schliesslich gehört wendy nicht zu den in der restlinken unmöglichen ADs, aber spricht auch irgendwie extern von „restlinker“?

    @MPunkt: das ist wohl die Schizophrenie der Gewerkschaft, da sie Praxisbindung sucht (und braucht – ohne innerhalb der Verhältnisse verankert zu sein würde ja die Legitimation gegenüber ihren Mitgliedern obsolet werden, die aus Eigeninteresse zeitnahe Verbesserungen ihrer Situation wollen, ohne auf Veränderung des falschen Ganzen warten zu wollen). Diese (also Gewerkschaften) eignen sich nur zum „rumdoktern“ an den bestehenden Verhältnissen. Mehr sollte da auch nicht erwartet werden.

  18. 18 scheckkartenpunk 23. Januar 2008 um 3:10 Uhr

    @Klassensprecher: vlt. auch mal alles lesen und nicht nur einen satz rausreißen, weil eine beleidigung darauf wartet endlich in die tastatur gehauen zu werden.

    zumal du nicht in der lage zu sein scheinst, die aussage zu verstehen.

  19. 19 MPunkt 25. Januar 2008 um 10:41 Uhr

    @ skp: Schizophren ist das doch nicht bei Gewerkschaften, weil die doch ganz explizite Fans des Lohns sind. Weil die Proleten sich den zum Mittel machen müssen, stellen die sich auf den idealistischen Standpunkt, dass der dann eigentlich auch als Mittel für sie zu taugen hätte. Und dieses Ideal wollen sie verwirklichen, ohne sich in diesem darin irritieren zu lassen, dass sie dafür immer wieder gegen den Zahler des Lohns kämpfen müssen. Insofern stimmt es auch nicht, dass die das nur machen würden, um Mitglieder zu gewinnen und zu behalten, sondern das folgt eben aus deren Bestimmung des Lohns.

    Schizophren wird das erst, wenn man wie die FAU sowohl Gewerkschaft, als auch revolutionäre Organisation sein will. Und zwar nicht nur in der Theorie (Lohnideal verwirklichen vs. Lohnarbeit kritisieren), sondern, da ist Dir zuzustimmen, auch in der Praxis. Wenn man nämlich endlich eine echte Gewerkschaft werden will, da muss man sich eben an jeden Kampf anbiedern, um bei diesem vielleicht zu zeigen, dass man den erfolgreicher führen kann als der DGB, weshalb man den nicht mehr inhaltlich kritisieren kann. Um sich dennoch als „emanzipatorisch“, „revolutionär“ und dergleichen fühlen zu können, wird sich diese Praxis dann damit schön gelogen, dass die Kämpfe ja automatisch zu einem anarchistischen Bewusstsein führen würden … wegen „Selbstorganisation“ und so. Als wäre es nicht völlig offen, welche Gedanken sich die Leute zu ihren Kämpfen machen.

    ***

    @ Wendy: Praktikanten und so können schon streiken, also die Reichtumsproduktion verweigern. Das wird auch nicht dadurch durchgestrichen, dass sie dabei sofort mit Problemen konfrontiert wären: evtl. legen sie sich dabei mit dem Gewaltmonopolisten an, deren Zweck ihres Praktikums, darüber in bezahlte Arbeit zu kommen, wird geschädigt, es ist fraglich, ob sie bezahlt überhaupt ein Praktikum bekommen, dass ihr Praktikumsbetrieb pleite gehen könnte, müssen sie in Forderungen und Mitteln berücksichtigen, damit sie das Praktikum überhaupt haben etc. pp. Nur ist das eben eine Frage der Abwägung, ob man das in Kauf nimmt, oder weiter auch noch unbezahlt zu schuften. Im übrigen besteht auch darin gar kein qualitativer Unterschied zu „Normalarbeitern“ und deren Gewerkschaftelei, s. z.B. diese Diskussion:
    http://neoprene.blogsport.de/2007/11/16/fuer-oder-wider-gewerkschaftsarbeit-eine-falsche-frage/#comments

  20. 20 Krim 30. Januar 2008 um 17:08 Uhr

    „es ist fraglich, ob sie bezahlt überhaupt ein Praktikum bekommen, dass ihr Praktikumsbetrieb Pleite gehen könnte, müssen sie in Forderungen und Mitteln berücksichtigen, damit sie das Praktikum überhaupt haben. etc. pp. Nur ist das eben eine Frage der Abwägung, ob man das in Kauf nimmt, oder weiter auch noch unbezahlt zu schuften.“

    Ich finde nicht, dass es da was abzuwägen gibt. Da muss man doch jedem raten es nicht mit sich machen zu lassen auch noch unbezahlt zu arbeiten. Sowas setzt sich nämlich gesellschaftlich durch und dann ist es so, dass nichts bezahlt wird und nichts bezahlt werden kann auf der Grundlage, dass die Praktikanten das mit sich machen lassen. Das kriegen doch die Auftraggeber der Praktikumsbetriebe auch mit, dass da eine Menge Arbeit, die nach wie vor für das Produkt nötig ist, umsonst zu haben ist und dann nützen sie eben die Konkurrenz der Praktikumsbetriebe aus und siehe da, die unterbieten sich weiter, weil sie es auf Grund unbezahlter Arbeit können. Da kann man als Kommunist doch nicht einfach die Position des Einzelnen einnhemen, der abwägt wegen der Hoffnung auf bezahlte Arbeit unbezahlte anzunehmen. Da rat ich denen natürlich aus eigenem Interesse sich in einer Gewerkschaft zu organisieren und sich keine unbezahlten Jobs, Niedriglöhne, Lohndrückerei gefallen zu lassen. Da brauch ich doch kein Fan von Lohnarbeit zu sein, um den Leuten zu raten, dass tun sollen was nötig ist, damit sie nicht gar so schlecht dran sind.

    Daneben sind doch bloß die moralischen Argumente, von wegen Verrat und so. Da steht aber auch folgendes: „Jedes Mal, wenn wir dies selbstverständlich in Kauf nehmen, schaden wir nicht nur uns selbst, wir schwächen die Position aller Lohnabhängigen. Derartige Arbeitsverhältnisse werden dadurch zunehmend standardisiert.“ Das Argumnet ist absolut richtig.

    Völlig daneben auch Wendy’s empörte Klugscheiserei. „Welche_r Arbeitergeber_in stellt denn bitte schön bezahlte Praktikant_innen ein?“ Als sei es unsittlich Praktikanten zu bezahlen und als würden die nicht arbeiten. Was ist daran denn bitte zum Lachen?

  21. 21 MPunkt 30. Januar 2008 um 22:42 Uhr

    1.) „Als Kommunist“ (lassen wir das mal beiseite, dass etwas „als“ jemand zu sagen ohnehin nur ein moralischer Titel ist), kannst Du doch nur die Leute für den Kommunismus agitieren, also in dem Fall ihnen erklären, warum sie ständig vor so beschissenen Alternativen stehen. Damit ist ihnen aber nicht bei der Entscheidung zwischen diesen, die sie ja treffen müssen, geholfen. Anders herum kannst Du Ihnen zwar Ratschläge geben, welche Alternative Dir weniger schlecht vorkommt, oder meinetwegen auch, welche einer Klassenperspektive oder dergleichen eher entspräche, aber das hat dann eben nix mit kommunistischer Kritik zu tun. Oder mit Deinen Worten gesagt: das macht man dann halt nicht „als Kommunist“.

    2.) Moralisch wird die richtige Bestimmung, dass die Bereitschaft, kostenlos zu arbeiten, zur Lohndrückerei genutzt wird, bei der FAU doch deshalb, weil den Leuten vorgeworfen wird, ihre individuellen Berechnungen, darüber an eine bezahlte Arbeit zu kommen, glatt über das allgemeine Interesse der Arbeiterklasse stellen. Soweit bist Du mit Deinem „Da kann man als Kommunist doch nicht einfach die Position des Einzelnen einnehmen […]“ (macht man ja auch nicht, s. 1.) davon auch nicht entfernt. Worin der FAU und Dir freilich zuzustimmen ist, dass man, da man Teil der Klasse ist, von deren kollektiver Schädigung mindestens potentiell auch wieder individuell betroffen ist. Das muss man dann eben als Faktor in seine beschissenen Kalkulationen, in denen es gezwungener Maßen ums Klarkommen in dem Laden hier und nicht um dessen Kritik geht, mit einbeziehen.

    3.) Wendys Fehler ist hier übrigens nicht Moral, sondern das Erfolgsargument. Er macht sich über die Kampagne lustig, weil er ihr unterstellt, dass diese keinerlei Erfolg haben könne. Dass das sachlich nicht stimmt, hat ja den gesamten ersten Teil der Diskussion dominiert. Methodisch könnte man noch anmerken, dass damit kein einziger Punkt der FAU widerlegt ist, wenn man ihr vorwirft, diese nicht erfolgreich umsetzen zu können, eben weil „Erfolg“ gar nicht auf den Inhalt dessen eingeht, was da Erfolg haben soll.

  22. 22 Krim 31. Januar 2008 um 1:42 Uhr

    zu 1. 3. Dass man Lohnabhängigen erklärt, dass sie ständig vor schlechte Alternativen gestellt werden, finde ich auch richtig. Verkehrt finde ich es nur, wenn man polemisch wird gegen das Interesse sich von der Kapitalseite ein höheres Auskommen zu erkämpfen. Man kann zwar hinterher erklären, warum es vielleicht nicht geklappt hat und dass Lohnarbeit kein Lebensmittel ist, aber man tritt doch nicht mit dem Gestus auf „Klappt eh nicht“ – „Wie kann man nur so blöd sein zu glauben Unternehmer würden für Praktikanten zahlen“. Sowas finde ich zynisch. Sachlich ist das deshalb blöd, weil der Lohnarbeiterklasse der Klassenkampf eh aufgezwungen wird und sie ihn führen muss, wenn sie überleben will. Auch wenn ich als Kommunist ihren Kampf nicht führen will, kann ich ihnen trotzdem sagen, dass sie, ohne dass sich sich zusammentun und als Klasse gegen das Kapital kämpfen keine Chance haben. Natürlich bin ich dafür, dass sie sich zusammenschließen und der Gegenseite abtrotzen, was geht. Kann ja sein, dass das vom kommunistischen Standpunkt aus nix bringt, sprich dass nicht mehr Leute Kommunisten werden.

    zu 2. In diesem Fall finde ich, dass der Nutzen (die Hoffnung auf einen bezahlten Arbeitsplatz) in keinem Verhältnis zum Schaden steht.

  23. 23 MPunkt 01. Februar 2008 um 21:51 Uhr

    zu 2.) Ist das von der individuellen Kalkulation her doch gar nicht so eindeutig. Das fängt doch schon damit an, dass zum Studium meistens mindestens ein Pflichtpraktikum gehört und die Tendenz dahin geht, Pflichtpraktika auszuweiten. Also ist man, wenn man den Abschluss und darüber den Zugang für die Konkurrenz um die Jobs der Elite will, unbedingt auf einen Praktikumsplatz angewiesen und ist dafür auch mal zur kostenlosen Arbeit bereit (besonders falls im Hintergrund ohnehin Bafög oder die Unterstützung durch die Eltern laufen). Naja und ob dieser Nichtzugang um die Konkurrenz der Jobs der Elite nicht ein individuell größerer Schaden ist, als eine weitere Lohndrückung für die Arbeiterklasse, lässt sich zumindest so nicht sicher sagen (hängt z.B. auch vom Erfolg in dieser Konkurrenz ab …)

    Zum Rest: Das Ding ist doch, dass die Gewerkschaften (objektiv selbst die FAU nicht [mehr], auch wenn sie noch ein wenig den Mythos dessen pflegt) gar nicht so drauf sind, dass sie Gegner der Lohnarbeit wären, aber solange sie diese nicht loswerden können, eben versuchen (müssen), das Beste draus zu machen – und das schon deshalb weil den Arbeitern, wie Du richtig sagst, der Kampf von der Gegenseite ohnehin aufgemacht wird. Nein, das sind doch Idealisten eines gerechten Lohns. Und klar ist man dagegen polemisch, weil das die Affirmation der Schädigung ist.

    Die Widersprüche, die aus der Gewerkschaftelei folgen und die konsequenter Weise darin enden, zur „Arbeitsplatzsicherung“ das Lohninteresse gleich ganz durchzustreichen und somit dem Kapital noch mehr Gewinne zu ermöglichen, mit denen es dann modernisieren und Arbeitsplätze abbauen kann, zähle ich jetzt nicht noch mal auf, vermutlich kennst Du die ohnehin längst.

  24. 24 Krim 09. Februar 2008 um 2:00 Uhr

    Wenn das so ist, dass man ein Praktikum machen muss, um in einem Job arbeiten zu können, solange ist man natürlich erpressbar. Das kommt aber auf das Fach und den individuellen Fall an. Die Rede ist doch hier aber davon, dass die Tendenz dahin geht, die Angst der Berufsanfänger keinen Job zu kriegen auszunutzen und sie umsonst arbeiten zu lassen für die vage Hoffnung auf einen richtigen Job. Die vage Hoffnung auf einen Job ist halt kein Lohn für den man seine Arbeitskraft wegschenken sollte.

    [i]“Naja und ob dieser Nichtzugang um die Konkurrenz der Jobs der Elite nicht ein individuell größerer Schaden ist,“[/i] Wieso denn Nichtzugang? Es ist doch überhaupt nicht ausgemacht, dass aus der Weigerung seine Arbeit zu verschenken, die ja immernoch reproduzieren muss, ein Nichtzugang zum Beruf folgt. (Job der Elite, das war einmal. Ein elitemäßiges Einkommen gelingt heute doch nur noch den allerwenigsten. Ein Studium ist doch heutzutage fast nichts mehr wert.) Das ist doch genausowenig ausgemacht, wie sich die Hoffnung auf einen Arbeitsplatz nach dem Verschenken der eigenen Arbeitskraft erfüllt.

    [i]“Nein, das sind doch Idealisten eines gerechten Lohns. Und klar ist man dagegen polemisch, weil das die Affirmation der Schädigung ist.“[/i] Es ist mir vollkommen unverständlich, wie du Wendys dämliche Häme (sinngemäß: „Wie kann man bloß so blöd sein zu glauben, Unternehmer würden für Praktikantenarbeit auch noch was zahlen.“) als Polemik gegen gerechten Lohn schönreden kannst. Das ist eine völlig inhaltslose Verspottung des Klassenstandpunkts der Arbeiter gegen das Kapital (den sie führen m ü s s e n, bloß um zu überleben) So was ist schäbig. Wenn ein Unternehmer so einen Spruch bringt, find ich das schon zum Kotzen. Aber von diesem Gesocks erwarte ich auch nichts anderes. Für einen Linken oder Kommunisten ist das jedoch so ziemlich das hinterletzte, was man so von sich geben kann. Und du verteidigst das auch noch mit dem Argument es sei Polemik gegen gerechten Lohn.

    Nichts dagegen, dass man die falschen Übergänge der Klassenkämpfe kritisiert z.B. Gerechter Lohn oder das Antizipieren des Standpunkts der Gegenseite. Aber man kritisiert doch nicht den Klassenkampf. Man kritisiert, dass die Arbeiter ihn nicht endgültig siegreich für sich entscheiden wollen. Man kritisiert nicht, dass er geführt wird, sondern dass er zu wenig geführt wird auf Seiten der Arbeiter.

  1. 1 MPunkt Trackback am 25. Januar 2008 um 11:52 Uhr
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