Rausch und Revolution… und mal fünfe grade sein lassen.

Rockstar hatte ich ja angekündigt, den Arranca!-Artikel zu suchen, der recht ansehnlich versucht hat, zu erklären, warum der gepflegte Schweinesuff auch einen emanzipatorischen Moment hat, nämlich den, dass die Zeit, die eigentlich für die Reproduktion des Körpers für die Lohnarbeit gebraucht wird, für die Reproduktion nach der Party in Anspruch genommen wird. Da frag ich mich zwar, warum ich das denn eigentlich immer Samstags und Sonntags mache und nicht etwa einfach mal Montags… Vielleicht weil ich dann doch immer fit sein muss, für den nächsten Arbeits-, Schul- oder Uni-Tag?
Langer Rede kurzer Sinn: Den Artikel habe ich nicht gefunden, aber festgestellt, dass die aktuelle Arranca! sich sowieso mit der Drogenthematik auseinandersetzt1, was beim Überfliegen recht lesenswert aussah. Außerdem habe ich noch einen älteren Artikel gefunden, der einige alte Wahrheiten zum Thema „Linke und Parties“ zu Papier bringt, die ich euch nicht vorenthalten will. Die Reflektionen des Artikels gehen von Überlegungen über die Anfänge der Frankfurter Nachttanzdemos aus.

[…]“Party ist halt Party … ist halt …“

In den meisten linksradikalen Szeneheften, die das Thema Party und Politik berühren, findet sich kaum mehr als der Hinweis, daß die bürgerliche Trennung von Spaß und Politik abzulehnen sei. Die genauere Bestimmung oder gar Überwindung des behaupteten Mangels bleibt hingegen offen. Party ist nach dieser Vorstellung kein Widerspruch zur ernsten Politik, wenn die Vermittlung der politischen Inhalte und Forderungen über Flugblätter, Transparente oder Redebeiträge gewährleistet ist. Dabei wird das, was auf „kultur-linken“ Partys geschieht gar nicht mehr wahrgenommen, wie und mit welchem Hintergrund sich Leute dort bewegen als unpolitisch abgetan. Diese Analyse mündet dann in der Aussage: „Spaß und Party darf man ja haben, aber man soll´s nicht politisch nennen“. Mit diesem tunnelartigen Politikbegriff wird die Partywelt durchgerastert und nach Merkmalen abgesucht, die das Event zum Politikum machen könnten.

Spaß ist alles andere als voraussetzungslos: seine Koordinaten in Raum und Zeit, sozialen Kontakten und konsumierten Inhalten sind in dieser Gesellschaft genauso Normierungen unterworfen wie andere soziale Phänomene auch. Die Party muß also zahlreiche Bedingungen erfüllen, damit die Sache für die involvierten Individuen lustig werden kann. Der Spaß ist so progressiv wie das, was in ihm zum Ausdruck kommt. Das hört sich banal an, stiftet aber dadurch Verwirrung, daß Spaßhaben subjektiv als befreiend erlebt wird. Jenseits aller Inhalte – gerade in seiner Allgemeinheit – steht der Spaß für die Verwirklichung der eigenen Bedürfnisse. Die Redensart „fünf mal gerade sein zu lassen“, fordert dazu auf, den Alltag „beiseitezuschieben“, Widersprüche und Probleme zu „vergessen“ und ganz spontan mal „nur Du Selbst zu sein“. So sieht das vorherrschende Verständnis von Spaß aus.

Leider macht der Artikel den Fehler von der richtigen Feststellung, dass Spaß und Lust als Selbstverwirklichung und Selbstzweck in der jetzigen Gesellschaft nicht möglich sind, zur Forderung überzugehen, die Trennung zwischen Privatem und Politischem wieder aufzuheben. Was das eine mit dem anderen zu tun haben soll und warum ich mir einen schönen Rave mit Transpis, Macker_innen und Redebeiträgen versauen lassen soll, wenn ich doch zur Abwechslung nur eines will, nämlich feiern und eine irgendwie befreite Subjektivität (hab ich es jetzt richtig verwendet…) spüren will.
Um vier Uhr morgens wird nicht gekämpft und wenn ich mich zu treibenden Elektro-Beats bewege, dann will ich dabei schon garnicht „meine Ketten spüren“… „Tonfas an den Turntables“, nein danke…
Der Zweck von Spaß ist meiner Meinung nach Spaß haben, so banal es auch klingt, aber auch die Arranca!-Schreiber_innen wollen – wegen dem Fakt, dass mensch für eine Gesellschaft, die sich dem Primat der Bedürfnisbefriedigung unterwirft, kämpfen muss? – da mehr reininterpretieren. Schade.
Am Ende treffen sie sich noch mit den Kolleg_innen vom Gegenstandpunkt und wettern über Drogen, die eine falsche Herstellung von Glückszuständen im falschen Ganzen bewerkstelligen und die Menschen vom Kampf gegen selbiges abhalten, da sie sich zwecks bunter Pillen auch wunderbar einrichten könnten…

  1. Hab den Artikel noch nicht gelesen! [zurück]

1 Antwort auf “Rausch und Revolution… und mal fünfe grade sein lassen.”


  1. 1 Keta Minelli 20. Mai 2008 um 18:03 Uhr

    „I like the 3 evil kings – drin-king, smo-king and fuc-king.“ (Aleister Crowley)

    Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Aber zum Glück habe ich mit Drogen auch nichts zu tun.

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