Nationale Großveranstaltungen – zur EM.

Es gibt nationale Veranstaltungen, die die Parteilichkeit für die Nation als Genussmittel fürs Privatleben aufbereiten. Olympische Spiele, Europameisterschaften sind dafür Beispiele. Welche Sorte Nationalismus wird hier zum privaten Genussmittel gemacht? Warum gibt es so etwas wie die Olympischen Spiele? Wer ist ihr wirklicher Veranstalter? Klar ist, es ist das Olympische Komitee, der Staat, der den Zuschlag bekommt, aber wer ist das wirkliche Subjekt eines solchen Großereignisses? Am Beispiel der Tour de France im letzten Jahr haben wir gesehen, dass sie zur Bedeutungslosigkeit verurteilt worden ist, weil sich das Fernsehen davon zurückgezogen hat.
Das veranstaltende Subjekt dieses Großereignisses ist die Öffentlichkeit. Bequemerweise können wir uns auf das Staatspapier, §10, berufen. Hier hat die ‘4. Gewalt’ eine eigene Funktion: das ganze Volk wird mit einem Sportereignis unterhalten. Der Veranstalter dieser Volksbelustigung – dass eine daraus wird, ist nicht der Staat und auch nicht der Privatmensch, der sich vor den Fernseher setzt – transportiert das ganze Geschehen, zu dem man naiv Sportereignis sagen möchte, in die private Sphäre der Unterhaltung. Was ereignet sich, wenn sich Sport ereignet? Sport, von der Öffentlichkeit für den Konsumenten aufbereitet, ist in unseren Beispielen offensichtlich ein Wettbewerb der Nationen. Die Öffentlichkeit bemüht sich, klar zu machen, von dieser Sorte Konkurrenz hinge mehr ab als von Exportziffern. Es soll ein Gegenstand des Genusses sein, den der Einzelne, zufrieden mit den Fortschritten im Medaillenspiegel oder mit dem Erreichen der nächsten Spielrunde, in seine Privatsphäre einbaut, ergriffen von der Hymne, die einen bei der Siegerehrung zum Weinen bringt. Es findet ein Zusammenschluss des Individuums mit seiner Volksgemeinschaft statt. Sport ist hier die Luxusabteilung des nationalen Lebens, die es sich leistet, lauter Helden, Recken und trainierte Menschen zu solch einem Wettbewerb zu schicken und diese als Repräsentanten der nationalen Tüchtigkeit in einer Sphäre auftreten zu lassen, in der es nicht um die harten Fragen der internationalen Durchsetzungsfähigkeit geht, in der aber lauter Symbole für Leistungsfähigkeit zelebriert werden. Diesen Stoff präsentiert die Öffentlichkeit zur Unterhaltung. Eine ganze Nation richtet sich darin in ihrem Feierabend ein. […]

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4 Antworten auf “Nationale Großveranstaltungen – zur EM.”


  1. 1 mr. yellow-finger 11. Juni 2008 um 16:46 Uhr

    na denn ma en dankeschön für die sucharbeit und information!

  2. 2 Garrincha 11. Juni 2008 um 21:26 Uhr

    Veranstaltung von Jimmy Boyle am Mittwoch, 18.06.08, 18.00 Uhr in Berlin: Zur Europameisterschaft des Nationalismus

  1. 1 ascetonym.blogsport.de Trackback am 11. Juni 2008 um 20:21 Uhr
  2. 2 Gruppe ISKRA - Mit Deutschland gegen die Deutschen « Reiten, lesen, Freund_innen treffen Pingback am 17. Juni 2008 um 18:23 Uhr
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