1up.

One Up!
Ich beglückwünsche mich selbst, andere dürfen gerne mitmachen: Es gibt meinen Blog nun genau ein Jahr. Am 25.06.2007 startete ich mit einem Beitrag über einen bekannten Berliner Straßenzeitungsverkäufer, der ungewohnte Seiten seiner Persönlichkeit offenbarte, in die Blogosphäre.
Danach folgte viel und ich kann mit Genugtuung feststellen, dass, rückblickend gesehen, kein Beitrag Schamgefühle bei mir auslöst. Dem Kommunikationsmittel entsprechend bloggte ich kleine, interessante Meldungen, diskutierte und „disste“ recht viel, meist andere Blogger_innen und Polit-Gruppen aus dem rechten, gesinnungs- bzw. linksdeutschem Lager, was angesichts der desaströsen Verfasstheit der politischen Linken hierzulande nicht verwunderlich ist. Selbstkritisch muss ich feststellen, dass der sog. „Diss“, also die stark polemische Kritik eigentlich das falsche Mittel ist, um eine Einsicht zu erzeugen. Nun gut, manchmal handelt es sich bei den Adressat_innen der Kritik tatsächlich um „Feinde, die geschlagen werden müssen“, der Zweck der Bloßstellung ist also kein verkehrter, andererseits leidet die Präsentation der Argumente doch oft in der wütend dahingeklatschten Polemik. Sei es drum, in der Zukunft wird mich wahrscheinlich weiterhin desöfteren die Wut packen. Ab und an wird mir bestimmt trotzdem ein sachlicherer, kritisierender Text aus der Feder fließen.

Nun will ich einen kleinen Rückblick wagen, denn ich finde, dass sich an meinem Blog bestimmte Entwicklungsprozesse meiner politischen Ansichten und meiner politischen Identität recht gut ablesen lassen.

Als ich mit dem Bloggen anfing, war ich stark durch eine Rezeption traditionell antiimperialistischer, marxistisch-leninistischer Positionen geprägt. Das lässt sich nicht an den Blogbeiträgen der ersten Monate ablesen, es stimmt aber. Vielen sollte es eh nicht schwerfallen, mir das zu glauben… Wie ich gerade sehe, habe ich mir tatsächlich ziemlich viel Zeit gelassen, bis ich zu den altbekannten Konfliktthemen Stellung bezog1 Die ersten Schritte im egozentrischen Battle-Geschäft waren getan und ich kriegte mit, dass Beef die Referer-Zahlen hochtrieb. Immer, wenn diese abbauten, machte ich mich daran – wenn auch oft recht lustlos – mal wieder jemand bloßzustellen oder fertigzumachen. Opfer waren meist Blogger_innen, die sich wie oben beschrieben auf der politischen Landkarte verorten ließen. Anfangs schien in meiner Argumentation oft noch das ebenfalls beschriebene oldschoolige Antiimptum durch, recht schnell lässt sich jedoch ein Umschwung feststellen: Erst gerierte sich die Entwicklung meiner Kritik noch als unverbindlicher Flirt, bald als anerkennendes Groupietum und irgendwann wurden auch erste, tiefere Rezeptionen und Einsichten in die Positionen einer bestimmten politischen Strömung deutlich: Nachdem ich von tenpounds in den X-Berg-Chat eingeladen wurde, krachten meine Positionen bald mit denen der Anhänger_innen der Gehirnschneckenpartei zusammen. Meine politische Identität überlebte den Zusammenprall nicht und verstarb nach einem mittellangem Aufenthalt im Trotzreaktion-County-Hospital. Für die verbleibenden Teile meiner Persönlichkeit war es sehr schwer, sich zurechtzufinden, ohne auf eine politische Positionierung, ein Weltbild verweisen zu können. Mir fiel nur an allen Ecken und Enden auf, dass so ziemlich alles, worauf ich mich berief, schlicht falsch war, wenn ich es im Lichte meines „eigentlichen“ Zieles, der kommunistischen Weltrevolution besah… Oft lernte ich auch einiges aus Diskussionen, die unter meinen Blogbeiträgen stattfanden. Die trotzigen Abwehrkämpfe, die ich ausfocht, waren hart und kraftraubend, letztendlich folgte die Einsicht, dass ich noch viel zu lernen hatte und habe. Auf meinen ersten richtigen Header, auf dem drei, cool dreinblickende Obdachlose, mein Name und die Forderung „K. muss her!“, die ich von angeschiss2 übernahm, in Frakturschrift abgebildet waren, folgte ein depressiver Header. Ein verblichenes Foto eines im ersten Weltkrieg vollständig zerstörten Dorfes. Der gemäßigten Misanthrophie und dem Zynismus habe ich nicht abgeschworen, andererseits war es nach einigen Lernprozessen auch mal wieder Zeit für einen cooleren Header. Jenen könnt ihr zur Zeit auf dem Blog bestaunen. So schnell wird sich in diesem Laden nichts ändern, diese „Erkenntnis“ festigt sich umso mehr, je mehr ich mich mit der Linken hier im Land beschäftige. Kein Grund zum Jubeln, sicherlich, aber andererseits habe ich so einige Zeit, mich mit Kapitalismus- und Staatskritik auseinanderzusetzen und trotzdem lasterweise Spaß zu haben. Wenn einem alles egal ist… ;)

Zwischendurch verließ mich natürlich auch ab und an mal die Lust zu Bloggen, irgendwie machte ich immer weiter, oft veröffentlichte ich erstmal einen Artikel aus der Tageszeitung „junge Welt“ um wieder in Schwung zu kommen.

Ganz uninteressant können meine Ergüsse jedenfalls nicht gewesen sein, so landete ich mindestens drei mal in der – übrigens erst während meiner Blog-Zeit eingeführten – Blogsport-TopTen. Einmal verhalf mir ein Verweis auf die sehr interessante (!) Diskussion zum zweiten Weltkrieg und der Bombardierung von Dresden unter einem Indymedia-Artikel dazu,ein anderes Mal eine coole Positionierung zur Jubelparade 3 zum achten Mai in die heiligen Hallen Blogsports.

Anekdotenhaftes:

Difficultiseasy verlinkte mich, bevor ich ihn verlinkte (Der IDF-Button auf der Seite ließ mich zögern), ich entfernte die Verlinkung jedoch aus Zorn über einen rassistischen Beitrags Diffis, danach fiel auch seine Verlinkung.

Aus ehrsüchtigen Gründen wird mein Blog immer noch nicht auf den Planet-X-Berg gefeedet.

Kuba ist der bewaffnete Versuch der Kubaner_innen den Kommunismus lebend zu erreichen.

Der Klatschmohn-Diss damals war dumm. Entschuldigung!

Die „Sympath_innen“-Liste ist top!

Für Immer Punk – Goldene Zitronen

P.S.: Deutche Zustände angreifen!

P.P.S.: Schauts a moi in die Musi-Kategorie hinei´, des is a Mordspaß!

P.P.P.S.: Hat jetzt endlich wer Lust auf n Bad-Taste-Battle? Ich finde, diese Idee sollte wieder aufgegriffen werden!

  1. Wenigstens hatte ich damals diesen Duktus schon abgelegt und war hauptsächlich auf Provokation aus, als ich diesen Beitragstitel wählte. Andererseits stehe ich irgendwie immer noch hinter dem geschriebenen. [zurück]
  2. Rest In Peace, weiter gehts hier [zurück]
  3. oder Auschwitz-Rave wie subwave (?) es ausdrückte [zurück]

26 Antworten auf “1up.”


  1. 1 Keta Minelli 25. Juni 2008 um 12:40 Uhr

    Aus der Sympath_innen-Liste sind wir ja wieder raus, aber was heißt denn eigentlich dieses Sternchen hinter manchen Blogs? Und wo wir gerade dabei sind: Man sollte die therapeutische Wirkung des Bloggens (gerade bei der Kurierung politischer Irrwege) nicht unterschätzen. Von daher: Bitte weitermachen!

  2. 2 Wendy 25. Juni 2008 um 13:04 Uhr

    Hö, „Irrwege“? Naja, der Blog ist halt weniger sympathisch als du, somit ist das erklärt.

    Unter „Anekdotenhaftes“ stand in der ersten Version noch „Ich stehe nicht auf der schwarzen Liste des Keta Minelli.“ stehen.

  3. 3 anti-fu 25. Juni 2008 um 14:13 Uhr

    Herzlichen Glückwunsch zum blogbirthday.
    Heute ist allerdings auch Anti-Fußball-Hupday, daher bitte auf den Link klicken, da gehts nach Anti-Fußballhupen-City!

  4. 4 rockstar 25. Juni 2008 um 14:22 Uhr

    …ich bin ja auch nicht mehr in der sympath_innen-liste. naja.
    geb ich dir eben keine mate zum geburtstag aus… ;)

  5. 5 Wendy 25. Juni 2008 um 14:27 Uhr

    Den ersten Beitrag fand´ ich gut, dann kam so viel uninteressantes Abi-Zeugs. Mit dem Beitrag zum Nationalismus warst du wieder auf nem ganz guten Weg. Wennde weiter so machst, biste auch bald wieder drin.

    P.S.: Diss-Beiträge mir überlassen!

  6. 6 rockstar 25. Juni 2008 um 14:28 Uhr

    http://de.wikipedia.org/wiki/Misanthropie#Philosophie
    Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer gilt als Vertreter eines misanthropischen Menschenbildes. Er glaubte, die menschliche Existenz müsse „eine Art Fehler“ sein.

    So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. (Die Stachelschweine)

  7. 7 lipstick.Israel 25. Juni 2008 um 15:07 Uhr

    herzlichen glückwunsch blog‘n'wendy!
    bad taste battle hört sich super an, aber als ich das eine lied von 2007 auf deinem blog gehört habe, hab ich gemerkt, dass ich keine chance habe….

  8. 8 Wendy 25. Juni 2008 um 15:11 Uhr

    Versuchen kannste es ja mal… Jede_r, der/die mitmacht, ist ein Puzzlestück im richtigen Ganzen!
    Danke schön.

  9. 9 machnow 25. Juni 2008 um 18:40 Uhr

    auf das jahr spendier ich dir doch glatt ’nen vodka! na dann prost! auf dich! und die revolution!
    На Здоровье!

  10. 10 kaputt 25. Juni 2008 um 19:28 Uhr

    das ich nicht in der sympath_innen liste bin ist ja wohl immernoch ne glatte unverschämheit. ansosnten landest du bestimtm auch noch bei anderen sekten, ich werds auf jeden fall mit interesse weiter verfolgen.

  11. 11 ganz 25. Juni 2008 um 19:36 Uhr

    „sekten“

    *gähn* (kaputt)

  12. 12 Difficult is Easy 25. Juni 2008 um 20:56 Uhr

    @wendy:
    rassistisch? haha. ein späßchen über ml-antiimperialistische rezeption des nahostkonflikts wohl eher. jetzt is der inkriminierte artikel ja „korrekt“ verfasst;)
    prost.
    (ich setze auf ein endspiel türkei-russland.)

  13. 13 machnow 25. Juni 2008 um 22:20 Uhr

    mensch, difficult! hätt ich nie gedacht, dass wir mal einer meinung sein werden. aber ich muss leider zugeben, ich glaub auch an ein finale…

    russland – türkei

  14. 14 Difficult is Easy 25. Juni 2008 um 22:42 Uhr

    FICKEN!
    ey, sowas von.

  15. 15 mr. yellow-finger 26. Juni 2008 um 1:34 Uhr

    na der psycho-strip is auf jeden gelungen. ansonsten *bigup* und gnacht.

  16. 16 tee 26. Juni 2008 um 4:00 Uhr

    *kranzniederleg*

  17. 17 Lemaitre 26. Juni 2008 um 15:06 Uhr

    Ich hab das Gefühl, was dir, liebe Wendy, und euch anderen egozentrischen Weltverbesserungstheoretikerblogteens fehlt, regelmäßiger Geschlechtsverkehr und leichte bis mittelschwere Feldarbeit ist. Meine Theorie ist nämlich: Eure verkopften Ideenkonstrukte sind eine Art Zivilisationskrankheit, ein Ergebnis von zuviel Freizeit, Wohlstand und Langeweile. Jeder, der grad mal wieder ne Krise hat, gründet schnell eine neue Untersubantifasplittergruppe, z.B. für den Schutz von Popeln in Uganda oder serbokroatische Strahlenopfer (aber nur, wenn Sie gleichzeitig Systemkritiker sind).
    Ihr seid wie die Emokids, die hier am Bahnhof rumhängen, genauso eitel und egoistisch. Pubertät halt.
    Viel Spaß beim Spielen, ernst nehmen kann euch keiner, vielleicht langts ja wenigstens noch zum Bildleser-Erschrecken

  18. 18 redblog 27. Juni 2008 um 8:17 Uhr

    na glückwunsch! manchmal etwas verwirrt über deine beiträge, meist jedoch erfreut und öfters schön am lachen, besonders über sowas: „Linke Buchtage in Berlin, 04. bis 06. Juli, Eintritt frei. – interessante Veranstaltungen, Bücher klauen und Antideutsche bei der “Jungle Welt”-Veranstaltung begucken (nicht füttern!).“

    weiter so, auf die nächsten jahre …

  19. 19 Lemaitre 27. Juni 2008 um 10:28 Uhr

    soso, zensiert wird hier also auch

    Nicht weinen, Moderationsschleife. Die Schriftleitung

  20. 20 subtext 27. Juni 2008 um 13:00 Uhr

    Happy Burtstag!

  21. 21 roi 27. Juni 2008 um 14:51 Uhr

    Gratulation!

  22. 22 laylah 30. Juni 2008 um 2:39 Uhr

    cheers. feierst du das jetzt ernsthaft? so mit echten menschen? fänd ich lustig.
    diffi, krasse fußball-blamage: wie unmännlich.

  23. 23 Difficult is Easy 30. Juni 2008 um 8:38 Uhr

    @laylah:
    ja, das war echt schlecht. ich glaube mein penis is geschrumpft:(

  24. 24 Wendy 30. Juni 2008 um 13:15 Uhr

    laylah: Nö, aber ich wollte gerade das erste volle Jahr irgendwie würdigen.

  25. 25 mr. yellow-finger 30. Juni 2008 um 15:48 Uhr

    och schad… das wär doch ma en anlass gewesen, allerdings wer brauch zum saufen schon en anlass, na auch egal

  26. 26 Savo Vasic 30. Juni 2008 um 20:04 Uhr

    Man gratuliert. Lese immer wieder gerne mit und fühle mich im Übrigen sehr geehrt als der Verfasser von „K. muss her!“ in die Wendy-Blog-Geschichte eingegangen zu sein.

    Proscht aus den Alpen.

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