Lieber Wachs-Hitler-Attentäter,

seien wir realistisch, ein Held sind Sie nicht. Einer Wachsfigur den Kopf abzureißen, ist so heldenhaft wie Fliegenfangen. Beim Fliegenfangen setzt man sein Leben nicht aufs Spiel. Dennoch sind Sie für mich sympathisch als Attentäter.

Sie leben in Berlin-Kreuzberg („Kreuzberger Nächte sind lang“). Sie waren Polizist, bis Sie auf einer 1.-Mai-Demonstration fühlten, zur anderen Seite zu gehören. Sie kündigten Ihren Polizeidienst und leben seitdem von Hartz IV und 1-Euro-Jobs in der Altenpflege. Sie haben ein Kind aus einer früheren Beziehung – ansonsten haben Sie Ihre Kneipe. Sie sind ein Kreuzberger Berliner, wie man ihn besser nicht beschreiben kann. Sie haben Ihren kleinen Balkon, die kleine Sonne, die auf Sie scheint. Sie sind glücklich, eine neue Beziehung zu haben, entspannt sitzen Sie in Ihrer Kneipe. Ihre Kneipe ist Ihr Zuhause. Sie trinken 2, 3 Bier, die Rede kommt auf Hitler. Nie mehr Krieg, sagen Sie in Ihrer Kneipe. „Ich hau ihm den Kopf ab.“ So oder ähnlich muss es abgelaufen sein.

Die Geschichte des geköpften Hitlers ist keine politische Tat. Sie ist in einer Kneipe geboren.

Es gab 42 historische Attentate auf Adolf Hitler – dieses Attentat ist ein Attentat aus der Kneipe.

Es ist nicht heldenhaft – aber sympathisch.

Herzlichst

Ihr F. J. Wagner


8 Antworten auf “Lieber Wachs-Hitler-Attentäter,”


  1. 1 NARODNIK 08. Juli 2008 um 6:18 Uhr

    Der Franz ist eines Kommunisten unwürdig!

  2. 2 laylah 08. Juli 2008 um 13:55 Uhr

    kneipe vs. politik oder was? bescheuert.

  3. 3 cec 08. Juli 2008 um 14:04 Uhr

    @laylah
    Gegen ein kühles Bier ist nichts einzuwenden, da gebe ich dir recht. Allerdings Herrn Hitler zu attackieren, wo Frau Merkel doch auch dort steht, lässt den Schluss Kneipe vs. Politik zu.

  4. 4 turbo 08. Juli 2008 um 15:15 Uhr

    Ich bin der festen Überzeugung, dass es allein nur der Bild frei stehen sollte, die Kommentare von F.Wagner unkommentiert zu publizieren und wahrlich ist dem hinzuzufügen, dass jede dieser Spracheinheiten, unabhängig der Thematik, zu lesen es wert ist.

    Nicht dependent dazu ist zu verurteilen, die art und weise wie es die bild, so auch andere boulevardmedien, wieder einmal versuchen die politik des pöbels zu diskreditieren. Um dies zu unterlegen, reicht mir der verweis auf den farbbeutel anschlag auf joschka fischer, bei welchem im nachhinein hauptsächlich allein über die sexuelle lebensausrichtung des akteurs referiert wurde, aus.

  5. 5 laylah 08. Juli 2008 um 15:54 Uhr

    cec: wenn jemand also eine politische aktion mit verkehrtem inhalt macht, ist sie nicht politisch, ja?

  6. 6 Savo Vasic 09. Juli 2008 um 9:25 Uhr

    „die politik des pöbels zu diskreditieren.“

    Naja, das stell ich mir dann doch irgendwie anders vor…

  7. 7 sm 17. Juli 2008 um 17:37 Uhr

    An einem wachmann vorbei eine mehrere 100.000€-teure Figur zu zerstören ist absolut mutig.

  8. 8 xtrawurst 21. Juli 2008 um 13:36 Uhr

    tja, leider selten so einen schön schwarzhumoristischen schwachsinn gelesen… eigentlich eine nette idee sowas herbeizukonstruieren, aber dann doch bitte nicht bei einer so niedlichen aber trotzdem aussagekräftigen aktion! merke, von wem wird die dumme figur für wen zur ansicht da ausgestellt? sozusagen also weiter nur pure „volksverblödung“ (ok dummer begriff, menschen-besuchende-abstumpfung könnts vielleicht eher heißen). letztens gab es da doch noch so schicke proteste gegen ein geschichtsrevisionistisches marine und schifffffffahrrrrtsmuseum in hamburg. wo ist da die welle der solidarität in börlin? alle wachsfiguren zu zerschlagen wäre doch vielleicht zu relativierend gewesen (obwohl die merkel? nagut, standen der fischer, der schröder, der struck, schily, stoiber, teufel, kohl, westerwelle, lambsdorf, waigel, schäuble, pope joh. paul II, etc und alle anderen verbrecher auch da?), also schön zu hören und zu lesen, daß es den dämlichen, ekligen, verrückten, menschenverachtenden gröfaz (als figur und symbol) getroffen hat. dem seine nase muß sich doch nun wirklich kein mensch in berlin mehr angucken müssen…ODER? und als holocaustüberlebender würde ich erst recht dagegen protestieren. aber dann fängt der bürgerliche mainstream wieder an sich die fressen zu zerfusseln, über ob mahnmale in welcher form gut oder schlecht sind und ob zb nazisakralbauten abgerissen, umgewidmet oder bestehen bleiben sollen. verfallen oder sprengen oder wohnraum draus machen, (und aus kirchen ebenso aber nicht im direkten unkritischen vergleich) haha. solange sich die systeme in sich, aus sich, über sich, an sich, nicht radikal ändern bleibt jede debatte hinfällig. also weiter bis zur echten revolution in allen und vor allem sozialen bereichen und alle hitlers und ihre marionetten und figürchen sprichwörtlich „geköpft“, basta!
    hasta la victoria, siempre.
    und selbst wenn der plan zur tat aus ner kneipe stammt, warum nicht? ein ort der geselligkeit (der gesellschaft schafft) muss je nach den betreibenden und besuchenden kein schlechter sein…
    sinnlos diese diskussion zu führen, auch, also.
    schluß und aus.
    nazis raus.

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