Affirmative Action.

Zum dritten Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, wird es erfreulicherweise und für mich etwas überraschend gleich zwei Veranstaltungen geben, die sich mit Nationalismus, dem Staat und dem Kapitalismus auseinandersetzen. Dem Aufruf zu Aktionen und zu einem Theorie-Kongress in Berlin vor einigen Wochen folgte heute ein Aufruf, der zu ähnlichem in Hamburg mobilisieren soll. Diesen Aufruf werde ich im folgenden kurz kommentieren. Mir sind da doch sehr viele und vor allem wichtige Fehler aufgefallen. Eventuell beschäftige ich mich auch bald mal mit dem Aufruf zu den Aktivitäten in Berlin. Beim Überfliegen sah er mir jedoch ganz ordentlich aus.

Schon im ersten Absatz scheint durch, dass die Verfasser_innen etwas, aber längst nicht alles von der Funktionsweise des bürgerlichen Staates begriffen haben, kreiden sie ihm doch an nur „bürgerliche Freiheiten und formale Gleichheit“ (Hervorhebungen von mir) garantiert zu haben und dies nur zu dem Zweck „die auf Privateigentum basierende kapitalistische Produktionsweise nach Innen wie auch im internationalen Maßstab durchzusetzen und abzusichern“.
Hier sind offensichtlich Idealist_innen der Freiheit und der Gleichheit unterwegs. Diese beiden Werte sind schließlich die Grundlage für die kapitalistische Produktion. Die Freiheit, diesen oder jenen Vertrag abzuschließen, sein Geld in dieses oder jenes zu investieren, sich ein Haus zu kaufen oder einen Urlaub zu machen, zu reisen, was auch immer, sie passt perfekt und notwendigerweise zur privaten Verfügungsgewalt über den Produktionsmittel, Grund, Boden, Wohnraum und Ressourcen. Dem beliebten Credo „Die Freiheit eines jeden endet dort, wo die des anderen anfängt“ würde noch jeder Kapitalist und jeder Politiker zustimmen. Gerade die Leute, die die Freiheit, mit etwas anstellen zu können, was sie wollen, wirklich nutzen können, zeigen immer wieder, wie weit die Freiheit im Kapitalismus gesetzt ist.
Da kann auch einem offensichtlich darbenden und hungernden etwas vorgegessen werden. Mehr, als höflich nach einem Stück vom Kuchen fragen, ist nämlich nicht erlaubt.
Die Freiheit, sie ist immer bürgerlich: In einer Welt, in der Willensbildung und Willensumsetzung nicht durch die Schranke des Privateigentums getrennt sind, ist die Garantie, dass mensch seinen Willen wirklich verfolgen darf, überflüssig.
Zur Gleichheit: Auch diese ist absolut und gerade deswegen so beschissen. Der Hinweis, sie sei „nur formal“ geht fehl. Jemand anderes als der Staat hat in dieser Gesellschaft ja überhaupt nicht die Macht, eine allumfassende Gleichheit zu setzen und natürlich sind die Leute vor ihm, vor seinem Gesetz gleich. Das ist ja hier der Punkt. Selbst den Idealisten der Gleichheit geht es ja nicht darum, dass alle exakt gleich aussehen, gleich handeln, gleich denken usw.
Die Härte an der Gleichheit ist doch, dass alle gleich behandelt werden und alle auf die gleiche Art der Verfolgung ihrer Interessen verwiesen werden, nämlich auf die Konkurrenz, die Anhäufung von Reichtum. Das da der Großteil der Gesellschaft ganz schön schlecht da steht, da er weder Kapital, noch Produktionsmittel hat, interessiert da gerade nicht. In der Praxis zeigt sich, dass der Großteil der Gesellschaft tatsächlich schlecht mit einer so eingerichteten Gesellschaft fährt.
Gleichheit und Freiheit zu affirmieren und diese einzufordern ist also aus gesellschaftskritischer Sicht großer Blödsinn.

Die Verfasser_innen des Aufrufs schreiben weiter, der bürgerliche Staat wäre innerhalb der Nation entstanden. Einen Satz später allerdings schreiben sie, der bürgerliche Staat hätte die Nation und die Vorraussetzungen für eine nationale Ideologie geschaffen. „Was war denn nun zu erst da?“, fragt mensch sich. Logisch abgeleitet der Staat, schließlich hat er doch die Nation erst erschaffen. Blickt mensch in der Geschichte zurück, lassen sich die verschiedensten Beispiele dafür finden, wie souveräne Staaten größere Gebiete unter ihrer Flagge geeinigt und die Vereinheitlichung der Verwaltung, der Sprache und der Kultur vorrangetrieben haben.
Eigentlich ist das aber nur eine Detailfrage, ist für die Kritik von Staat und Nation doch unwichtig, welches zuerst da war. Wichtig ist, warum ein vernünftig denkender Mensch beides als für ihn schädlich ablehnen sollte.
Ein wenig scheint auch wieder die typische Antifa-“Kritik“ des Nationalismus durch: Die böse, böse Ausgrenzung. Das wichtigste zu diesem Irrtum habe ich bereits hier geschrieben.
Insgesamt bleibt der Textabschnitt, der sich mit der Genese des Nationalismus auseinandersetzt äußerst mangelhaft. Das Nationalismus immer die Affirmationen der eigenen Unterworfenheit unter die staatliche Macht bedeutet, kommt, wenn überhaupt, nur verklauseliert im Satz „Durch diese Homogenisierung wurde Gesellschaft handhabbar.“ herüber. Ausreichend analysiert und erklärt ist dier Prozess damit noch lange nicht. Das globale Phänomen der Volksgemeinschaft und des Klassenfriedens kommen entweder nicht vor, gelten als Selbstzweck oder werden skandalisierend als qualitativ anderes „deutsches Phänomen“ verklärt.
Die Nation wurde auch nicht geschaffen, damit sich mit dem vorliegenden Menschenmaterial besser Krieg führen lässt: Krieg wird geführt, weil sich Staaten gegenseitig die Beute streitig machen und weil sie einander in die Quere kommen.1

„Deutsche Verhältnisse“, damit sind im Aufruf so alltägliche und global wirksame (s.o.) Phänomene wie die Volksgemeinschaft gemeint. Die Hamburger Aktivist_innen sehen sie allerdings als ausschließlich deutsche Erscheinungen, mehr noch als „typisch deutsche“. Ganz besonders schlimm: Der „autoritäre Obrigkeitsstaat“. Der deutsche natürlich. Als ob es in keinem anderen Land der Erde eine militaristische Zurichtung des Volkes, Rassismus und Antisemitismus von staatswegen gegeben hätte…
Der industrielle Massenmord an den eurpäischen Juden, Nazi-Gegnern, Sinti und Roma kommt hier als Produkt „deutscher Verhältnisse“ hervor und so falsch ist das noch nicht einmal. Doch nur weil in anderen Ländern mit vermeintlichen „Volksfeinden“ mitunter rationaler und gezielter umgesprungen wurde, soll dies doch bitte nicht zu einem Lob der dortigen (volksgemeinschaftlichen) Verhältnisse herhalten müssen. Die Armenier_innen im osmanischen Kaiserreich durften auch am eigenen Leib erfahren, wie schrecklich die Auswirkungen sind, wenn ein Staat einen als wirkliche Bedrohung ansieht. Pikant: Auch die deutschen Juden verstanden sich größtenteils als Teil der deutschen Volksgemeinschaft. Als der eliminatorische Antisemitismus gesellschaftlich immer hegemonialer wurde, wurde die (besondere) Vaterlandstreue der Deutschen jüdischen Glaubens von selbigen oft als Schild vor sich hergetragen. Die Nationalsozialisten hatten auch erstmal einiges zu tun, den Ausschluss, der als „volksfremd“ identifzierten, durchzuführen. Ein klarer Hinweis darauf, dass jener vorher noch nicht vollzogen war.

Wirklich blöde wird es jetzt:

In Rostock, Mölln und Hoyerswerda fand die Parole „Wir sind ein Volk“ einen gewaltförmigen Ausdruck. Das offizielle Deutschland folgte dem durch den Mob vorgegebenen Kurs und schaffte 1993 das Asylrecht de facto ab.

„Ein Lob der direkten Demokratie!“ möchte ich am liebsten rufen… Den Herrschaftseliten der BRD musste nun wirklich niemand Rassismus beibringen. Die Änderung des Asylrechts wurde selbstverständlich nicht irgendwelchen antirassistisch gesinnten Politiker_innen vom gewalttätigen Volksmob aufdiktiert. Man war sich nur in einem wichtigen Punkt einig. Grund für die Änderung des Asylrechts war übrigens vor allem, dass die alte Regelungen viel zu viel unbrauchbarem Menschenmaterial den Aufenthalt in der BRD ermöglichte. Gegen brauchbare Fremdvölkische, „die sich zu benehmen wissen“, haben hierzulande die wenigsten etwas einzuwenden…

Weiter wird der deutschen Politik angekreidet, es mit dem Antifaschismus nicht ernst zu meinen. In der Frage sollte mensch sich nicht zu sicher sein.

Der Aufruf endet mit einer beliebigen Aufzählung der negativen Seite „der Gesamtscheiße“, der hinter alle geleistete Analyse im Aufruf zurückfällt:

Gegen Rassismus, Antisemitismus, Kapitalismus und Nation!“. Der Kapitalismus als Grund für die Nation (der „Zwischenschritt“ Staat wird überhaupt nicht erwähnt) und diese als Grund für Rassismus und Antisemitismus? Fehlanzeige.

Ich grüße jetzt noch schnell alle Kämpfer_innen an der unsichtbaren Front. ;)

  1. „Und schließlich bildete er einen Ausgangspunkt für die aggressive Expansionspolitik der Europäer und die Organisation globaler Ausbeutungsverhältnisse.“ [zurück]

42 Antworten auf “Affirmative Action.”


  1. 1 schons 22. August 2008 um 20:56 Uhr
  2. 2 besserscheitern 22. August 2008 um 23:31 Uhr

    Der Text is mir zu lang für jetzt gerade – will nur fix ein Bier vorm Internet ziehen und den ab in den Partymarathon. Doch zurück zum Thema. Ist es nicht doch so, dass Gleichheit formal ist und ist nicht genaus dies auch verdammt gut so?

    Wir erinnern uns ja vllt. noch an Pol Pot und die Brillenträger. Darauf hätte ich nun wirklich gar keinen Bock.

  3. 3 ♥Tekknoatze 23. August 2008 um 1:33 Uhr

    Dein Link geht zum Comment mit dem Berliner Aufruf ;)
    Um noch irgendwas anderes zu sagen ist es mir zu spaet.

    ♥Tekknoatze

  4. 4 ♥Tekknoatze 23. August 2008 um 1:33 Uhr

    Dein Link geht zum Comment mit dem Berliner Aufruf ;)
    Um noch irgendwas anderes zu sagen ist es mir zu spaet.

    ♥Tekknoatze

  5. 5 Wendy 23. August 2008 um 3:48 Uhr

    @besserscheitern: Wenn du nur besoffen auf meinen Blog kommst, müssen wir halt mal zusammen einen saufen! Alles andere wäre unfair… ;)
    Gleichheit ist natürlich formal, was denn auch sonst, aber gerade deshalb so schrecklich, wird doch völlig und notwendig davon abstrahiert, mit welchen Vorraussetzungen ins „Spiel des Lebens“ gestartet wird.

    Für jeden dieser Sätze habe ich zwei bis drei Anläufe gebraucht:- Arbeiter meide den Schnaps!!

  6. 6 besserscheitern 23. August 2008 um 7:21 Uhr

    Ich geh jetzt schlafen!

  7. 7 saltzundessick 23. August 2008 um 11:37 Uhr

    nun, das war sicher nicht der einzige grund fuer die quasi-abschaffung des asylrechts. politiker_innen und herrschaftseliten wurden jedenfalls nicht beim werfen von brandsaetzen auf fluechtlinge beobachtet.

  8. 8 Wendy 23. August 2008 um 11:43 Uhr

    Und nu? Wer will denn ernsthaft behaupten, dass hier in Deutschland „der Mob regiert“ (bzw. diktiert) und nur genügend randaliert werden muss, damit die Politiker_innen was entscheiden.

    Das passte einfach in den Geist der Zeit. Die handgreiflichen Rassist_innen wurden ja auch eher lau bestraft.

  9. 9 Difficult is Easy 23. August 2008 um 13:07 Uhr

    Gruß zurück, Genosse Wendy!

    „Wachsam sein immerzu und das Herz ohne Ruh‘.
    Auch in friedlicher Zeit nie geschont.
    Tschekisten, Beschützer des Friedens der Menschen.
    Soldaten der unsichtbaren Front.“

    Unser Los ist ein grausames und Dankbarkeit erwarten wir auch nicht dafür.
    Auf ein alkoholisches Getränk, Genosse, falls uns der Kampf wieder in den gleichen Schützengraben treibt.

  10. 10 Revolverolution 23. August 2008 um 14:59 Uhr

    Auschwitz setzt du aller Wahrscheinlichkeit auch bald in Anführungszeichen.

  11. 11 Wendy 23. August 2008 um 15:45 Uhr

    Ich finde die religiöse Herleitung bzw. die Verklärung der Judenvernichtung als gottgesannt und unerklärlich seltsam.

    Siehe auch Wikipedia dazu:

    Es bedeutet soviel wie „Unheil“, „Zerstörung“, „große Katastrophe“. In der Bibel (Jes 10,3 EU) bezeichnet es eine von Gott gesandte ausländische Existenzbedrohung des Gottesvolks Israel. Davon ausgehend bezeichnete das Wort im Judentum allgemein für ganze Völker tödliche Bedrohungen und Katastrophen.

    Das Wort in Anführungszeichen zu setzen, ist allerdings tatsächlich unglücklich, da mensch denken könnte, ich würde anzweifeln, dass es den industriellen Massenmord an den europäischen Juden, Nazi-Gegnern und Roma tatsächlich gegeben hat. Ich werd‘ einfach das Wort ersetzen.

  12. 12 doesn't mind 23. August 2008 um 16:31 Uhr

    Insgesamt bleibt der Textabschnitt, der sich mit der Genese des Nationalismus auseinandersetzt äußerst mangelhaft.

    Also ich finde dafür, dass die bei dir im Unterricht so häufig gefehlt haben – eigentlich immer – war es doch ganz gut. Oder zumindest befriedigend.

  13. 13 subtext 23. August 2008 um 17:59 Uhr

    Das Verhältnis der „Genossin“ Wendy zum Sowjetmarxismus scheint mir „äußerst mangelhaft“. Bei aller freundlich unterstellter ironischer Distanz bleibt ein Propagandasong für die Tscheka einfach unlustig.

  14. 14 Wendy 23. August 2008 um 18:12 Uhr

    Das würde ich jetzt auhc sagen…

  15. 15 subtext 23. August 2008 um 19:50 Uhr

    In meinem Beitrag fehlt hinter „Wendy“ das „zum Sowjetmarxismus“. Skandal! Zensur! (Oder habe ich das jetzt vergessen?)

  16. 16 Wendy 23. August 2008 um 20:10 Uhr

    Haste vergessen.

  17. 17 Keta Minelli 23. August 2008 um 23:18 Uhr

    Sag ich doch: Alles Idioten.

  18. 18 narodnik 23. August 2008 um 23:58 Uhr
  19. 19 kaputt 25. August 2008 um 0:18 Uhr

    narodnik hör auf zu schleimen du pausenclown

  20. 20 Wendy 25. August 2008 um 1:09 Uhr

    Don‘t worry narodnik, Wendy is right behind you!

  21. 21 Der Dilettant 25. August 2008 um 18:22 Uhr

    ,,Zur Gleichheit: Auch diese ist absolut und gerade deswegen so beschissen. Der Hinweis, sie sei “nur formal” geht fehl. Jemand anderes als der Staat hat in dieser Gesellschaft ja überhaupt nicht die Macht, eine allumfassende Gleichheit zu setzen und natürlich sind die Leute vor ihm, vor seinem Gesetz gleich. Das ist ja hier der Punkt. Selbst den Idealisten der Gleichheit geht es ja nicht darum, dass alle exakt gleich aussehen, gleich handeln, gleich denken usw.

    Die Härte an der Gleichheit ist doch, dass alle gleich behandelt werden und alle auf die gleiche Art der Verfolgung ihrer Interessen verwiesen werden, nämlich auf die Konkurrenz, die Anhäufung von Reichtum.“

    du unterscheidest nicht zwischen konkreter und abstrakter gleichheit. wie du zwar richtig feststelltst impliziert abstrakte gleicheit konkrete ungleichheit(ich glaub das war adorno), aber gerade um konkrete gleichheit geht es, also das nicht zwei unterschiedlich schnell lernende schüler das gleiche pensum in der gleichen zeit schaffen müssen(abstrakt),sondern dass man ihnen so viel zeit gibt bis sies haben.(zu dem speziellen thema schule hat gsp ja n super audiovortrag).

    ansonsten hast du recht.

  22. 22 Wendy 26. August 2008 um 12:01 Uhr

    Auch nach mehreren Tagen verstehe ich überhaupt nicht, was du mir sagen willst.

  23. 23 crull 27. August 2008 um 20:00 Uhr

    Gruß zurück! :)

  24. 24 Red_Angel 29. August 2008 um 10:37 Uhr

    Bzgl. Freiheit:

    Ich glaube du hast Freiheit nur äußerst dürftig behandelt. Die bürgerliche Freiheit impliziert wesentlich mehr als nur die Vertragsfreiheit. Denn diese war im übrigen auch vor 1789 zumindest in Teilen gegeben. Sie garantiert auch Rechte die auch völlig unabhängig vom persönlichen Besitz an Produktionsmittel sind. Vor allem das gleiche Wahlrecht, das im Gegenteil wie früher kein Zensuswahlrecht ist.

    (Bzgl. der Eigenschaften des Parlamentarismus bedarf es keinerlei weiteren Ausführungen – ich wollte nur anmerken, dass du Freiheit auf ein die rein ökonomische Phäre bezogen hast. Der tatsächliche Fortschritt ist jedoch in den Bereichen Meinungs, Versammlungs, Vereinigungfreiheit zu sehen.)

    Gleichheit:

    Hier sprichst du ein philosophisches Dilemma an. Gleicheit bedeutet nicht nur gleiches gleich zu behandeln, sondern auch ungleiches ungleich. Die Frage ist bloß ab wann zwei Dinge eher gleich oder ungleich sind.
    Ein Gericht hatte mal entschieden, dass die Zweitwohnsitzsteuer für Studenten unzumutbar ist, da sie nicht über die gleiche wirtschaftliche Potenz wie der sonstige Zweitwohnsitzinhaber verfügen. Man sieht also erstens auch der Staat betreibt gar keine Gleichmacherei, sondern unterscheidet schon wem er Unterstützung z.B. Hartz IV gewährt und wen er höher besteuert, prinzipiell ist aber jeder zum Empfang von Hartz IV berechtigt, solange er bestimmte Kriterien erfüllt. Die Behauptung also, der bürgerliche Staat wäre ungerecht, da er ungleiche Dinge, also z.B. reich und arm, (formal) gleich behandelt trifft garnicht zu.
    Gerade „sozialorientierte“ kapitalistische Systeme zeichnen sich dadurch aus, der formalen Gleichheit eine reale Gleichheit hinzuzufügen. Aus diesem Grund ist man ja immer so aufgeregt wenn man bei der Mobilitätsforschung mal wieder feststellt, dass Arme schlechtere Bildungsschancen etc.pp. haben. Die Tatsache, dass man das aber als Problem ansieht, zeigt zumindest dass man sich nicht (nur) an die formale Gleichheit orientiert…

    Mit anderen Worten, so schlecht ist das alles nicht, auch wenn der Kommunismus oder so ein Ding natrülich besser ist.

    P.S.
    Bzgl. Nationen

    Der Vollständigkeit halber sein noch erwähnt, dass nicht alle Staaten eine Nation bilden und nicht alle Nationen einen Staat ausbilden. Insofern ist die Betrachtung in dem Aufruf, als auch deine Reaktion darauf nicht vollständig.

    Die Frage was zu erst da war, ist auch gar nicht so unwichtig, da man so vielleicht erkennen kann inwieweit sich die Dinge bedingen. Ist die baskische Nation auch ohne eigen NAtionalstaat, als Nation langfristig überlebensfähig? Oder wie wirkt sich die Abgabe nationalstaatlicher Komepetenzen an Brüssel, letzlich auf die eigene Nationalstaatlichkeit aus. Wenn der Nationalstaat überflüssig wird, verschwinden dann auch die Nationen?

  25. 25 Wendy 29. August 2008 um 14:18 Uhr

    In den politischen Freiheiten ist nichts, wofür mensch sie loben müsste, da in ihnen die Anerkennung der Staatsgewalt als zuständige Amtsträger für die Herrschaft *über* die Untertanen längst vorausgesetzt ist und daran jegliche Interessensverfolgung schon relativiert ist.
    D.h. konkret: du kannst alles sagen und es auf die Straße tragen, aber die Berücksichtigung/Realisierung deiner Anliegen ist außerhalb deiner Zuständigkeit…

    Gleiches gilt im Wahlakt, wo sogar noch jeglicher Willensinhalt im Kreuz bei einer Person ausgelöscht ist.

    Das Lob darüber, kommt nur im Vergleich mit Herrschaftsformen zustande, wo sogar das noch fehlt. Ein Vergleich usw. gibt aber kein Urteil ab, sondern sortiert nur Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

  26. 26 Wendy 29. August 2008 um 14:19 Uhr

    Und nochmal grundsätzlicher zur Freiheit:

    Gemeint war nicht bloß die Vertragsfreiheit, sondern schon *die* Freiheit wie sie im GG Art. 2 festgeschrieben ist. Dort wird den Bürgern durch das Gewaltmonopol Freiheit aufgeherrscht, das heißt den Bürgern wird nicht bloß die Verfolgung ihrer eigenen Interessen erlaubt sondern gleichzeitig der Respekt vor den Interessen der anderen aufgezwungen. Schon daraus geht hervor, dass die Gewährung der Freiheit einen Haken hat. Wo eine Staatsgewalt ihren Untertanen, und zwar *allen*, ihre Interessen erlaubt *und* beschränkt, muss ein Interessensgegensatz vorliegen. Auch auf den Inhalt dieses Gegensatzes deutet die Segnung der Freiheit. In ihr ist die Realisierung der Interessen nämlich explizit ausgeschlossen. Freiheit ist ein Herrschaftsverhältnis.

  27. 27 Red_Angel 29. August 2008 um 16:28 Uhr

    „Dort wird den Bürgern durch das Gewaltmonopol Freiheit aufgeherrscht, das heißt den Bürgern wird nicht bloß die Verfolgung ihrer eigenen Interessen erlaubt sondern gleichzeitig der Respekt vor den Interessen der anderen aufgezwungen. Schon daraus geht hervor, dass die Gewährung der Freiheit einen Haken hat.“

    Würde man die Interessen anderer nicht akzeptieren wäre das Krieg aller gegen alle. Es sei denn, du hälst es für realistisch das maximale individuelle Freiheit möglich sei ohne die Rechte eines anderen einzuschränken.

    „Freiheit ist ein Herrschaftsverhältnis.“

    Sagen wir mal eher, die konkrete Ausprägung des Freiheitsbegriff in der Realität spiegelt die Herrschaftsverhältnisse wieder.

    P.S. Wer gegen bürgerliche Freiheit (zu Recht) pöbelt, der muss sich aber (ebenfalls zu Recht) auch den Vergleich mit vorbürgerlichen Verhältnissen gefallen lassen. Vom realexistierenden Sozialismus und anderen ‚Segnungen‘ mal ganz zu schweigen…

  28. 28 Wendy 29. August 2008 um 18:49 Uhr

    Der Krieg aller gegen alle ist doch die Grundlage der kapitalistischen Gesellschaft…
    Freiheit und Gleichheit sind die staatlich festgelegten Regeln, damit es nicht zu Mord und Totschlag kommt. Als solche sind sie die Festschreibung des „Krieges aller gegen alle“ und nicht ein Schutz davor. Wendy-Tipp: Es muss nicht immer Mord und Totschlag sein, damit massenhaft Menschen verrecken…

    Oh Mann…

    1.: Es gibt keine andere Freiheit als die jetzige. Was du an Idealisierungen an den Begriff heranträgst, interessiert mich nicht.

    2.: Was ist mit dem Vergleich jetzt gewonnen? Gut, du hast jetzt den Kapitalismus gegen Realsozialismus und Feudalismus hochgehalten, bravo…

  29. 29 Red_Angel 29. August 2008 um 22:07 Uhr

    Der Krieg aller gegen alle – Grundlage der kapitalistischen Gesellschaft? Ich glaube da solltest du nochmal nachlesen…

    http://de.wikipedia.org/wiki/Leviathan_(Thomas_Hobbes)

    „Freiheit und Gleichheit sind die staatlich festgelegten Regeln, damit es nicht zu Mord und Totschlag kommt.“

    Zustimmung!

    „Als solche sind sie die Festschreibung des “Krieges aller gegen alle” und nicht ein Schutz davor.“

    Warum? Oder verwechselt du Wettbewerb mit einem Kriegszustand…

    „1.: Es gibt keine andere Freiheit als die jetzige. “

    Ich wollte lediglich auf die Ambivalenz des Begriffes hinweisen…

    Siehe die Vorstellung der (Wirtschafts)Liberalen und Kommunisten, beide schreiben sich die Freiheit auf die Fahne, verstehen aber anscheinend darunter völlig unterschiedliche Sachen…

    „Was du an Idealisierungen an den Begriff heranträgst, interessiert mich nicht.“

    Siehe oben, aber ich weiß nicht warum du gleich in so einen harschen Ton verfallen musst.

    „Was ist mit dem Vergleich jetzt gewonnen? Gut, du hast jetzt den Kapitalismus gegen Realsozialismus und Feudalismus hochgehalten, bravo…“

    Nö habe ich nicht! Ich habe die Demokratie mit Monarchien, Diktaturen, und totalitären Systemen verglichen.

    Der Kapitalismus kann sich bekanntlich unter den unterschiedlichen Regierungssystemen gerieren.

    Wenn schon die Regierungspropaganda uns den ganzen Tag erzählt Kommunismus=Diktatur und Kapitalismus=Demokratie, dann sollten wenigstens wir noch zwischen Wirtschaftsordnung, Regierungssystem etc. unterscheiden oder…

    Und ich habe nur gesagt, dass demokratische Systeme eine Menge Vorteile bieten, dass sie unter kapitalistischen Bedingungen an ihre Grenzen geraten habe ich nie bestritten, insofern verstehe ich nicht, warum du gleich so unwirsch reagierst…

  30. 30 Wendy 30. August 2008 um 12:59 Uhr

    Mann, hier verrecken massenhaft Menschen wegen der Trennung der Produktiosnmittel von den Produzent_innen und der Profitwirtschaft und du SoWi-Arschloch verteidigst das auch noch, weil es für dich grad weniger angsteinflößend als die Revo scheint. Als ob die Kritiker_innen von Freiheit und Gleichheit davon reden, die gegen den Feudalismus oder die Urgesellschaft einzutauschen!
    Jeden Tag sterben hunderttausende an heilbaren Krankheiten, verhungern oder finden einen gewaltsamen Tod und das alles wegen der staatlich eingerichteten und staatlich gesicherten Eigentumsordnung. Und der Metropolenlinke freut sich, dass es „hier“ „nicht drunter und drüber geht“.

    Wendy-Überraschung: Demokratie ist immer eine Herrschaftsform.

    Zu den Vergleichen: Vergleich‘ dich halt dumm und dämlich und Urteil über diese Gesellschaft kommt bei dir ja offensichtlich nicht raus…

    Frage: Hast du überhaupt eine irgendwie geartete Gesellschaftskritik? (Das es hier Nazis gibt zählt nicht…)

  31. 31 Red_Angel 30. August 2008 um 16:26 Uhr

    Hallo Wendy hier spricht das SoWi-Arschloch,

    „weil es für dich grad weniger angsteinflößend als die Revo scheint. “

    Wer lesen kann ist klar im Vorteil, nirgendwo habe ich geschrieben, dass ich die Revo fürchte anstatt sie herbeizusehen. Wenn du mich also schon vollpöbeln musst, dann bitte auch wegen den Positionen die ich vertrete und nicht denen du mir unterstellst.

    „Wendy-Überraschung: Demokratie ist immer eine Herrschaftsform.“

    Ja ja Herrschaftsfreie Assoziation etc. pp.

    Ich empfehle dir nochmals die mal die Grundgedanken vom Leviathan anzuschauen, dass heißt nicht, dass es keine Staatskritik gegen soll. Aber mir hat bisher noch niemand erklärt wie das Leben von > 6 Milliarden Menschen organisiert werden kann – tolle Plenas wie in der pseudorevolutionäre linken Subkultur werden da wohl nicht funktionieren.

    Um es also kurz zu machen. Demokratie ist eine Herrschaftsform – ja und? Willst du die Demokratie abschaffen oder den Kapitalismus, der ist nämlich verantwortlich für das ganze Elend, wie du selbst richtig festgestellt hast.
    Und das lieber Wendy ist damit auch meine Gesellschaftskritik. Kapitalismus abschaffen – was man mit der Demokratie macht sei dahingestellt, sie ist in jedem Fall das geringste Übel hier…
    Schau dir doch mal an, was die Leute in den Ländern fordern wo die Kacke richtig am dampfen ist, sie fordern neben der materiellen Grundversorgung zumeist mehr Mitbestimmung und demokratische Rechte. Dass du Dir anmaßt den Leuten mit dem Wunsch nach bürgerlicher Freiheit ins Gesicht zu rotzen, weil sie keine richtigen Revolutionäre sind, offenbart wer hier eigentlich der Wohlstandslinke ist…

  32. 32 subtext 30. August 2008 um 20:24 Uhr

    Zu Red_Angel:

    „Nö habe ich nicht! Ich habe die Demokratie mit Monarchien, Diktaturen, und totalitären Systemen verglichen.“

    Boah ne, holt der die Totalitarismustheorie aus der Mottenkiste.

    „dann sollten wenigstens wir noch zwischen Wirtschaftsordnung, Regierungssystem etc. unterscheiden“

    Die hier geforderte scharfe analytische Trennung ist so nicht angebracht. Denn die Produktion setzt in der bürgerlichen Gesellschaft eben den Handlungsrahmen, innerhalb dessen Grenzen sich sowohl Demokratien als auch Diktaturen bewegen müssen.

  33. 33 Kommi 01. September 2008 um 1:03 Uhr

    „Schau dir doch mal an, was die Leute in den Ländern fordern wo die Kacke richtig am dampfen ist, sie fordern neben der materiellen Grundversorgung zumeist mehr Mitbestimmung und demokratische Rechte. Dass du Dir anmaßt den Leuten mit dem Wunsch nach bürgerlicher Freiheit ins Gesicht zu rotzen, weil sie keine richtigen Revolutionäre sind, offenbart wer hier eigentlich der Wohlstandslinke ist… “

    Genau du bist immer mit den Armen und Gerechten unterwegs. Denn die Armen und Gerechten haben immer Recht. Die plappern nie Bürgerlichen Scheiss nach. Du bist zwar gerade die Lebende Antithese zu den vorherigen Sprüchen, aber seis dahin. Dein BEweis FÜR die Demokratie ist jedenfalls schwach. Dein einziges Argument das du bis jetzt für die Demokratie hervorgebracht hast, ist, dass es auch ARme gibt die die fordern.

    Übrigens können Arme auch Faschismus, Stalinismus, Demokratie, Kommunismus, Anarchismus usw. fordern halt das was SIE FÜR RICHTIG HALTEN! Darum muss ja beim Argument ansezten und mit den Leuten diskutieren und schauen wers richtige sagt.

  34. 34 lahmacun 01. September 2008 um 8:30 Uhr

    ne, oder – jetzt preist der hobbes an? – ich glaub‘, ich spinn‘!

  35. 35 Kowalski 04. September 2008 um 15:11 Uhr

    Das (fast vollständige) Programm des ARAB-Seminars zur Nationalismuskritik am 4. Oktober ist jetzt online.

  36. 36 Ex-Deadrat 22. September 2008 um 8:23 Uhr

    Berlin wird gut. Demo & Kongress.
    BTW ist es lustig zu lesen, wie hier wieder der gute alte GSP und die Pop Variante der JL hoch und runter gepredigt wird. Hat was rituelles.
    Jetzt wirds aber Zeit fuer den Bio-Bananenshake.

  37. 37 Wendy 22. September 2008 um 10:54 Uhr

    Zustimmung. Ich hab allerdings grad nur Krümeltee zur Hand.

  38. 38 Ex-Deadrat 26. September 2008 um 0:32 Uhr

    Was bedeutet eigentlich das Sternchen hinter den Namen in der Blogsroll.

    Ganz bellizistisch (wie nicht anders von dir zu erwarten) gehe ich mal davon aus das „k.i.a.“ „killed in action“ heißt. Sonst belehr mich eines besseren.

    Bis zum 03.10.

  39. 39 Wendy 26. September 2008 um 11:51 Uhr

    Die Bedeutung des Sternchens verrate ich nicht!

    Die militärischen Begrifflichenkeiten habe ich von Diffi übernommen. Ich finds ganz gut, dass ich nun bei Blogs, auf denen länger nichts erschienen ist, die aber nicht offiziell „tot“ sind Missing In Action schreiben kann und bei solchen Blogs wie deinem KIlled In Action.
    Andererseits verdrängt das irgendwie das liebgewonnen Rest In Peace und das will ich minmdestens bei Rocco Poloczek und dir behalten. Obwohl es Rocoos Blog im Herzen für mich immer noch gibt! ;(

    So long, Wendy

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