„Krieg solchen Zuständen!“

Ich dokumentiere hier ungekürzt einen Artikel von Uli Krug aus einer Zeitung, in der man solche direkten Artikel zu den Tanz- und Saufgewohnheiten der Deutschen, die nur durch „die Gnade der späten Geburt“ ihrem Schicksal als Wehrmachtslandser, SS-Soldaten und KZ-Wärter „entkommen“ sind, eigentlich nicht erwarten würde.
Ansonsten schreibt Uli Krug verdienstvolle Artikel in der Zeitschrift Bahamas. Dieser Artikel ist jedoch aus dem „Südkurier“.

Aber jetzt der Artikel (man, der schreibt mir echt aus der Seele!!):

Kultknüller und Abtanz-Schmankerl

Stilechter geht es fast nicht mehr als auf dem Revival der sagenumwitterten Villinger Jugendbälle in den wilden Siebzigern: Der Saal im Münsterzentrum perfekt dekoriert mit Original-Plakaten der damals in der Region reüssierenden Cover-Bands, einem Riesen-Travolta-Schattenriss, zeitgenössischen Platten, Hüllen und Werbung – und überall die legendären und einst unvermeidlichen Pril-Blumen.

Zugegeben: Damals hieß der Slogan noch „Trau keinem über 30“, während jetzt die Devise „Kein Eintritt unter 18 Jahren“ lautet. Davon abgesehen, wirkt die Szenerie bereits schon am Eingang echt: wie in Schulzeiten drücken sich fröhlich erregte Grüppchen (damals sagte man: Cliquen) im Eingangsbereich des Münsterzentrums herum, um auf Bekannte zu warten – und natürlich um zu rauchen, denn drinnen herrscht ein in den Siebzigern noch undurchsetzbar gewesenes Rauchverbot.

Während anfangs im Saal noch dezentere Klänge herrschen, die auch echte Veteranen der Jugendbälle aus der Frühzeit der Veranstaltung zum Paartanz auf die Fläche locken (Stichwort: Abba), spielen sich an den Bars und im Foyer Begrüßungsszenen ab, die allein schon die Revival-Veranstaltung wert gewesen wären: Alte Hippies erkennen in adretten Damen ihre Gabi oder Beate von ganz früher wieder, ordentlich gescheitelte Herren entpuppen sich als ehemalige Moped-Kavaliere. Manche haben sich sogar schon seit Jahrzehnten nicht gesehen, so dass tatsächlich auch das eine oder andere Auge feucht wird – was natürlich auch bald für die Kehle gilt. Eines ist jedenfalls schon nach einer Stunde klar: dieser Abend wird nicht nur ein Riesenerfolg für die Veranstalter, sondern ist dringend fällig, und das offenbar schon seit Jahren. Auf eine baldige Wiederholung freuen sich einige hundert Villinger bestimmt schon seit dem gestrigen Sonntagmorgen!

Der große Saal ist jedenfalls in Windeseile brechend voll, zumal vom Villinger Weinfest immer wieder ganze Gruppen dazu stoßen, die bereits ganz erwärmter Stimmung sind. Auch der Disc-Jockey geht nun von der Bremse und setzt den so überaus Feierwilligen die ersten Abtanz-Schmankerl vor: Es ist noch keine 22 Uhr, als sich bei Sweets „Wig Wam Bam“ die Tanzfläche richtig füllt und die Alltagshemmungen, die einem Fäusterecken, Mitklatschen und Mitsingen normalerweise verbieten, zu fallen beginnen. Als dann gleich noch „Radar Love“ folgt, der absolute Kultknüller der holländischen Band „Golden Earring“, ist auch eventuell vorhandenes Resteis gebrochen. Und das schmilzt schließlich mit dem Anheizer jeder Klassen- oder Landjugendparty in der zweiten Hälfte der Siebziger: „Black Betty“ von Ram Jam verführt auch gesetztere Herrschaften zu einigen Verrenkungen, wie sie mancher vielleicht seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich gezeigt hat.

Zwar wiegt das Geschehen vor der Bühne unterschiedlich stark und mit der altehrwürdigen Verteilung: die Alt-Rocker frönen eher mit angedeutetem Luftgitarrenspiel Dröhnern wie Black Sabbaths „Paranoid“, während die Damen Hüften wiegend eher Ike und Tina Turners „Nutbush City Limit“ vorziehen. Doch Generationshymnen wie Jethro Tulls „Locomotive Breath“, Gary Glitters „Rock‘n'Roll“ oder Uriah Heeps „Easy Livin“ vereinen schließlich beide Geschlechter auf einer Tanzfläche, auf der es bisweilen so eng zugeht, wie man es sich in einem Heringsfass vorstellt.

Da ist es dann auch höchste Zeit, endgültig den Schreibblock wegzustecken und sich ins Getümmel einer wirklich herausragenden Party zu stürzen. Uli Krug


10 Antworten auf “„Krieg solchen Zuständen!“”


  1. 1 kunde, bedient 16. Januar 2009 um 0:35 Uhr

    Was ein Schwachsinn, diese Ü50-Party!

    Basierend auf der Idee eines anscheinend nicht ausgelasteten Polizeibeamten. Vermutlich ist dieser Herr Biermann einer der 15 überzähligen Beamten bei der Polizeidirektion VS.

    Und dazu der SÜDKURIER als Medienpartner, das passt wie die Faust auf’s Auge.

    Fehlt eigentlich nur noch Jopi Heesters als Ehrengast.

  2. 2 kuchen 16. Januar 2009 um 11:23 Uhr

    Wieso verpass ich die besten Parteys eigentlich immer? :(

  3. 3 deadrat 16. Januar 2009 um 13:37 Uhr

    Ich frag mich grade, wie du auf diesen Artikel von „Uli Krug“ gekommen bist. Googelt Wendy etwa in ihrer Freizeit nach Artikeln einzelner Bahamas Schreiberlinge? Ist sie vielleicht sogar selbst der der RB und der Gag kam bei der gemeinsamen Besprechung der nächsten Ausgabe zu Tage? Ist Wendy Google?

  4. 4 Wendy 16. Januar 2009 um 13:41 Uhr

    Also nach meinen Informationen ist dieser Artikel vom Bahamas-Redakteur Uli Krug verfasst worden. Ob das – wie andere vermeintliche Namen von Bahamas-Redakteuren – nur ein Deckname ist, vermag ich nicht zu sagen.

    Uli Krug muss sein deutsches Wesen in der Bahamas ja sowieso immer total verstellen, dass macht den auf die Dauer einfach fertig. Ein Glück kann er bei solchen einfach mal den Schreibblock wegnehmen, die anstrengend Redaktionssitzungen mit den Israel-Soli-Deppen vergessen und sich ins Getümmel stürzen.

  5. 5 Michael 16. Januar 2009 um 22:15 Uhr

    Ich finde es nicht besonders erhellend (aufklärend) jemanden für seine Broterwerbstätigkeit zu dissen, wenn diese nicht in besonderer Weise im Widerspruch zu seinen Taten als „politischer“ Mensch steht.

    RedakteurIn für ne Dorfzeitung zu sein, erfordert es eben darüber zu schreiben wenn sich in der Nachbarschaft ein Schwein ein Bein gebrochen hat.

    Ich finde ihr solltet euch eher darüber empören das (und wie)sich viele LehrerInnen ohne jedweden Bruch sich an der Zurichtung von Jugendlichen und Kindern beteiligen und dann am Abend bei ATTAC und Linkspartei moralische Volksreden halten.

    Es macht doch mehr Sinn den Uli Krug für zum Beispiel den Quatsch zu kritisieren den er in der vorletzten „Jungle World“ verzapft hat.

    Ansonsten erinnere ich mich mit Grauen und ein bisschen Sehnsucht an meine Jugendzeit in der wir auf unseren Engtanzpartys genau die schreckliche Musik gehört haben von der Krug schreibt.
    Daran kann mensch viel dran kritisieren, aber eben nicht als Lohnschreiber für ein Käseblatt.

    P.S. Übrigens wurden die Feten bei uns dann doch immer mit den Scherben beendet.

  6. 6 Wendy 16. Januar 2009 um 23:59 Uhr

    Mensch Michael, das ist ja auch mehr das hämische Lachen darüber, in was für einer Klitsche sich der Krug verdingen muss und über was für schreckliche Parties er für Geld schreiben muss.

    Ansonsten ist ja leider jeder Kommunist irgendwie dazu gezwungen, sich während seiner Lohnarbeit zu verstellen und sich zu verbiegen.

    Lehrer finde ich auch scheiße, wie ich in einem Beitrag, in dem ich die Entsolidarisierung vcn diesem Michael Tschakozy oder wie der hieß forderte, ausdrückte.

    Achso, viel empören, tue ich mich über garnichts, zumindest nicht sinnvoll politisch.

    Das hier war nachtreten. 8)

    P.S.: Watt habt ihr denn da so kaputtgemacht?

  7. 7 lahmacun 17. Januar 2009 um 1:36 Uhr

    ich finde den artikel dafür, dass er so ein fades thema behandelt, äußerst gelungen. äußerst charmant auf die schippe genommen. muss man auch mal schaffen. respekt.

  8. 8 schons 17. Januar 2009 um 21:32 Uhr

    Wendy, Wendy what went wrong
    Oh so wrong
    We went together for so long

    Wendy, Wendy don‘t lose your head
    Lose your head
    Wendy don‘t believe a word he says

  9. 9 Wendy 18. Januar 2009 um 4:58 Uhr
  10. 10 Wendy 15. Februar 2009 um 17:37 Uhr

    An dieser Stelle sei ein Kommentar eines gewissen „ferdi“ dokumentiert:

    „Hallo Wendy, es gibt am jedem Büdchen bessere Zeitungen als den Südkurier. Ansonsten würde ich Dich bitten, die Bahams erneut zu lesen, dann verstehst Du Dich und die Welt besser.“

    Dazu: Dass es bessere Zeitungen als den Südkurier gibt, habe ich nie bestritten. Ansonsten wäre „ferdi“ bestimmt ein super Verkäufer für den „Wachturm“. ;)

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