Zweimal Meck-Pomm, zweimal ,Force Attack‘ (Segnungen des Kapitalismus).

[…]Denn Ostsee-Propaganda und die Tatsache, daß die lokale Wirtschaft nur an einem einzigen Wochenende im Jahr wirklich aufblüht, haben die Einwohner lernen lassen, dass jeder willkommen ist, solange nur die Pinke klimpert.

Und das ist auch fast das einzige was die Leute interessiert. Hier wo die Welt noch eine Scheibe ist. Von der ehemaligen rot-gebieterischen Regierungszusammensetzung in diesem eher konservativen Bundesland sollte sich der Betrachter nicht täuschen lassen. Kameradschaft wird hier groß geschrieben. Nicht umsonst wählen 7,3 Prozent der Einheimischen NPD, nicht zu unrecht werden die meisten von ihnen als Wendeverlierer bezeichnet. So weit das Auge reicht fehlt es an zivilisatorischen Mindeststandards oder wenigstens an einer soliden Identität, die es etwa mit dem von Rainald Grebe so vortrefflich besungenem Thüringen auf eine Stufe stellt. Aber dieses Land hat kein Gesicht. Kein Antlitz bei dem der Dichter die Schönheit der Worte auf die zu huldigen Umgebung münzen könnte. Dieses Land hat keinen Intellekt, dem beizeiten ein Denker entkam, um sich aufzumachen zu Neuanstößen im Zeitgeist der Vernunft. Auch hat dieses Land keinen Humor, mit seinen kulturfeindlichen und durch und durch unlustigen Eingeborenen, deren Höchstmaß an Unterhaltung bereits erreicht ist, wenn der Vater den Sohn abends mit der Mistgabel ums Lagerfeuer jagt. Dieses Land ist nur Arsch.[…]

Die gut abgehangene Anekdote vs Der Fuchs (Beatpunk Webzine, Dennis)

Wer sich also als randständiger Anhänger von Punkmusik – eingefleischte Fans wissen ohnehin, was sie erwartet – nach dem Eintreffen auf dem Festivalgelände tatsächlich dafür entscheidet, dort zu bleiben (3), kann viel über die Verfasstheit einer Subkultur lernen, deren Selbstbezeichnung „Pöbel und Gesocks“ seltsamerweise darauf hindeutet, dass zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung der Szene offenbar keinerlei Differenz besteht. So gehört es in Behnkenhagen seit Jahren zum inoffiziellen Rahmenprogramm, dass sich Festivalbesucher in so genannten Müllschlachten gegenseitig mit Abfällen, darunter Bierkästen, „Flaschen, Steine und vollgepisste Dosen“, bewerfen. Wem so etwas gefällt, der soll das tun. Doch Besucher berichten außerdem, dass Zelte „aufgeschlitzt und ausgeräumt“, „komplett gestohlen“ oder angebrannt wurden. Ein Augenzeuge beschrieb weiterhin, dass „ein Zelt angezündet worden“ sei, in dem „vier Menschen drin waren und schlafen wollten“ – und die sich nur deshalb retten konnten, weil zwei der Anwesenden glücklicherweise nüchtern gewesen seien und noch nicht schliefen. Der umstehende „Rest hat sich mal ganz schnell verpisst“.


If the kids are united.
(Bonjour Tristesse, Manfred Beier)

An dieser Stelle sei auch auf den garnicht mal so schlechten Artikel Lautsprecher der Mehrheit von Jan Gerber in der Bahamas verwiesen, der erfreulicherweise auch online lesbar ist. Vor allem die erste Hälfte des Artikerl ist interessant.

Verwiesen sei auch darauf, dass, nach Absprache mit tekknoatze, meine Idee des Bad Taste Battles endlich eingeschlagen hat. Beiträge finden sich mittlerweile bei tekknoatze, bei mir, fatalflaw, bei aftershow, den Hallas-Vögeln und biber (Aufzählung wahrscheinlich unvollständig).

Apropos Punk und „Soundtrack zum Untergang“: Hätte ich die „Schlachtrufe BRD“-Sampler nicht von meiner Festplatte gelöscht, hätte ich mit diesem Song von „Untergangskommando“ längst gewonnen.


16 Antworten auf “Zweimal Meck-Pomm, zweimal ,Force Attack‘ (Segnungen des Kapitalismus).”


  1. 1 besserscheitern 26. Januar 2009 um 19:31 Uhr
  2. 2 Wendy 26. Januar 2009 um 20:47 Uhr

    Alles nicht so schlimm?

    Ich hatte ja gehofft, dass du wenigstens was zu diesem grandiosen Meck-Pomm-Diss sagst.

  3. 3 besserscheitern 26. Januar 2009 um 23:48 Uhr

    Den Dennis schätze ich sehr, mit dem habe ich mir da auch einen Sommer die Nächte um die Ohren geschlagen.

    Ansonsten stimmt ja auch einfach eine Menge der Vorwürfe, nicht in der Reihenfolge wie es bei BT zusammenkomponiert wurde, aber alle kritiserten Aspekte sind ja da.

    Verwunderlich ist doch eher, dass du zum Dissen gleich zwei antideutsche Medien ranziehst (BT kann ich nich einschätzen, hab ich mich nicht mit befasst :P ). Es gibt noch Hoffnung?

  4. 4 Wendy 27. Januar 2009 um 0:17 Uhr

    besserscheitern: Sowas nennt man wohl open minded. Ansonsten brauchst du dir keine Hoffnungen und andere keine Sorgen zu machen: Ich bin zu gut geschult, um von dem pseudo-materialistischen Geschwafel von Bonjour Tristesse oder der lustigen bahamatischen Mischung herumgekriegt zu werden.
    Ich finde es einfach interessant, sich – kritisch – mit anderen Strömungen der linken auseinanderzusetzen, einfach weil man da einen inspierenden politischen Input erfährt.

    Wir werden uns auch in den nächsten Jahren nicht „als [zivilgesellschaftlich engagierte] Demokraten“ sprechen.

    „Noch Hoffnung“ scheint auch zu meinen, das mit meiner jetzigen politischen Einstellung, abgesehen vom beklagenswürdigen Zustand der Gesellschaft und der Linken, nicht alles in Butter wäre.

    Für Antiimps, die meinen, ich würde umkippen, hätte ich mir garnicht die Mühe gemacht, mo eine lange Distanzierung zu schreiben, sondern hätte sie einfach provoziert. Wenn du aber meinst, ich würde dem linksdeutschen, nationalbolschewistischen Wahnsinn verfallen, kann ich nicht anders.

    Wahrscheinlich hast du das auch alles nicht ernstgemeint.

    Edit: Wenn du ein wenig weiterklickst, wirst du feststellen, dass auch „Bonjour Tristesse“ den Antideutschen zugeordnet werden kann; zumindest versuchen sie sich realpolitisch am Unmöglichen und wollen Erklären, warum Israelsolidarität gerade aus einer materialistischen Staatskritik hervorgehen müsse.

  5. 5 lahmacun 27. Januar 2009 um 15:03 Uhr

    was ist denn ein „zivilisatorischer mindeststandard“?

  6. 6 Wendy 27. Januar 2009 um 16:24 Uhr

    Klopapier?

  7. 7 lahmacun 27. Januar 2009 um 16:57 Uhr

    nicht mal das haben die? barbaren!

  8. 8 besserscheitern 27. Januar 2009 um 18:25 Uhr

    @laura

    Dass man sich nicht einfach umbringt zum Beispiel. Eine besondere Bevölkerungsgruppe in Wismar geht aber regelmässig zu Neujahrsfeiern im Suff mit Messern aufeinander los und manchmal verstümmeln sie die Leichen ihrer getöteten Kameraden.

    In Bezug auf das FA muss man dass alles eher als eine einzige Skinner Box betrachten in der einige Hemmnisse eingebaut sind, während die „Gäste“ mit Nietzsche ernst machen und sich ganz praktisch an der Umwertung aller Werte betätigen, oder man versteht das FA auch als systematisches Durchexerzieren de Sadescher Perversionen.

  9. 9 Wendy 27. Januar 2009 um 21:18 Uhr

    besserscheitern: Wenn „sich nicht gegenseitig umbringen“ ein zivilisatorischer Mindeststandard wäre, würden ja jetzt in der tiefsten Barbarei leben (,du Idealist).

  10. 10 lahmacun 27. Januar 2009 um 21:23 Uhr

    @besserscheitern: oh, dann hab‘ ich wohl heute wieder mal einen gesehen, der des öfteren in wismar verweilt.

  11. 11 besserscheitern 28. Januar 2009 um 15:54 Uhr

    „Wenn “sich nicht gegenseitig umbringen” ein zivilisatorischer Mindeststandard wäre, würden ja jetzt in der tiefsten Barbarei leben (,du Idealist).“

    So und damit das ein Argument wird, musst du noch mal rausstellen, wer jetzt in der tiefsten Barbarei lebt. Wenn schon, denn schon. Oder wie du neulich meintest: schönes Gedicht! :P

    Über eine bestimmte Nazigang in Wismar würde ich das z.B. schon sagen.

  12. 12 Wendy 28. Januar 2009 um 17:49 Uhr

    Wenn man Zivilisation als ein bestimmtes Maß an gesellschaftlicher Organisation und technologischem Fortschritt definiert, dann leben wir in einer. Ihre schädlichen Effekte, wie Krieg, Hinrichtungen, staatliche oder private Gewalt in das Reich einer von ihr abgespaltenen Barbarei zu verbannen, in dem man behauptet, so etwas würde „zivilisatorischen Mindeststandards widersprechen“ (und sich somit mit dem Zustand „Zivilisation beißen), ist eine Absurdität.
    Diese verschiedenen Arten von Mord und Totschlag gehören zum System.

    Wieder einmal bleibt anzumerken, dass die Dichotomie „Barbarei“ und „Zivilisation“ Quatsch ist. „Barbarei“ muss – wie hier – für alles schlechte in der „Moderne“/“Zivilisation“ herhalten.

  13. 13 besserscheitern 28. Januar 2009 um 20:24 Uhr

    Das gesuchte Wörtchen lautet also „wir“, weil wir in der Zivilisation leben. :P

    Es geht würde ich mal vermuten bei der Dichotomie um den Unterschied von sein und sollen. Nur weil in dem gegenwärtigen Zustand weiterhin gemordet wird, und das sogar mit Fortentwicklung der Zivilisation in immer größeren Maßstäben, geht daraus nich nicht hervor, dass dies auch so sein soll. In der Rede von dem Gegensatz Zivilisation/Barbarei wird ein Zustand gefordert indem eben keine Gewalt mehr vorkommt. Dies ist also eine normative Perspektive

    Deine ist dagegen deskriptiv und beharrt zurecht darauf, dass die Trennung und Gegenüberstellung im hier und jetzt nicht die Realitäten abbildet.

  14. 14 Wendy 28. Januar 2009 um 21:27 Uhr

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe Recht und du forderst das Einlösen der Ideologie, die sich vor ein paar Jahren mal langhaarige Atzen über die Moderne/Aufklärung/Zivilisation gemacht haben bzw. der Verlautbarungen von ihren Idealisten heutzutage, anstatt dir darüber klarzuwerden, was Zivilisation konkret bedeutet.
    Diese antikritische Methode kenne ich noch von den Verlautbarungen zur Demokratie aus Meck-Pomm. :P

    Es bringt auch überhaupt nichts, sich in diesen Kategorien zu bewegen, die von irgendwelchen bürgerlichen Wirrköpfen aufgemacht wurden. Vielmehr heißt es, sich zu fragen, ob sie die Welt gut beschreiben oder nicht. Wenn nicht, kritisiert man die Kategorie und hört auf, sie zu benutzen, anstatt sein Interesse an sie heranzutragen.

    Ich keepe es lieber oldschool: Für den Kommunismus.

  15. 15 besserscheitern 28. Januar 2009 um 21:42 Uhr

    Hmmm. Kritische Methoden, die sich nicht für meta-theoretische Reflexion interessieren, solange Aussicht auf Demokratenhatz besteht. :P

    Wo hab ich mich denn in dieser Debatte positiv (im Sinne des Bekenntnisses, dass du mir unterstellst) auf diese Begriffe bezogen? Du willst mich auf das Bild festnageln, welches du dir von mir gemacht hast.

    Ob das Bild schon stimmt, ist wohl die Frage. ;)

    (Sind syntaktisch-unvollständige Sätze eigentlich ebenfalls „antikritisch“? – Ja, ich weiß: das is doch kein Argument.)

  16. 16 Wendy 28. Januar 2009 um 22:10 Uhr

    Achso, da steht „Es geht bei der Dichotomie“.

    Naja, du hast das davor schon in einem affirmativen Sinn verwendet, insofern kann man das so stehen lassen.

    Und ansonsten kannst du deine Studi-Scheiße da lassen, wo sie hingehört: Zu Hause oder im Seminar… :ärger:

    „Hmmm. Kritische Methoden, die sich nicht für meta-theoretische Reflexion interessieren, solange Aussicht auf Demokratenhatz besteht.“

    Aber das hast du wenigstens richtig verstanden und falsch ausgedrückt: Selbstverständlich interessiere ich mich nicht für pluralistisches Theorie-Gewichse, sondern an Gesellschaftskritik. Nenn‘ es „Demokratenhatz“ und unterstell‘ mir da einen „gewaltgeilen“ („i*m*v) Selbstzweck.

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