Waltz with Bashir.

Der Trailer erzeugte bei mir einiges an Vorfreude, der Film selbst sorgte allerdings für Ernüchterung. Die Bilder überzeugen nicht, die Mimik der Protagonisten kommt schlecht oder garnicht rüber, die Bewegunen sind abgehackt und hölzern, oft greift der Film auf einen Trick aus Low-Budget-Animes zurück: Standbilder mit einem sich bewegenden Elementen und – oft langweiligen – inneren Monologen.

Auch inhaltlich konnte mich der Film nicht überzeugen. Bashir und seine sympathischen Kumpels marschieren bis Beirut, mit längeren Zwischenhalten auf Disko-Booten und an Stränden, ohne allzuviel Feindkontakt zu haben. Von Gängelungen und Diskriminierungen der Zivilbevölkerung, Gräueltaten, Kampfhandlungen eigentlich überhaupt nichts zu sehen. Direkt zu anfang machen die verängstigten Soldierboys eine Familie platt, später müssen sie nochmal auf Kids schießen, die sie mit Panzerfäusten attackieren (was ich nebenbei für wenig realistisch/authentisch halte). Dann ist der Krieg für unsere Helden auch schon fast ausgestanden.
Das Beirut tagelang vom israelischen Militär bombardiert und beschossen wurde und weite Teile der Stadt, gerade jene, in denen viele Palästinenser lebten, dem Erdboden gleichgemacht wurden, wird zum Beispiel überhaupt nicht aufgenommen.

Warum der Libanon angegriffen wurde, was man davon zu halten, das wird nicht behandelt. Zur Entschuldigung könnte man anführen, dass diese Themen in Israel zum Allgemeinwissen gehören, aber ein „kritischer“ Film hätte sich auch kritisch mit der Ideologie zum Krieg auseinanderzusetzen.

Mit den Massakern von Sabra und Schatila kommt der Film nach einer langen Weile zur Sache: Die einzigen Gräueltaten, die begangen wurden, haben die christlichen Falangisten verübt, die unteren Armeeränge der IDF konnten ihren Augen nicht trauen, ein Eingreifen wurde von oben verhindert, man leidet bis heute daran. „We shot and cried!“.

Hat mich enttäuscht, lathandir hat auch einen kritischen Artikel der Haaretz zum Thema gebloggt.


32 Antworten auf “Waltz with Bashir.”


  1. 1 IdrawESCAPEplans 05. März 2009 um 11:53 Uhr

    der oft unklare kontext hat mich auch sehr gestört. diverse szenen kann man wohl nur mit einigem vorwissen wirklich einordnen. den einsatz der realbilder am ende halte ich für ein sehr schwieriges stilmittel.

  2. 2 Wendy 05. März 2009 um 13:25 Uhr

    Ja, keine Ahnung, die sollten wahrscheinlich schocken.

  3. 3 rofl 05. März 2009 um 19:40 Uhr

    woher kamen denn deine erwartungen, dass sie so enttäuscht werden konnten? (ich selbst habe ihn noch nicht gesehen und auch nichts darüber gehört)

  4. 4 besserscheitern 06. März 2009 um 5:19 Uhr

    Wendy, jetzt bring doch mal nen Skandal-Thema! Oder irgendwatt Interessantes, der Film lief vorm Viertel-Jahr im Kino! :P

  5. 5 human 06. März 2009 um 19:33 Uhr

    also ich muss sagen, so schlecht wie du den film hier darstellst, fand ich ihn nicht. aber bekanntlich sind die geschmäcker verschieden.

    nach dem ich den film mit einer freundin geschaut hab, gab es noch eine kleine nachbereitung der unternehmung. dabei zog sie den vergleich zum „deutschen gegenstück ‚der untergang‘“. da dieser film soll ja die „dunklen“ seiten der israelischen historie aufarbeiten.

    ich persönlich bin der meinung, dass der vergleich hinkt. im blogdorf gabs ja schon einige äußerungen zum film, doch interessant wäre es zu wissen, was israelische linke zu diesem film sagen. hat jemand ne ahnung??

  6. 6 neo 09. März 2009 um 3:54 Uhr

    Das ganze moralinsaure Geheuchel, die Israelis sollten mal richtig (so wie deutsche Friedenslinke ihnen das vorher erklärt haben) Selbstkritik leisten, hängt mir zum Halse raus!
    Der Filmschaffende hat hier seine subjektiven Erlebnisse während des Krieges geschildert. Lächerlich zu verlangen er hätte dabei den historischen Kontext besser ausleuchten müssen. Das wäre dann ein anderer Film gewesen. Guckt doch bei Wiki nach, wenn euch das Allgemeinwissen fehlt. Kinder mit Panzerfäusten hälst du für unrealistisch, @Wendy? Wieso? Weil der Feind Israels zu moralisch ist Kinder einzusetzen, oder was? weil der vermeintliche Rückstoß einer Panzerfaust zu stark wäre? Guck dir mal an wie Kinder während des ersten Golfkriegs instrumentalisiert worden sind! Desweiteren haben Panzerfäuste keinen Rückstoß (Hohlladungsgeschoss) die kann jedes Kleinkind abfeuern! Ich kann dir nur nochmal Wiki empfehlen.
    Und zu den Bildern: Stilmittel aus billigen Animationsfilmen? das ist Kunst du Kraut!

    Ich habe an dem Film ebenfalls „Kritik“ jedoch bezieht sich diese auf ganz andere Punkte.

    Armer Beitrag von dir.

  7. 7 Wendy 09. März 2009 um 4:43 Uhr

    Mich würde es wundern, wenn der Soldat, auf dessen Erinnerungen der Film angeblich basiert, tatsächlich ohne viele Kampfhandlungen nach Beirut gekommen wäre, beinahe, ohne einen Schuss abzufeuern und auch ansonsten nichts von israelischen Kriegsverbrechen mitbekommen hätte.

    Kinder mit Panzerfäusten kommt mir einfach wie eine derbe Dramatisierung vor, die zeigen soll, wie durchgedreht und amoralisch der Feind ist und in was für moralische Zwickmühlen einen dieses Pack bringt. Ich habe bisher nichts davon gehört, dass in dieser Region Kindersoldaten eingesetzt werden. Ob ein kleines Kind eine Panzerfaust tragen, geschweige denn damit rennen kann, halte ich für fraglich.

    Und zu den Stilmitteln: „XIII“ war ein, im Gegensatz zum Film wahrscheinlich „billiges“, Ballerspiel für den PC und die Konsolen. Es sah trotzdem besser aus als das, was „Waltz with Bashir“ präsentiert.

    besserscheitern: Ich blogge bald was darüber, dass die Bevölkerung von Rostock von Rindern und Neonazis abstammt.

  8. 8 neo 09. März 2009 um 5:43 Uhr

    @Admin
    Ein Hohlladungsgeschoss heisst nicht zum Jux HOHLladungsgeschoss, sondern weil es innen hohl ist.
    Die im Film gezeigte RPG-Panzerfaust mit einer solchen Panzerabwehrladung wiegt, je nach Granate, 1,8 bis 4kg. Damit kann jedes Kind wegrennen.
    Dein Einwand der Soldat hätte Greueltaten an der Zivilbevölkerung miterleben müssen, entlarvt deine niederträchtige Arbeitshypothese. Vielleicht solltest du einmal versuchen dir vorzustellen das nicht JEDER bzw. nur eine Minderheit der IDF Mitglieder „Greueltaten“, die du so gerne gesehen hättest, begangen bzw. beobachtet haben könnte!

    Dein Einwand es wäre unrealistisch, ohne einen Schuss abgeben zu müssen, ist alzumal totaler Blödsinn. Selbstverständlich können SoldatInnen ohne einen Schuss abzugeben an jeden Kriegsschauplatz kommen. Wahrscheinlich ist eine Mehrheit der Rotarmisten selbst nach Berlin gekommen, ohne jemals einen Schuss abzugeben. Anders kann es auch garnicht sein. Es ist gängige Praxis das SoldatInnen die ein Gefecht miterlebt haben, zunächst zurück in die Etappe geschickt werden, während frische Kräfte den Einsatz fortführen. Desweiteren ist es ziemlich relevant WO und als WAS du in einem Krieg eingesetzt wirst.
    TransportsoldatInnen, SantäterInnen, FahrerInnen, BausoldatInnen, etc. In einem Panzer wie im Film gezeigt, 4 Besatzungsmitglieder: Funker, Ladeschütze, Fahrer, Richtschütze. 3 von denen geben nicht einen Schuss ab. Das Verhältnis von effektiv kämpfender Truppe zu den nachgelagerten Einheiten in der Etappe, ist bei modernen Armeen 1 zu 1o. Zum mitschreiben: nur einer von 10 Soldaten muss überhaupt seine Waffe auf einen Menschen abfeuern.

    Mit Verlaub, deine Einwände sind unredliches Vorurteil, teilweise sogar bösartig.

  9. 9 neo 09. März 2009 um 5:54 Uhr

    @Admin
    Und überhaupt, wieso vergleichst du XIII mit einem israelischen Antikriegsfilm? Total Banane. XIII hab ich auch gezockt, großer Spaß der mit dem Film allerdings nichts zu tun hat. In dem Film werden die Bildmontagen, zb. wenn sich ein Arm unabhängig vom Restkörper bewegt, nicht aus mangelnder Tricktechnik verwendet, sondern zur bewussten Darstellung der menschlichen „Entfremdung“ innerhalb einer barbarischen Situation. Das drückt sich auch in den einsamen Szenen aus, wo die Soldaten langsam ins Wasser gehen (auch da keine zivilen Opfer und „Greueltaten… Schweinerei, der will wohl den Krieg beschönigen, oder was?).
    Das ist Kunst, ein gängiges Stilmittel, das optische Werkzeug der Verfremdung, mehr nicht.

    Ob dieses Banausinnentums könnte ich mir die Haare raufen.

  10. 10 Difficult is Easy 09. März 2009 um 10:14 Uhr

    @neo:
    ich habe von israelis nichts anderes erwartet als diese halbgare geschichtsabarbeitung. das gleiche was ich von deutschen erwarte.
    nur kann man den film trotzdem kritisieren.
    ps: das ding is grausig animiert. wenns so sein soll. naja, haste ja gesagt, kunst.

  11. 11 Soldat 09. März 2009 um 11:31 Uhr

    Tu nicht so militärisch, du weißt offensichtlich doch nicht, wovon du redest:

    Hohlladungsgeschosse haben sehr wohl einen Rückstoß, wenn sie z.B. aus aus der Kanone eines Jagdpanzers abgefeuert werden.

    Was anders ist eine rückstoßfreie Waffe. So bezeichnet man im Militär eine Waffe, die keinen oder einen nur sehr geringen Rückstoß besitzt.
    Die RPG 7, von der du wohl redest, ist auch so eine reaktive (rückstoßfreie) Waffe zum Verfeuern
    Panzergranaten.

    Der klassische Gefechtskopf der RPG-7 Granate enthält zwar deine Hohlladung. (Trifft das Geschoss auf einen harten Gegenstand auf, so entfaltet sich die Sprengwirkung gerichtet nach vorn und durchdringt bis zu 300 Millimeter Panzerstahl.)

    Es wurden auch Varianten für den Einsatz gegen Infanterie entwickelt. Eine 40-mm-Splittergranate trägt die Bezeichnung OG-7V. Speziell für den Häuserkampf wurde ein Gefechtskopf in der Art einer Aerosolbombe entworfen. Diese TBG-7V genannte Variante erzeugt zuerst mit einer kleinen Ladung ein feinverteiltes Brennstoff-Luft-Gemisch, das dann anschließend entzündet wird. Damit wird nur eine geringe Druckwirkung erzielt, allerdings kann der Brennstoff in Gebäude und Deckungen eindringen und dort aufgrund der enormen Hitzeentwicklung große Wirkung erzielen. Nach der Deflagration des Brennstoffs entsteht ein Unterdruck, der Lebewesen innerhalb des Wirkbereichs zusätzlich schädigt. (Detail laut wikipedia)

  12. 12 besserscheitern 09. März 2009 um 15:01 Uhr

    „Ich blogge bald was darüber, dass die Bevölkerung von Rostock von Rindern und Neonazis abstammt.“ :D

    Das ist doch schon etwas!

  13. 13 notwendyg 10. März 2009 um 4:00 Uhr

    Als ich vor dem Eercheinen dieses Films mal ein Interview mit dem Regisseur gesehen habe hat er gefragt nach dem künstlerischen Bewandnis der billigen Animationen erzählt das die schlicht und ergreifend so aussehen weil er keine Kohle für was anderes hatte.
    Mit SBIGMONEY und Pixar könnte er wahrscheinlich eure durch PC-Spiele geprägte Ästhetik besser erfüllen. ;-)

  14. 14 Wendy 10. März 2009 um 4:45 Uhr

    Na dann lag Genosse neo mit seinen hochtrabenden Interpretationen ja goldrichtig… *hust*Loser!*hust*

  15. 15 neo 10. März 2009 um 12:31 Uhr

    @notwendyg

    Wo hast du das Interview gefunden?
    Wenns so ist, ist es so.

  16. 16 neo 10. März 2009 um 12:34 Uhr

    @Admin
    Bei der Szene mit dem Wasser behalte ich aber Recht! (Beleidigt Nase in den Wind haltend)

  17. 17 neo 10. März 2009 um 12:41 Uhr

    Also jetzt wirds rätselhaft:

    „…So wurde das 90-seitige Drehbuch erst als normales Video gedreht, um anschließend bearbeitet zu werden. Der Film ist eine Mischung aus Flash, klassischer Animation und 3D…“

    „…WALTZ WITH BASHIR gelingt es durch das Mittel der Abstraktion den Zuschauer tief einzubinden…“

    Gefunden unter: http://www.arte.tv/de/film/CANNES-2008/Alle-Filme/2045282.html

    Jetzt müsstest du dein Interviewquelle mal nennen, @Notwendyg. Bis dahin lehne ich mich weit aus dem Fenster und halte dein Posting für einen Fake.

  18. 18 neo 10. März 2009 um 12:51 Uhr

    @difficult
    Und überhaupt… du spinnst jawohl total! Die Israelis in diesem Zusammenang mit den Deutschen überhaupt nur zu nennen, ist das allerletzte! Eine Shoa Relativierung sondergleichen!

  19. 19 Wendy 10. März 2009 um 15:30 Uhr

    Holocaust-Relativierung sondergleichen… blabla…

  20. 20 lahmacun 10. März 2009 um 16:40 Uhr

    ich habe von israelis nichts anderes erwartet als diese halbgare geschichtsabarbeitung. das gleiche was ich von deutschen erwarte.

    gilt das jetzt auch für dich? oder an was machst du das deutsch-sein bzw. israeli-sein fest?

  21. 21 Wendy 10. März 2009 um 16:43 Uhr

    Nicht jeder legt so leidenschaftliche Bekenntnisse zu seinem Volk, seiner Heimat, seiner Nation ab, wie du.

  22. 22 lahmacun 10. März 2009 um 16:50 Uhr

    „alles klar“.

  23. 23 notwendyg 11. März 2009 um 1:37 Uhr

    neo, da steht das ich das letztes jahr mal gesehen habe.
    mea culpa das ich mir nicht über alles was ich so zufällig im tv sehe notizen über zeit und ort mache um das monate später mal in irgendeinem blog als
    untermauerte quellenangabe präsentieren zu können. deine zitate stehen zu dem was er erzählte auch nicht im widerspruch. aber da du ja alles was nicht durch links belegbar ist anscheinend als fake ansiehst ist die diskussion eh sinnlos.
    mir ging es nur darum das die „billige“ ästhetik hier als argument angeführt wird. das liegt aber im auge des betrachters. meine ästhetik ist weniger durch pc-spiele geprägt da die mich nicht interessieren. ich fand die darstellung fon wwb dagegen gut gemacht.

  24. 24 Difficult is Easy 11. März 2009 um 2:25 Uhr

    @neo:
    lol und lach

  25. 25 Difficult is Easy 11. März 2009 um 2:25 Uhr

    @lahmacun:
    antwort auf deinem blog

  26. 26 weltgeist 12. März 2009 um 22:50 Uhr

    ich werd nicht mehr. und ich hab nach diesem eintrag:
    http://combatpourliberte.wordpress.com/2009/02/05/102/
    gedacht, eine so dermassen hoelzerne projektionsabreagiererei sei patent der antilinken deutschen. aber, naja, man lernt nie aus.

  27. 27 Wendy 12. März 2009 um 23:21 Uhr

    Ein Kommentator bei diesem Knaller hat es sehr gut ausgedrückt:

    Ist schon Scheiße wenn man als IDF-Fanboy merken muß, das die Subjekte der Verehrung die heldenhafte Kriege ganz anders erlebt haben als man sich das am antideutschen Küchentisch in Göttingen so vorstellt.
    Und dann trauen die sich auch noch eigene Analogien zu setzen! Und so Leuten schickst du ne Pizza? Bruahahaha.

  28. 28 kotfront'ler 16. März 2009 um 21:37 Uhr

    Anti-IDF-Mensch hat aber recht. Scheint gerade Mode zu sein, Israel-Nationalist zu sein.

  29. 29 Wendy 16. März 2009 um 21:55 Uhr

    Wie hammergeil ist denn bitte „kotfront`ler“ – wenn man von dem Deppen-Apostroph absieht…?!

  30. 30 kotfront\'ler 16. März 2009 um 23:19 Uhr

    Wieso?

    Wer gegen Deutschland ist, muss zwangsläufig auch gegen Israel sein. …wenn man zumindestens antinational sein möchte, nicht national. Was ist so schwer daran?

  31. 31 Wendy 17. März 2009 um 0:38 Uhr

    Am Inhalt deiner Kommentare habe ich überhaupt garnichts auszusetzen: Zustimmung. Ich fand nur deinen Namen witzig!

  1. 1 provo als argumentersatz « lahmacun Pingback am 10. März 2009 um 17:08 Uhr
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