Bildungsstreik und so.

Es passt also manches nicht zusammen im Streikaufruf: Da stellen die Streikkomitees der Schüler eine Reihe von Forderungen auf, in denen ihre Kritik an staatlicher Schulpolitik zusammengefasst ist, um dann am Ende wieder mit einem Plädoyer für die gerade eben kritisierte staatliche Bildungspolitik aufzuwarten. Im Schoß des Staates fühlen sie sich letztlich doch besser aufgehoben als in dem der Wirtschaft, verkünden sie mit ihrer Absage an jeglichen Einfluss ökonomischer Macht. Als ob man hierzulande zwischen Staats- und Geldmacht wählen könnte! Und wenn sie – siebtens – schlussendlich „Schluss mit Repressionen gegen Schüler und Schülerinnen“ rufen, wird es noch eine Spur absurder. Wer übt denn hier, bitte schön, Repression aus? Es sind immerhin staatliche Bildungsbehörden, die jene Schüler disziplinieren und bestrafen, welche sich durch Vorschriften nicht von ihrem Schulkampf abhalten lassen wollen. Und eben diese staatlichen Einrichtungen sollen der adäquate Ansprechpartner für solche Forderungen sein, deren demonstrativer Vortrag mit Sicherheit wieder einigen Schülern staatliche „Repression“ einträgt?!

Aber letztlich passt wieder alles zusammen: Wo die sieben Forderungen des Bildungsstreiks weder die Sicherung der praktischen Benutzbarkeit noch die der geistigen Parteilichkeit durch die Schule angreifen, sie weder am letzten Bildungsziel der Schule, sich „aktiv für die demokratische Ordnung“ einzusetzen, etwas aussetzen noch die Verteilung des Nachwuchses auf die vorgegebene kapitalistische Berufshierarchie zum Thema machen, sondern allein die Verbesserung von Lern- und Konkurrenzbedingungen in der Schule anmahnen, da sind sie bei der staatlichen Bildungsbehörde an der richtigen Adresse. Einerseits wenigstens. Andererseits fragt sich natürlich, warum Bildungspolitik all das – und noch viel mehr – in der Schulpolitik eingefallen ist, was dem kritischen Nachwuchs so gar nicht schmeckt. Zufall wird das wohl nicht sein und gewürfelt haben ihre Vertreter auch nicht. Welche politischen und ökonomischen Gründe sie für das Schulwesen haben, so wie sie es jetzt – nach PISA – umkrempeln, das müsste man wirklich einmal ermitteln. Es steht zu erwarten, dass dabei herauskommt: Schule im Kapitalismus funktioniert anders, als es sich diejenigen Schüler vorstellen wollen, die immer nur ihre Enttäuschung darüber kund tun, dass Schule ihren Konkurrenzidealen nicht so zu Diensten ist, wie sie es gerne hättten und wie sie es von ihrem Staat erwarten.

Worin die Kritik an den Forderungen der Bildungsstreikkomitees genau besteht, lässt sich besonders hier und auch hier nachlesen (jeweils Textdownloads). Ich hoffe ja darauf, dass der neue GegenStandpunkt ein Artikel zum Thema enthält.

Ansonsten kann man sich sicherlich auch mit sinnvolleren Tätigkeiten als Lernen, Studieren und reformistischer Politik beschäftigen:

P.S.: Wir können ja mal probieren, in den Kommentarspalten gemeinsam den Text herauszufinden. Aber wahrscheinlich hat sowieso einer von euch seine Leichen im Keller und weiß Band, Song- und CD-Titel auf Anhieb…


1 Antwort auf “Bildungsstreik und so.”


  1. 1 xXaftershowXx 18. Juni 2009 um 17:40 Uhr

    Mindest woraus In- und Outro sind dürfte bekannt sein :-) Bei dem Lied selbst bin ich mir nicht sicher, daher halte ich mich erstmal zurück.

    *Küsschen*@ Wendy

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.