Archiv für Juli 2009

Marg bar „Jungle World“! Zum dummen Text der Antifa Frankfurt.

Einleitend kann man sich eigentlich fragen, warum ausgerechnet mit der Antifa Frankfurt (am Main), deren Protagonisten ja schließlich zu den Leuten gehören, die der „Internationalen Solidarität“ und deren Befürwortern mit den teilweise sogar richtigen Argumenten den Garaus gemacht haben – und in der Folgezeit die „Internationale Solidarität“ zur internationalen Solidarität mit Nationen pervertiert haben – nun wieder genau die alte Linie einfordern: Irgendwo regt sich eine Bewegung, man vermutet, erhofft sich in ihr das ultimative revolutionäre Subjekt und ruft unkritisch zur Solidarität auf.
Der ganze Clou besteht wohl daraus, dass sich die heutigen linken (?) Protagonisten größtenteils genauso wie der gesellschaftliche Mainstream und die (extreme) Rechte als Kultur-Kämpfer verstehen. Die Vorstellung, es kämpften mehrere organizistisch und als relativ homogen vorgestellte Kulturkreise gegeneinander, ist schon großer Blödsinn. Dem Westen dann noch die Rolle des Vorkämpfers allen Gutens und den Anderen die der rückständigen Barbaren, die sich entweder an den fortschrittlichen Westen anzupassen oder unterzugehen hätten, ist rassistisch. Die positiven Bezugspunkte, die dem westlichen Bürger zur Hand gereicht werden, entpuppen sich darüber hinaus auch noch als die Kernpunkte bürgerlicher Ideologie und Staatlichkeit: Freiheit, Gleichheit, Menschenrecht, Demokratie, politische (rechtsstaatliche) Emanzipation des Menschen. Nun braucht man sich eigentlich nicht zu wundern, warum Antideutsche soetwas gut finden. (mehr…)

Re-Writing a Jungle World Article.

Nach dem rassistischen Mord an einer israelische Frau in einem Dresdener Gerichtssaal ist von wachsendem Antisemitismus die Rede. Das nützt vor allem den reaktionären Vertretern des Judentums.

Kommentar von Thomas von der Osten-Sacken

Dieser Tage beantwortet sich die häufig gestellte Frage, was denn der Unterschied zwischen Antisemitismus und Rassismus sei, selbst: Wird ein vermeintlicher Ausländer in Deutschland von Nazis oder anderen Rassisten ermordet, so stehen jene, die um ihn trauern und gegen die Mörder demonstrieren, alleine da. Ist dagegen »Antisemitismus« im Spiel, wird die Tat im wahrsten Sinne des Wortes zur Chefsache. Dann nämlich nehmen sich ihrer so illustre Gestalten wie der israelische Präsident Shimon Peres, israelische Ministerpräsident Netanjahu, und Charlotte Knobloch von Zentralrat der Juden; also Leute, denen die Tat kein Wort wert gewesen wäre, handelte es sich bei dem Opfer nicht um eine Kippa tragende Jüdin. […]

via communism Ich empfehle auch „Chucks“ Kommentar zum Thema. Die „Jungle World“ demontiert sich als linke Zeitung immer mehr selbst. Das wäre zumindest zu hoffen. Furchtbar wäre es, wenn der rassistische und sonstwie reaktionäre Müll, der in diesem Schandblatt verbreitet wird, auf größere Zustimmung in der Linken stoßen würde, somit als „links“ im deutschen Kontext zu bezeichnen wäre.

Danke Autonome! Pt. 2

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Erhellend: GegenStandpunkt JourFixe zu den Wahlen im Iran.

1. Die Beurteilung durch die hiesige parteiliche Öffentlichkeit
Parteilichkeit heißt nicht, die Sache allein mit einem anderen Vorzeichen zu versehen. Parteilichkeit geht anders, weil sie ein parteilicher Blick auf die Sache selber ist.
a) Als Erstes ist hier aufgekommen, dass man im Iran nach Freiheit drängt. Es sollen Menschen sein, die nach Demokratie streben, nach westlicher Zivilisation, nach so etwas wie bei uns. Alles sind Bilder für ihren Freiheitsdrang. Mussawi hat man als die Figur dafür gefunden und vermutet, dass das wohl ein Reformmensch sei. Könnte das nicht unser Mann und könnte seine Gefolgschaft nicht unsere Massen vor Ort sein?
Dem folgte die Warnung auf dem Fuße: Vorsicht, keine falschen Einbildungen. Er will doch nicht ganz das wie hier. Das war das eine Muster an Stellungnahmen, die sich zwischen diesen beiden Gesichtspunkten hin und her bewegten.
b) Die zweite Schiene fragt sich, was das für die Außenpolitik heißt, für das Aufstellen Irans in Sachen Atompolitik. Könnte da nicht ein kleiner Fortschritt passiert sein und könnte man im Gegenkandidaten irgendwelche Anknüpfungspunkte entdecken? Und wenn es bloß das ist, dass er konzilianter ist. Hat nicht doch das ganze Sanktionswesen gewirkt und kommt nicht das ganze Land darüber etwas zur Vernunft? Kaum gesagt, folgt auch hier schon wieder die Warnung: Vorsicht, der will doch auch dasselbe Atomprogramm. Ob von dem überhaupt ein grundsätzlicher Wandel zu erwarten ist?
c) Die dritte Abteilung ist eine Stufe weiter. Sie hat sich zur Parteilichkeit bekannt und gesagt, man müsse da doch Einfluss nehmen. Wenn es schon nicht gleich die Unseren sind, könne man sie über den Einfluss doch in ganz anderem Sinne vorantreiben, zu unseren Figuren machen. Und auch zu diesem Bekenntnis kam gleich der Hinweis hinzu: Vorsicht, wenn diese Einflussnahme zu offenkundig ist, kann sie nach hinten losgehen und wirkt dann kontraproduktiv. (mehr…)

„Unbehagen von Gewicht“ – zur aktuellen Phase 2.

Die Phase 2 habe ich mir übrigens aufgrund ihrer Empfehlung durch Tekknoatze ausgeliehen – ein Fehler wie sich herausstellte. Einer der wenigen, wenn nicht sogar der Einzige, lesenswerte Artikel, der nicht unter der Zielstellung „Wie kann ich das Ganze in kaum verständlichem Universitätsdeutsch ausdrücken?“ geschrieben wurde, ist Andrea Trumanns Artikel „Pockets of Resistance“, der einem das identitäre Gehampel der Pop-Feministinnen (und Teilen der Queer-Bewegung) als Folge einer Ablehnung „traditioneller“ politischer Praxis erklärt. (mehr…)

Anpassung des Religiösen an moderne Erscheinungen – ein „revolutionärer“ (oder wenigstens sympathischer) Akt?

Oder doch ein alter Hut?

Die jüdische Lehre fordert sogar, die Thoralektüre immer wieder auf das eigene Leben und die Gegenwart zu beziehen.1 Peter Wald weist ebefalls auf das revolutionäre Element der jüdischen Diskurspraktik der Gedächtnispflege hin, die sich immer zwischen den Polen der möglichst genauen Überlieferung und der Erneuerung von Traditionen durch Interpretationen bewegt2 . Kristin Platt schreibt: »Nie waren jüdische Identifizierungen (Gesetz, Schrift, Überlieferung, Geschichtsverständnis) ein statisches Erbe; jüdische Tradition ist kein passiv von den jeweils vorhergehenden Generationen Geerbtes oder Vererbtes, kein über ein definiertes Codesystem festgeschriebenes unverrückbares Wissen, sondern […] eine Erbschaft, also eine generationale Übertragung, deren Sinn und Bedeutung jeweils erschlossen werden muss«.3 (The Golem’s Mighty Swing. Über die Rezeption der Golemfigur im Comic. Jonas Engelmann) (Hervorhebungen von mir)

Man deutet sich es halt um, wie man es gerade braucht. Einige Juden können Religiösität anscheinend auch mit einem punkigen Selbstverständnis in Einklang bringen. Das ist zumindest insofern progressiv, als dass es einem bestimmte Lebenswege und Identitätskonstruktionen nicht von vornherein verbaut und insofern reaktionär, als dass es nicht ohne größere Anpassungsleistungen (die in Richtung der Religion wie in Richtung des Punk erbracht werden müssen) ablaufen kann, die den in der Tat mindestens rebellischen, wenn nicht sogar „revolutionären“ Gehalt des Punk sicherlich verfälschen. Natürlich darf Religionskritik auch religiöse Elemente, mit denen subversive Subkulturen aufgeladen werden (siehe auch: „Jesus-Skins“) nicht verschonen, geht es doch Anhängern dieser oder jener Gottheit mit Ablegen ihres Glaubensbekenntnisses nicht mehr um eine objektive Analyse und eine daran anschließende Kritik ihrer Verhältnisse, sondern um das Einpassen ihrer Erlebnisse in der schlechten Gesellschaft und der Anforderungen jener Gesellschaft an sie in einen idealistischen Wertehimmel – was zumeist dazu führt, das mehr Moral (Nächstenliebe, Pro-Life, Enthaltung, Kampf gegen Dekadenz) in der verlotterten Welt eingeklagt wird oder, wie im Falle der lateinamerikanischen Befreiungstheologen, ein Kampf gegen die herrschenden Zustände aufgenommen wird, der jedoch selten auf einer richtigen Kritik beruht, sondern auf Gründen, die ausgerechnet den überlieferten Botschaften eines Gottes, über dessen Existenz an dieser Stelle nicht gestritten werden soll, entnommen wurden.
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Nüscht mit Tränen inne Oogen.

Jung und brutal

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