Re-Writing a Jungle World Article.

Nach dem rassistischen Mord an einer israelische Frau in einem Dresdener Gerichtssaal ist von wachsendem Antisemitismus die Rede. Das nützt vor allem den reaktionären Vertretern des Judentums.

Kommentar von Thomas von der Osten-Sacken

Dieser Tage beantwortet sich die häufig gestellte Frage, was denn der Unterschied zwischen Antisemitismus und Rassismus sei, selbst: Wird ein vermeintlicher Ausländer in Deutschland von Nazis oder anderen Rassisten ermordet, so stehen jene, die um ihn trauern und gegen die Mörder demonstrieren, alleine da. Ist dagegen »Antisemitismus« im Spiel, wird die Tat im wahrsten Sinne des Wortes zur Chefsache. Dann nämlich nehmen sich ihrer so illustre Gestalten wie der israelische Präsident Shimon Peres, israelische Ministerpräsident Netanjahu, und Charlotte Knobloch von Zentralrat der Juden; also Leute, denen die Tat kein Wort wert gewesen wäre, handelte es sich bei dem Opfer nicht um eine Kippa tragende Jüdin. […]

via communism Ich empfehle auch „Chucks“ Kommentar zum Thema. Die „Jungle World“ demontiert sich als linke Zeitung immer mehr selbst. Das wäre zumindest zu hoffen. Furchtbar wäre es, wenn der rassistische und sonstwie reaktionäre Müll, der in diesem Schandblatt verbreitet wird, auf größere Zustimmung in der Linken stoßen würde, somit als „links“ im deutschen Kontext zu bezeichnen wäre.


34 Antworten auf “Re-Writing a Jungle World Article.”


  1. 1 mané 20. Juli 2009 um 17:07 Uhr

    das judentum ist aber nicht der islam und das dies so ist wird auch klar, wenn man den text bei communism liest, es passt einfach nicht.

    was ist jetzt aber so falsch am text von t.v.d.o.s?

  2. 2 negative potential 20. Juli 2009 um 17:19 Uhr

    das judentum ist aber nicht der islam und das dies so ist wird auch klar, wenn man den text bei communism liest, es passt einfach nicht.

    Bring doch ein Argument, Honk, statt einfach zu philosemitisch rumzulabern das Judentum „einfach halt anders ist“!

  3. 3 mané 20. Juli 2009 um 17:41 Uhr

    naja da wären verschiedene glaubensinhalte und regeln, die unterschiedliche geschichte, das verhältnis zum staatswesen, die militärische potenz, die zahl der anhänger. und das sind unterschiede die mir einfach so auf die schnelle eingefallen sind. schau ich möchte mich da auch gar nicht so emotional an der diskussion beteiligen, ich habe mich auf eine seite geschlagen, sehe das also parteilich und du negatives potential hast dich eben auch auf eine seite geschlagen, auch wenn dir das selbst gar nicht recht ist. lass also einfach die emotion weg, dafür haben wir inhaltlich wohl viel zu wenig gemeinsam.

  4. 4 negative potential 20. Juli 2009 um 17:53 Uhr

    wären verschiedene glaubensinhalte und regeln, die unterschiedliche geschichte, das verhältnis zum staatswesen, die militärische potenz, die zahl der anhänger. und das sind unterschiede die mir einfach so auf die schnelle eingefallen sind

    Ach ja, solche anspruchsvolle Überlegungen hat bestimmt auch der Mörder im Dresdener Gerichtsaal gemacht!

    du negatives potential hast dich eben auch auf eine seite geschlagen

    Welche Seite wäre das denn? Die Seite von Leute, die Rassismus gar nicht so toll finden?

    dafür haben wir inhaltlich wohl viel zu wenig gemeinsam

    Stimmt ja. Ich bin kein Antisemit und Rassist wie Du.

  5. 5 narodnik 20. Juli 2009 um 18:53 Uhr

    OLOL was für ein dezisionistischer Depp. Abgesehen davon ist das JUDENTUM nicht mit ISRAEL und irgendeiner „militärischen Potenz“ identisch. Die „unterschiedliche Geschichte“ von Islam, Judentum, Christentum und Hare Krishna ist geschenkt. Aber antideutsche Berufsideologen sehen ja die Juden eh in der Begriffswelt von „nationaler Schicksalsgemeinschaft“.

  6. 6 mané 21. Juli 2009 um 17:22 Uhr

    nein identisch ist judentum und israel nicht, hab ich auch nicht behauptet, aber feindbilder können besser gepflegt werden, wenn ihnen positionen untergeschoben werden.
    im ernstfall hängt aber auch die zukunft von den juden oder was antisemiten dafür halten, von der schlagkraft des israelischen staates ab.

    und der letzte satz trifft auch nicht, entweder kennst du dich nicht aus oder es ist einfach deine masche anderen in der diskussion positionen unterzuschieben. mich beeindruckts weder, noch fühl ich mich wirklich kritisiert.

  7. 7 Honk 21. Juli 2009 um 18:09 Uhr

    Hauptsache Du bewahrst Deine Neutralität, wenn islamkritische Deutsche Moslems (oder was sie dafür halten) abschlachten. Zynischer und menschenverachtender gehts kaum noch.

  8. 8 stalins enkel 21. Juli 2009 um 18:20 Uhr

    >“das judentum ist aber nicht der islam und das dies so ist wird auch klar“
    „da wären das verhältnis zum staatswesen, die militärische potenz“
    „nein identisch ist judentum und israel nicht, hab ich auch nicht behauptet,“
    Oh, doch hast du. Wie doof.

  9. 9 narodnik 21. Juli 2009 um 20:16 Uhr

    „im ernstfall hängt aber auch die zukunft von den juden oder was antisemiten dafür halten, von der schlagkraft des israelischen staates ab.“

    Der Staat Israel und sein Begründungsideologe Herzl hat ja immer wieder die antisemitischen Ressentiments übernommen im Sinne einer Argumentation für ein jüdisches Staatswesen gegen den Rest der Welt. Es ist zionistisches Programm die Identität von empirisch vorhandenen Juden mit dem Staat Israel als Schutzhort zu behaupten.

    Von welcher Zukunft sprichst du da eigentlich? Das ist einfach mal ein kontrafaktisches Gelabere sondergleichen. Israel behauptet sich qua Gewalt doch alles andere als schlecht. Irgendwie stellst du dir da immer einen geradezu metaphysischen Endkampf zwischen antisemitischer Internationale und Israel vor; damit trittst du als ideeller Politikberater an und weißt sicher auch gute Gründe dafür, im Iran mal so richtig aufzuräumen.

  10. 10 saltzilein 21. Juli 2009 um 23:00 Uhr

    @narodnik

    kiff mal bisschen was, du geiferst ja regelrecht.

    ps. deine mutter verkauft die motz.

  11. 11 mané 22. Juli 2009 um 8:24 Uhr

    der zionismus war eine reaktion auf den antisemitismus, herzl selbst war lange zeit ein anhänger der assimilation. doch spätestens nach der dreyfus affäre wars damit aber vorbei, dann entwickelt er die idee eines jüdischen staates, weil die politische emanzipation in der bürgerlichen gesellschaft nicht möglich schien.
    von der möglichkeit der menschlichen emanzipation hatte er natürlich keine ahnung, er war ja kein gesellschaftskritiker. und so berechtigt die antinationale (antizionismus war schon damals falsch, weil er sich nur gegen den zionismus wendete) kritik am zionismus vor dem holocaust auch war, nach dem scheitern der kommunistischen revolution und der bürgerlichen selbstzerstörung hat der zionismus nachträglich recht und das auch noch so lange wie es den grund für den antisemitismus gibt, also die bürgerliche gesellschaft.

    deine position ist nur dadurch erklärbar, dass du dir der gefahr des antisemitismus nicht bewusst bist.
    im schlimmsten fall, hast du die position aber bewusst gewählt.

  12. 12 bigmouth 22. Juli 2009 um 10:36 Uhr

    ich sehe nicht, wie die shoa zionismus als positives nationalistisches programm rechtfertigt. zionismus ist ja nicht einfach der entschluss, sich gegen pot. mörderischen antisemitismus organisieren, das ist ja viel mehr

  13. 13 negative potential 22. Juli 2009 um 11:41 Uhr

    Ach, mané geht politische Auseinandersetzungen aus dem Weg, indem er einfach sagt, er hat politisch wenig gemeinsam mit seine Kontrahenten. :rolleyes:

  14. 14 carlos 22. Juli 2009 um 12:08 Uhr

    „zionismus ist ja nicht einfach der entschluss, sich gegen pot. mörderischen antisemitismus organisieren, das ist ja viel mehr “

    fragt sich nur warum auch „linke“ kritik immer nur dann laut wird, wenn israel genau diesen zweck erfüllt? mir ist zumindest keine kritik bekannt, die den fokus auf etwas anderes legt, als die militärische behauptung gegen die antisemitische mörderbanden..abgesehen von den waschechten antisemitischen positionen, die das „übel“ quasi an der wurzel packen wollen, also in der existenz des jüdischen staates die ursache für alles leiden sehen.

  15. 15 mané 22. Juli 2009 um 12:26 Uhr

    @ negatives potential
    nach deinen ausfällen hatte ich nicht wirklich das gefühl, dass du über inhalte diskutieren willst. deine gleichsetzung islam und judentum bzw. islamkritik und antisemitismus geht einfach nicht auf. das war meine kritik an deinem blog eintrag. wenn mir dann positionen untergeschoben werden und nicht nur von dir, die ich nicht vertrete, ist das zwar ärgerlich aber auch größtenteils egal, denn kritik tut nur dann weh wenn sie trifft.

  16. 16 earendil 22. Juli 2009 um 12:45 Uhr

    das judentum ist aber nicht der islam

    Irrelevant. Die Gründe für antijüdischen und antiislamischen Rassismus sind aber nicht so sehr verschieden, darum geht’s.

    Aber vielen Dank für einen kleinen Einblick in dein Weltbild:

    Judentum: gut; Islam: schlecht
    -> Antisemitismus: schlecht; Islamophobie: gut

  17. 17 mané 22. Juli 2009 um 13:23 Uhr

    @ earendil
    rassismus wendet sich gegen einen imaginierten „unterwertigen“ und antisemitismus gegen jene die die fähigkeit haben sollen die welt zu beherschen. und das islam und judentum nicht gleich gesehen werden hat man auch im laufe der finanzkrise gesehen. antisemitsche verschwörungstheorien auf der einen seite, lob für islamische prinzipien im bankwesen auf der anderen seite.

    wer zwischen antisemitismus und rassismus unterscheidet, macht damit aber keine wertung, sondern legt dar, dass es nicht das gleiche ist.

    auch die ach so „islamkritsche“ fpö in österreich, ist nicht islamophob sondern fremdenfeindlich. die wollen keine fremden in österreich. (und bei der schießerei im sikhs tempel in wien hat man auch gesehen, das der islam durch eine andere religion austauschbar ist)
    global streben sie dagegen ein bündnis mit der islamischen welt gegen die „one world“ ideologie der usa an. israel dagegen wird als eigentlicher grund für den kampf der kulturen verantwortlich gemacht. und selbst die negative haltung gegenüber der türkei resultierte dem guten aber immer schlechter werdenden verhältnis zu israel.

  18. 18 bigmouth 22. Juli 2009 um 13:33 Uhr

    mane, antisemitismus ist ein spezifischer rassismus. die juden galten den nazis als kulturzersetzende parasiten, die selbst nicht in der lage waren, welche zu schaffen. die waren den ariern gefährlich, so wie das auch die pest sein kann. die sind ebenfalls unterwertig, aber halt gefährlicher als etwa afrikaner

    es gibt zb auch einen rassismus gegenüber japanern und chinesen, der deren verschlagenheit und geschick betont

  19. 19 mané 22. Juli 2009 um 13:43 Uhr

    @ bigmouth das stimmt so einfach nicht, den juden wird von den antisemiten vorgeworfen die welt lenken zu können. sie erscheinen ihnen nicht „halt gefährlicher“ nein von der ausrottung der juden und dem jüdischen prinzip hängt die zukunft der welt ab.

    das es ähnliche phänomene auf der welt gibt ist klar, ressentiments gegen armenier zb oder die gegen chinesen. aber in den letzten jahrzehnten ist es eben auch zu einer globalisierung des antisemitismus gegekommen.

    interessant ist ja auch, das bei diesem ganzen arierkult des öftern auch auf die eigene mittelmäßigkeit verwiesen wurde. (zb beim ns propagandfilm jud süß, der arische hauptdarsteller besticht nur durch seine dumme mittelmäßigkeit)

  20. 20 blob 22. Juli 2009 um 13:56 Uhr

    dass die islamisten die uno und vieles andere mehr fest in ihrer hand halten, ist doch mittlerweile hinreichend bekannt.

  21. 21 carlos 22. Juli 2009 um 14:09 Uhr

    wobei der antisemitismus mit der identifikation der juden mit dem geld seinen anfang nimmt, und die antisemiten dann die kapialistische reproduktion, die sich ja tatsächlich nur marginal und nie in ihrer motivtion an menschlichen bedürfnissen ausrichtet, als gegen sie gewendet oder zu ihrem schaden wahrnimmt. den grund dafür sieht der antisemit in der herbei halluzinierten macht, die juden vermeintlich vermittelt über „raffendes kapital“ ausüben würden, von dem alles „schaffende“ bedroht werde. also die tatsächlich durch kapital vermittelte abstrakte herrschaft wird personifiziert und drückt sich im dämonischen bild des nach weltherrschaft strebenden, alles „natürliche“ zersetzenden juden aus, deren „schädlicher“ einfluss auf die welt nur durch auslöschung beendet werden kann.
    anders gingen die nazis z.B. mit den nichtjüdischen rassistisch als minderwertig, unzivilisiert gefassten menschen um, die als billige arbeitssklaven betrachtet wurden, deren tod (durch arbeit) zwar einkalkuliert wurde, aber nicht explizites ziel war, da von denen keine gefahr ausging.

  22. 22 bigmouth 22. Juli 2009 um 14:21 Uhr

    mane, straight form the horse’s mouth: lies mal „mein kampf“. da wird hitlers geschichtsentwurf als sozialdarwinistischer rassenkampf sehr deutlich. und da sind die juden halt verdammt gefährlich, aber eben nicht überlegen, da nicht in der lage, kulturschaffend zu sein

  23. 23 Boing 22. Juli 2009 um 14:58 Uhr

    @carlos: Antisemitismus ist ein bisschen älter als die NS-Bewegung und nimmt und nahm keineswegs seinen Anfang keineswegs immer „mit der identifikation der juden mit dem geld“. Das ist ein Aspekt im modernen Antisemitismus der NS-Prägung, es existieren allerdings unzählige andere. Juden wird so ziemlich alles vorgeworfen, z.B. nationalistisch und kosmopolitisch zu sein, hinter Kapitalismus und Kommunismus zu stecken, nicht gemeinschaftsfähig zu sein und extrem zusammen zu halten, usw.. Natürlich werden Juden von Antisemiten auch für Wucher, Spekulation u.ä. verantwortlich gemacht – ähnlich wie z.B. Han-Chinesen in Tibet. Den Begriff des Antisemitismus darauf zu reduzieren, um ihn damit besser für tagespolitische Auseinandersetzungen nutzen zu können (mit der Argumentationslinie: Antisemitismus ist kein Rassismus, Rassismus ist deshalb weniger schlimm, wer Rassismus skandalisiert relativiert Antisemitismus, usw. – siehe Bahamas, Konkret & Jungle World die letzten Jahre) ist ebenso unlauter wie gefährlich. Damit wird man einerseits blind gegenüber anderen existierenden Ausprägungen des Antisemitismus – in Osteuropa ist z.B. der klassische christliche Antisemitismus (wegen „Gottesmord“ & Co) immer noch virulent, im Nahen Osten werden ebenfalls religiöse Argumentationsmuster benutzt um Juden zu dämonisieren. Andererseits ignoriert man die Wandelbarkeit des Antisemitismus: Antisemiten finden immer neue „Gründe“, warum Juden vernichtet werden sollten. Das hat sich ja auch mit der Gründung Israels gezeigt: während vorher Juden v.a. ihre Wurzellosigkeit vorgeworfen wurde, bauten Antisemiten nun Vorwürfe wegen Nationalismus in ihre Argumentation ein. Hieß es früher, Juden wären alle Schwächlinge, die sich vor dem Militär drücken, stellt der Antisemit heute Juden als brutale militaristische Schlächter dar. Und solche Anpassungen wird es auch in Zukunft geben, keiner weiß wie der Antisemitismus in 50 Jahren aussieht. Sollte Israel irgendwann von der Landkarte verschwinden, könnten Antisemiten wieder anfangen, Juden als wurzellose Kosmopoliten ohne echtes Nationalgefühl zu bezeichnen. Deshalb macht es keinen Sinn, eine Antisemitismus-Definition allein auf eine antisemitische Argumentationslinie im NS-Faschismus aufzubauen.

  24. 24 Wendy 22. Juli 2009 um 15:14 Uhr

    „dann entwickelt er die idee eines jüdischen staates, weil die politische emanzipation in der bürgerlichen gesellschaft nicht möglich schien.“

    lol!

    Ansonsten kommen ja die altbekannten antideutschen Argumentationsmuster in Reinform: Antisemitismus sei „schlimmer“ und bekämpfenswerter als Islamophobie, weil er anders als diese funktioniert; dass es Islamophobie gibt, wird sowieso bestritten, denn einen sich spezifisch gegen den Islam richtenden Rassismus will man nicht entdecken.

    Selbst wenn der Antisemitismus, wegen seinen slightly anderen Argumentationsmustern, etwas ganz anderes als der normale Rassismus wäre, folgt daraus logisch noch lange keine Israelsolidarität. Gute Argumente dafür, dass Antisemitismus ein spezifischer Rassismus ist, finden sich hier unter anderem bei bigmouth.

    earendil fasst die antideutsche Ansicht von Bahamas bis Konkret zusammen:

    „Judentum: gut; Islam: schlecht
    -> Antisemitismus: schlecht; Islamophobie: gut“.

  25. 25 Wendy 22. Juli 2009 um 15:34 Uhr

    Islamophobie ist kein Privatvergnügen scheinbar überempfindlicher Muslime, kein Privileg, das sie gegenüber der Mehrheitsgesellschaft ausspielen wollen. Genauso wenig wie die anderen „Ismen“: Der Vorwurf des Antisemitismus ist nicht etwa eine hinterhältige Waffe der Juden, sondern der Hinweis darauf, dass jemand anders die Waffe auf sie gerichtet hat. Frauen machen nicht auf berufliche Benachteiligungen aufmerksam, um den Kollegen die Stimmung zu verderben, sondern weil ihnen selbst die Stimmung am Arbeitsplatz bereits verdorben ist. Natürlich kann man alles missbrauchen. Vereinzelt haben Frauen falsche Sexismus-Vorwürfe erhoben; es gibt Muslime in anderen Ländern, die das Problem „Islamophobie in Deutschland“ für ihre eigenen Agitationen nutzen. Doch das sind sekundäre Phänomene, sowohl von ihrer Häufigkeit als auch ihrer Logik her. Zuerst kommen Ausgrenzung und Verbrechen, dann kommt der Vorwurf. Nicht der Vorwurf ist die Gemeinheit, sondern der diskriminierende Akt, der davor geschah!

    Doch rassistisch, antisemitisch oder ausländerfeindlich wird eine Äußerung oder Handlung weniger durch die individuelle Absicht eines Einzelnen; sie erhält diese Bedeutung erst vor einem allgemeineren Muster im Hintergrund. Dass die Islamophobie in Deutschland zugenommen hat, bedeutet zum Beispiel, dass sich in unserem öffentlichen Sprechen ein Muster etabliert hat, das bestimmte Bilder evoziert (verschleierte Frauen, Massenszenen von beim Beten hochgereckten Hintern), einige Fragen vernachlässigt („Warum ist der Islam in Deutschland rechtlich den Kirchen nicht gleichgestellt?“) und andere privilegiert („Warum haben die immer noch kein Deutsch gelernt?“). Dieses Muster klassifiziert Angehörige einer Bevölkerungsgruppe über Stereotype und lässt die Einzelnen eher als ausführende Organe ihrer vermeintlichen „Kultur“ erscheinen denn als individuelle Akteure mit eigenen Präferenzen und Entscheidungen.

    Kommentar: Das reine deutsche Gewissen, Schuldabwehr statt Schuldbewältigung: Zum Mord an Marwa El Sherbini. Kolumne von Hilal Sezgin.

  26. 26 carlos 22. Juli 2009 um 16:12 Uhr

    b: ich bin mir darüber im klaren. G.Scheit hat mal soweit ich weiss in bezug auf den „klassischen christlichen“ A. in genialer analogie zum kapitalbegriff, von der ursprünglichen akkumulation des antisemitismus gesprochen, was, wegen der identifikation der juden mit dem kapital durch „moderne?“ antisemiten doppelt richtig ist, und damit ganz treffend eben genau das umschlagen dieses kl.A., vom ursprünlich mehr rassistisch/fremdenfeindlichen, in ein projekt, dass auf totale vernichtung zielt, beschrieben.
    und genau dieser wunsch zur vollständigen vernichtung hat seine wurzeln m.E. nach in der assoziation der juden mit „raffenden“ kapital (incl.weltherrschaftsanspruch der DAMIT verwirklicht wird) als die ultimative bedrohung für die nationalsozialistische (deutsche) gesellschaft und
    ist der entscheidende unterschied zum antijüdischen rassismus. so ist ja auch der sozialdarwinismus eigentlich nicht das argument für das MORDEN sondern für die HERRSCHAFT (der starken über die schwachen), also der vernichtungsantisemitismus muss schon dagewesen sein und hitler hat den s.darwinismus dahingehen modifiziert (ich hab das nicht gelesen, is nur ne vermutung)
    ich wollte den antisemitismus nicht darauf reduzieren, sondern nur ne mögliche erklärung diskutieren, warum nationalsozialistische antisemiten die juden (alle!) tot sehen wollen.

  27. 27 earendil 22. Juli 2009 um 16:17 Uhr

    @Mané & Carlos: Es gibt durchaus bedeutende Gemeinsamkeiten zwischen Antisemitismus und Islamophobie, darauf wurde schon des öfteren hingewiesen.

    Und ich glaube nicht, dass der Text beides in allen Einzelheiten gleichstellen wollte. (Klar gibt’s Unterschiede, aber die werden IMHO von AD-Seite völlig überbewertet.) Es ging wohl eher darum, die unerträgliche Verharmlosung oder Leugnung von Islamophobie allgemein und speziell bei dem Mord in Dresden, die in diesem Artikel (der ja nun wirklich kein Einzelfall ist) gemacht wird, deutlich zu machen.

  28. 28 Boing 22. Juli 2009 um 17:39 Uhr

    „und damit ganz treffend eben genau das umschlagen dieses kl.A., vom ursprünlich mehr rassistisch/fremdenfeindlichen“

    Der klassische Antisemitismus war selbstverständlich im Wortsinne weder rassistisch (man konnte doch Konversion der Verfolgung entgehen) noch fremdenfeindlich (bei den Opfern handelte es sich um Nachbarn und nicht um „Fremde“), sondern einfach christlich-religiös begründet. Die rassistische Komponente ist erst im modernen Antisemitismus zu finden, ganz anders übrigens als die von Dir so hervorgehobene ökonomische. Die ist keine Erfindung der Nazis, Juden als Schacherer und Wucherer und zu verdammen gehört schon immer zum christlichen Antisemitismus.

  29. 29 carlos 22. Juli 2009 um 20:29 Uhr

    ja, mir hat das auch nicht so richtig gepasst..also konkret war es ja so das juden z.B. gezwungen wurden außerhalb der stätde oder in ghettos zu leben und keinen „ehrenwerten“ berufen nachgehen durften, keine waffen tragen durften usw., dann halt für allerlei unheil verantwortlich gemacht wurden..selbstverständlich ist rassistisch völlig falsch an der stelle, fremdenfeindlich passt aber vielleicht doch etwas, unter dem aspekt des schon augenscheinlichen „anders sein“ kleidung,religion,sprache..und „nachbarn“ waren die opfer des antisemitismus auch als er rassistisch begründet wurde, teilweise wurden ja gemeinden mit jahrhunderte langen traditionen deportiert und ermordet.
    das juden als schacherer und wucherer gesehen wurden lag vor allem daran, dass das (klein-)kreditgeschäft die einzige möglichkeit für juden war, geld zu verdienen weil sie keinen anderen berufen nachgehen durften.
    in der bibel wird man dazu wahrscheinlich nicht viel finden.
    die ökonomischen aspekte halte ich für so wichtig weil ich sie, wie bereits dargestellt, für die ursache für das besonders (auch wenns einige ankotzt) mörderische potential und die extreme anfälligkeit breiter bevölkerungsschichten für antisemitismus halte.

  30. 30 Boing 23. Juli 2009 um 2:13 Uhr

    Keine Ahnung wie Du auf die angeblich besonders „extreme anfälligkeit breiter bevölkerungsschichten für antisemitismus“ kommst. Umfragen zeigen in Deutschland konstant ein anderes Bild. Gehasst werden in erster Line Ausländer, Moslems im besonderen. Etwa 1/3 der Deutschen bekennt sich offen zu ausländerfeindlichen Parolen (Studie „Bewegung in der Mitte“), hält Deutschland für „überfremdet“, von Moslems unterwandert und fordert „Ausländerstopp“ und Deportierungen. Die deutsche Linke reagiert darauf bestenfalls mit Ignoranz, teilweise mit Relativierung (ist immerhin kein Antisemitismus), schlimmstenfalls mit Leugnung (Islamophobie existiert nicht, ist Kampfbegriff der Mullahs, Deutsche lieben den Islam, etc.) oder Lob (immer mehr Leute wenden sich gegen islamische Terror, Bürger wachen auf, aufrechte Demokraten wehren sich gegen reaktionäre Bedrohung, usw.). Sogar bei islamophoben Morden fällt der linken Presse nichts besseres ein als Relativierung und Abwehr. Ist es denn wirklich so schwer zu begreifen, dass es nicht in Ordnung ist jemand umzubringen weil er Moslem ist? Wo sind da die „zivilisatorischen Mindeststandards“, die sonst immer von allem und jedem eingefordert werden? Wieso übernimmt die „linke“ Presse die Drecksarbeit der Bundesregierung, deutsche Morde an MigrantInnen zu relativieren, als unbedeutend und Einzelfälle abzutun, Deutschland von jeder Schuld freizusprechen und das Ausland dafür anzugreifen, dass es „uns“ ein schlechtes Gewissen machen will?

    Und selbst wenn Antisemitismus was vollkommen anderes als Rassismus wäre, und unter Deutschen viel verbreiteter wäre als Islamophobie – ist das wirklich ein Grund Islamophobie nicht zu bekämpfen, rassistische Morde zu relativieren und unter den Teppich zu kehren? Ist das „Argument“, antimuslimischer Rassimus würde Juden helfen und wäre deshalb irgendwie in Ordnung wirklich so überzeugend?

  31. 31 carlos 23. Juli 2009 um 8:06 Uhr

    antimuslimischer rassismus (selbst islamophobie) hilft juden nicht, weil er den antisemitismus nicht aus der welt schafft.

  32. 32 diskogängerin 23. Juli 2009 um 13:23 Uhr

    israel hilft juden auch nicht ;)

  33. 33 Wendy 23. Juli 2009 um 14:38 Uhr

    carlos: Da haben die Muslime grad nochmal Glück gehabt…

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