„Globalisierung“?

„Globalisierung“ ist ein äußerst schwammiger Begriff, der die tatsächlichen internationalen Vorgänge, die damit oft beschrieben werden, nicht nur verkürzt, sondern ganz und gar unzutreffend beschreibt und als in Think Tanks erfundende, medial verbreitete und weithin geglaubte Lüge bezeichnet werden kann:

Eine Neuheit ist dagegen die Erfindung und Verbreitung des Schlagworts „Globalisierung“. Bekanntlich sind darauf nicht die Globalisierungsgegner gekommen, sondern die Staaten, die als „Weltwirtschaftsmächte“ die Maßstäbe der Konkurrenz auf dem Weltmarkt setzen. Was die über Jahrzehnte betrieben haben, nämlich den ganzen Globus mit ihren Kapitalverwertungsprozessen zu überziehen, bezeichnen sie nun mit dieser Modevokabel – aber mit einem entscheidenden und alles verdrehenden Zusatz. Sie behaupten nämlich, sie seien der „Globalisierung“ ausgesetzt. Da gibt es jetzt also das international agierende Kapital, dessen sich – ausgerechnet die kapitalstärksten Staaten – angeblich erwehren müssen. Sozusagen reihum bezeichnet sich jeder dieser Staaten als Opfer der Konkurrenz, die er über Jahre vorangetrieben hat. Diese Lüge ist zu der Ideologie der heutigen Macher geworden. Mit dieser Ideologie ziehen sie eine Maßnahme nach der anderen durch, die von nichts anderem zeugen als dem unbedingten Willen, in der Konkurrenz der Nationen zu bestehen und andere Nationen zu den wirklichen Opfern, also Konkurrenzverlierern, zu machen. Damit wird der nationalen Arbeitskraft in der Konkurrenz der Nationen ein neuer Status aufgezwungen: Sie soll als Waffe in dieser Konkurrenz eingesetzt werden, indem sie verbilligt wird. Was das für die beschäftigten und beschäftigungslosen Arbeitskräfte bedeutet, kennt jeder: Unter Titeln wie „Modernisierung des Sozialstaates“ und „Standortsicherung“ spricht der Staat erstens klipp und klar aus, dass er den Zugriff auf alle Lebensumstände seines Arbeitsvolks hat und dass er es zweitens als Material im Kampf gegen andere Nationen beansprucht und einsetzt. […] Natürlich wird das […] immer von einem „leider“ begleitet: Nur auf Grund der äußeren Zwänge der Globalisierung „müsse“ der Staat sich so verhalten. Mit dieser Globalisierungsideologie rechtfertigt der Staat das, was er als führender kapitalistischer Staat will, als unabänderlichen „Sachzwang“.

Und noch etwas witziges zum Verhältnis von Staatschefs und Protestbewegung:

Einen Appell an ihren guten Willen nehmen sie allemal entgegen, dafür muss die „Bewegung“ aber den Nachweis erbringen, dass sie mit denen, die die Gipfel mit zivilem Ungehorsam stören, nichts zu tun haben wollen. Es heißt, ihre „berechtigten Anliegen“ würden „durch die Vermummten diskreditiert“. Das ist ein starkes Stück: Bis zum Zeitpunkt der Straßenkämpfe von Seattle usw. haben die G8-Staatschefs und ihre Sachverständigen in Wissenschaft und Publizistik den bis dato „friedlichen Demonstranten“ nie bescheinigt, „berechtigte Sorgen“ zu äußern, da wurden sie einfach als weltfremde Spinner abgetan. Seit es Störer gibt, schmeicheln die Politiker und journalistische Öffentlichkeit den nicht-militanten Teilen der Globalisierungsgegner, sie hätten ja so bedenkenswerte Einwände…

Da soll sich nochmal ein Demo-Organisator über uns Krawalltouristen beklagen, ihr Anliegen würde durch Randale torpediert! ;)

Die Zitate sind aus der Broschüre des AK Gegenargumente zur sog. „3. Welt“ (.pdf-Link).