„Die Frage war mir jetzt zu lang“.

Ich habe mir mal die Veranstaltung der Naturfreundejugend Berlin im Tristeza angeschaut. Dort stellte der sog. „AK Pink Rabbit“ seine Broschüre vor. Die Veranstaltung unterteilte sich in ca. 1 h Vortrag und 1 h Debatte.

Vorab gleich mal meine Einschätzung: Gut gemeinte, aber letztlich erheblich mangelhafte Nationalismuskritik, die in der ersten Stunde vorgetragen wurde. Die Debatte war dann ein Totalausfall der Referentinnen und Referenten.

Gut gemeint war die Kritik deshalb, weil die Freunde der Natur immerhin festgestellt haben, dass der Staat und die Ideologie des Nationalismus einigen Leuten Leid antut. Gemeint sind aber lediglich queere Leute, Ausländer und wahrscheinlich auch Juden, wobei der Antisemitismus nicht großes Thema war.

Das hat natürlich den Hammer gleich in sich: Was der Staat mit den Inländern anstellt, was die sich da in ihrem Patriotismus falsch erklären, war gar nicht Thema. Der Höhepunkt war, dass ein Beitrag aus dem Publikum, in dem von den „Privilegien“ als Inländer („Ich bin privilegiert gegenüber aus Ausländern….ich kann mir jede Wohnung nehmen, die ich will“) schlicht unwidersprochen blieb.

Kritischen Beiträgen aus dem Publikum, von denen es recht viele gab, konnten die Referenten mehr oder weniger nichts entgegensetzen. „Die Frage war mir jetzt zu lang“. „Die Frage ist mir jetzt zu generell“ waren nur einige Höhepunkte des Totalausfalls der Rednerinnen und Redner.

Insofern ist die Nationalismuskritik der Naturfreunde eigentlich keine Kritik des Nationalismus, sondern vielmehr ein Auftakt zur Reform des Nationalismus; ein Plädoyer für einen Nationalismus, der Ausländer, queere Leute und Homos und Juden toleriert. Huch! Das gibt es ja schon längst.

Es gab sicher noch mehr zu sagen, ich hab aber nicht wirklich alles mitbekommen, weil ich schlecht saß. Es gibt aber Mitschnitte von der Veranstaltung.

Ziemlich dünn also alles. So bleibt zu sagen, dass der Rosa Hase allenfalls Hunger auf Hasenbraten gemacht hat.

P.S. Wenn man sich mal überlegt, dass bei 99,5 % Patrioten in diesem Land die 0,5 % Nationalismuskritiker so aussehen wie die Naturfreunde, dann weiß man gar nicht recht, was man schlimmer finden soll: die Nationalisten oder ihre Kritiker…


31 Antworten auf “„Die Frage war mir jetzt zu lang“.”


  1. 1 huchja 18. April 2010 um 0:26 Uhr

    Deine dreipunktierte Frage am Schluss kann man nur mit „die Nationalisten“ beantworten. Die Naturfreundejugend schlägt immerhin keine „Ausländer, Juden, queere Menschen“ zusammen und läuft nicht mit um die Hüfte gebundenen Deutschlandfahnen gröhlend durch die Innenstadt.

    Ansonsten würde ich Dir fast recht geben, auch wenn du ein/e arroganter Schmierlappen/in bist, aber vielleicht ist das auch ganz gut so.

  2. 2 Wendy 18. April 2010 um 4:50 Uhr

    Die (rhetorische) Frage am Ende war etwas doof, aber hey: Ich war verkatert! Solche Rankings der verkehrtesten Ideologie zu machen, ist sowieso Quatsch. Außerdem suggeriert das, dass die NFJler keine Nationalisten seien…

  3. 3 tscheka 18. April 2010 um 13:48 Uhr

    Quatsch ja. Aber du hast die Naturfreunde doch selber unter die 0,5 Prozent der Nationalismuskritiker subsumiert.

  4. 4 rep 18. April 2010 um 16:31 Uhr

    eigentlich mag ich die nfj persönlich ganz gern, aber: menschen, die der gesamtscheisse einen hasen entgegensetzen, kann ich nicht ernst nehmen. löblich, dass du dir trotzdem mal eine ihrer veranstaltungen reingezogen hast.

  5. 5 Wendy 18. April 2010 um 23:05 Uhr

    tscheka: Siehe oben, die Kritik an dem kleinen Passus ist angekommen. Mal so gesagt: Wenn ein Teil der ohnehin schon kleinen Truppe, die mit dem Ziel der Nationalismuskritik angetreten ist, nüchtern gesehen wenig am Nationalismus zu kritisieren hat, ist das doch schon ganz schön arg.

    Ein Kommentar zur „Arroganz“, der sonst nichts inhaltlich beigetragen hat, habe ich einfach mal in der Kommentarspalte verschwinden lassen. Über solche Fragen lohnt es sich nicht zu streiten und wer meint, dass ich die Qualität der Veranstaltung falsch eingeschätzt habe, wartet am Besten einfach auf den Mitschnitt und beurteilt das dann selbst.

  6. 6 blickwinkelanalysetool 19. April 2010 um 16:16 Uhr

    Ähm Wendy, schonmal was von Restriktionen gegen solche Menschen gehört, die für das nationale Kollektiv nicht als anspruchsberechtigt gelten? Ne? Vielleicht sagen dir Repressionsmaßnahmen wie die Residenzpflicht ja was. Und ja, ich werd vom Staat geschädigt und von der Ökonomie, die der betreut erst recht. Dass ich mich wenigstens keinem staatlichen Rassismus aussetzen lassen muss kann man durchaus mal als Privleg betrachten, das ändert ja nichts daran, dass ich die Nation für größten Scheiß halte. Auch die Schlußfolgerung daraus, dass sich nur eine Reform der Nation gewünscht wurde halte ich für grenzwertig, eher falsch.

  7. 7 Wendy 19. April 2010 um 16:33 Uhr

    Oh Mann. Dass es sowas gibt, hat niemand bestritten. Aber es hat nicht viel mit einer Kritik des Nationalismus zu tun, wenn man dessen Auswüchse anprangert (auf Mitleid mit Ausländern spekuliert), ohne zu erklären, warum es überhaupt die Scheidung zwischen In- und Ausländern gibt, was ein Staat so mit seinem Staatsvolk vor hat und warum das mitnichten Sachen sind, die so toll für die Inländer sind, dass man am Besten den Ausländern die volle Teilhabe am nationalen Kollektiv erkämpfen sollte.

    Da ist doch das Beispiel mit dem Recht auf Freizügigkeit, wo einer dann behauptete, er könne sich überall eine Wohnung nehmen. Wenn dem so wäre, würde ich in einem Loft in Kreuzberg wohnen und ab und an zu meinem Haus am Wannsee rausfahren…

    Zugespitzt kann man sagen, dass die humanistisches Weltbürgerzeug erzählt haben, aber keine Nationalismuskritik geleistet haben.

  8. 8 Rick Dangerous 19. April 2010 um 22:55 Uhr

    Auch die Schlußfolgerung daraus, dass sich nur eine Reform der Nation gewünscht wurde halte ich für grenzwertig, eher falsch.

    Das war gar nicht die Schlussfolgerung von wendy. Das wäre nur – wenn man die NFJ-KRitik ernst nimmt – die tatsächlich saubere Schlussfolgerung, wenn man die Härten für die Inländer gar nicht zur Kenntnis nimmt.
    Passend dazu: Einer vom Podium meinte, dass die Inländer „was vom Nationalismus haben“. Da meinte einer vom Publikum: Wenn die Nationalisten davon was haben, dann braucht man das doch auch nicht kritisieren. Anders gesagt: „was“ die davon haben, wäre wirklich mal die Frage!

  9. 9 Bernd das Brot 20. April 2010 um 14:44 Uhr

    Dass ich mich wenigstens keinem staatlichen Rassismus aussetzen lassen muss kann man durchaus mal als Privleg betrachten, das ändert ja nichts daran, dass ich die Nation für größten Scheiß halte

    Schon sehr interessant, dass man als Inländer keinem staatlichen Rassismus ausgesetzt ist. Dabei gibt mir der Staat doch qua meiner Natur jede Menge Menschenrechte – schon mal aufgefallen, dass der Universalismus der Menschenrechte so ziemlich der der dickste Rassismus es den’s gibt?! Dass ich qua meiner Natur ein Freund von Freiheit und Eigentum sein soll und sonstige Menschenbilder, die es so gibt, haben da ihre rassistischen Überlegungen mit sich und sind rechtlich ohnehin ziemlich wirkungsmächtig WEGEN der Staatsgewalt, welche sie setzt und betreut.

    Aber Rassismus geht ja erst los, wenn ein paar Afrikaner abgeschoben werden…umgekehrt ist der Dienst am Eigentum anderer ein „Privileg“ – linker Antirassismus kann so einfach und verkehrt sein! :P Aber nichts anderes haben auch die NFJler_innen drauf.

  10. 10 Wendy 20. April 2010 um 17:07 Uhr

    „…ein paar…“

    was trägt so ein Arschlochtum zu einer Argumentation bei? Dass mehr als „ein paar Afrikaner“ und andere Ausländer jedes Jahr in elende Zustände abgeschoben werden, die sie der kapitalistischen Metropole zu verdanken haben, sollte dir klar sein…

  11. 11 d 20. April 2010 um 17:56 Uhr

    Dabei gibt mir der Staat doch qua meiner Natur jede Menge Menschenrechte – schon mal aufgefallen, dass der Universalismus der Menschenrechte so ziemlich der der dickste Rassismus es den’s gibt?!

    von der natur ALS MENSCH auf rassismus zu schliessen finde ich jetzt aber gewagt. speziesistisch trifft es da eher ;)

    davon abgesehen ist das doch gar keine ableitung aus der natur, die da gemacht wird, sondern eine schlichte ideologische behauptung.

  12. 12 Bernd das Brot 20. April 2010 um 18:13 Uhr

    Das war flapsig dahinformuliert ohne das Leid absprechen zu wollen. Streich das „ein paar“ – darauf kam es gar nicht an.

  13. 13 bigmouth 20. April 2010 um 21:40 Uhr

    schon mal aufgefallen, dass der Universalismus der Menschenrechte so ziemlich der der dickste Rassismus es den’s gibt?!

    das ist ein komischer rassismus, der weder differenzierungen zwischen menschen noch sortierung noch auschluss derselben kennt. oder ist es rassismus, dass schimpansen keine menschenrechte haben?

    ausserdem ist das menschenrecht ja eine juristisch konstruierte zuschreibung eines rechts, und keine aussage über vermeintliche biologische essentialismen bestimmter menschengruppen

  14. 14 Stanislaw Hirschfeld 20. April 2010 um 22:18 Uhr

    „von der natur ALS MENSCH auf rassismus zu schliessen finde ich jetzt aber gewagt. speziesistisch trifft es da eher“

    Denkt denn hier niemand mal an die Tierchen? Denkt denn hier wirklich niemand auch nur eine Sekunde mal an die armen papierlosen Tierchen?

    LOLipop!!1

  15. 15 d 20. April 2010 um 23:18 Uhr

    stanislaw: wieviel smilies brauchst du nulpe eigentlich?

  16. 16 Stanislaw Hirschfeld 21. April 2010 um 0:36 Uhr

    Entschuldigung, die Frage war mir jetzt zu lang. Du Schnulli.

  17. 17 jochen 21. April 2010 um 11:12 Uhr

    ‚ausserdem ist das menschenrecht ja eine juristisch konstruierte zuschreibung eines rechts, und keine aussage über vermeintliche biologische essentialismen bestimmter menschengruppen‘

    da du jede menge essentialismen der menschennatur kennst, fällt dir der rassismus auch nicht auf.

  18. 18 Infidel Castro 21. April 2010 um 15:17 Uhr

    Bigmouth, es mag von Bernd nicht gut ausgeführt sein, was mit Menschenrechte = Rassismus gemeint ist, aber den eigenen Rassismusbegriff gegen den seinigen zu halten ist keine Kritik, sondern nur Rechthaberei. Dann frag ihn wenigstens, was er damit meint.

  19. 19 d 21. April 2010 um 17:51 Uhr

    entschuldigung angenommen. du pupsbirne.

  20. 20 lala 23. April 2010 um 11:01 Uhr

    Ich hab mal ne ganz andere Frage: Die Veranstaltung sollte in Gebärdensprache gedolmetscht werden. Hat das stattgefunden?

  21. 21 Wendy 23. April 2010 um 14:40 Uhr

    Ja. Und wenn man darauf aufmerksam macht, werden wohl auch die anderen Veranstaltungen übersetzt.

  22. 22 Haddock 23. April 2010 um 15:22 Uhr

    Sollte jemand die Veranstaltung der Jungen Linken am 22. Juni zu Antinationalismus & Kapitalismuskritik besuchen, wäre ein Bericht prima. Man wüsste schließlich gern, wie die ihre Frage „Wie sieht eine deutschlandspezifische Kritik an Nation aus, die insbesondere einer kapitalismuskritischen Perspektive Rechnung trägt?“ beantworten.

  23. 23 Wendy 23. April 2010 um 16:01 Uhr

    Ist es ein Gebot der Höflichkeit, die dämliche Denke der einladenden Gruppe zu übernehmen?

  24. 24 Haddock 23. April 2010 um 16:45 Uhr

    Ich vermute mal, dass Opportunismus nicht der Grund für solche Fragestellungen ist. Der JL wird halt auch nicht entgangen sein, dass ein zentraler Streitpunkt innerhalb der antinationalen Szene die Frage ist, ob es sowas wie „das Besondere/Spezifische“ dieser Nation gibt und wie das ggf. zu kritisieren ist. Die Differenzen z.B. von TOP Berlin mit Berliner und Leipziger Gruppen aus diesem Millieu drehen sich ja genau um diesen Punkt.

    Vor diesem Hintergrund wäre es halt interessant zu erfahren, wie sich Junge Linke zu diesem Streit stellen. Dass da was kommen wird, lässt sich der oben zitierten Passage der Ankündigung ja unschwer entnehmen. Deshalb meine Anfrage.

    P.S. Habe gerade entdeckt, dass die Veranstaltungen mitgeschnitten werden sollen. Das wäre natürlich noch besser.

  25. 25 Wendy 23. April 2010 um 17:35 Uhr

    Dass es da etwas „deutschlandspezifisches“ gibt, das bei der Nationalismuskritik eine große Rolle spielt, ist mit der Fragestellung doch von JL schon unterschrieben. Ich bezweifle mal, dass die da irgendwelche Banalitäten mit meinen. Mal gucken, was kommt.

  26. 26 Haddock 23. April 2010 um 17:48 Uhr

    Ich erwarte auch, dass da sowas kommen wird. Weil aber in der Vergangenheit bei Online-Diskussionen regelmäßig der Vorwurf laut wurde, man würde denen fälschlicherweise was unterstellen, sollte man besser abwarten, ob sich der Verdacht bestätigt. Das ist ja das Schöne an Mitschnitten.

  27. 27 egal 23. April 2010 um 20:48 Uhr

    Gibt es die Broschüre der NFJ eigentlich auch irgendwo so layoutet, das man den ganzen Text lesen kann? Denn in der verlinkten Version ist ja der Text oft von den Grafiken abgeschnitten.

  28. 28 bpjk 24. April 2010 um 23:35 Uhr

    „Gut gemeint war die Kritik deshalb, weil die Freunde der Natur immerhin festgestellt haben, dass der Staat und die Ideologie des Nationalismus einigen Leuten Leid antut. Gemeint sind aber lediglich queere Leute, Ausländer und wahrscheinlich auch Juden, wobei der Antisemitismus nicht großes Thema war.

    Das hat natürlich den Hammer gleich in sich: Was der Staat mit den Inländern anstellt, was die sich da in ihrem Patriotismus falsch erklären, war gar nicht Thema.“

    Sind „queere Leute“ und „wahrscheinlich auch Juden“ eigentlich keine „Inländer“?

  29. 29 Wendy 25. April 2010 um 16:39 Uhr

    Je nachdem. Wichtig ist, dass die den Nationalismus dafür kritisiert haben, dass der bestimmte Leute ausschließt und diskrimiert. Das macht der natürlich und das ist auch kritikabel, aber den ganzen Rest des nationalistischen Normalfalls haben die überhaupt nicht kritisiert.
    Und im Falle des NS wurden ja zum Beispiel auch Leute, die Staatsbürger waren, durch eine spezielle nationalistische Ideologie zu eigentlichen volksfremden Staatsfeinden erklärt. Insofern kann mM auch jemand, der Inländer ist, unter diesen von NFJ kritisierten Ausschluss fallen.

  30. 30 Wendy 30. April 2010 um 18:54 Uhr
  31. 31 leia organic 05. Mai 2010 um 14:30 Uhr

    @ egal: einfach denen eine mail schreiben (info@naturfreundejugend-berlin.de), die schicken dir ne papierversion zu, ist soweit ich weiss sogar kostenlos auch in größeren mengen

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