Die Nation im »Fußball-Fieber« – das Spektakel ist vorbei, der Nationalismus besteht weiter!

[…]Nochmal: Worum geht es bei der WM und diesem Drumherum? „Es geht um Fußball, also um die Nation“, schreibt der Spiegel – und tut so, als sei das „also“ völlig logisch. Das Magazin für die Durchblicker weiß mal wieder, wie der Hase läuft: Sport wird hergenommen, um nationales Identitätsgefühl zu erzeugen – und findet das völlig in Ordnung! Denn an etwas orientieren, mit etwas identifizieren, das brauchen die Massen nun mal, insbesondere in „schweren Zeiten“. Warum sie das brauchen und was es ihnen eigentlich nutzt in ihren „schweren Zeiten“ – diese Frage soll genau so wenig aufkommen wie die: Was ist das eigentlich, die Nation? Denn auch da ist alles längst klar: Alle Menschen haben eine und es ist eine Art natürliches Lebensgefühl aller Menschen, sich in ihrer nationalen Gemeinschaft aufgehoben zu fühlen. Bumms. Aus! Mehr gibt es da nicht zu fragen!
Dass die Nation eine ziemlich eigenartige Gemeinschaft ist; dass sie ihren Kern in der politischen Zwangsgemeinschaft hat, die der Staat mit seiner Gewalt über Land und Leute herstellt; dass sie ökonomisch eine Gemeinschaft ist, die durch Konkurrenz und Klassengegensätze gekennzeichnet ist; dass das Gemeinschaftsgefühl eines ist, dass von allen materiellen und herrschaftsmäßigen Gegensätzen absieht und hinsieht auf den Erfolg des „großen Ganzen“, von dem jeder einzelne abhängig (gemacht) ist – diese ganze Palette von Gewalt und Opportunismus ist unterstellt und abgehakt, wenn sich ein nationales Kollektiv dann auch noch die höheren Weihen verleiht und sich – in Gestalt seines neuen Bundespräsidenten, in seiner Kultur oder mit seinen sportlichen Leistungen – feiert.
In der Unterstützung der eigenen Mannschaft zelebrieren dann Arme und Reiche, Mächtige und Einflusslose, Volk und Regierung über alle Gegensätze hinweg ihre verlogene Verbrüderung. Was ihren jeweiligen Alltag bestimmt – ob sie sich als Hartzer durchs Leben schlagen oder diesen gerade das Leben schwer machen – das lassen sie einfach hinter sich und fingieren eine Identität, die sich dementsprechend abstrakt verwirklicht: im tatkräftigen, nämlich vor allem lautstarken Mitfiebern mit der deutschen Elf.
Und alle Welt ist sturzzufrieden mit dieser Funktion, die der Sport für die Gemütslage des Volks hat. Ab und an wird schon davon geredet, dass der Fußball heute das „Opium des Volks“ sei … […]

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