Oft gelacht, am Ende schwer geschluckt – Tommy Wosch hört bei „Fritz“ auf.

Pro-Wosch-DemoRadio Fritz, das ist ein Jugend-Radio-Sender, der aus den gleichen Gründen genauso konsensfähig wie enervierend ist wie die Band „Die Ärzte“. Es ist wohl einem historischen Zufall zu verdanken, dass die Programmgestaltung teilweise von sehr interessanten Leuten gemacht wurde. Einer von ihnen ist Jürgen Kuttner, der mir zwar mit seiner äußerst speziellen Art irgendwann auf den Sack ging, bis dahin jedoch witziges, anarchisches Radio gemacht hat, DDR-Propaganda-Lieder gespielt hat und sogar mal mit der Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik zusammengearbeitet hat.
Vor vielen anderen Moderatoren, zum Beispiel Holger Klein, die eine zeitlang dafür sorgten, dass wir nicht verstrahlt, sondern wegen dem Hören des „Blue Moons“ übermüdet auf dem Schulhof standen, war sicherlich Tommy Wosch der Lustigste. Er – und nicht zu vergessen: Sein Co-Moderator Michi Balzer – versendete anbetungswürdigen groben Unfug, war ebenso, aber auch erträglicher, anarchisch wie Kuttner, machte einem den damals schon tristen Alltag etwas erträglicher und prägte meinen Humor und den meiner Freunde und machte großen Eindruck auf uns.

Nachdem sein erster Rausschmiss bei Radio Fritz nach unzähligen Briefen, Mails, Anrufen in Hörer-Sendungen und mehreren Demonstrationen wieder rückgängig gemacht wurde, wurde er nun endgültig gegangen. „Offiziell“ ist dafür ein Generationenwechsel im Publikum und die Sorge um das junge Gesicht des Senders verantwortlich, inoffiziell weiß der Geier. Nach dem das Kneipen-Quiz-Konzept bis ins Unendliche ausgereizt wurde (damals hatten wir gegen die gazen scheiß Studenten auch nie den Hauch einer Chance…), habe ich eh nicht mehr eingeschaltet. Trotzdem traurig, da „Ab 18″ wohl wieder mehr Qualität hatte. Wosch hatte jedenfalls angesichts seiner Kündigung und seiner langen Zeit bei Fritz – 15 Jahre war er dort angestellt – einen langen Abend von sechs Stunden Zeit um ein letztes Mal mit – teilweise selbst Kultstatus innehabenden , wie „Birne“ und den „Chart-Stürmern“– Hörern zu schwatzen und zusammen mit seinen Kollegen die gemeinsame Zeit Revue passieren zu lassen. Es wurden nochmal verdammt witzige Ausschnitte gespielt und am Ende musste ich sogar etwas schlucken.

Danke, Tommy, alte Mediennutte!

Auf einem Blog mit komischem Namen kann man sich das Ganze anhören. Für einen Link zu der Seite mit den alten Mitschnitten wäre ich auch dankbar.


10 Antworten auf “Oft gelacht, am Ende schwer geschluckt – Tommy Wosch hört bei „Fritz“ auf.”


  1. 1 Crimson 16. Juli 2010 um 13:09 Uhr

    Das Ende der zweiten wirklichen Fritz-Legende nach Kuttner. Ich hoffe, dass uns wenigstens Holger Klein noch ein bisschen erhalten bleibt.
    Grade dieses „nicht verstrahlt, sondern wegen dem Hören des „Blue Moons“ übermüdet auf dem Schulhof“ kenne ich aus dem Alter von 12-16 nur zu gut.

    Danke Tommy für grandiose Jahre und einen grossartigen Abschlussmarathon.

  2. 2 wayne... 16. Juli 2010 um 22:25 Uhr
  3. 3 Hosenstrumpf 18. Juli 2010 um 8:04 Uhr

    Der dreckige zugezogene Yuppi-Blogsport-User wird eh nicht verstehen, was du hier erzählst. Der hört nur MotorFM. Gestern bin ich wieder an einer Meute vorbeigefahren, da hat wieder irgendwo in Neukölln eine neue Kneipe aufgemacht. Die standen davor rum, zu hunderten, machten Fotos von unserer Armut und ihren schönen Klamotten…und ich rief beim vorbeifahren, dass sie das genießen sollen, solange die noch können. Bald geht’s nach Sibirien, für die Gesellschaft produktiv sein. Die waren nicht einmal böse und sagten: Schau mal, ein Ossi! Und dann machten sie Fotos von mir, WIE IM ZOO! Als ich dann sagte, dass der Gulag kalt sein würde, lachten sie nur. Leider bleibt das, wenn man realistisch ist, ein frommer Wunsch. Der Klimawandel macht sogar Sibirien erträglich.

  4. 4 Wendy 18. Juli 2010 um 20:34 Uhr

    Cool, dass es noch andere Wosch-Fans hier gibt.

    Gott schütze Tommy Wosch und Michi Balzer!

    Achso: Danke für den Link zu den Mitschnitten.

  5. 5 Jimbo Jones 19. Juli 2010 um 23:03 Uhr

    hier sind noch ein paar klassiker zu finden:
    http://medientycoon.de/index.php?p=archiv

  6. 6 saltzundessick 19. Juli 2010 um 23:47 Uhr

    auweia. einen geschmack hast du.

  7. 7 lampe, lampe, lampe ääh lampe 22. Juli 2010 um 19:38 Uhr

    Wosch konnte ich irgenwie nie groß leiden, mit allem anderen bin ich d‘accord
    groß auch damals noch die tollen einspieler a la
    „lampe, lampe, lampe … lampe, lampe äääh lampe- ey dit reimt sich“ und anderem quatsch. fritz war schon groß.
    .. vor 5 jahren.

  8. 8 Native Prenzl 07. Oktober 2010 um 16:52 Uhr

    Danke Hosenstrumpf für deinen Kommentar – Trost für meine geschundene Seele. Ich trau es mich kaum zu sagen – ich bin am Kolle großgeworden – SCHANDE was draus geworden ist – da kann man nur abhauen !!
    JAWOLL – Zugezogene in die Produktion !!

  9. 9 Holger 21. Oktober 2010 um 18:04 Uhr

    Und unser Tommy macht ab nächsten Monat Radio mit Hit Music Only. Tommy Wosch und seine Kollegin Thüring wechseln zu NRJ. Entweder NRJ dreht sich von der Mucke um 180 Grad weg von Hot Rotation und ständigen Wiederholen. Oder aber wir müssen uns an Power Rotation gewöhnen…

  10. 10 Wendy 23. Oktober 2010 um 5:44 Uhr

    Übel!

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