„7 Thesen zur Definitionsmacht“: Auf Indymedia gefunden und kurz kommentiert.

Auf Indymedia bin ich über „7 Thesen zur Definitionsmacht“ gestolpert, die eine Kritik der Definitionsmacht darstellen sollen. Damit ist in diesem Falle ein bestimmter Handlungsmodus gemeint, der Opfern von Vergewaltigungen abseits von der – als patriarchal geprägt wahrgenommenen – bürgerlicher Justiz helfen soll und ihnen Schutz gegenüber den Tätern bieten soll. Eben darüber, dass dem Opfer die Definitionsmacht über den „Vorfall“ und die Reaktion auf ihn zugesprochen wird und zwar von einer Gruppe von Leuten, die gewillt sind, dem Willen des Opfers in der Sache zur Durchsetzung zu verhelfen. Diese Leute, das sind Linke, die dem Opfer ersparen wollen, sich nach einer Vergewaltigung Krankenhausärzten, dem Stress einer gerichtlichen Befragung und vielem weiterem auszusetzen. Das ist zumindest die Situation, auf die mithilfe der Definitionsmacht reagiert werden soll.

Egal, was man vom Konzept der „Definitionsmacht“ hält, der Text auf Indymedia ist ein Machwerk. Beispielsweise legen Formulierungen nahe, dass die Behauptungen der Verfasser sich durch empirische Beobachtungen belegen ließen. Diese „Beispiele“, die es angeblich gibt, – und von denen man nicht weiß, ob sie tatsächlich für das Konfliktfeld typisch sind – werden allerdings nicht genannt. Dafür werden auch Gründe genannt, aber die sind ziemlich egal. Entweder man nennt die Beispiele und lässt die Leser über ihre Beweiskraft entscheiden oder man lässt sie weg.

These 1:

‚DefMa‘ soll die ultimative Antwort auf die Mannigfaltigkeit von Einzelfällen sein. Die ‚DefMa‘ ist somit die Kapitulation vor der Komplexität, der Widersprüchlichkeit des Phänomens, vor der Individualität des Einzelfalls, vor der Ohnmacht, angesichts der Tatsache, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse offenbar Vergewaltigungen hervorbringen und/oder begünstigen und wir keine gesellschaftlich relevanten Mittel dagegen finden können.[…]

Abgesehen davon, dass die Befürworter des Definitionsmacht-Konzepts nie behauptet haben, eine „ultimative Antwort“ in den Händen zu halten, sondern ein Werkzeug, mit dem man in Ermangelung eines besseren arbeiten sollte, um eine adaquäte und für das Opfer schonende Antwort auf Vergewaltigungen zu haben, enthalten diese zwei Sätze kein Argument, warum das Definitionsmacht-Konzept denn der „Komplexität des Einzelfalls“ etc. nicht gerecht würde undkeine Beweisführung, die zeigt, dass diese Komplexität überhaupt vorliegt. Tatsächlich sprechen die Befürworter ja für jeden Fall dem einzelnen geschädigten Individuum die volle Macht über die Definition der Tat und die Antwort darüber zu. Die Antworten, die man also mit der Definitionsmacht auf Vergewaltigungen finden kann, sind so vielfältig wie die Ansichten und Persönlichkeiten der Opfer. Da liegt übrigens auch der Hund begraben: Einer Diskussion mit dem Ziel zu ergründen, was als Vergewaltigung angesehen werden sollte und was nicht, wird sich in dieser Szene offensiv verweigert. Dabei muss ja eine Einordnung von sexuellen Übergriffen „unterhalb“ der Kategorie „Vergewaltigung“ nicht bedeuten, dass nicht ebenso energisch auf sie reagiert und die Interessen der Opfer vertreten werden. Diskussionsbeiträge wie der hier besprochene (und viele weitere aus der Männerrechtler-Szene) tragen allerdings auch nicht zur Förderung der Bereitschaft, sich so einer Diskussion zu stellen, bei.
Außerdem klingt noch an, dass praktische Antworten auf Vergewaltigungen, die unterhalb von gesellschaftlichen Veränderungen stattfinden, die das Phänomen völlig abschaffen sollen, unmöglich oder zumindest nicht anstrebenswert sind. Argumentativ unterfüttert wird das nicht weiter.

In These 1 wird eine weitere Ansicht entwickelt, die in These 2 ausgeführt wird: Weil das Konzept eine generelle Handlungsanleitung angesichts des – unheimlich komplexen – Phänomens der Vergewaltigung sein soll, ist es unwissenschaftlich, religiös-mythologisch, bürgerlich. Dabei ist es unwissenschaftlich, den Versuch einer (wissenschaftlichen) Einordnung des Phänomens rundheraus abzulehnen. So komplex ist es aus einer praktischen Sicht heraus denn auch garnicht, trotzdem die Schicksale der vielen verschiedenen Opfer und ihre Lebenssituation davor und danach natürlich mannigfaltig sind: Jemand bricht beim Sex den Willen seines Sexual“partners“1; dieses Opfer steht danach mit der Situation alleine da und muss sich selbst darum kümmern, dass der – oft uneinsichtige – Täter seine Tat nicht wiederholen kann, aber auch um so grundsätzliche Dinge, wie die Vermeidung weiteren Kontakts mit dem Täter; die Hilfe des Rechtsstaats ist mit oft zusätzlich traumatisierenden oder zumindest stark belastenden Vorgängen verbunden.
Zudem wird das Konzept mit Hilfe an sie herangetragener juristischer Begrifflichkeiten kritisiert: Die Unschuldsvermutung gebe es nicht und dass ist anscheinend schlecht. Warum eigentlich? Wenn zwei Menschen „beteiligt“ waren, dann ist eine der Täter und der andere das Opfer. Sofern der Täter nicht einsichtig und reuig ist, was – meines Wissens – eher selten vorkommt (auch angesichts der sozialen und juristischen Konsequenzen, mit denen er nach einem Eingeständnis der Tat zu rechnen hat, angesichts derer ich allerdings niemals – anders als die Verfasser des Textes – Mitleid für den Täter aufbringen würde), bleibt „nur“ die Meinung des Opfers. Jenes ist aber in der Frage – Wurde mein Wille nicht beachtet, gewaltsam gebrochen, war ich einverstanden? – am kompetentesten. Auch medizinische Untersuchungen können nur Hinweise darauf geben, ob der Äußerung des Opfers zu glauben ist, aber die Vorgänge, auf die sie hindeuten, sind intrinsisch (Beispiel: Abwehrverletzungen deuten darauf hin, dass das Opfer seinen Willen mit körperlichen Anstrengungen doch noch zur Beachtungen verhelfen wollte). Die Beteiligten am Vorgang Vergewaltigung sind in der Regel Opfer oder Täter; von der Aussage des – vermeintlichen – Opfers hängt Wohl und Wehe der Täter ab (sofern sich ein staatliches Gewaltmonopol oder tatkräftige linke Aktivisten finden, die die Tat sühnen oder die Interessen des Opfers vertreten wollen). Daraus ergibt sich – gerade beim Definitionsmacht-Konzept – tatsächlich die Möglichkeit, jemanden mit einer falschen Aussage zu schädigen. Diese Widersprüchlichkeit lässt sich jedoch kaum auflösen, ohne dass sich die Opfer am kürzeren Ende des Hebels wiederfinden. Studien zur Häufigkeit von Falschaussagen bei Vergewaltigungen sind mir nicht bekannt, aber das fände ich äußerst interessant. Die vom Bundeskriminalamt bereitgestellten polizeilichen Kriminalstatistiken werde ich mir mal in näherer Zukunft darauf untersuchen. Wobei auch klar sein sollte, dass nicht jedes Gerichtsverfahren, in dem ein Angeklagter nicht verurteilt wurde, bedeutet, dass er die Tat nicht begangen hat.

Nachtrag:

Eigentlich wollte ich mich mit den letzten Thesen aus dem oben besprochenen Indymedia-Beitrag beschäftigen. Nun hat aber eine linke Gruppe namens „Les Madeleines“ einen Text in der „jungle World“ veröffentlicht, der ins gleiche Horn stößt und in der Einleitung die gleichen Fehler macht, wie einige der Thesen des Indy-Beitrags. Daher schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe und gehe mal kurz auf die Einleitung des Madeleines-Texts ein.

1.: Erfolgsargument.
Die Definitionsmacht hat kaum reale Wirkung:

Gleichzeitig scheint, den gleichen Veröffentlichungen zufolge, die Definitionsmacht wenig bis gar nichts zu bewirken, weil »die Szene« sowieso patriarchal sei: »Vergewaltigungen und andere sexuelle Übergriffe passieren in ›unserer‹ Szene wahrscheinlich jede Nacht«.

Je nun: Die Befürworter des Konzepts sagen ja gerade, dass es in der „patriarchalen“ linken Szene kaum Anklang findet und diese sowieso sexistisch sei. Dieser schlechte Zustand, der entsprechende Wirkungen zeitigt, wird jetzt gerade den Leuten vorgeworfen, die an seiner Veränderung scheitern und als Mangel der Definitionsmacht ausgemacht. Das ist unlogisch.

4.: Die Definitionsmacht ist nicht in der Szene oder der Gesellschaft „durchgesetzt“. Das ist ihr Fehler.

(4) Trotz des offensichtlichen Widerspruchs, dass der Definitionsmacht-Ansatz gleichermaßen als das einzige Konzept der Stunde verkauft und als vollkommen ohnmächtig gegenüber den Zwängen der Geschlechterverhältnisse und gegenüber sexueller Gewalt dargestellt wird, frönen die meisten, die ihn verfechten, einer beachtlichen Selbstbeweihräucherung.

Was hier als Widerspruch ausgemacht wird, lässt tief blicken: Über die Sinnhaftigkeit eines Konzepts, die Richtigkeit eines Inhalts entscheidet, wie dieser in der linken Szene bzw. der Gesamtgesellschaft ankommt – einer Szene bzw. Gesamtgesellschaft, die – und da stimmen „Les Madeleines“ und ich ausnahmsweise mal überein – als nicht anders als bürgerlich-reaktionär (bzw. „anti-emanzipatorisch“, sexistisch, etc.) zu bezeichnen ist. Man macht sich also die Maßstäbe einer Gesellschaft zu eigen, die man bekämpft und urteilt mit ihnen über das Konzept der Definitionsmacht. Da ist jede Wissenschaftlichkeit außen vor, jeder vernünftige Blick, wie so ein Konzept zu den eigenen Interessen passt, ausgeschlossen. Mit anderen Worten: logischer Selbstmord.

  1. Das wäre zumindest ein Angebot einer Definition, dass ich hier mal aus der Hüfte geschossen habe. [zurück]

17 Antworten auf “„7 Thesen zur Definitionsmacht“: Auf Indymedia gefunden und kurz kommentiert.”


  1. 1 Wendy 06. August 2010 um 13:16 Uhr

    Das sind jetzt mal zwei Thesen herausgegriffen und kritisiert. Eigentlich wollte ich noch mehr machen, aber für ein Indymedia-Posting, dass ich zwar ärgerlich, sonst aber wenig Beachtung fand, war mir das dann doch zuviel Arbeit und der Beitrags-Baustein, der jetzt hier gepostet wurde, bricht glücklicherweise genau an These 3 ab. Aber der Rest der Thesen ist auch scheiße. ;)

  2. 2 Stromsau 06. August 2010 um 15:47 Uhr

    Dabei muss ja eine Einordnung von sexuellen Übergriffen „unterhalb“ der Kategorie „Vergewaltigung“ nicht bedeuten, dass ebenso energisch auf sie reagiert und die Interessen der Opfer vertreten werden.

    Ich glaube, den Satz solltest du noch mal überarbeiten. Zumindest scheint mir, dass da irgendwo ein „nicht“ fehlt.

    Die Heranziehung von Kriminalstatistiken oder Verurteilungsraten nach heutiger Rechtslage halte ich für untauglich, das Mißbrauchspotential einer neuen Rechtslage zu beurteilen.

  3. 3 Wendy 06. August 2010 um 16:12 Uhr

    Da sich beide in unterschiedlichem Maße auf die Aussage des Opfers/Anklägers stützen und zu diesen Daten vorliegen, halte ich das nicht für so abwegig.

    Sowas wie Definitionsmacht ist übrigens etwas ganz anderes als eine mit Gewalt von oben durchgesetzte staatliche Vorschrift, sondern eine Verfahrensform, die durch Leute, die sie für vernünftig halten, ihre Wirkungsmächtigkeit erlangt. Dass sowohl Gesetz als auch beschriebene Verfahrensform repressiv sein können, ist unbestritten, aber darum gehts ja auch garnicht.

    P.S.: Zu einer These muss ich noch später was anhängen. Da wird tatsächlich bekrittelt, dass die Durchsetzung der geforderten Verhaltensweisen Schwierigkeiten mit Täterschützern mit sich bringen kann oder für den Täter unangenehm werden kann. Da wird von jedem Inhalt abgesehen und einfach nur noch gesehen, dass es irgendwelche Konflikte gibt. Gleichzeitig führt der/die Verfasser gesellschaftskritisches Vokabular im Mund. Dass sowas wie eine Revolution auch nicht völlig konfliktfrei abläuft, geht denen wohl völlig ab.

  4. 4 Stromsau 06. August 2010 um 16:41 Uhr

    Da sich beide in unterschiedlichem Maße auf die Aussage des Opfers/Anklägers stützen und zu diesen Daten vorliegen, halte ich das nicht für so abwegig.

    Ich finde das heikel. Einerseits vermuten wir immer wieder, dass eine ganz hohe Zahl von real passierten Fällen gar nicht erst öffentlich werden, nie zur Anzeige kommen, dass die Opfer sich aus allen möglichen Gründen lieber nicht noch ewig mit dem Vorfall beschäftigen wollen und so weiter. Andererseits kann man aus dem Verhältnis von Anklage und Verurteilung ohne nähere Detailkenntnisse gar nichts erkennen. Sind so viele Anklagen bewusst falsch? Bevorzugt das Recht zu sehr die Täter? Haben Opfer die schlechteren Anwälte? Da kann man doch alles rauslesen, das man sich vorher reingedacht hat. Selbst um das Ist festzuhalten, sind diese Zahlen also ein fragwürdiges Mittel. Wofür sollen sie dann taugen in der Vorausschau auf eine neue Praxis?

    Sowas wie Definitionsmacht ist übrigens etwas ganz anderes als eine mit Gewalt von oben durchgesetzte staatliche Vorschrift, sondern eine Verfahrensform, die durch Leute, die sie für vernünftig halten, ihre Wirkungsmächtigkeit erlangt.

    Mir fallen spontan eine Reihe von Bebilderungen ein, aber die würden wohl kritisiert werden und einen unnötigen Nebenschauplatz aufmachen. Deshalb allgemeiner: Für jemanden, der Objekt eines Gewaltakts wird, ist es selten entscheidend, ob der direkt von der Staatsgewalt ausgeht oder von Bürgern, die sich zu Ersatzhandlungen im Geiste der Moral für berufen halten. Das ist für mich eine große Schwierigkeit des Themas, dass gedanklich immer eine Einheit von Behauptung und Tat, Opfer und Klägerin, Täter und Beschuldigtem vorgegeben ist.

  5. 5 Wendy 06. August 2010 um 17:05 Uhr

    Die ersten Argumente finde ich einleuchtend, die zweiten nicht. Ich habe doch selbst geschrieben, dass sich gesetzliche Strafe und aufs Maul kriegen durch Unterstützer-Umfeld eines Opfers vielleicht nicht so sonderlich stark unterscheiden, eine gesetzlich geregelte Bestrafung jedoch etwas völlig anderes ist. Wenn du für die Zukunft oder eine andere Gesesellschaft gesetzliche Regelungen einforderst, kaufst du die ganze staatliche Herrschaft gleich mit ein.

  6. 6 Stromsau 06. August 2010 um 17:18 Uhr

    Ich hatte bisher die optimistische Hoffnung, dass „in der Zukunft“ oder „in der anderen Gesellschaft“ die wesentlichen Gründe für Vergewaltigung einfach nicht mehr bestehen – und für falsche Anschuldigungen ebenso. Um vielleicht auftauchende Restfälle wird man sich schon zu kümmern wissen. Mir geht es nicht darum, für später „gute Gründe“ zu finden, warum es da dann eine Polizei und einen Richter und ein Bürgerliches Gesetzbuch braucht.

    Bisher hatte ich die Definitionsmacht aber aufgefasst als ein Vehikel, im „vorher“ zu agieren, in dem ansonsten die ganzen bürgerlichen Regeln und Zwänge und Motive noch gelten. Als solches finde ich es aber wie dargestellt fragwürdig.
    Vielleicht verstehe ich dich da falsch.

  7. 7 Wendy 06. August 2010 um 17:35 Uhr

    Da kann ich jetzt überall mitgehen. Schön. :)
    Du hattest allerdings vorher von einer „neuen Rechtslage“ geredet und eine solche kann nicht anders als staatlich geregelt bestehen.

  8. 8 Stromsau 06. August 2010 um 17:55 Uhr

    Ja, das steht da. Ein klarer Fehler. In der zweiten Ausführung ist es dann eine „Praxis“. Wie gehört dieser Beitrag zur Gruppe Kritik im Handgemenge?

  9. 9 Wendy 06. August 2010 um 18:14 Uhr

    Nur weil die Gruppe sich nach einem Marx-Zitat benannt hat, gehört es ihr nicht…

    Die Kritik, die sich mit diesem Inhalt befaßt, ist die Kritik im Handgemenge, und im Handgemenge handelt es sich nicht darum, ob der Gegner ein edler, ebenbürtiger, ein interessanter Gegner ist, es handelt sich darum, ihn zu treffen. Es handelt sich darum, den Deutschen keinen Augenblick der Selbsttäuschung und der Resignation zu gönnen. Man muß den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm das Bewußtsein des Drucks hinzufügt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert. Man muß jede Sphäre der deutschen Gesellschaft als die partie honteuse |den Schandfleck| der deutschen Gesellschaft schildern, man muß diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, daß man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt! Man muß das Volk vor sich selbst erschrecken lehren, um ihm Courage zu machen. Man erfüllt damit ein unabweisbares Bedürfnis des deutschen Volks, und die Bedürfnisse der Völker sind in eigner Person die letzten Gründe ihrer Befriedigung.

    Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie.

  10. 10 Stromsau 07. August 2010 um 10:32 Uhr

    Nein, so habe ich das Aneignen in „sich Marx aneignen“ auch nie verstanden.

    http://pocketpunk.so36.net/inti.php Das mittlere Drittel gibt recht genau die beiden Positionen wieder, mit denen ich laboriere: Einerseits die Sorge, es echten Opfern unnötig schwer zu machen und andererseits die Sorge, durch Szenepraxis opportune neue Opfer zu erzeugen. Das Quantitätsargument habe ich hier schon kritisiert. Ich habe dann gestern auch mal den Text gelesen, auf den du dich beziehst und finde ihn ebenfalls unsäglich. Mit dem Vorgefundenen und Angekündigten hat sich dann aber erledigt, selber was drauf zu schreiben.

  11. 11 Realist 22. August 2010 um 14:55 Uhr

    Tja, die Definitionsmacht mag ein gut gemeintes Instrument von naiven Idealisten sein. In der Praxis verschanzen sich dahinter in der Regel Dogmatiker die des differenzierten Denkens unfähig sind, und oft dafür antiproportional geltungssüchtig.

    Menschliche Beziehungen sind aber in der Regel komplizierter. Arschlochtum ist nicht geschlechtsspezifisch. In der Regel wird Defintionsmacht auch nur gegen Personen durchgesetzt, die einem politisch schon immer ein Dorn im Auge waren. Triffts dann mal jemanden aus der eigenen Clique ist es mit der Unerschütterlichkeit der Definitionsmacht ganz schnell vorbei.

    Definitionsmacht ist definitiv auch keine Lösung.

  12. 12 Wendy 23. August 2010 um 11:20 Uhr

    Wow, du bist ja ein richtig Gescheiter. Im ersten Absatz ballerst du einem moralisierende Unterstellungen entgegen, im zweiten Binsenweisheiten und weitere Unterstellungen, um am Ende so zu tun, als hättest du auch nur den Ansatz einer argumentativen Auseinandersetzung mit dem Konzept betrieben.

  13. 13 Realist 23. August 2010 um 17:48 Uhr

    Das beruht auf jahrelangen, empirischen Beobachtungen in der Szene.

    Wozu sich theoretisch mit einem Konzept auseinander setzen, dass schon hundert mal in der Praxis demonstriert hat, dass es nicht funktioniert?

  14. 14 Wendy 23. August 2010 um 19:16 Uhr

    Na komm‘, dann rück‘ mal mit deinen empirischen Daten ‚raus! :D

  15. 15 Wendy 25. August 2010 um 12:15 Uhr

    Beeindruckend…

  16. 16 Realist 25. August 2010 um 15:46 Uhr

    Nun, allein die Tatsache dass es so sein könnte, sollte ausreichen, wie wenig das Konzept tauscht. Aber für Nachwuchsstalinisten sind Kollateralschäden vermutlich eh kein Thema.

    Was deine billige Retourkutsche anbelangt. Genauso gut müsstest du mir erst mal einen Fall beschreiben, in dem du festgestellt hast, dass das Konzept notwendig und richtig war.

  17. 17 Wendy 25. August 2010 um 17:09 Uhr

    Nö. Ich habe schließlich nicht der Definitionsmacht das Wort geredet, sondern lediglich falsche Kritik an ihr widerlegt.
    Tatsächlich begibt man sich auf dünnes Eis, wenn man in der Sache Empirismus betreibt. Warum, hat Stromsau oben im Thread anklingen lassen. Darauf hätte ich mich nicht einlassen sollen. Schließlich warst du derjenige, der meinte, eine fehlende Argumentation mit dem Verweis auf hunderte, empirische Beobachtungen verschleiern zu müssen. Zum anderen widersprichst du dir doch selbst: Was soll ein Fall beweisen, in dem man mit der DefMa richtig gefahren ist?

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