Zum deutschen Nationalfeiertag: Kritik des Nationalismus.

Der 3. Oktober naht und damit die offizielle Nationalfeier in Bremen. Es gibt eine Reihe von Flugschriften und Demonstrationsaufrufe, die den Nationalismus ablehnen. Was Demonstrationsaufrufe, die den Nationalismus ablehnen. Was weniger vorkommt, sind Bemühungen, die den Nationalismus weniger vorkommt, sind Bemühungen, die den Nationalismus erklären und damit beweisen, dass dieses Denken verkehrt ist und auch in praktischer Konsequenz dumm und schädlich, jedenfalls für die, die nicht zu den Machern und Nutznießern der deutschen Nation gehören, sondern für ihre Interessen benutzt werden.

Dewegen veröffentlichen wir hier einen Auszug aus dem Buch: Decker / Held – DDR kaputt – Deutschland ganz (2). Der Anschluß – Eine Abrechnung mit der neuen Nation und ihrem Nationalismus1

Vom deutschen Wahn III: Vom Fordern und Mitmachen

1.
Gute Bürger: das sind solche, die nicht bloß nützliche Mitglieder der Gesellschaft sind, weil sie anders sowieso keine Überlebenschance haben, sondern die das auch wollen, also für ihre Nation parteilich sind. Diese Parteilichkeit ist zwar geläufig; dennoch ist sie seltsam. Denn sie kommt nicht dadurch zustande, daß Leute für ihre Interessen Parteigänger suchen, um vereint stärker aufzutreten. Sie gilt einem Kollektiv voller Interessensgegensätze, dem ein Bürger sich gar nicht erst aus freier Wahl anzuschließen braucht, weil er sowieso dazugehört; nämlich kraft der hoheitlichen Gewalt, die den ganzen Laden beieinander hält.
Demgemäß verfährt auch die Parteinahme für die Nation: Der Mensch sucht sich für das feststehende Kollektiv, in das er eingebunden ist, gute Gründe. Und er wird fündig: Richtig betrachtet ist die Welt voller Belege dafür, daß ein Deutscher es mit seinem Deutschland gut getroffen hat. Für Franzosen spricht sie übrigens genauso für Frankreich, für Polen für Polen, überhaupt für jeden Staatsbürger ausgerechnet für seine Heimat. Gute Bürger wissen das sogar, ohne sich dadurch in ihrer speziellen Parteilichkeit irritieren zu lassen.
Eine ganze Abteilung von Belegen betrifft Goethe und Beethoven, schöne Landschaften und gemütliche Sitten – lauter Dinge, die s a c h l i c h mit dem nationalen Kollektiv, das um ihretwillen geschätzt werden soll, nun wirklich gar nichts zu tun haben. Wenn sie gefallen, dann sprechen sie für sich; vielleicht spricht das auch für sie. Es ist aber reine Willkür, die Gegenstände einer privaten Vorliebe dem staatlich organisierten Gesellschaftszusammenhang, mit dem man klarkommen muß, als dessen Glanztat anzukreiden. Und diese Willkür begründet nichts; sie lebt von dem schon gefaßten Beschluß zur Parteilichkeit und nimmt sich die Freiheit, lobende Beziehungen zwischen so inkommensurablen Größen wie Staat und Vergnügen herzustellen und Komplimente zu vergeben. (Hervorhebung von mir)

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  1. München 1990 ISBN-13: 978-3-929211-07-8 ISBN-10: 3- 929211-07-6 [zurück]

12 Antworten auf “Zum deutschen Nationalfeiertag: Kritik des Nationalismus.”


  1. 1 Kowalski 21. September 2010 um 15:30 Uhr

    Da ist beim Kopieren der einleitenden Bemerkungen wohl was schief gegangen. Deshalb hier noch mal die Original-Fassung:

    „Der 3. Oktober naht und damit die offizielle Nationalfeier in Bremen. Es gibt eine Reihe von Flugschriften und Demonstrationsaufrufe, die den Nationalismus ablehnen. Was weniger vorkommt, sind Bemühungen, die den Nationalismus erklären und damit beweisen, dass dieses Denken verkehrt ist und auch in praktischer Konsequenz dumm und schädlich, jedenfalls für die, die nicht zu den Machern und Nutznießern der deutschen Nation gehören, sondern für ihre Interessen benutzt werden.“

    Den Text „Vom deutschen Wahn“ gibt es jetzt auch als PDF-Datei.

  2. 2 tüp 26. September 2010 um 23:36 Uhr

    abgehobener schwachsinn. es gibt einen aufruf von ums ganze der den nationalismus weit differenzierter beschreibt als das klassenkampf-geschreibsel vom gsp.

  3. 3 Wendy 27. September 2010 um 0:27 Uhr

    Ich wollte gerade fragen, inwiefern der unterirdische UG-Kram irgendetwas mehr trifft als das GSP-Geschreibsel, aber dann ist mir eingefallen, dass ich Kritik, für die „differenziert“ als Lob herhalten muss, wahrscheinlich garnicht lesen will.

  4. 4 Klaus U 27. September 2010 um 7:10 Uhr

    tüp, wie wäre es denn mal mit einer Kritik des Textes? Was vermisst du denn? Und was spricht eigentlich gegen Klassenkampf?

  5. 5 antitüp 27. September 2010 um 8:20 Uhr

    abgehobener schwachsinn. es gibt einen aufruf von ums ganze der den nationalismus weit differenzierter beschreibt als das klassenkampf-geschreibsel vom gsp.

    Das „differenzierte Beschreiben“ einer Sache mag ja VORAUSSETZUNG für die Kritik dieser Sache sein, sie ist aber nicht dasselbe. Aus der Beschreibung folgt ja lediglich: Funktioniert bzw. vielleicht auch nicht. Was die Widersprüche der Gedanken sind und warum die daher verkehrt und schädlich sind, bleibt bei einer „differenzierten Beschreibung“ aber erst mal nicht Thema.

    Beispiel: Ich kann freilich erörtern, dass Leute ihrem Staat die Treue halten oder dass das in Deutschland nach 1945 eine besondere Spezifik hat, aber was daran nun verkehrt ist, ist durch die Beschreibung des Verlaufs nicht gesagt.

    Das ist aber das Problem, nicht nur bei dem UG-Kindergarten, sondern beispielsweise auch bei anderen kommunistischen Gruppen, wie die, die bei Straßen aus Zucker schreiben. Jede Menge – gar nicht sachfremde – Beschreibungen über Nationalismus, aber kein Satz zur Kritik. Stattdessen nur linke Bekenntnisse „Ich bin dagegen, ist ja klar“. Die blöden Künstler, die da zitiert sind, machen’s vor, was die Autoren etwas umfassende dann aufgeschrieben haben.

  6. 6 protyp 27. September 2010 um 19:30 Uhr

    auch wenn hier richtiger weise angemerkt wird, dass „der typ“ nicht gerade aufgezeigt hat, was jetzt genau zu kritisieren ist, so stimmt doch zumindest folgendes:
    von sich selbst zu behaupten, man wäre die einzige gruppe, die etwas erklärt und kritisiert hätte,
    vor allem, wenn dann bemängelt wird (@antitüp), dass etwas nur beschrieben und nicht kritisiert würde, wenn selbst die gsp-heiligen schreiben, dass sie „erklären und damit beweisen“, „dass dieses Denken verkehrt ist“, dann passt doch was nicht. man kann ja andere kritisieren. aber denen vorzuwerfen, sie hätten nicht mal versucht etwas zu erklären, ist halt abgehobener scheiß. und entweder man erklärt etwas und kritisiert es damit auch oder man hat etwas nicht richtig erklärt und es bedarf dann noch einem -> deswegen ist das doof. zudem – und das scheint der springende punkt zu sein – zeigt ug (auch in der staatsbroschüre), dass es sich um ein falsches bewusstsein, sprich ideologie, handelt. wem das nicht kritik genug ist… keine ahnung, der muss wohl zum gsp gehen und sich noch erklären lassen, warum das dann nicht gut für arme arbeiter ist.

    und das nationalismus damit nicht nur einfach „dumm und schädlich, jedenfalls für die, die nicht zu den Machern und Nutznießern der deutschen Nation gehören, sondern für ihre Interessen benutzt werden.“ ist, ist noch mal ein anderes ding, denn freie individuen in einer befreiten gesellschaft sind nicht mal die „macher“… aber dazu vielleicht oder auch nicht wann anders was

  7. 7 antitüp 28. September 2010 um 8:58 Uhr

    von sich selbst zu behaupten, man wäre die einzige gruppe, die etwas erklärt und kritisiert hätte,
    vor allem, wenn dann bemängelt wird (@antitüp), dass etwas nur beschrieben und nicht kritisiert würde, wenn selbst die gsp-heiligen schreiben, dass sie „erklären und damit beweisen“, „dass dieses Denken verkehrt ist“, dann passt doch was nicht.

    Vielleicht lassen wir mal meinen letzten Pöbelabsatz weg, aber der Rest, den ich schrieb: Auf den kam es an. Und da passt alles. Zwischen „Beschreiben“ und „Erklären und beweisen“ ist nämlich eine nicht unerhebliche Differenz.
    Beschreiben bezieht sich nur auf die Darstellung von Zustand und Verlauf einer Sache; Erklären bestimmt den Zweck der Sache und leitet – soweit notwendig – diesen aus den Umständen ab.

    „Falsches Bewusstsein“ ist auch nicht notwendig Ideologie. Und so gesprochen ist das auch nicht unbedingt eine Erklärung, sondern geht tatsächlich in Richtung „abgehobener Scheiß“. Wenn UG-Leute nämlich immer drauf los lachen, wenn Deutsche auf ihr Blut, die Kultur oder ähnliches rekurrieren, dann ist zwar richtig, dass da falsches Bewusstsein unterwegs ist. Dass die Korrektur von Nationalisten in diesen Punkten – selbst, wenn sie mitgehen – aber nie dazu führt, die Treue zum Staat aus dem Weg zu räumen, deutet aber darauf hin, dass der Grund für die Zustimmung zum Staat woanders liegt und die Ideologie falsch bestimmt ist.

    Aber gut, das ist jetzt etwas unplastisch.

    Gerne kann man das mal am Aufruf durchsprechen?

  8. 8 Klaus U 28. September 2010 um 11:15 Uhr

    Hallo protüp

    Kannst du deinen letzten Absatz mal erklären? Mir ist nicht klar, wie du vom Schaden, den das Proletariat hier erleidet, auf freie Individuen in einer befreiten Gesellschaft kommst?

    Gruß

    Klaus

  9. 9 Andre 01. Oktober 2010 um 12:26 Uhr

    Werde ich nie vergessen, den 3. Oktober. Das ist ein ganz besonderer Feiertag für mich. Es war der Tag meiner Auswanderung aus Deutschland.

  10. 10 Wendy 01. Oktober 2010 um 13:03 Uhr

    Andre: Glückwunsch, wenn du dich in deiner neuen äh Heimat wohler fühlst. Aber die Sachen, die ich an Deutschland kritisiere, existieren ja so oder so ähnlich in jedem anderen Staat der Welt, bei meist noch brutaleren Auswirkungen auf das Leben der einfachen Leute.

  11. 11 Andre 01. Oktober 2010 um 21:57 Uhr

    Danke für den Glückwunsch!

  12. 12 Andre 04. Oktober 2010 um 3:20 Uhr

    Ich bin nicht aus politischen Gründen aus Deutschland weggegangen. Ich bin wegen der Liebe gegangen. Da, wo ich liebe, fühle ich mich tatsächlich wohler. Dass der Tag meiner Auswanderung auf den 3. Oktober fiel, war Zufall und keine bewusste Wahl meinerseits. Wer aus meiner Auswanderung etwas Politisches ableiten will, der ist herzlich dazu eingeladen, aber da ist nichts Politisches drin.

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