Fragment zur sogenannten Klassenjustiz.

Auch eine gewisse Einseitigkeit ist nur allzu konsequent: Noch jede bürgerliche Staatsgewalt weiß zu unterscheiden zwischen Feinden von links, die die staatliche Autorität überhaupt in Frage stellen, weil und soweit sie den Respekt vor ihr von der Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit abhängig machen, und von rechten Gegnern, die von der Staatsgewalt vor allem anderen verlangen, dass sie sich von keinem Linken in Frage stellen lässt, und mit ihren Gewaltaktionen Maßstäbe dafür setzen wollen, wie hart und gegen wen die Regierenden eigentlich vorzugehen hätten.

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  1. Das Proletariat. Die große Karriere der lohnarbeitenden Klasse kommt an ihr gerechtes Ende[zurück]

1 Antwort auf “Fragment zur sogenannten Klassenjustiz.”


  1. 1 eric 29. September 2010 um 13:26 Uhr

    danke für den link. besonders folgenden abschnitt, finde ich, kann man auch nochmal unterstreichen:

    Innerhalb sich selbst als links verstehender Kreise, etwa in der Sozialdemokratie, werden konsequente analytische Fragen an den Kapitalismus gerne als sektiererisch gekennzeichnet und als wahltaktisch unvermittelbar abgeräumt. Dass sich damit der Prozess immanent zu denken durchgesetzt hat, so zeigen Decker und Hecker auf, wird hübsch übergangen. Die Autoren bauten dem mit dem Verweis vor, dass mit dem Verschwinden des Begriffes des Proletariats der Gegenstand selbst nicht aufgelöst ist. Lohnabhängig Beschäftigte, also im Zuge der Produktion Ausgebeutete erschaffen auch in der neuen Mitte ungeheure Werte. Nur werden die Interessen des Kapitals unter den Vorzeichen der Globalisierung und der Haushaltskonsolidierung unverbrämter zum Ausdruck gebracht.

    Dem Modetrend, neue Arbeitsformen poppig zu analysieren, verschließt sich das Buch gleich völlig. Decker und Hecker zeigen auf, dass, indem das kulturelle Selbstverständnis des Proletariats angegriffen und größtenteils zerstört wurde – sowohl von Medien oder Parteien, also durch externe Operatoren, wie auch durch autodestruktive eigene Kräfte –, die Wehrhaftigkeit einer Klassenformation (also eines konzertierten Bewusstseins) entschieden geschwächt ist. Die Stufe der völligen Subsumption unter das Kapital scheint erreicht, wenn abhängig Beschäftigte Aktien kaufen und Gewerkschaften im Sinne der Standortlogik argumentieren.

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