»Realstadt – Wünsche als Wirklichkeit«.

Seit dem 1. Oktober ist Berlin Schauplatz der großen Stadtausstellung Realstadt.Wünsche als Wirklichkeit.

Die Ausstellung handelt nicht nur von der Stadt selbst, sondern auch vom Umgang mit ihr. Realstadt.Wünsche als Wirklichkeit zeigt Stadtentwicklung als Projekt vieler Akteurinnen und Akteure. Sie kommen zu Wort – mit alltäglichen Wünschen und spektakulären, idealistischen und ökonomisch motivierten, lokalen und weltumspannenden. Denn: Städte sind aus Wünschen gebaut, von Wünschen bewegt und von Wünschen durchlebt.1

Wenn ich also, und das passiert in letzter Zeit recht häufig, an diesem imposanten Kraftwerk und der daran angebrachten Werbung für die Ausstellung vorbei komme, fallen mir auch so einige „Wünsche“ in Bezug auf ein erstrebenswertes Zusammenleben in einer – meiner – Stadt ein. Ein ganz verwegener wäre zum Beispiel, dass man es doch so einrichten könnte, dass mein Bedürfnis, ein Dach über dem Kopf zu haben und im Winter nicht zu erfrieren, nicht von profitgeilen Arschlöchern, deren staatlich bewachte Besitzrechte an Immobilien, Strom und Wärme produzierenden Einrichtungen dies erst ermöglicht, zu meiner Erpressung ausgenutzt wird, damit ich ihnen – woher ich das bekomme ist dann mein Bier und die Geldbeschaffung gestaltet sich recht schwierig – Geld in den Rachen schmeiße. Als frommer Wunsch formuliert könnte sich meine Vorstellung noch locker in die Reihe anderer idealistischer Vorschläge (an die Herrschaft) einreihen. Doch keine Sorge: Das Wissen, dass sich die Leute, die an den eingerichteten Erpressungsverhältnissen verdienen und der Staat, der sich am so produzierten Reichtum bedient, sich nicht einfach aus ihrer Machtposition wünschen lassen, ist vorhanden. Ist ja auch nicht alles zufällig so geworden, wie es ist. Da bräuchte es dann schon einen Fackelzug nach Zehlendorf und dann würde man… ach, lassen wir das. Für heute.

Apropos: Wenn man sich schon eine sich der Idealstadt annähernde Realstadt wünscht, dann fiele mir noch etwas ein, das ich beim aktuellen Stand der Produktivkräfte nicht erleben möchte. Leute, die bei diesem mittelüblen Schietwetter in Parks schlafen müssen und deren am lebenden Körper verfaulenden Beine so meilenweit nach Verwesung stinken, dass ganze S-Bahn-Abteile2 würgend das Weite suchen. Letztens gesehen und gerochen. Eigentlich unglaublich, was es in dieser Gesellschaft für ein Nebeneinander von für die Mehrheit nicht verfügbarem Reichtum und schlimmster Armut gibt.

Kalte Grüße, Wendy.

  1. Von der Homepage der Ausstellung. [zurück]
  2. Also die Menschen darin. [zurück]

1 Antwort auf “»Realstadt – Wünsche als Wirklichkeit«.”


  1. 1 Krempel 21. Oktober 2010 um 13:11 Uhr

    guter kommentar!

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