Sich nicht mit der Scheiße abfinden.

Ich hatte ja insgeheim gehofft, diese spezielle Art von alt- bzw. exlinker SozPäd-Sau würde mit den letzten Alt-68ern langsam aussterben. Weit gefehlt, leider. Nachwuchs speist sich aus einer Ecke linken Wahnsinns, die die Sache mit den Absatzbewegungen von der Szene und dem vehementen Distanzieren und Verteufeln aller früheren Überzeugungen sehr ernst nimmt. Interessanterweise spielt das Alter keine Rolle, wenn es darum geht, den Vogel zu hassen, der „ja auch mal so drauf war“ und einem erklären will, dass es einem schon ganz gut gehen würde, mit Partizipation an und den (menschen)rechtlichen Segnungen der Demokratie und natürlich einem Job.
Ein solcher – Einschränkung: ein etwas besserer – würde einem angeblich einen so gestalteten Lebensunterhalt hinstellen, dass man sich gut mit dem System arrangieren könnte. Arrangieren kann man sich selbstverständlich. Und zwar wenn man von seinen materiellen Bedürfnissen Abstand nimmt, sie nicht mehr allesamt, sondern nur noch die nötigsten plus die paar Extrawürste, für die das Geld dann noch reicht, erfüllen will. „Ganz gut“ halt anstatt von „dem Stand der Produktivkräfte entsprechend“ beziehungweise ohne Einschränkungen gut.
Mehr als die Hälfte des Lohns geht ja ohnehin schon für Miete und Essen drauf, wird direkt an der Quelle für sozialstaatliche Kassen/Versicherungen/Steuern eingezogen. Was dann noch übrig bleibt, ist immer so wenig, dass es nicht viel weiter als einen Monat reicht, der Zustand der Armut, wegen dem man sich überhaupt in Lohnarbeitsverhältnisse begeben hat, beizeiten wieder hergestellt ist, damit man sich auch im nächsten Monat wieder artig zur Arbeit meldet. Nicht ohne Grund gibt es eine ganze Abteilung des Sozialstaats, die sich damit beschäftigt, die Leute, die ihren Job verlieren und damit auch innerhalb kürzester Zeit die Möglichkeit, ihr pures Überleben aus eigener Kraft zu sichern, mit vorher der Arbeiterklasse entzogenem Geld am Leben zu erhalten. Schon traurig, dass einem nicht mal ein paar richtige Überlegungen zum Lohn einfallen, wenn man – nach eigener Aussage – in dieser Elendsverwaltung und Arbeiterdrangsalierung tätig ist.
Sagt auch viel über die angeblich vormals vertretene Kapitalismuskritik aus, wenn man nicht mitgeschnitten hat, dass der Lohn niemals dazu da war, einem Arbeiter das Brot auf den Tisch zu stellen, sondern immer nur den möglichst kleinzuhaltenden Anteil am Gewinn des Kapitalisten darstellt, der darauf verwendet wird, sich profitable Arbeit einzukaufen. Insofern wird da überhaupt nicht an den zu befriedigenden Bedürfnissen der Arbeiter Maß genommen und man sieht ja auch tagtäglich in der Praxis, dass überall, sei es im Supermarkt, beim Klamottenkauf, bei größeren Anschaffungen von der Waschmaschine bis zum Auto, der Urlaubsplanung und allem anderen auch immer penibel aufs Budget geschaut, Bedürfnis gegen Bedürfnis abgewogen und sich schlußendlich das meiste versagt werden muss.


3 Antworten auf “Sich nicht mit der Scheiße abfinden.”


  1. 1 Wendy 27. November 2010 um 19:48 Uhr

    Interessant, anscheinend bin ich dank diesem Beitrag wieder auf dem Olifani-Planeten gelandet. Über die Gründe, weshalb ich dort zwischenzeitlich nicht mehr gefeedet wurde, kann ich nur mutmaßen.

  2. 2 chef vom olifani-planet 27. November 2010 um 22:41 Uhr

    Hallo Herr/Frau Wendy,

    das Verlinken eines Olifani-Blogs führt automatisch zur Aufnahme in den Feed. Das ist ein ganz einfaches Script. Das zur Erklärung.

    Viele Grüsse
    Der Chef vom Planeten

  3. 3 Wendy 28. November 2010 um 16:01 Uhr

    Das Verlinken in einem Beitrag reicht schon aus? Aber in den „Subscriptions“ stehe ich ja jetzt auch wieder drin. Oder ist das auch nur temporär? Ich hatte mich schon wieder über die paar zusätzlichen Referrers gefreut. :(

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