Antiberliner – I don‘t get the point.

Kürzlich habe ich den aktuellen Antiberliner gelesen. Thema ist der europaweite Rückbau sozialstaatlicher Maßnahmen und der Widerstand dagegen. Worauf die Antifa-Schreiber dabei hinauswollen, ist schwer nachvollziehbar. Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Sozialstaat findet nicht statt. Stattdessen wird direkt dazu übergeleitet, reformistische Bewegungen, die hauptsächlich mehr statt weniger in der staatlichen Herstellung einer im Wahnsinn des kapitalistischen Systems überlebensfähigen Arbeiterklasse zum Ziel haben, abzufeiern. So soll es nach Ansicht der AB-Redaktion offensichtlich auch in Deutschland laufen. Arsch hochkriegen, Widerstand leisten, mit Bengalos auf Demos und so. Hauptsache militant und – vorgeblich – irgendwie antistaatlich, antikapitalistisch. Mit irgendwie revolutionären Bestrebungen haben diese Bewegungen tatsächlich nichts zu tun, geht es ihnen doch darum, sich auf einer wirklich beschissenen Grundlage im System einzurichten.
Es ist aber auch die Methode der Agitation, welche mich ratlos macht. Die Leute sollen über die bloße Darstellung, den Nachvollzug der Kürzungsmaßnahmen zum Widerstand getrieben werden. wtf, immerhin weiß man doch, dass das persönliche Erleben des staatlichen Angriffs auf das eigene Wohlbefinden seit mindestens mehr als einem halben Jahrzehnt die Leute nicht auf die Barrikaden getrieben hat. Wenn sich die schreibfreudigen Antifas mal auf der Suche nach dem Grund dafür, dass ihr revolutionäres Subjekt sich so nicht zum Handeln bringen lässt, machen würden, würden sie witzigerweise darauf kommen, dass der Staatsbürgersinn, der die eigenen Bedürfnisse immer am Gemeinwohl relativiert, der den eigenen Platz in der Gesellschaft ganz gut kennt und auch nicht allzu viel verlangen möchte, der Grund gleichzeitig für die Proteste empörter Staatsbürger in Frankreich, Italien und England und das fatalistische Ertragen noch jeder Schweinerei in Deutschland ist. Und wenn man ihn nicht angreift, statt ihn mit einer wirklich überflüssigen Zusammenfassung der Zeitungsberichte der letzten paar Monate oder vielleicht auch Jahre und vagsten Andeutungen in Richtung mal was gegen den Staat machen, zu befüttern, dann wird er auch der Grund bleiben, warum sich auch die militanteste Demo gegen Sparpakete und Studiengebühren niemals zu einem revolutionären Aufstand auswachsen wird.

sick society. sick movement.


1 Antwort auf “Antiberliner – I don‘t get the point.”


  1. 1 Boolt 23. Dezember 2010 um 1:12 Uhr

    Antifas und revolutionäres Subjekt?

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