»Sechs Jahrzehnte DGB – Klassenkampf oder Kooperation?« Diskussionsveranstaltung am 07.05 (Berlin).

Bratwurst, Bier, Büchertisch. So könnte der ungefähre Terminplan für die diesjährigen Maifestspiele aussehen. Morgens wird sich für die Diskussion mit den Kollegen über den arbeiterfeindlichen Wichs, den die Gewerkschaften verbreiten, am Grillstand gestärkt; wer Action mag guckt sich den klassenkämpferischen Block der Parolinskis auf der DGB-Demonstration an.
Es bleibt genügend Zeit, um sich vom Schwips, den man sich am Bierwagen eingefangen hat, zu erholen und noch schnell die neuerstandenen Buttons zu Hause zu verstauen und mit einem frischen Bier in der Hand nach Kreuzberg zu fahren. Die mittlerweile auch irgendwie traditionelle 18-Uhr-Demo, die von autonomen Gruppen organisiert und mindestens zu einem Drittel von besoffenen Idioten frequentiert wird, bietet oft ein ansehnliches Spektakel „praktischer Negation“ der kapitalistischen Verhältnisse, die je nach Alter zu Blessuren und Anzeigen oder ungläubigem Kopfschütteln bei der proletarischen Zielgruppe führt. Nach dem Umzug kann man sich wunderbar weiter auf dem MyFest abdichten. Dazu werden schlechte Musik und Yuppie-Randale serviert.

Aus der Kategorie „Mal was Sinnvolles“ vernahm ich eine Diskussionsveranstaltung zwischen Leuten aus der Linken und der Arbeiterbewegung, welche von einem mir bisher nicht bekannten Arbeitskreis Klassenfrage organisiert wird. In der Konstellation eher selten. Wenn genügend Gewerkschafter kommen, wird es sicher nicht nur interessant. Vielleicht geht ja auch dem ein oder anderen auf, dass… ach hört einfach selbst.


13 Antworten auf “»Sechs Jahrzehnte DGB – Klassenkampf oder Kooperation?« Diskussionsveranstaltung am 07.05 (Berlin).”


  1. 1 Echte Muzik 23. April 2011 um 18:00 Uhr

    Schlechte Musik? Haftbefehl ist doch geil. Sich diesen Ausnahmerapper anzuhören turnt auf jeden Fall mehr als sich langweiler von der SAV und dem Gegenstandpunkt über Gewerkschaften zu diskutieren.

  2. 2 Wendy 23. April 2011 um 18:35 Uhr

    Was dich Kuhficker so anturnt, ist mir ziemlich rille, hier gehts um Politik.

  3. 3 Wendy 23. April 2011 um 22:14 Uhr

    Song geht jetzt auch (wieder)!

  4. 4 eric 24. April 2011 um 21:00 Uhr

    ganz sooo schlimm scheint es um die autonomen-demo diesmal nicht bestellt. um mehr politische aussage zu entfallten wollen sie offenbar wie im letzten jahr nach neukölln ziehen und damit ja eher aus der randale-zone rausgehen. insofern dürfte auch das übliche rambazamba geringer oder ganz ausfallen.

  5. 5 Wendy 24. April 2011 um 21:11 Uhr

    True dat. Ein aggressiver Zug von Vermummten, knackige Transparent-Sprüche und gebrüllte Sätze, die sich auf wenige in holprige Reime geschlagene Wörter beschränken, sind trotzdem kein geeignetes Mittel, um Kritik am Kapitalismus zu vermitteln.

  6. 6 eric 24. April 2011 um 23:03 Uhr

    da ließe sich diskutieren, ob demonstrationen nicht ohnehin vielmehr propaganda- als agitationsmittel sind. als erstes taugen sie ja schon.

  7. 7 Wendy 25. April 2011 um 9:28 Uhr

    Ich korrigiere mich: Für den Zweck, Leuten irgendwas ins Gesicht zu schreien, taugen Demonstrationen gut. Schön laut und wenn der Lauti mal nicht Makss Damage spielt, versteht man vielleicht sogar was.

    Ich korrigiere mich nicht: Um Leute irgendwie gegen den Kapitalismus aufzubringen, taugt es nicht. Das Mittel vom Zweck, der damit verfolgt wird, zu trennen, ist großer Quatsch und auch nicht „diskussionswürdig“.

  8. 8 urmel aus dem 25. April 2011 um 11:35 Uhr

    wieso hat dann selbst die mg auch ab und an demonstriert?

  9. 9 rockstar 25. April 2011 um 13:40 Uhr

    wenn zweck ist, die masse zu erreichen, dann reicht aber erstmal ein marx-lesekreis oder hier eine podiumsdiskussion nicht. da kommst du um propagandamittel, wie eine demo, nicht drumrum. dass sie damit die argumente noch nicht lernen, ist ja nicht bestritten. insofern kann auch eine demo für kommunistische zwecke was taugen. (man müsste sich sonst zurecht fragen, warum kommunisten auch schon immer auf dieses mittel gesetzt haben. dürfte ja nicht erst die liebe wendy sein, der aufgefallen ist, dass die gegenstände der kritik herzlichst gering durchdekliniert werden können) ;)

  10. 10 Murmel 25. April 2011 um 14:18 Uhr

    @ urmel:

    Die Frage beantwortest du selbst in gewisser Hinsicht: Dass die MG „ab und an“ und deren Freunde und Nachfolger GAR NICHT demonstrieren zeigt, dass es offensichtlich eine Kritik an dieser Sorte Akklamationsveranstaltung zu geben schein, weshalb man darauf verzichtet.

    Welche Gründe das sind, mag dahinstehen. Der Einwand, dass die MG auch mal demenstriert hat, ist damit aber dann auch erledigt und ohnehin doof, weil Fehler von Genossen nicht besser werden, weil sie von Genossen gemacht wurden.

  11. 11 Wendy 25. April 2011 um 14:19 Uhr

    urmel: Worauf willst du mit deiner Frage jetzt hinaus? Dass die MG unfehlbar war und daher alles, was sie jemals gemacht hat, sinnvolle politische Praxis darstellt?

    rockstar: Was soll der Blödsinn? Zweck ist nicht in dieser Abstraktheit „die Massen zu erreichen“ (- am Besten noch als Zwecksetzung Hör- und Sichtbarkeit festlegen)… Sondern darum, dass man denen Argumente gegen den Kapitalismus einbleut, damit die ihr Mitmachen im System unterlassen und stattdessen was dagegen machen. Da die jede Menge Ideologien mit sich herum schleppen, kommt man um eine Diskussion nicht herum – und da wird es dann um ein ganzes Bündel von Inhalten gehen.

    Das ist mit einer Demonstration nicht zu leisten.

    Du tust so, als wäre der Grund dafür, dass es keine kommunistische Bewegung gibt, dass die Leute noch nicht mitbekommen hätten, dass es Kommunisten bzw. Leute mit Einwänden gegen Marktwirtschaft und Staat gäbe und man nur mal an denen vorbei marschieren und herumbrüllen müsste, damit sie in die Parteien, Organsationen und Schulungen einziehen und als hätte das nichts mit dem grundsätzlichen Einverständnis der Leute bezüglich der herrschenden Wirtschaftsweise zu tun.

    Weiterhin ist „Irgendwer hat das irgendwann schon mal gemacht“ kein Argument für irgendwas und beschäftigt sich auch null mit der Kritik, die ich vorgebracht habe.

  12. 12 Murmel 25. April 2011 um 14:29 Uhr

    @ rockstar:

    Dein Zweck, „Masse zu erreichen“, steht schräg zum Mittel Demonstration. Es unterstellt, dass es ein Vermittlungsproblem der komm. Inhalte gibt, welches mit der Demo gelöst würde. Dabei wissen doch die Leute ihrer Parteilichkeit sehr genau, warum sie an dem Laden festhalten und der Kommunismus doof ist. Zumal man sie mitten bei der Bewältigung ihres Privatalltags anspricht. Da ist kaum das kleinste Interesse an einem Agitationsgespräch vorhanden.

    Wenn man also Leute für den pol. Zweck gewinnen will, dann schon besser die, die sich a) ihre Lage erklären und b) sich dafür Zeit nehmen wollen.

    Eine Demo mag man für diesen Zweck miss- aber nicht gebrauchen.

  13. 13 sauerkraut 06. Mai 2011 um 14:17 Uhr

    hihi. ich mag das wort- abdichten.
    assimiliert.

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