Das Geseier über die Droge, die den Menschen kaputt macht, ist die Lüge über die Gesellschaft, die den Menschen kaputt macht. Zum „Krokodil“.

Fast so gut wie der hundertste Hitler-Aufmacher ziehen Drogenschocker. Diesmal erreichen uns über SpiegelOnline über eine neue, billige und mehr schlecht als recht eigenhändig herzustellende Droge, die anscheinend dazu geeignet ist, Abhängige innerhalb kurzer Zeit vor die Hunde gehen zu lassen und auch noch einen schön schaurigen Namen trägt: „Das Krokodil“.
Der selbstverständlich sehr objektive Artikel macht verrückterweise aus der Beschaffung der Droge – bzw. der Schwierigkeit, sie in einer annehmbaren Qualität im Wohnzimmer herzustellen – einen Skandal. Kann ja wohl nicht angehen, was die Leute sich für ne Scheiße spritzen.
Man könnte sich jetzt fragen: In was für Zuständen leben denn Leute, die für ein paar glückliche (oder abwesende) Stunden in Kauf nehmen, dass ihnen bald „das Fleisch in Fetzen vom Körper hängt“? Wie kam es soweit? Was sind das für arme Säue, die sich nicht einmal mehr Heroin leisten können?

Aber dann müsste man sich die Mühe machen, aufzuschreiben, warum der Kapitalismus für die ehemalige Sowjet-Bevölkerung das größte Glück auf der Welt ist und wo der Staat die Schrauben ansetzen müsste, damit sich sein Volk wieder mit dem legalen Wässerchen das Leid von der Seele, aber auch bitte nicht vor Ablauf des gewünschten Arbeitslebens totsäuft.

[…]

Nachtrag: Auch wenn man ganz schön in der Scheiße steckt, ist es sinnvoller, wenigstens zu versuchen, den Staat und seiner Wirtschaft anstatt sich selbst kaputtzumachen.


5 Antworten auf “Das Geseier über die Droge, die den Menschen kaputt macht, ist die Lüge über die Gesellschaft, die den Menschen kaputt macht. Zum „Krokodil“.”


  1. 1 rockstar 18. Juli 2011 um 0:11 Uhr

    schöne wendung, wenn man bedenkt, dass du vor eins zwei jahren hier noch den drogenkonsum mit dem argument verteidigt hast, dass man die zustände ja irgendwie ertragen können muss, wofür drogen ein adäquates mittel seien. leider finde ich den beitrag nicht mehr.
    und ja, wieder beste spiegel-manier 1. so auf ein drogen-problem in 2. einem anderen land zu zeigen.

  2. 2 Wendy 18. Juli 2011 um 0:42 Uhr

    Du verwechselst da was: MPunkt hatte damals die Argumente, die gegen den Drogenkonsum vom normalen Bürger sprechen (nämlich, dass er sich lieber eine zeitweise erträgliche „Traumwelt“ schafft anstatt gegen was gegen die Zustände zu machen, die nun wirklich nicht geeignet sind, von Glück durchflossen durch die Gegend zu hüpfen), in der Diskussion auf den Drogenkonsum von Leuten, die sich damit nicht das System schönstoffen, angewandt.
    Das ist immer noch falsch, denn zu verlangen, dass Kommunisten in jeder Sekunde ihres Daseins das System bei vollem Bewusstsein ertragen hat was von mönchischer Selbstgeißelung. Die Kritik am System kürzt sich ja dadurch nicht raus. Dazu kommt auf der anderen Seite, dass man sich schon eine ganze Menge an Zynismus/Hornhaut auf der Seele zugelegt haben muss, um in dem Schlamassel wenn auch nur temporär glücklich zu sein, aber das muss jeder selbst wissen…

    Das hier war der Thread, in dem sich die Diskussion entfachte.

  3. 3 Wendy 27. Juli 2011 um 13:58 Uhr

    Hier wäre sicherlich mehr los, wenn ich nicht ständig Kommentare aus der Moderationsschleife löschen würde, aber dazu müssten diese weniger schrecklich dämlich sein. Schade.

  4. 4 AbuNuwas 08. August 2011 um 21:13 Uhr

    Erst Krokodil und jetzt auch noch Oxi!
    http://www.zeit.de/2011/32/Brasilien-Droge-Oxi

  5. 5 Wendy 09. August 2011 um 18:46 Uhr

    http://www.youtube.com/watch?v=G-Cn1kN-pe4 (An advice from your local bourgeois newspaper) ;)

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