„Marx21″ erklärt, warum in Deutschland widerstandsmäßig einfach nichts los ist…

mit einer ganz bewussten zustimmenden Haltung zu den herrschenden Verhältnissen, die sich das Proletariat, an das man sich fortwährend heranwanzen will, zugelegt hat, kann es schon mal nicht liegen. Um das zu beweisen, wird der kleine Trick benutzt, einfach die böse Gewerkschaftsführung mit der guten Basis auseinanderzudividieren, so als würden die sich in Sachen Standortnationalismus, (Befürwortung von) Konkurrenzmeierei und schiedlich-friedlicher Zusammenarbeit mit der „Arbeitgeber“seite viel nehmen. Dabei zeigt doch gerade der unter These 2 und 4 geschriebene Blödsinn, dass die Komplizenschaft der Gewerkschaftsführung bei der Veränderung des Sozialstaates und den damit verbundenen Härten mit der Passivität der Gewerkschaftsmitglieder und des einfachen Mannes einhergeht. Wenn letztgenannte voll auf Konfrontation mit ihren Ausbeutern getrimmt wären, könnte kein Gewerkschaftsboss der Welt für ein völliges Ausbleiben von Protest sorgen…

Doch der Reihe nach. Fünf Thesen warum „Deutschland pennt“ während Europa brennt, werden von der „marx21″.de-Redaktion angeboten.
These 1 beschäftigt sich mit der Frage, warum es in Deutschland so ruhig bleibt, überhaupt nicht, sondern versucht den Anstieg von sozialen Protesten in anderen europäischen Ländern mit den von den führenden imperialistischen Staaten verordneten Krisenlösungsstrategien zu erklären. Die Sanierung der so bevormundeten Nationen halst deren Menschenmaterial riesige Zumutungen auf. Wie später völlig klar heraustritt, ist damit für die Trotzkisten auch völlig klar, dass die Leute auf die Barrikaden gehen. So als würde ein „normales“ Arbeiterleben nicht schon krumm machen für fremden Reichtum – wenn es für den einheimischen Chef passiert, ist das anscheinend für „marx21″/ganz offensichtlich für den realen Arbeiter viel weniger skandalträchtig als wenn es für eine ausländische Macht geschieht –, Armut und ein Leben lang fortgesetzte prekäre Arbeitsverhältnisse bedeuten. Den „Frontalangriff auf Löhne, Arbeitnehmerrechte und Sozialstaat“ der in der BRD um die Jahrtausendwende stattgefunden hat, hat man bei „marx21″ nicht einfach vergessen. Die „Faktenlage“ stellt sich halt so dar, dass es den Leuten trotzdem noch viel zu gut geht. Laut These 3 hat die Wirtschaftskrise in Deutschland weniger Verheerungen angerichtet als in anderen Ländern. Massenentlassungen, Lohnsenkungen wohin das Auge blickt, Kurzarbeit, die Ausweitung von Leiharbeit und unbezahlte Mehrarbeit ist die eine Sache. Da kann sich der durchschnittliche Arbeiter mit vollstem Verständnis von Marxisten jenen Schlages noch mit arrangieren. Aber so schlimm wie in Griechenland steht es ja nun wirklich noch nicht! Unter völliger Verkennung der Lage kann man sich da schon griechische oder spanische Verhältnisse wünschen, wo die Leute nicht auf die Straße gehen, damit ihre nutzenbringende Verwendung für Kapital und Staat endlich mal ein Ende hat, sondern damit sie wieder in Gang kommt.

All das ist vor allem eines nicht: Grund sich auf die Suche nach den Ursachen für das fortgesetzte Mitmachen nicht nur der deutschen Arbeiterklasse zu machen. Ebenso unkritisch, wie man die europäischen Protestbewegungen für einen erneuerten Kapitalismus bejubelt, steht man zum einheimischen Proletariat: So werden auch Kämpfe, deren Ausgangs- und Endpunkt der (schließlich tarifvertraglich festgehaltene) Wille zur Einigung mit der Unternehmerseite, also die Unterordnung des eigenen Lebens unter die Profitkalkulation von Kapitalisten ist, zum Silberstreif am Horizont (These 5). Wäre es nicht so traurig, könnte es zum Lachen sein, dass eine Linke, die mit ihrer bejammernswerten Theorie und Praxis selbst ein Hindernis für das Zustandekommen von revolutionären Kämpfen darstellt, bei der Analyse der Gründe der Beständigkeit der kapitalistischen Verhältnisse überall außer bei der politischen Einstellung der Leute, die „pennen“ fündig wird.