Belanglosigkeiten.

Mensch ♥Tekknoatze, ich les‘ deine Beiträge eigentlich immer ganz gerne und wenn ich dann mal Bauchschmerzen hab‘, wenn du wieder irgendwelche Antiimp-Kinder bashst und schon einen halben Comment fertig hab, fällt mir nur auf, dass du – aus einer anderen Ecke kommend – halt die genauso abschießt, wie ich Anti-D-Kinder. Aber bei deinem neuesten Beitrag muss ich jetzt dochmal dazwischenrufen. No disrespect intended, aber ich brauch einfach n ganzen Beitrag, um mich damit zu beschäftigen.

Für eine Neubestimmung des Klassenbegriffs“ willst du eintreten, aber weswegen denn überhaupt? Wir haben es hier mit einer sozio-ökonomischen Kategorie zu tun. Menschen, die ihre Arbeitskraft verkaufen, weil sie nichts anderes haben: Proleten. Menschen, die Kapital haben und jenes in Produktionsmittel und Ressourcen stecken und dann Arbeitskräfte einstellen, damit diese dem ganzen Scheiß beim Produktionsprozess Wert zusetzen: Kapitalist_innen. It’s that easy.

Jetzt kommt die zweite Überraschung: Auch wenn im Kapitalismus immer angeblich alles ganz „apersonal“ ist, es gibt doch Leute die sind, ich sag‘ es mal so unvornehm, gefickt und es gibt Leute, die kommen mit dem, was sie machen sehr gut über die Runden. Achtung, jetzt wird es strukturell antisemitisch: Den Arbeiter_innen geht es hier verdammt beschissen, wer es schafft, Kapitalist_in zu werden, der hat hier ein ganz gutes Leben. Die Chance auf diese Art „die Klassengrenzen zu überwinden“haben erstmal alle, aber wenn „jede_r“ Kapitalist_in werden könnte, wäre das irgendwie nicht mehr der Kapitalismus, ey.
Den „Beweis“, dass die Arbeiter_innenklasse nicht mehr das revolutionäre Subjekt sei, bist du schuldig geblieben. Ich hab‘ es ja oben bereits angerissen: Die Arbeiter_innen stehen im Kapitalismus nun wirklich ganz schön beschissen da, deswegen sind sie, „immer noch“ Menschen, deren Agitation mir am wichtigsten erscheint. Du kannst gerne mal einem Chefkapitalisten erklären, warum der Kapitalismus scheiße ist, er wird trotzdem wahrscheinlich kein Kommunist werden. Schließlich kann er ganz gut mit dem System leben. Die Arbeiter_innen aber, die so scheiße leben und die ein objektives Interesse hätten, mal alles anders zu gestalten, denen kann ich eher eine kommunistische Gesellschaftskritik nahebringen. Schließlich sind sie nicht nur mein Agitationsobjekt, sondern auch ne ganze Menge Leute – …die die Möglichkeit haben, sich ein menschenwürdiges Leben zu erkämpfen. Nun gut, die Arbeiter_innen haben noch nie die kommunistische Revolution gemacht. Und nun? Sind die Gründe für das Scheitern oder das Nichtzustandekommen kommunistischer Ansätze, dass die Arbeiter_innen eigentlich hier doch ganz gut wegkommen?

Die Klassen stehen natürlich im „klaren Gegensatz“ (einblog) zueinander. Die einen müssen versuchen, möglichst viel Lohn für ihre Arbeitskraft rauszuschlagen, die anderen wollen möglichst viel Geld mit den Arbeiter_innen machen. Das ist nicht nur klar, sondern auch unversöhnlich. Die Angehörigen der Klassen treten sich immer wieder als Vertragspartner_innen, aber eben auch als Träger antagonistischer Interessen gegenüber. Seitdem der Staat oder Institutionen wie Gewerkschaften das Ganze in manchen Ländern regeln und bewachen, werden zwar keine Kinder mehr in Bergwerke geschickt und es fallen weniger Leute tot um auf der Arbeit. Aber die Gegensätze sind noch da, sie ergeben sich aus der Stellung der Menschen im Produktionsprozess. So eine Kacke aber auch2.

Daraus folgt dann auch als heutiges Beispiel, dass die_der durchschnittliche Arbeiter_in eher der BILD verfallen ist als den Marx Engels Werken und sich lieber Fußball auf einer Großbildleinwand anzugucken, dabei klammheimlich oder öffentlich besoffen ihre_seine Lieblingsnation abzufeiern, als das Programm zugunsten kritischer Theorie zu wechseln.
[…]
Tatsächlich aber kann keine Revolution zu machen sein, die nicht die (überwältigende) Mehrheit der Weltbevölkerung zu Subjekten dieser Revolution macht.

Wow, die Arbeiter_innen im Kapitalismus sind keine Kommunist_innen. Ich muss dich enttäuschen, aber das ist keine Sensation, auch für Leute, die die Arbeiter_innenklasse als revolutionäres Subjekt ansehen. Wenn dem doch so wäre, müssten sie wohl kaum zum Kommunismus agitiert werden. Sie macht übrigens auch immer noch die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung aus. „Arbeiter_innenklasse“ bedeutet nicht „Industrieproletariat“, homeboy.

Noch ein Aspekt, der den Begriff der Arbeiter_innenklasse unmöglich macht als Begrifflichkeit emantipativer Bestrebungen ist, dass in diesem Begriff doch die tatsächlich elende Situation in der kapitalistischen Gesellschaft nicht zum Disput stellt, sondern sie vielmehr mit einer positiven Identität füllt.

Eine reine Behauptung, die unmöglich auf alle Menschen, die diesen Begriff benutzen, zutrifft. Viele, nämlich Anhänger_innen der herrschenden Ideologie, reden lieber von Schichten oder Milieus. Klar, es gibt MLer, die finden Arbeiter_innen (saurevolutionär) toll, daher finden die auch die Arbeit toll und hypen die „gute, ehrliche Arbeit“ gegen das fiese, aussagende Kapitalistenpack. Aber es gibt auch genügend Leute, das ist mindestens die Mehrheit, wenn nicht sogar der größte Teil der Leute, die sich hierzulande „Kommunist_innen“ schimpfen, die die Lohnarbeit als das, was sie ist entlarvt haben: Eine beschissene Form der eigenen Existenzsicherung, die ihren Platz in einem beschissenen System hat und abgeschafft gehört. Findest du, dass das ne „postive Setzung“ des Begriffs „Arbeit“ bzw. „Arbeiter_innenklasse“ ist?

Diese Klasse haben dann jene zu sein, die mit Kapital, Nation und Kultur brechen wollen, das ist die Klasse, die tatsächlich die Revolution machen kann, insofern man sie machen kann und keine unkontrollierbare Eigendynamik entsteht.

Da scheint mir das Bedürfnis nach einem revolutionären Subjekt und nach irgendwas, was mensch „positiv setzen“ kann, mit dir durchzugehen. Wie kommst du darauf, diese Überlegungen in Kategorien quetschen zu wollen, die seit weit über hundert Jahren komplett anders besetzt sind? Ich finde das albern.

Mit dieser neubestimmten Form von Klasse lässt sich dann auch wieder emanzipativ arbeiten.

Du willst also ausgerechnet mit denen arbeiten, die schon revolutionär gesinnt sind, also quasi die „Gläubigen bekehren“. Du nimmst da keine „Neubestimmung“ vor. Du sagst lediglich, dass diejenigen, welche die Revolution machen, sie eben machen.

Eben weil nicht materielle Situation, sondern der Wille zur Veränderung die Zugehörigkeit bestimmen.

Mensch… Wo soll denn der „der Wille zur Veränderung“ herkommen? Aus Langeweile? Das einzige, womit Kommunist_innen doch argumentieren können, ist doch die materielle Situation der Menschen. Das die bei den Arbeiter_innen ebent beschissen ist und für 99% von ihr auch so bleiben wird. So kann doch überhaupt Einsicht erzeugt werden. Das sind doch die Gründe für den Willen zur Veränderung, von denen du anscheinend garnichts wissen willst.

Und diese Klasse der Klassengegner_innen kann dann auch als sowas wie ein revolutionäres Subjekt verstanden werden, oder besser als Zusammenschluß revolutionärer Subjekte.

Dir geht es wohl hauptsächlich um den Begriff „Subjekt“. Das sind keine Atzen, die irgendwo rumstehen (reale Personen), sondern tatsächlich erstmal nur Leute, die wir zum Ziel unserer (Agitations)Tätigkeit machen und zwar nur, weil wir denken, dass Agitation bei denen auch einen Sinn hat.

من أجل سلطة العمال والاشتراكية الأممية

Außerdem: WTF IS THIS?!?!?!????1

  1. Damit möchte ich nicht auch nur andeuten, dass Kulla geil oder hot wäre [zurück]
  2. Damit ist hoffentlich klar, warum solche Hoffnungen sehr naiv sind: „Diese Klasse können aber tatsächlich alle Menschen bilden, prinzipiell vom Chef eines multinationalen Unternehmens bis zum prekarisiertesten Individuum der kapitalistischen Elendsgesellschaft.“ [zurück]

29 Antworten auf “Belanglosigkeiten.”


  1. 1 cec 26. September 2008 um 13:49 Uhr

    tekknokatze hat doch schlicht einfach nicht verstanden was „revolutionäres subjekt“ überhaupt meint.
    Zeigt sich schön an dem von dir als 3. angeführten Zitat.

  2. 2 besserscheitern 26. September 2008 um 14:07 Uhr

    „Die Arbeiter_innen aber, die so scheiße leben und die ein objektives Interesse hätten, mal alles anders zu gestalten, denen kann ich eher eine kommunistische Gesellschaftskritik nahebringen.“

    So viel kann man denn doch von der Kritischen Theorie lernen, nämlich das das „objektive Interesse“ denen die es (angeblich) haben ganz objektiv nicht bewusst ist und sich meist auch nicht bewusst machen lässt.

    Aber scheiße, Wendy! Ich hab die ganze nächste Woche keine Zeit – das heißt es ist ein bißchen doof jetzt miteinzusteigen. So watt dauert ja hier gerne mal 50 Comments lang. Um so trauriger ist, dass ich sogar seit 48 Stunden nüchtern bin und diesesmal soagr mitdiskutieren kann und es auch gerne würde. ;)

    Schade.

  3. 3 Wendy 26. September 2008 um 14:42 Uhr

    Das „objektive Interesse“ sagt doch nicht mehr aus, als das es es objektiv/materialistisch gesehen, in ihrem Interesse läge, den Kapitalismus zugunsten einer kommunistischen Gesellschaft abzuschießen. Aus oben genannten Gründen.

    Das die „eigentlich“ schon wissen würden, warum die den Kapitalismus scheiße finden sollten bzw. „eigentlich“ schon antikapitalistisch wären, habe ich mit keinem Wort geschrieben.

    Schade, besserscheitern.

  4. 4 besserscheitern 26. September 2008 um 15:01 Uhr

    Na gut einmal noch.

    Das schwingt aber in dem Begriff des „objektiven Interesses“ mit, den du ja nicht erfunden sondern im Einverständnis mit den Lehren der Klassiker und dem ABC des Kommunismus (Brecht) nur weiternutzt. :P Deine Fassung des entlehnten Begriffs finde ich voll und ganz akzeptabel. Bleibt „nur“ ;) das Problem de nicht-stattfindenden Besinnung der Menschheit und wie man daran was ändern könnte.

    Hockste eigentlich gerade die ganze Zeit vorm Rechner?

  5. 5 Wendy 26. September 2008 um 15:22 Uhr

    Das „Problem“ lässt sich ja mit Schlagworten wie „notwendig falsches Bewusstsein“ und „abstrakt freier Wille“ ein wenig beleuchten, nä? Und es ist eins, über das wenig diskutiert werden muss. Es muss halt durch Agitation und Tat angegangen werden, da lässt es sich dann noch einmal streiten wie das geschieht.

    Zur Zeit bin ich sehr oft vorm PC, gerade nachm aufstehen. Ändert sich aber ab dem Wochenende… Wieso fragst du?

  6. 6 besserscheitern 26. September 2008 um 15:39 Uhr

    Weil du so schnell antwortest.

    Ich geh jetzt mal in die Stadt und schau mir das Derby zwischen USP und Suptras Rostock an.

  7. 7 Keta Minelli 26. September 2008 um 16:08 Uhr

    Besserscheitern, du schickst deine ganzen schlauen Kommentare einfach ausformuliert an mich und ich poste die dann hier. Win-Win-Situation, würde ich sagen.

  8. 8 ♥Tekknoatze 26. September 2008 um 17:47 Uhr

    Wendy, ich sag doch auch, dass die Arbeiter_innen ziemlich gefickt sind. Und niemand kann bestreiten, dass in einer Gesellschaft, die auf der Ausbeutung der Arbeiter_innen die Arbeiter_innen gefickt werden.
    Und das die materielle Situation was mit dem Willen zur Veränderung zu tun habe ist doch objektiv gesehen genauso ein Schwachsinn. der Wille zur Veränderung kommt aus der kritischen Beschäftigung mit dem Gegenstand, und auch ebenjener wird nicht zwangsläufig durch eine elende wirtschaftliche Situation hervorgerufen.
    Was den einzelnen Menschen dann ob Kapitalist_in oder prekarisierte_n Arbeiter_in, davon abhalten kann hab ich auch schon in meinem ursprünglichen Beitrag gesagt.

    Bestimmt was übersehen
    ♥Tekknoatze

  9. 9 dorfdisco knows best 26. September 2008 um 18:25 Uhr

    Den Arbeiter_innen geht es hier verdammt beschissen, wer es schafft, Kapitalist_in zu werden, der hat hier ein ganz gutes Leben. Die Chance auf diese Art “die Klassengrenzen zu überwinden”haben erstmal alle, aber wenn “jede_r” Kapitalist_in werden könnte, wäre das irgendwie nicht mehr der Kapitalismus, ey.

    Vielleicht haben wir ne unterschiedliche Definition von Kapitalisten. Aber mit nem Tarifvertrag bei VW kommt man erst mal weiter als z.B. ganze Heerscharen halbverarmter Kleinbetriebchefs.

    Wie dem auch sei, warum es notwendig sein soll eine neubestimmung der Klasse vorzunehmen wird mir auch nicht richtig klar, auch wenn ich den Klassenkampf inzwischen für Unfug halte. Fakt ist aber auch, dass die Leute die vom „System gefickt“ werden erst einmal einen größeren Aufwand bereiben müssen über die Runden zu kommen als Leute deren Arsch im trockenen sitzt. Die haben nämlich deutlich mehr Ressourcen sich beispielsweise auch mal ne Agitation reinzuziehen. Schon kein Wunder also, dass die meisten Linken in Deutschland aus Elternhäusern mit einer gefestigten finanziellen Situation kommen. Höchste Zeit das klassische revolutionäre Subjekt des Unterdrückten aufzugeben und jedem der zuhören will erklären warum das mit dem Kapitalismus unvernünftig ist… und den anderen vielleicht auch.
    Darf ich als Dienstleister eigentlich auch Proletarier sein ? Bitte…!

  10. 10 A.M.P. 26. September 2008 um 22:48 Uhr

    @Dorfi: Es geht bei Klassen nicht so sehr darum ein „revolutionäres Subjekt“ zu entdecken, sondern um eine Bestimmung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Und siehe da, da gibt es einen zentralen Punkt, der in den Produktionsverhältnissen angelegt ist. Produktionsmittelinnehabende und welche, die diese nicht ihr Eigentum nennen dürfen und folglich das einzige was ihnen bleibt, ihre Arbeit zu Markte tragen müssen (Dienstleistungen mit inbegriffen). Wenn du diese gesellschaftliche Konstitution anders nennen möchtest, kannst du das gerne tun, ändert aber an dem GEGENSTAND ;) erst einmal gar nichts.

  11. 11 Wendy 27. September 2008 um 12:41 Uhr

    Und das die materielle Situation was mit dem Willen zur Veränderung zu tun habe ist doch objektiv gesehen genauso ein Schwachsinn. der Wille zur Veränderung kommt aus der kritischen Beschäftigung mit dem Gegenstand, und auch ebenjener wird nicht zwangsläufig durch eine elende wirtschaftliche Situation hervorgerufen.

    Mit anderen Worten: Dich muss mensch im Auge behalten, denn im Kommunismus würdest du auch unabhängig von deiner materiellen Situation (Bedürfnisse werden befriedigt) dich mal „kritisch mit dem Gegenstand“ auseinandersetzen und zum Schluss kommen, dass Monarchie oder ne ordentliche Demokratie doch besser wäre…

    Der einzige Grund, sich mit dem System auseinanderzusetzen bzw. auf seine Abschaffung zu drängen ist doch, dass mensch hier systematisch geschädigt wird (und das bekommen auch Leute mit, denen es nicht elend geht: Arbeit ist scheiße).

    Vielleicht haben wir ne unterschiedliche Definition von Kapitalisten. Aber mit nem Tarifvertrag bei VW kommt man erst mal weiter als z.B. ganze Heerscharen halbverarmter Kleinbetriebchefs.

    Und nu? Was hatn das mit der analytischen Kategorie zu tun? Meinst du, das ist die Regel? Worauf willst du überhaupt hinaus?

    Als Dienstleister bist du übrigens ein Arbeiter, der eine Ware herstellt, die in dem Augenblick, in dem sie hergestellt wird, wieder verbraucht wird. Nochmal: Yes, you are teh worker.

  12. 12 ♥Tekknoatze 27. September 2008 um 18:07 Uhr

    Hä? Warum sollte ich im Kommunismus auf einmal auf Monarchie abfahren?
    Natürlich werd ich auch in dem Zustand, der dann Kommunismus sein mag mich kritisch mit ebenjenem Zustand auseinandersetzen, eben weil Kommunismus kein Zustand sondern Bewegung ist.
    Ich glaube tatsächlich nicht, dass so etwas wie Kommunismus jemals etwas sein kann, dass keiner kritischen Bestimmung des eigenen Standpunkts bedarf.
    Wenn das passiert und die Kritik der Abfeierei eines vermeintlich perfekten Zustands weicht ist finde ich einiges schiefgelaufen.

    ♥Tekknoatze

  13. 13 narodnik 27. September 2008 um 22:17 Uhr

    Technoatze sagt:

    Die Neubestimmung einer revolutionären Klasse sagt erstmal nichts über die Dekonstruktion der bestehenden Verhältnisse aus.
    Und eben diese bestehenden Verhältnisse tragen als Prinzip die Arbeiter_innenklasse sowie die Kapitalist_innenklasse in sich.

    Was für ein postmoderner Quark! Als wenn man die Kritik an der objektiven materialistischen Doktrin der unter‘m Kapitalverhältnis alle unterworfen sind einfach durch ein Umbenennen, durch einen gleichsam existentialistischen Akt ersetzen könnte. …Sowas kommt dabei raus, wenn man sich nicht einmal auseinandersetzen will mit Arbeiterklasse, Arbeiterbewegung und dem Begriff des Klassenbewußtseins in der marxistischen Theoriedebatte.

    Klassenbewußtsein ist die Einsicht in die allen Arbeitern gemeinsame Lage im kapitalistischen System. Es ist gleichzeitig die Reflexion auf die eigene Verstrickung, auf die eigene – das Kapital täglich reproduzierende – Praxis.

  14. 14 Wolfgang 28. September 2008 um 9:21 Uhr

    Was hat das denn hier mit Kommunismus zu tun? Seit wann ist „Shoppen, konsumieren, eigenes Wohlsein kommunizieren“ Kommunismus?

    Bei uns wird noch gekämpft!

    http://israelmedia.ch.vu

  15. 15 ♥Tekknoatze 28. September 2008 um 15:59 Uhr

    Wer sagt denn bitte, dass shoppen und konsumieren Kommunismus sind?
    Bzw. wo geht es hier um shoppen und konsumieren, in Zusammenhang mit Kommunismus?

  16. 16 Earendil 29. September 2008 um 10:11 Uhr

    Die Verwendung von „gefickt sein/werden“ find ich ja interessant, nicht nur hier. Gefickt werden kann doch eigentlich ganz schön sein… Aber bei der Verwendung wird nur die Vergewaltigungshierarchie ficken=oben / gefickt=unten assoziiert.
    Will aber keine Sprachkritik betreiben, find ich nur interessant.

    Ansonsten sollte man vielleicht stärker Wollen und Können unterscheiden. Wollen kann und sollte den Kommunismus jede_r, auch ich als Nicht-Arbeiter im ökonomiekritischen Sinn (und trotzdem gefickter, in beiderlei Sinn :-) ), auch bspw. Student_innen. Nur, die KÖNNEN beim besten Willen den Kapitalismus nicht abschaffen, weil ihnen schlicht die ökonomische Macht fehlt – soviel kann man schon von ’68 lernen. Abschaffen können den Laden nur die Arbeiter. Oder die Kapitalisten, aber da glaub ich bei aller Einsichtsfähigkeit und Willensfreiheit nicht, dass die das jemals tun werden…

    Deswegen dürfen Nicht-Arbeiter und nicht gefickte (z.B. Engels) natürlich auch Kommis sein, schaden wird’s dem Projekt gewiss nicht :-)

  17. 17 fred feuerstein 29. September 2008 um 12:40 Uhr

    also studenten sind ja auch meistens proletarier, als müssen ja nachm studium arbeiten gehen. auch wenn sie besser verdienen.
    auch fällt mir auf, dass viele hier irgendwie proletariat mit prekär verwechseln. auch jemand der nich am existenzminimum lebt kann proletarier sein.
    die leut bei vw verdienen viel mehr als ein einfacher angestellter, sind aber trotzdem kämpferischer.das hängt wohl unter anderem mit der art arbeit und dessen organisation zusammen, bzw. das der wiederspruch zum kapital dor sehr deutlich wird, auch ein grund warum die industriearbeiter innerhalb des proletariats eine entscheidende rolle ür revolutionäre bewegungen spielten und spielen.

  18. 18 Earendil 29. September 2008 um 14:53 Uhr

    Nee, Studenten sind eben (noch) keine Arbeiter, egal wie reich oder arm sie sind, denn sie produzieren keinen Wert (es sei denn sie jobben nebenbei). Wer Arbeiter ist und wer nicht, hängt erstmal nicht von Lohnzettel und Vermögen ab, sondern von seiner Stellung im Wertschöpfungsprozess. (Davon wiederum hängen Lohnzettel und Vermögen natürlich entscheidend ab.)

    Man könnte aber unter Proletariat auch alle zusammenfassen, die nicht über Eigentum an Produktionsmitteln verfügen, was nicht ganz synonym zur Arbeiterschaft wäre, oder? Gibt ja etwa Studenten, die sich (z.T.) nicht über Lohn, sondern über Sozialtransfers (BAföG) oder wohlhabende Eltern reproduzieren, oder Arbeitslose, die ebenfalls von Transfers (über)leben, oder Leute wie Lehrer, Pfarrer und Polizisten, die zwar lohnabhängig sind, aber keinen Wert produzieren. Weiß jemand, wie Marx die Begriffe genau verwendet hat?

    Dass die Arbeiter bei VW (mehr noch die Piloten und Lokführer) „kämpferischer“ sind als andere, hängt neben ihrem guten Organisationsgrad mit ihrer großen ökonomischen Macht zusammen. Wenn Studenten streiken, hat das bloß symbolische Wirkungen; bei Streiks bei VW sieht das ganz anders aus. Mit Revolution hat aber weder das eine noch das andere was zu tun.

  19. 19 Difficult is Easy 30. September 2008 um 2:21 Uhr

    tekknoatze, diskutierst du noch mit?
    du bist kaum auf wendy ausführliche kritik eingegangen.
    kannst deinen artikel ja noch in einer überarbeiteten fassung posten: „lest wendy!“ ;)

  20. 20 ♥Tekknoatze 30. September 2008 um 2:57 Uhr

    Hm ja keine Ahnung, hatte die letzten Tagen was anderes zu tun.
    Hab beim geprüften Argument noch was geschrieben und werd einen Blogspiegel für die Diskussion posten, dann wär das Interesse meinerseits auch weitesgehend erloschen.

    ♥Tekknoatze

  21. 21 dorfdisco knows best 30. September 2008 um 8:47 Uhr

    @ A.M.P.
    Dann lies doch bitte nochmal den Beitrag vom Technoatze auf den Wendy Bezug nimmt. Da steht schon drin:

    „[..] diese Klasse der Klassengegner_innen kann dann auch als sowas wie ein revolutionäres Subjekt verstanden werden“

    @ wendy

    Mit dem Beispiel will ich einfach nur verdeutlichen, dass deine Formel (Arbeiter = immer schlecht gehen / Produktionsmittelbesitzer = Sonnenschein) für die aktuelle kaptalistische Situation, zumindest auf den Westen bezogen, nicht stimmt.

    …und deutsch mich doch bitte nicht mit Rechtschreibung voll.

  22. 22 Wendy 30. September 2008 um 10:43 Uhr

    dorfdisco: Aller. Als hätte ich das so gemeint! Die Stellung der Arbeiter_innen im Produktionsprozess selbst ist eine beschissene, die sind da immer benachteiligt. Das „Ausbeutung“ nicht bedeutet, dass mensch von 12 bis 24 Uhr „Nike“-Schuhe zusammennäht oder Edelmetall aus Computer-Schrott schmilzt, ist mir ooch klar.

    Rechtschreibung erhöht die Lesbarkeit und ist immer ein gut für Intellellen-Gepöbel.

  23. 23 dorfdisco knows best 30. September 2008 um 13:28 Uhr

    Wendy schrieb:

    „Rechtschreibung erhöht die Lesbarkeit und ist immer ein gut für Intellellen-Gepöbel.“

    Wendy schrieb:
    „you are teh worker“

    Ach übrigens, ich habe das _innen bei Arbeiter_Innen beim überfliegen als „Immer“ gelesen. Deshalb mein etwas vehementerer Einwand. Schreib mal leserlicher!

  24. 24 Wendy 30. September 2008 um 18:02 Uhr

    Das ist eine anerkannte Internetredewendung bzw. Internetslang. Genauso wie „All your bases are belong to us“, z.B. Du seniler Sack. :P

  25. 25 dorfdisco knows best 01. Oktober 2008 um 11:22 Uhr

    „you are teh worker“ ist eine annerkannte Redewendung?… ts ts ts diese jungen Leute heutzutage.

    Aber ich will dich ja auch nicht vollenglischen!

  26. 26 Wendy 01. Oktober 2008 um 13:02 Uhr

    Naja, es geht eher um das Wort „teh“.

  27. 27 Moewe 05. Oktober 2008 um 21:27 Uhr

    Naja, Proleten machen keine Arbeiterklasse.
    Da gehört noch ein bischen mehr dazu. Und was dazu gehört, das besitzen die Proleten heute nicht mehr wirklich.
    So einfach ist es nicht. Wenn man davon spricht, das es keine Klassen mehr gibt, denn stimmt das schon.
    Die zwei Gruppen, die du gegenüber stellst, sind dennoch vorhanden und verschieden.
    dennoch teilen sie sich kultur, leugnen die zugehörigkeit zu ihresgleichen, ja sie unterscheiden sich in sich selbst zu stark, um sie als Klassen zu bezeichnen.
    Die Arbeiterklasse sah sich als Arbeiterklasse. Sie hatte wenig Essen, wenig Lohn, wenig Entscheidungen, viele Kinder, eine andere Kultur, andere Kleidung, andere Wohnstätten, andere Sprache, andere Ansprüche.

    Aber, wir sind auf dem besten weg dahin zurück, das sich wieder sowas wie Klassen verfestigen.

  28. 28 Der Dilettant 28. Oktober 2008 um 3:35 Uhr

    ,,Naja, Proleten[Angehörige der Arbeiterklasse] machen keine Arbeiterklasse.[(sic!)wie kommt er darauf?]
    Da gehört noch ein bischen mehr dazu. Und was dazu gehört, das besitzen die Proleten heute nicht mehr wirklich.[Häää?]
    So einfach ist es nicht. Wenn man davon spricht, das es keine Klassen mehr gibt, denn stimmt das schon.[Ach wir haben eine klassenlose Gesellschaft?]
    Die zwei Gruppen, die du gegenüber stellst, sind dennoch vorhanden und verschieden.[Wie jetzt?]
    dennoch teilen sie sich kultur, leugnen die zugehörigkeit zu ihresgleichen, ja sie unterscheiden sich in sich selbst zu stark, um sie als Klassen zu bezeichnen.[Ich bin kein Lohnarbeiter, weil ich mich nicht als solcher verstehe?]
    Die Arbeiterklasse sah sich als Arbeiterklasse. Sie hatte wenig Essen, wenig Lohn, wenig Entscheidungen, viele Kinder, eine andere Kultur, andere Kleidung, andere Wohnstätten, andere Sprache, andere Ansprüche.“(Moewe)

    Liest du bitte nochmal ganz gründlich Wendys Artikel oder wahlweise Marx…
    Was ist das eigentlich für eine Diskussion?
    Also zu der Frage, ob der Klassenbegriff noch sinnvoll ist. Ja, denn wie Wendy oben akribisch erörtert hat, handelt es sich um eine ökonomische Kategorie, und dieser Kategorie ist es scheiß egal, ob die jenigen, die unter sie fallen,, davon wissen oder nicht. Sprich ob der Prolet sich als solcher fühlt bzw. weiss, dass er einer ist, ist für die Frage ob er einer ist oder nicht, vollkommen scheiß egal.
    Und zu Moewe, was du meinst ist Klassenbewusstsein, und ja das ist größtenteils nicht vorhanden, aber darum gehts hier gerade nicht.

    Wer ist das rev. Subjekt?
    Also wenn es mir im status quo gut geht, frag ich eher nicht wieso, wenns mir scheiße geht, schon eher. Dass kann sowohl ein Unternehmer sein, als auch ein Arbeiter, aber wenn du nach der Revo auch produzieren/Dienstleistungen willst, brauchst du diejenigen die dafür zuständig sind.

    So ich muss mich wieder mit Arbeit beschäftigen…

  1. 1 Blogspiegel- Klassenbegriff « EinBlog für die wirkliche Bewegung! Pingback am 30. September 2008 um 3:03 Uhr
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