Archiv der Kategorie 'der kapitalistischen Wirtschaftsweise'

Wie die kapitalistische Art die Arbeit zu organisieren den Proletarier durch die Mangel dreht. Teil 2.

Zweitens bedeutet dieses Zerreißen des Objektes der Produktion notwendig zugleich das Zerreißen seines Subjektes. Infolge der Rationalisierung des Arbeitsprozesses erscheinen die menschlichen Eigenschaften und Besonderheiten des Arbeiters immer mehr a l s b l o ß e F e h l e r q u e l l e n dem rationell vorherberechneten Funktionieren dieser abstrakten Teilgesetze gegenüber. Der Mensch erscheint weder objektiv noch in seinem Verhalten zum Arbeitsprozeß als dessen eigentlicher Träger, sondern er wird als mechanisierter Teil in ein mechanisches System eingefügt, das er fertig und in völliger Unabhängigkeit von ihm funktionierend vorfindet, dessen Gesetzen er sich willenlos zu fügen hat 3. Diese Willenlosigkeit steigert sich noch dadurch, daß mit zunehmender Rationalisierung und Mechanisierung des Arbeitsprozesses die Tätigkeit des Arbeiters immer stärker ihren Tätigkeitscharakter verliert und zu einer k o n t e m p l a t i v en Haltung wird.1. Daß kontemplative Verhalten einem mechanisch-gesetzmäßigen Prozeß gegenüber, der sich unabhängig vom Bewußtsein, unbeeinflußbar von einer menschlichen Tätigkeit, sich also als fertig geschlossenes System offenbart, verwandelt auch die Grundkategorien des unmittelbaren Verhaltens des Menschen zur Welt: es bringt Raum und Zeit auf einen Nenner, nivelliert die Zeit auf das Niveau des Raumes. „Durch die Unterordnung des Menschen unter die Maschine,“ sagt Marx2, entsteht der Zustand, „daß die Menschen gegenüber der Arbeit verschwinden, daß der Pendel der Uhr der genaue Messer für das Verhältnis der Leistungen zweiter Arbeiter geworden, wie er es für die Schnelligkeit zweier Lokomotiven ist. So muß es nicht mehr heißen, daß eine (Arbeits-)Stunde eines Menschen gleichkommt einer Stunde eines anderen Menschen, sondern daß vielmehr ein Mensch während einer Stunde so viel wert ist wie ein anderer Mensch während einer Stunde. Die Zeit ist alles, der Mensch ist nichts mehr, er ist höchstens noch die Verkörperung der Zeit. Es handelt sich nicht mehr um die Qualität. Die Quantität allein entscheidet alles: Stunde gegen Stunde, Tag gegen Tag . . .“ Die Zeit verliert ihren flußartigen Charakter: sie erstarrt zu einem genau umgrenzten, quantitativ meßbaren, von quantitativ meßbaren „Dingen“ (den verdinglichten, mechanisch objektivierten, von der menschlichen Gesamtpersönlichkeit genau abgetrennten „Leistungen“ des Arbeiters) erfüllten Kontinuum: zu einem Raum.3 (mehr…)

Wie die kapitalistische Art die Arbeit zu organisieren den Proletarier durch die Mangel dreht. Teil 1.

„Konkret“ organisiert das kapitalistische Unternehmen die „abstrakte“ Arbeit daher so, dass es alles vorgibt – Technik, Maschinerie, Rohstoffe, den Produktionsablauf, die Arbeitsteilung, die produktiven Potenzen der angewandten Arbeit selber – und den „menschlichen Faktor“ als flexibles Höchstleistungsinstrument einsetzt. Darin ist eingeschlossen, dass der kapitalistisch durchorganisierte Betrieb den „Output“ an gegenständlichem Reichtum vom „Input“ an menschlichem Interesse, handwerklichem Geschick, Engagement und sogar Arbeitszeit weitestgehend emanzipiert, was ein reiner Segen für die werktätige Menschheit – wäre, wenn es denn darum zu tun wäre. Weil es tatsächlich aber u alles andere als größstmögliche Bequemlichkeit beim Produzieren geht, nämlich um das im Sinne des Unternehmnes optimale Verhältnis zwischen dem „Input“ an bezahlter Arbeit und dem „Output“ an Gelderlös, wird der Produktionsprozess darauf abgestellt, auch und vor allem aus dem Arbeiter als dem flexibelsten „Faktor“ im gesamten Verfahren den größtmöglichen „Beitrag“ herauszupressen. (mehr…)

»Realstadt – Wünsche als Wirklichkeit«.

Seit dem 1. Oktober ist Berlin Schauplatz der großen Stadtausstellung Realstadt.Wünsche als Wirklichkeit.

Die Ausstellung handelt nicht nur von der Stadt selbst, sondern auch vom Umgang mit ihr. Realstadt.Wünsche als Wirklichkeit zeigt Stadtentwicklung als Projekt vieler Akteurinnen und Akteure. Sie kommen zu Wort – mit alltäglichen Wünschen und spektakulären, idealistischen und ökonomisch motivierten, lokalen und weltumspannenden. Denn: Städte sind aus Wünschen gebaut, von Wünschen bewegt und von Wünschen durchlebt.1

Wenn ich also, und das passiert in letzter Zeit recht häufig, an diesem imposanten Kraftwerk und der daran angebrachten Werbung für die Ausstellung vorbei komme, fallen mir auch so einige „Wünsche“ in Bezug auf ein erstrebenswertes Zusammenleben in einer – meiner – Stadt ein. Ein ganz verwegener wäre zum Beispiel, dass man es doch so einrichten könnte, dass mein Bedürfnis, ein Dach über dem Kopf zu haben und im Winter nicht zu erfrieren, nicht von profitgeilen Arschlöchern, deren staatlich bewachte Besitzrechte an Immobilien, Strom und Wärme produzierenden Einrichtungen dies erst ermöglicht, zu meiner Erpressung ausgenutzt wird, damit ich ihnen – woher ich das bekomme ist dann mein Bier und die Geldbeschaffung gestaltet sich recht schwierig – Geld in den Rachen schmeiße. Als frommer Wunsch formuliert könnte sich meine Vorstellung noch locker in die Reihe anderer idealistischer Vorschläge (an die Herrschaft) einreihen. Doch keine Sorge: Das Wissen, dass sich die Leute, die an den eingerichteten Erpressungsverhältnissen verdienen und der Staat, der sich am so produzierten Reichtum bedient, sich nicht einfach aus ihrer Machtposition wünschen lassen, ist vorhanden. Ist ja auch nicht alles zufällig so geworden, wie es ist. Da bräuchte es dann schon einen Fackelzug nach Zehlendorf und dann würde man… ach, lassen wir das. Für heute. (mehr…)