Archiv der Kategorie 'gegen hippies'

Frankfurt, Halle, linke Schläger.


Wenn Freunde von (nationalen) Volksbeschützungsunternehmungen den Respekt fordern, der sonst – ihrer Meinung nach – nur (nationalen) Volksbefreiungsbewegungen zukommt:

Hätte der Aufnäher [mit der Sowjetfahne, W.] den irischen, baskischen, kurdischen oder auch palästinensischen Nationalwimpel symbolisiert, wäre das verschämt erpresste, für gewöhnlich unter Wiederholungszwang gegen israelische Fahnen vorgetragene Argument [»Nationalstaat!«] des Völkerfreundschafts-Antiimperalisten gewiss entfallen, da es sich hier aus seiner Sicht um »Nationen ohne Lebensraum« handele.

Warum gibt es zum Angriff auf das Büro der D“K“P in Halle eigentlich keine Flut von Blogbeiträgen betroffener Blogger, die sich immer gegen jedwede innerlinke Gewalt aussprechen?

Am Abend des 15.11.08 wurden die Scheiben des „Helene – Glatzer – Zentrums“ (Die Kommunistin Helene Glatzer wurde im Jahre 1935 durch Gestapo hingerichtet.) der DKP in Halle(Saale) eingeworfen. An die Außenwände wurden Parolen - „Save Israel“, „ Smash DKP/SDAJ“, „Nazis raus“ – gesprüht.

Ansonsten enthalten das Flugblatt der Neocommunistinnen, Sinistra! und der Text der Gruppe „Waffe der Kritik einige richtige Beobachtungen von und kluge Überlegungen zum gemeinen, unangenehmen Antifa-Schläger antisexisitschen Türsteher.
Ich empfehle das Lesen, ob ich meine Lieblingsstellen mal raussuche: fraglich, keine Motivation, gerade.

Und: In Schönfließ in Brandenburg wurde ein Mann von ´nem Bullen erschossen. Querschläger(, Notwehr), man kennts ja. A.C.A.B.

Meine erste und letzte antiimperialistische Kommando-Aktion; warum aufstachelnder Terror einfach nicht funktioniert.

Die Nachwendezeit. Ein halbes Land in national-trunkener Freude über den Blödsinn, den es veranstaltet hat und eine daniedergehende Wirtschaft. Teilweise Auflösung der alten sozialen Strukturen, sei es Partei- oder Hausgemeinschaft.

Mitten drin: Ich. Im Kindergarten. Wie immer versuche ich den Auftrag, den mir die Geschichte und das Proletariat gegeben haben, auszuführen. Proletarische Weltrevolution, in drei, zwei, eins, jetzt! Auftrag der Stunde: Bewahrung des politischen Restbewusstseins, Klassenbewusstsein auch unter den Jüngsten vergrößern. Die Eltern hatten es vergeigt, wir mussten es richten. So sollte der Bolschewismus innerhalb einer Generation wieder siegen. Das nächste Mal galt es der Destabilisierung des Systems durch fremde Geheimdienste noch sorgfältiger vorzubauen.
Mitten in diese Phase der halbillegalen Parteiarbeit fiel eine große Herausforderung für die politisch bewusste, objektiv revolutionäre Kinderschaft, die zugleich eine große Chance sein konnte. Das fremde Kapital machte auch vor unserem Kindergarten nicht halt, Arbeiter wurden beauftragt, unseren Laubhaufen, auf dem es sich vorzüglich spielen ließ, abzutragen. Da wurde nicht „nur“ die Plünderung unserer nationalen Ressourcen versucht, es wurde auch eine Quelle der Freude und damit der Kampfesmoral angegriffen. Das anstatt des ehrlichen Arbeiterspaßes bald „Micky Mouse“, Coca Cola und Westfernsehen die Szene dominieren sollten, lag auf der Hand.
Gegen diese Attacke organisierte sich auch ohne Zutun der Partei spontaner Widerstand. Mir fiel nur noch zu, der noch unbewussten und naiven Bewegung die Richtung zu weisen. Lenins strahlendes Avantgarde-Prinzip und das Wissens darum, dass die Partei trotzdem den Aufstand niemals erzwingen kann oder herbei palavern kann, fanden hier wieder einmal in dialektisch-materialistischer Weise zusammen.
Glücklicherweise standen mir einige verdiente und prinzipientreue Arbeiterkinder zur Seite, denen ich organisatorische Aufgaben übertragen konnte. Als ich aufbrach, um im Lager „unserer“ kollaborierenden Bourgeoisie wertvolle Informationen einzuholen, bot sich mir ein stolzes Bild: Die demokratischen, fortschrittlichen und sozialistischen Kräfte standen vereint zur Verteidigung unsere nationalen Gutes bereit. An ihrer Kampfkraft, an ihrem Willen musste jeder Angriff zerschellen!

Natürlich diskutierte auch der Klassenfeind die überraschende revolutionäre Dynamik. Mit markigen Worten und Durchhalteparolen wurde allen Fakten zum Trotz zum Angriff geblasen. Die Kindergartenleitung konnte es nicht wissen, aber mit diesem letzten Schritt des Verrats vollendete sie ihre Delegitimierung. Nun musste die proletarische Jugend zur Rätebildung schreiten.

Als mich meine ruhigen Schritte allerdings in Richtung der sozialistischen Morgenröte trugen, musste ich schockiert feststellen, dass meine – ehemaligen – Genossinnen und Genossen nun mithalfen, den Laubhaufen abzutragen. Keine Gewalt musste sie zwingen: Auch sie wurden mit einer geringen Beteiligung an der Ausplünderung und mit dem Versprechen auf andere, größere, westliche Vergnügungen gekauft.
Auch wenn die Klasse verwirrt war und subjektiv falsch handelte, die Schuld lag objektiv bei mir, hatte ich doch naiv auf ihre Spontaneit„t vertraut, anstatt mit ihrer ideologischen Schulung fortzuschreiten. Von dieser Arbeiterseligkeit, die Lenin doch schon in seinen Werken mit den Ausführungen über den Trade-Unionismus verhütet hatte, schlitterte ich, aufgewühlt wie ich war, in den Linksradikalismus – wie wir alle wissen Kinderkrankheit des Kommunismus.

Nur eines konnte in meinen Augen den Niedergang des Klassenkampfes verhindern, ein Fanal musste herbei und ich wollte es – koste es, was es wolle! – entzünden. Nicht einmal die Begrenzheit meiner Mittel, die National Volksarmee, die Volkspolizei und die Staatssicherheitsbehörden waren ja aufgelöst und entwaffnet, konnte mich von meinem Vorhaben abbringen. Bewaffnet, einzig und allein mit einer Tasse heißen Tees trat ich Tor_in dem Imperialismus entgegen. Wenigstens bot sich eine günstige Situation: Der Führer der arbeiteraristokratischen Bauarbeiterriege und die Kindergartenleiterin standen beisammen. Mit einem Schlag konnte ich sie also beide erwischen. Nun gut, da habt ihr’s! Leider trat der Pseudo-Arbeiter im Augenblick der Tat zur Seite, mein Geschoss traf also nur die Kindergartenleiterin. Zu allem Unglück hatte sich mein Heroismus nun auch noch an einer Marionette abreagiert…

Was nun folgte sollte mir den Blödsinn des aufstachelnden Terrors ein für alle Mal – zu spät – vor Augen führen. Anstatt das sich die Klasse besann, glaubte sie bereitwillig die Lügen der Herrschenden. Ich stand nun als blutrünstiger Terrorist da, ich und nicht etwa das System der Schweine war auf einmal moralisch delegimiert! Obschon ich wusste, wieweit die ideologische Desorientierung der Klasse fortgeschritten war, glaubte ich, sie durch die Eliminierung einer oder zweier Charaktermasken wieder auf Kurs bringen zu können. Die Verwirrung musste auch mich ergriffen haben. Hatte ich alles vergessen, was Genosse Wladimir Illitsch Lenin in seiner Schrift „Über den bewaffneten Aufstand“ geschrieben hatte? Wusste ich nicht mehr, was die Bolschewiki ihren deutschen Genossen nach der Novemberrevolution über alle Grenzen hinweg zu riefen? Die Revolution vorranbringen und dabei unbedingt vom Putschismus und vom unverantwortlichen Abenteurertum lassen? Hatte ich das Schicksal des Berliner Spartakusaufstandes, der roten Ruhr-Armee vergessen?

Für die Klärung all dieser Fragen blieb mir viel Zeit in einsamen Kritik-Selbstkritik-Sitzungen. Der Kindergarten sollte sich nie wieder von den Folgen meines Abenteurertums erholen. Alle Partei- und Vor-Partei-Strukturen zerfielen. Bald verließ auch mich der revolutionäre Eifer, ich wurde zum Zyniker und erst über zehn Jahre später sollte auf den Pfad des Sozialismus zurückfinden.

Christian Klar kommt frei.

Christian Klar, der vor Jahrzehnten für den Mord am Bankier Jürgen Ponto, am früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback und am früheren Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer beziehungsweise für seine „Verstrickung“ in diese Mordfälle verurteilt wurde und 26 Jahre in Haft saß, viele davon in Isolationshaft, die eine Form der Folter darstellt und kaum jemanden ohne physische und körperliche Schäden ausspuckt, kommt endlich frei – wenn auch nur auf Bewährung. Auch wenn ich allerlei Kritik an der Politik der Roten Armee Fraktion habe: Der ideale Weg wäre, diese mehr oder weniger direkt mit den Leuten zu diskutieren, die noch heute die R.A.F. romantisieren oder deren Programm feiern. Wenn einer, der sowieso nicht mehr zu den Waffen greifen will oder kann, im Knast sitzen bleibt, ist höchstens etwas für den Staat, seine Öffentlichkeit und die Medien gewonnen, die die R.A.F. für ihr Vorhaben, die kapitalistische Gesellschaft abzuschaffen und diese Pläne auch militant zu verfolgen, abstrafen wollen und nicht für die linke Bewegung.
Ich empfinde da einfach Mitleid mit Christian Klar und irgendwie auch Hochachtung dafür, dass er „sich nicht hat brechen lassen“. Immerhin, ein starker Mensch. Man kann und sollte Werte wie „Standhaftigkeit“ und „Prinzipientreue“ schon an der weiteren Haftzeit, die sie einem – und in diesem Fall ja niemand anderem – einbringen, relativieren. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass ein Klar, der Öffentlichkeitswirksam „abschwört“, auf Bewährung rauskommt und sich dann wieder positiv auf die Rote Armee Fraktion und auf den bewaffneten Kampf bezieht, ganz schnell wieder wegen „notorischer Gefährlichkeit“ im Knast gelandet wäre. Insofern war sein Verhalten, an seinen Inhalten festzuhalten, vielleicht auch richtig. Außerdem wird es ihm die vielen Jahre im Knast geholfen haben, zu wissen, dass er nicht für nichts und wieder nichts einsitzt. Dem war nämlich tatsächlich nicht so. Die andere Feldpostnummer verspürt übrigens „tiefe Verbitterung“ über die Entscheidung, Klar auf freien Fuß zu setzen.

Sei’s drum: Christian Klar zu seiner Haftentlassung alles Gute, Gesundheit und Kraft.

Pointierte Polemik zum Anti-Nazi-Wahn.

So sehr Antifaschisten die NPD fürchten, so sehr brauchen sie sie auch. Gäbe es die NPD, die auch in der Zone kaum mehr als eine Splitterpartei ist, nicht, müßte man darüber reden, warum auch ohne organisierte Nazis der Durchschnittsbürger Ost deren Parolen noch im Schlaf zustimmend hersagen kann. (Bahamas, Nr. 50, Sommer 2006).

Diese wohl formulierte „Erkenntnis“, dass zwischen den politischen Koordinaten der Wähler und Aktivisten der NPD und der Wähler und Funktionäre der Linkspartei keine Welten, sondern höchstens ein paar Querstraßen liegen, sollten sich Antifa-Aktivisten einmal ‚reinfahren und dann erstmal verdauen. Die Schlußfolgerung der „Redaktion Bahamas“ aus dieser richtigen Beobachtung ist – wenig überraschend – eine falsche: Wenn da garnicht so viel dazwischen ist, dann kann das ja nur heißen, dass die Linkspartei-Wähler auch Nazis sind (, weil sie Deutsche sind, ist doch klar)! Hätte sich die Bahamas außer den vermeintlichen politischen Antipoden NPD und Linkspartei auch die anderen bürgerlichen Parteien angeschaut, hätte sie festgestellt, dass – wenn NPD und PDS schon lediglich einige Querstraßen liegen – der Unterschied zwischen beispielsweise der CDU und der NPD oder der SPD und der Linkspartei auch kein gewaltiger ist. Wäre die Bahamas nicht so seltsam induktiv (vom speziellen aufs allgemeine) schlussfolgernd, so wäre uns vielleicht, anders als es im weiteren Artikel der Fall ist, im folgenden die Analyse präsentiert worden, dass alle bürgerlichen Parteien anscheinend eine irgendwie geartete gemeinsame inhaltliche Basis teilen – und nicht etwa, dass alle Deutschen Nazis sind, es immer waren und auch immer bleiben werden. (Das lässt sich schon aus dem Umstand folgern, dass sich die politische Lage in anderen Ländern gleich darstellt.)

Die Bahamas hierarchisiert ihre Attacken folgerichtig nach der politischen Relevanz ihrer erklärten Feinde: Zuerst müssen alle Volksdeutschen (naja, im gleichen Abwasch kann man ja auch die „Islamnazis“ angehen) drangenommen werden, als Konsequenz daraus (gleichzeitig) die Linkspartei und wenn dann mit diesen „Linksnazis“ (himmelschreiend doof) aufgeräumt ist, kommt auch die Splitterpartei NPD zu ihrer Tracht Aufklärung. Bescheuert ist nicht die Methode, sondern die Wahl der Feinde; wie oben ausgeführt, weitere Ausflüge in die weit verzweigte und verworrene Welt der Inselaffen erspare ich mir an dieser Stelle…

Anders als die Bahamas machen Antifas nach der Erkenntnis, dass nicht nur in der Zone nationalistische Positionen (1) – die, wenn mal keine versprengte, dilletantische Wahlkämpfertruppe der NPD oder der DVU greifbar ist, noch nicht einmal von eben jenen geäußert werden muss – äußerst weit verbreitet sind, den Schritt schon nicht mehr mit, sich einmal umzugucken, wer sonst noch auf diesem Weg unterwegs ist. Da kommt es den „North East Antifascists“ so vor, als würden der in der „Braunzone (sic!) Pankow“ weit verbreitete Antisemitismus und Rassismus die Vorstufe der faschistischen Machtergreifung darstellen bzw. den „Sumpf“ aus dem sich die Neonazis rekrutieren – und nur diese, nicht etwa auch der ganz normale Staatsbürger (aber um dessen Beteiligung am antifaschistischen Kampf muss ja auch immer wieder neu gerungen werden…).
Das es in den meisten Fällen gar keine Neonazis braucht, um nationalistische, rassistische und/oder antisemistische Denkweisen zu verbreiten und zu artikulieren; dass dieser Job, wenn – wie so oft! – mal keine Vertreter der zahlenmäßig äußerst schwach aufgestellten deutschen extremen Rechten dingfest zu machen sind, in der Regel von Vertretern der etablierten bürgerlichen Parteien bzw. von denen, die endlich! zu einer solchen werden wollen, übernommen wird, das wollen weder die Antifas im Berliner Nordosten (die ja bedauerlicherweise mit der „Ipahb“ auf ein besonders agiles Exemplar, des zivilgesellschaftlichen Rassismus verweisen können) noch ihre „Genoss_innen“ wahrhaben.
Das Antifas konsequenterweise nach solchen antikritischen Meisterleistungen von bürgerlichen Rassisten als „Faschos“ und „Nazis“ sprechen, gibt hierrüber nur zu beredt Auskunft.
Das erdrückende an der politischen Lage in Deutschland ist ja sogar, dass es noch nicht einmal Vertreter der bürgerlichen Parteien braucht, um „Stammtischparolen“ zu klopfen. Vielmehr ist es so, dass einige politische Basics, die seitenlang in den Wahlprogrammen der bürgerlichen Parteien in wenig kreativen Variationen dokumentiert sind, Allgemeingut sind und damit allgemein durchgesetzt; anders könnte allerdings ein kapitalistischer Staat garnicht funktionieren.

Zusammenfassend bleibt also nochmals festzuhalten, dass die paar Faschos hierzulande weder der Grund für, noch der Hauptnutznießer von Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus sind und das sie schon garnicht das geistige Copyright auf diese Ideologien halten. Die genannten Ideologien sind die logische Folge aus der national und oft genug auch völkisch verfassten bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft.
Ein letztes Mal zurück zur Bahamas und zum Anti-Nazi-Wahn: Wenn hier jetzt Feindschaft nach gesellschaftlicher Relevanz verschenkt wird, könnte die Folgerung nur sein, sich zuallererst die bürgerliche Gesellschaft und die sie garantierenden Instanzen zum Ziel des Kampfes und zum Inhalt der Agitation zu machen.

Letzte Worte:

Das es hier wieder einmal die Berliner Antifa-Gruppe „North East Antifascists“ getroffen hat, hat damit zu tun, dass diese am Wochenende hier – sozusagen als Beigabe zu ihrem „internationalen Antifa-Kongress“, zu dem Antifas aus Spanien, so wie ihre ebenso militant antikommunistischen, wie denkfaulen Gesinnungsgenossen aus Polen und Russland anreisen – eine Demo unter dem Motto „Kein Kiez für Nazis – Wer wegschaut stimmt zu!(2)“ veranstaltet. Dazu kommt, dass sie, zumindest für den Berliner Raum, als eine der aktivsten Vertreterinnen der „Mehr als nur gegen Nazis!“-Linie gelten kann, deren Behauptung, dass der autistische Antifa-Zirkus, der von ihnen veranstaltet wird, mehr sei „als nur gegen Nazis“, revolutionärer, kommunistischer Kampf am besten noch, sei, nicht oft genug widerlegt werden kann.
Außerdem gilt: „Wer liegt, der kriegt!“.

Der Beitrag ist als Kommentar zum stattfindenden „Antifa-Monat“ zu verstehen, der in zwei Wochen mit dem Nazi-Aufmarsch in Neukölln zu Ende gehen wird.

Ebenso wie der Blogger „lysis“, der angekündigt hat, sich nicht mehr mit sog. „Antideutschen“ zu beschäftigen, behaupte ich an dieser Stelle einfach mal, dass ich mich auf absehbare Zeit nicht mehr mit Antifas beschäftigen will. Ich hoffe, mir gelingt der Ausstieg aus der Debatte besser als ihm, es gibt ja nun wirklich interessantere Themen…

Achso: Das ich hier ausgerechnet die Bahamas zitiere, hat nichts mit einem sich vollziehendem „antideutschen Turn“ zu tun… Und auch nicht im Umkehrschluss mit etwaigen konsumierten Drogen! :D

P.S

www.antifa.de

Das versprochene, prolligste Lied der Welt, ist jetzt auch endlich da.

(1) „Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“, „Gegen die Globalisierung – sozial geht nur national“, „Deutschland muss wieder was zu sagen haben in der Welt“, „Ich hab‘ nichts gegen Ausländer – wenn sie dort leben, wo sie herkommen“, „Die Amis sind die schlimmste imperialistische Macht (- die Friedensmacht Deutschland muss einschreiten

(2) Bestechende Logik: Wer nicht seine gesamte Zeit auf den Anti-Nazi-Kampf verschwendet oder sich einfach überhaupt nicht für diese interessiert, kann nur ein „stiller Sympathisant“ sein!

Ich lebe noch.

Wenn ich hier ab und an mal draufschaue, dann freue ich mich immer, dass sich pro Tag immer noch knapp hundert Leute auf diesen Blog verirren, obwohl seit längerer Zeit nichts mehr hier passiert ist. Das wird sich aber, wenn auch nicht sofort, wieder ändern. Keine Sorge! Zur Zeit habe ich jedoch zu wenig Zeit und Möglichkeiten, um regelmäßig etwas zu bloggen.

Meine Alma Mater1 stiehlt meine Zeit, doch nach langer Zeit des Nichtstuns, war es doch bitter nötig, dass ich meinem Leben wieder eine Perspektive, eine Richtung gebe. Dementsprechend glücklich war ich, als der Brief mit der vorläufigen Immatrikulation an der weltweit bekannten Akademie in meinem Briefkasten landete.

Wenn ich sehe, was für „Skandale“ ich verpasst habe, überkommt mich fast ein wenig Wehmut

„studiVz“: Ehemalige Klassenkameraden (der, der in der Stunde mal einpinkelt hat, weil er sich nicht getraut hat, zu fragen, ob er auf Toilette darf und der, der immer die Mädchen verhauen hat, bis ihm irgendwer mal aufs Maul gehauen hat) posieren stolz in der Bundeswehruniform und im Mario-Barth-T-Shirt. Deutsche Ottos sind eben so. Opfer!

Immerhin: Ich bin cool geblieben. :D Obwohl… *grusel*

Diaspora. Schulkamerad_innen, die nicht ganz so scheiße oder sogar überhaupt nicht scheiße waren, ziehen weg und die Streber_innen bleiben hier oder kommen von woanders her, um – immerhin – ein Studium an gerade einmal mittelmäßigen Berliner Unis abzureißen. Dafür Berlin. Die alten Freund_innen studieren und werden ausgebildet in urbanen Perlen wie Halle, Cottbus, Eisenhüttenstadt und Hamburg.

Zum Abschluss noch ein interessanter Text der Situationistischen Internationalen
[über] das Elend im Studentenmilieu“. Durch den Text bin ich noch lange nicht durch, aber er beschreibt die Eigenheiten des studentischen Status´ doch sehr treffend und mit einer angenehmen Distanz, die anderen oft fehlt. So kommt zum Beispiel der überhaupt nicht hochzuhaltende Schwebezustand der auszubildenden Studenten zwischem Stammklasse und Proletariat zur Sprache und wird analysiert, genauso wie das seltsame Selbstbild der Student_innen, das mensch so sogar schon an anderen (oder an sich selbst, nicht in meinem Fall) an sich festgestellt hat. Wenn ich mit dem Text durch bin, werde ich mal meine Lieblingsstelle(n) vorzeigen. Viele gute Punchlines sind ja durchaus enthalten.

In diesem Sinne: Erst-Semester, schreibts euch hinter die Ohren!

P.S.: Bald werde ich in diesen Beitrag das wahrscheinlich prolligste Lied der Welt editieren. Be aware!

Update: Endlich: Die Lokalmatadore – Gefangene der Straße (Ich hoffe, es funktioniert, der File-Upload ging verdächtig schnell…)

  1. welch´ Ironie: „Alma Mater“ und mancademy! [zurück]

Et tu, Brute?

Bier dient dem Wohlsein. Wir stellen uns gegen exzessiven Alkoholkonsum und wehren uns gegen eine Darstellung, in der schnelles oder übermäßiges Trinken anerkannt und belohnt wird. Wir sind gegen jede Verharmlosung von übermäßigem Konsum von Alkohol und halten es nicht für akzeptabel, betrunken zu sein.

Freaks.

Affirmative Action.

Zum dritten Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, wird es erfreulicherweise und für mich etwas überraschend gleich zwei Veranstaltungen geben, die sich mit Nationalismus, dem Staat und dem Kapitalismus auseinandersetzen. Dem Aufruf zu Aktionen und zu einem Theorie-Kongress in Berlin vor einigen Wochen folgte heute ein Aufruf, der zu ähnlichem in Hamburg mobilisieren soll. Diesen Aufruf werde ich im folgenden kurz kommentieren. Mir sind da doch sehr viele und vor allem wichtige Fehler aufgefallen. Eventuell beschäftige ich mich auch bald mal mit dem Aufruf zu den Aktivitäten in Berlin. Beim Überfliegen sah er mir jedoch ganz ordentlich aus.

Schon im ersten Absatz scheint durch, dass die Verfasser_innen etwas, aber längst nicht alles von der Funktionsweise des bürgerlichen Staates begriffen haben, kreiden sie ihm doch an nur „bürgerliche Freiheiten und formale Gleichheit“ (Hervorhebungen von mir) garantiert zu haben und dies nur zu dem Zweck „die auf Privateigentum basierende kapitalistische Produktionsweise nach Innen wie auch im internationalen Maßstab durchzusetzen und abzusichern“.
Hier sind offensichtlich Idealist_innen der Freiheit und der Gleichheit unterwegs. Diese beiden Werte sind schließlich die Grundlage für die kapitalistische Produktion. Die Freiheit, diesen oder jenen Vertrag abzuschließen, sein Geld in dieses oder jenes zu investieren, sich ein Haus zu kaufen oder einen Urlaub zu machen, zu reisen, was auch immer, sie passt perfekt und notwendigerweise zur privaten Verfügungsgewalt über den Produktionsmittel, Grund, Boden, Wohnraum und Ressourcen. Dem beliebten Credo „Die Freiheit eines jeden endet dort, wo die des anderen anfängt“ würde noch jeder Kapitalist und jeder Politiker zustimmen. Gerade die Leute, die die Freiheit, mit etwas anstellen zu können, was sie wollen, wirklich nutzen können, zeigen immer wieder, wie weit die Freiheit im Kapitalismus gesetzt ist.
Da kann auch einem offensichtlich darbenden und hungernden etwas vorgegessen werden. Mehr, als höflich nach einem Stück vom Kuchen fragen, ist nämlich nicht erlaubt.
Die Freiheit, sie ist immer bürgerlich: In einer Welt, in der Willensbildung und Willensumsetzung nicht durch die Schranke des Privateigentums getrennt sind, ist die Garantie, dass mensch seinen Willen wirklich verfolgen darf, überflüssig.
Zur Gleichheit: Auch diese ist absolut und gerade deswegen so beschissen. Der Hinweis, sie sei „nur formal“ geht fehl. Jemand anderes als der Staat hat in dieser Gesellschaft ja überhaupt nicht die Macht, eine allumfassende Gleichheit zu setzen und natürlich sind die Leute vor ihm, vor seinem Gesetz gleich. Das ist ja hier der Punkt. Selbst den Idealisten der Gleichheit geht es ja nicht darum, dass alle exakt gleich aussehen, gleich handeln, gleich denken usw.
Die Härte an der Gleichheit ist doch, dass alle gleich behandelt werden und alle auf die gleiche Art der Verfolgung ihrer Interessen verwiesen werden, nämlich auf die Konkurrenz, die Anhäufung von Reichtum. Das da der Großteil der Gesellschaft ganz schön schlecht da steht, da er weder Kapital, noch Produktionsmittel hat, interessiert da gerade nicht. In der Praxis zeigt sich, dass der Großteil der Gesellschaft tatsächlich schlecht mit einer so eingerichteten Gesellschaft fährt.
Gleichheit und Freiheit zu affirmieren und diese einzufordern ist also aus gesellschaftskritischer Sicht großer Blödsinn.

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Lieber Wachs-Hitler-Attentäter,

seien wir realistisch, ein Held sind Sie nicht. Einer Wachsfigur den Kopf abzureißen, ist so heldenhaft wie Fliegenfangen. Beim Fliegenfangen setzt man sein Leben nicht aufs Spiel. Dennoch sind Sie für mich sympathisch als Attentäter.

Sie leben in Berlin-Kreuzberg („Kreuzberger Nächte sind lang“). Sie waren Polizist, bis Sie auf einer 1.-Mai-Demonstration fühlten, zur anderen Seite zu gehören. Sie kündigten Ihren Polizeidienst und leben seitdem von Hartz IV und 1-Euro-Jobs in der Altenpflege. Sie haben ein Kind aus einer früheren Beziehung – ansonsten haben Sie Ihre Kneipe. Sie sind ein Kreuzberger Berliner, wie man ihn besser nicht beschreiben kann. Sie haben Ihren kleinen Balkon, die kleine Sonne, die auf Sie scheint. Sie sind glücklich, eine neue Beziehung zu haben, entspannt sitzen Sie in Ihrer Kneipe. Ihre Kneipe ist Ihr Zuhause. Sie trinken 2, 3 Bier, die Rede kommt auf Hitler. Nie mehr Krieg, sagen Sie in Ihrer Kneipe. „Ich hau ihm den Kopf ab.“ So oder ähnlich muss es abgelaufen sein.

Die Geschichte des geköpften Hitlers ist keine politische Tat. Sie ist in einer Kneipe geboren.

Es gab 42 historische Attentate auf Adolf Hitler – dieses Attentat ist ein Attentat aus der Kneipe.

Es ist nicht heldenhaft – aber sympathisch.

Herzlichst

Ihr F. J. Wagner

Das waren verdammtnochmal Zeiten!

Als es in Bernau noch Blogs im Dutzend gab und die Welt noch ein Abenteuer war.
Ich bin heute drauf gestoßen, hach, war diese Internetsoap damals ein Spaß!

Es ging um Werner, einen sympathisch-debilen jungen Provinzpunker, der wohl nicht soooo gut aussah und wohl nicht sooooo klug war, aber trotzdem jede Chance wahrnahm „geile Ollen“ und „Weiber“ anzubaggern, was ob seiner begrenzten Fähigkeiten nicht soooooo gut ankam.
Sein Blog-Projekt nahm Fahrt auf, als er ein ihm auferlegtes Party-Verbot bloggte. Party-Verbot?! Für Werner?! Die Leserschaft war entsetzt, alle wollten seine Reflektionen über „momos Geburtstagsfeier“ lesen. Selbst Torsun, als role model der Blogger_innen-Crew schaltete sich ein. Die damals sehr bekannte „Redaktion Gawkersprach auch ihr Wörtchen mit und siehe da: Es half wohl, am Ende war Werner auf der Party. Das Anfang vom Ende :D :

Ich meld mich grade live von der Party!!! Is ziemlich geil hier^^ hab schon etliche Alkoholisch Getränke konsumiert und die Frauen hier hier sind alle total nett.

Wer sich durch diesen Beitrag klickt, kriegt fast alles mit was lief.

Interessanterweise begründete Werner ein ganz eigenes Blog-Genre, „Werner-Blogging“. In knappen, geradebrechten Beiträgen wird fast ausschließlich über persönlich Erlebtes gebloggt. Dazu: Wieder äußerst kurze, oft überraschende Reflektionen, die animieren, zum Lachen und zum Weinen.

1up.

One Up!
Ich beglückwünsche mich selbst, andere dürfen gerne mitmachen: Es gibt meinen Blog nun genau ein Jahr. Am 25.06.2007 startete ich mit einem Beitrag über einen bekannten Berliner Straßenzeitungsverkäufer, der ungewohnte Seiten seiner Persönlichkeit offenbarte, in die Blogosphäre.
Danach folgte viel und ich kann mit Genugtuung feststellen, dass, rückblickend gesehen, kein Beitrag Schamgefühle bei mir auslöst. Dem Kommunikationsmittel entsprechend bloggte ich kleine, interessante Meldungen, diskutierte und „disste“ recht viel, meist andere Blogger_innen und Polit-Gruppen aus dem rechten, gesinnungs- bzw. linksdeutschem Lager, was angesichts der desaströsen Verfasstheit der politischen Linken hierzulande nicht verwunderlich ist. Selbstkritisch muss ich feststellen, dass der sog. „Diss“, also die stark polemische Kritik eigentlich das falsche Mittel ist, um eine Einsicht zu erzeugen. Nun gut, manchmal handelt es sich bei den Adressat_innen der Kritik tatsächlich um „Feinde, die geschlagen werden müssen“, der Zweck der Bloßstellung ist also kein verkehrter, andererseits leidet die Präsentation der Argumente doch oft in der wütend dahingeklatschten Polemik. Sei es drum, in der Zukunft wird mich wahrscheinlich weiterhin desöfteren die Wut packen. Ab und an wird mir bestimmt trotzdem ein sachlicherer, kritisierender Text aus der Feder fließen.

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