Archiv der Kategorie 'Handgemenge'

Frankfurt, Halle, linke Schläger.


Wenn Freunde von (nationalen) Volksbeschützungsunternehmungen den Respekt fordern, der sonst – ihrer Meinung nach – nur (nationalen) Volksbefreiungsbewegungen zukommt:

Hätte der Aufnäher [mit der Sowjetfahne, W.] den irischen, baskischen, kurdischen oder auch palästinensischen Nationalwimpel symbolisiert, wäre das verschämt erpresste, für gewöhnlich unter Wiederholungszwang gegen israelische Fahnen vorgetragene Argument [»Nationalstaat!«] des Völkerfreundschafts-Antiimperalisten gewiss entfallen, da es sich hier aus seiner Sicht um »Nationen ohne Lebensraum« handele.

Warum gibt es zum Angriff auf das Büro der D“K“P in Halle eigentlich keine Flut von Blogbeiträgen betroffener Blogger, die sich immer gegen jedwede innerlinke Gewalt aussprechen?

Am Abend des 15.11.08 wurden die Scheiben des „Helene – Glatzer – Zentrums“ (Die Kommunistin Helene Glatzer wurde im Jahre 1935 durch Gestapo hingerichtet.) der DKP in Halle(Saale) eingeworfen. An die Außenwände wurden Parolen - „Save Israel“, „ Smash DKP/SDAJ“, „Nazis raus“ – gesprüht.

Ansonsten enthalten das Flugblatt der Neocommunistinnen, Sinistra! und der Text der Gruppe „Waffe der Kritik einige richtige Beobachtungen von und kluge Überlegungen zum gemeinen, unangenehmen Antifa-Schläger antisexisitschen Türsteher.
Ich empfehle das Lesen, ob ich meine Lieblingsstellen mal raussuche: fraglich, keine Motivation, gerade.

Und: In Schönfließ in Brandenburg wurde ein Mann von ´nem Bullen erschossen. Querschläger(, Notwehr), man kennts ja. A.C.A.B.

Lieber Wachs-Hitler-Attentäter,

seien wir realistisch, ein Held sind Sie nicht. Einer Wachsfigur den Kopf abzureißen, ist so heldenhaft wie Fliegenfangen. Beim Fliegenfangen setzt man sein Leben nicht aufs Spiel. Dennoch sind Sie für mich sympathisch als Attentäter.

Sie leben in Berlin-Kreuzberg („Kreuzberger Nächte sind lang“). Sie waren Polizist, bis Sie auf einer 1.-Mai-Demonstration fühlten, zur anderen Seite zu gehören. Sie kündigten Ihren Polizeidienst und leben seitdem von Hartz IV und 1-Euro-Jobs in der Altenpflege. Sie haben ein Kind aus einer früheren Beziehung – ansonsten haben Sie Ihre Kneipe. Sie sind ein Kreuzberger Berliner, wie man ihn besser nicht beschreiben kann. Sie haben Ihren kleinen Balkon, die kleine Sonne, die auf Sie scheint. Sie sind glücklich, eine neue Beziehung zu haben, entspannt sitzen Sie in Ihrer Kneipe. Ihre Kneipe ist Ihr Zuhause. Sie trinken 2, 3 Bier, die Rede kommt auf Hitler. Nie mehr Krieg, sagen Sie in Ihrer Kneipe. „Ich hau ihm den Kopf ab.“ So oder ähnlich muss es abgelaufen sein.

Die Geschichte des geköpften Hitlers ist keine politische Tat. Sie ist in einer Kneipe geboren.

Es gab 42 historische Attentate auf Adolf Hitler – dieses Attentat ist ein Attentat aus der Kneipe.

Es ist nicht heldenhaft – aber sympathisch.

Herzlichst

Ihr F. J. Wagner

Kiezgeschichten #2

Ich selbst habe als junger Hausbesetzer einst eine Spekulantenpuppe angezündet; in Frankfurt am Main konzentrierte sich die linke Agitation gar auf den »jüdischen Spe­kulanten« Ignaz Bubis.

Ivo B., in einem ambitionierten Schüler-Aufsatz zum Thema „Hausbesetzer“.

„lol“.

Ein zwölfjähriger Junge aus Norwegen rettete sich und seine zehn Jahre alte Schwester, als sie auf einer Wiese von einem Elch angegriffen wurden – mit Techniken, die er in “World of WarCraft” gelernt hatte.

Nach der Schilderung der Online-Zeitung Nettavisen schrie Hans Jørgen Olsen das Tier an, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und seiner Schwester Zeit zum Davonlaufen zu geben. Als das Tier nicht von ihm abließ, flüchtete er ebenfalls, wurde aber vom Elch in den Rücken getroffen. Sein Rucksack milderte den Stoß, dennoch fiel er zu Boden. Dabei bemerkte er, daß das Tier direkt über ihm stand. So stellte er sich – Auge um Auge mit dem Elch – tot, bis das Tier das Interesse verlor und im Wald verschwand. Diesen Trick hatte er als Jäger in “World of WarCraft” gelernt, der dort ebenso genutzt wird, um Gegner zu täuschen und der Spielfigur das Leben zu retten.

Hat er gut die Aggro vom Elch gezogen. Nächstes Mal woanders farmen gehen und am besten auch andere Party-Member mitnehmen. Dann im großen Raid rauf auf das Vieh, Tanks nach vorne und dann gehts los. Scheiß Imba-Elche. Jetzt ist mein WoW-Slang leider schon wieder erschöpft, Jedem sein Eskapismus.

Autonome Jugendantifa Bernau [AJAB] löst sich auf.

„Last exit – first step – Die beste Auflösungserklärung aller Zeiten“

Endlich! Endlich habe ich es geschafft, dieses wunderbare Papier durchzulesen. Ich kann zwar von mir sagen, dass ich das Originalposting auf Indymedia noch „frisch“ sah, allerdings war es mir viel zu lang und naja es war nur eine Auflösungserklärung und außerdem waren das ja Antideutsche…skip.
Die offensichtliche Beschäftigung der Autor_innen mit der Freudschen Psycho-Analyse macht das gute Stück besonders lesenswert und – natürlich – der Wortwitz und die Sprachbeherrschung der Bernauer. Es macht einfach Spaß und wenn dann auch noch Anekdötchen über den Alltag reisender Halunken eingestreut werden…

Meine Lieblingsstellen:

Ohne Freud kein Über-Ich und ohne Über-Ich keine Freude

Der folgende Schritt vorwärts war nicht wie bei Lenin in Wahrheit zwei zurück. Er war dennoch eher eine Flucht nach vorn, bei der man alles stehen und liegen lässt und nur das Nötigste mitnimmt, was aber schlechthin bedeutete, dass des Pudels Kern erhalten blieb. Schnell lernten wir, dass obwohl wir Parolen wie `Nie, Nie, Nie wieder Deutschland` mittlerweile mit einer unglaublichen Sensibilität zu intonieren perfektioniert hatten, längst noch keine Antideutsche waren. Dafür musste man, so erfuhren wir bald, erst die Bahamas lesen, sein Outfit aufrüsten und anstatt pogen zappeln gehen. Zum Glück konnten wir aber unsere Carhartt-Hosen, Sonnenbrillen, Caps und Windbreaker behalten, wobei festzuhalten ist, dass wir einige dieser Szenecodes aus unterschiedlichen Gründen noch heute mit uns herumschleppen und sie uns an die süße Sucht nach Identifikation erinnern, wie das Steißbein den Menschen daran, dass er vom Affen abstammt.

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