Archiv der Kategorie 'Klasse'

20 Jahre 1. Mai: Was war noch der Sinn dabei?

…so ließe sich die Sprüchekiste ergänzen, „100 Jahre DGB tun dem Kapital nicht weh!“ und „20 Jahre Antifa: Deutschland ist noch immer da!“ gibts ja schon…

Der ehemalige internationale Kampftag der Arbeiterklasse ist mittlerweile vollständig polit-folkloristisches Spektakel, Teile der linken Szene haben als „AG Kiezkultur von unten“ mit dem ehemaligen Aufstandsbekämpfungsprogramm Myfest ihren Frieden gemacht und bieten eine von vielen Bühnen auf der Amüsiermeile an. Leider verfehlen sie in autistischer Manier das Thema: „Beats against fascism“ bzw. „Barrio Antifascista“ ist das Motto. Ich hoffe, die Kreuzberger Kameradschaften nehmen sich das zu Herzen. Wenigstens ein Tag im Jahr, den man als erkennbarer Linker, Migrant, Schwuler oder anderer Mensch, der nicht in das streichholzschachtelgroße Weltbild der Nazis passt, relaxt am dem Kottbusser Tor verbringen kann!
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Rausch und Revolution… und mal fünfe grade sein lassen.

Rockstar hatte ich ja angekündigt, den Arranca!-Artikel zu suchen, der recht ansehnlich versucht hat, zu erklären, warum der gepflegte Schweinesuff auch einen emanzipatorischen Moment hat, nämlich den, dass die Zeit, die eigentlich für die Reproduktion des Körpers für die Lohnarbeit gebraucht wird, für die Reproduktion nach der Party in Anspruch genommen wird. Da frag ich mich zwar, warum ich das denn eigentlich immer Samstags und Sonntags mache und nicht etwa einfach mal Montags… Vielleicht weil ich dann doch immer fit sein muss, für den nächsten Arbeits-, Schul- oder Uni-Tag?
Langer Rede kurzer Sinn: Den Artikel habe ich nicht gefunden, aber festgestellt, dass die aktuelle Arranca! sich sowieso mit der Drogenthematik auseinandersetzt1, was beim Überfliegen recht lesenswert aussah. Außerdem habe ich noch einen älteren Artikel gefunden, der einige alte Wahrheiten zum Thema „Linke und Parties“ zu Papier bringt, die ich euch nicht vorenthalten will. Die Reflektionen des Artikels gehen von Überlegungen über die Anfänge der Frankfurter Nachttanzdemos aus.

[…]“Party ist halt Party … ist halt …“

In den meisten linksradikalen Szeneheften, die das Thema Party und Politik berühren, findet sich kaum mehr als der Hinweis, daß die bürgerliche Trennung von Spaß und Politik abzulehnen sei. Die genauere Bestimmung oder gar Überwindung des behaupteten Mangels bleibt hingegen offen. Party ist nach dieser Vorstellung kein Widerspruch zur ernsten Politik, wenn die Vermittlung der politischen Inhalte und Forderungen über Flugblätter, Transparente oder Redebeiträge gewährleistet ist. Dabei wird das, was auf „kultur-linken“ Partys geschieht gar nicht mehr wahrgenommen, wie und mit welchem Hintergrund sich Leute dort bewegen als unpolitisch abgetan. Diese Analyse mündet dann in der Aussage: „Spaß und Party darf man ja haben, aber man soll´s nicht politisch nennen“. Mit diesem tunnelartigen Politikbegriff wird die Partywelt durchgerastert und nach Merkmalen abgesucht, die das Event zum Politikum machen könnten.

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„Kein Verzicht mehr!“

Auch, wenn einem vieles am Streik der Eisenbahner_innen im letzten Jahr nicht sympathisch war, die Tendenz zur Verweigerung der Unterordnung der eigenen Bedürfnisse unter „Sachzwänge“, Profitlogik, Konzerninteressen und die der Nation, das war schon was.
In der jungen Welt hat der schreibende Arbeiter „Jim Knopf“, der im Berufsleben Bahnbegleiter ist, eine klassenbewusste Zusammenfassung des Arbeitskampfes geschrieben.
Irritierend ist die kriegerische Rhetorik, aber da kann ich drüber hinweg schauen. Vorab kritisieren möchte ich nur die völlige Überwertung der sog. Solidarität „der Masse“ bzw. der Arbeiter_innen. Machen wir uns nichts vor, da kam kaum etwas. Soli-Adressen, schön und gut, aber solidarische Aktionen oder Streiks gab es kaum. Und das die Leitungen der anderen Gewerkschaften noch nicht einmal Solidarität mit der GDL heucheln musste, gibt gut Auskunft über die Stärke und Macht der massenhaften Solidarität.
Vor dem Siedepunkt heruntergekühlt. Lesenswert, als Ergänzung sind die Links unter einem anderen Beitrag von mir äußerst hilfreich.

Etwas älter ist der Kommentar von „Wedel“ (Vorname unbekannt…) zum Thema Nokia und dem ganzen Rumgejaule, das sich wieder entlädt. Arbeiter_innen, die ohne jede Einsicht in die hiesigen und heutigen Verhältnisse wehklagen und deren – bisher – härteste Aktion der Bitt-Gang nach Canossa, hier Finnland, zur Presse-Konferenz von Nokia war, um dort, munitioniert mit dem Argument, dass mensch sich doch wunderbar hat vernutzen lassen und dem Konzern genutzt hat, zu erbetteln, dass das Werk nicht geschlossen wird.

Eine Diskussion, die ich mir gerade durchlese und die auch um das Thema Gewerkschaften und so weiter geführt wird, findet ihr bei neoprene.