Archiv der Kategorie 'des (Post-)Operaismus'

Thesen zu Fragen des prekären Lebens

„All that is solid melts into the air“ – Kerstin Stakemeier in der Phase 2

»Es geht um die Frage nach globalen sozialen Rechten. Darunter verstehen wir zum Beispiel das Recht, sich dort niederzulassen, wo es einem gefällt, das Recht auf Gesundheitsversorgung, auf Bildung, ein Dach über dem Kopf, eben alles, was du für ein gutes Leben brauchst und zwar jenseits von Staatsangehörigkeit und Arbeit«. (Presseerklärung Euromayday Hamburg, 2006)
»Das Recht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen. Das Recht auf dauernden Aufenthalt für alle, die hier leben wollen. Das Recht auf gebührenfreie Bildung. Das Recht auf selbstbestimmtes Leben und freie Nutzung des öffentlichen Raums.« (Euromayday, Berliner Aufruf 2006)
Diese beiden Zitate stammen aus dem bisherigen Ende (post)operaistischer(6) Theorien, von der Stelle an der sie in eine arbeiterbefreite Praxis übergehen: im Euromayday. Die Unterscheidung gesellschaftlicher Rollen wird hier aufgehoben zu Gunsten eines nicht mehr über die eigene Praxis, sondern über deren rechtliche Validierung bestimmtes »wir«. Von hier aus beginnt die Frage nach dem begründeten Interesse. Was kann eine radikale, antikapitalistische Linke überhaupt am Euromayday interessieren? Kategorisch recht wenig, denn es besteht keine gemeinsame Basis. Die Kollektivität, die sich beim Euromayday herstellt, ist fundiert in der gemeinsamen Staatsbürgerschaft, im gemeinsamen europäischen Standort und im Ausschluss von der materiellen gesellschaftlichen (Re)Produktion. Es finden sich weder Ansatzpunkte eines antinationalen noch eines antikapitalistischen Standpunktes. Was gefordert wird, ist das gute Leben – ungeachtet des schlechten gesellschaftlichen Systems, dass zu einer bloßen Hilfskonstruktion des eigenen Freiheitsbegehrens wird.
Die eigene Vergesellschaftung wird in einem Maße als unhintergehbar angenommen, dass das Subjekt zur Rollenverschiebung aufgerufen wird, nicht zur Abschaffung desjenigen Systems in dem diese Rollen eingeschrieben sind. Das Leben selbst scheint prekär, nicht die eigene Position in seiner spätkapitalistischen Erscheinungsform.