Archiv der Kategorie 'Kritik im Handgemenge'

Interventionistische Linke zu Rassismus und Krise

Die IL hat eine kleine Broschüre herausgegeben, die den Namen „Rassismus und Krise“ trägt. In Erwartung des Versuchs einer Erklärung des Zusammenhangs zwischen beiden Erscheinungen und damit zusammenhängender Kritik habe ich sie mir herunter geladen. Zugegeben, so wirklich optimistisch war ich ohnehin nicht, so dass die Enttäuschung nicht allzu stark ausfiel.
Zum Thema Rassismus finden sich in der Broschüre praktisch keine Hintergründe, Erklärungen oder Kritik. Vielmehr wird auf kurzem Raum festgehalten, dass es offensichtlich einen Zusammenhang zwischen der Verschärfung der Krise, Krisenpolitik, die der Bevölkerung einiges an Entbehrungen und Härten hinstellt und dem weiteren Aufschwung aggressiv-rassistischer Einstellungen zu geben scheint. Ohne große Gedanken zum wie und warum wird sich daran gemacht, einen Rückblick auf die Krise und die mit ihr verbundenen politischen Strategien der Herrschenden gegeben, der für jede Person, die in den letzten Monaten oder besser noch Jahren die Nachrichten verfolgt hat, eigentlich ziemlich überflüssig ist. Offensichtlich richtet sich die IL an ein Szene-Publikum – in der Broschüre zumindest fällt die Kritik an Rassismus, speziell im Zusammenhang mit der Krise völlig flach. Ich kann mir vorstellen, dass die Macher ganz klassisch denken, dass das Aufzeigen, dass es Rassismus gibt, völlig ausreichend ist. Schließlich besteht die anvisierte Leserschaft aus Menschen, die Rassismus moralisch verurteilen. Da reicht die bloße Mitteilung. Die Argumentation bewegt sich ungefähr in diesem Dreieck: Krise (doof), Rassismus (doof) = Krise + Rassismus doof (siehe erster Teil der Gleichung).
Dabei ist es doch überhaupt nicht klar auf der Hand liegend, warum die Leute sich massenhaft anstatt gegen die Verursacher der Krise und ihrer persönlichen Misere in Wirtschaft und Politik ausgerechnet gegen Menschen wenden, die überhaupt nicht die Subjekte der Vorgänge sind, sondern sich wie sie selbst in der beschissenen Lage befinden, sich irgendwie auf die veränderten wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse einzustellen. Wie ist denn eine (nationalistische!) Einstellung beschaffen, die trotz mannigfaltiger gegenteiliger Hinweise bei militärischen, energie- und umweltpolitischen oder eben wirtschaftlichen Krisen sofort das Schimpfen auf Ausländer, andere Nationen oder eben inländische Schädlinge am nationalen Gemeinwohl wie „Sozialschmarotzer“ und übermäßig gierige Unternehmer losgehen lässt. Für den Großteil der deutschen Bevölkerung und ganz besonders die Medien und Politik unseres unwirtlichen Fleckens Erde ist weder ein zu verurteilender Zusammenhang zwischen Krise und Rassismus gegeben. Im Gegenteil das ist ihre bevorzugte Art der Reaktion auf „die Krise“. Welchen Sinn macht ein Positionspapier, dass das Zustandekommen und den Inhalt der Ideologie sowie damit natürlich auch die radikale Kritik jener völlig ausblendet? Wie soll man dagegen ankommen, wenn man sich nicht die Mühe macht oder unfähig ist, eine solche Kritik anzustellen?

Was ist Nationalismus? (Gruppen gegen Kapital und Nation)

Das Ergebnis von 4 Jahren Krisenbewältigung: „Die Krise ist zurück!“ (GegenStandpunkt)

Inländer und Ausländer: Der kleine mörderische Unterschied (GegenStandpunkt)

Publikative und „Makss Damage“: Zwei Dumme, ein Gedanke. Wie man Faschisten besser nicht kritisiert.

Zuallererst: „Makss Damage“ alias Julian Fritsch, der Stalino-Rapper, der zum Neonazi geworden ist, hat in Folge seines Ausstiegs natürlich keine Faschisten, sondern seine ehemaligen Genossen kritisiert. Die Argumente, die er zur „Kritik“ der linken Szene vorgebracht hat, sind jedoch deckungsgleich mit denen, die das linke Online-Magazin „Publikative“ gegen die ehemaligen Kameraden von Fritschs damaligen Interviewer vorbringt. Der „Hitler von Köln“, Axel Reitz, hat nämlich die Neonazi-Szene verlassen. Wie die darauf reagiert, findet man bei publikative.org total entlarvend. Entlarvend ist dabei nur eines. Die demokratischen Nationalisten von publikative, die ausgerechnet als Mittel gegen rechten Nationalismus ein „Noch mehr!“ an demokratischem Nationalismus – also Rechtsstaat, Partizipation, demokratische Werte – fordern1, haben eine Kritik von faschistischen Inhalten überhaupt nicht parat. Stattdessen muss der ewiggleiche Blödsinn herhalten, der übrigens wiederum gleich gern von links angehauchten Sozialarbeitern oder faschistischen Aktivisten vorgebracht wird. Das kann auch nicht überraschen, schließlich ist der moralische Standpunkt, an dem die Neonazis blamiert werden sollen, ihr eigener.

Also mal hingehört: Kameradschaft gilt also „als oberstes Gebot“ der rechten Szene – aber in Wirklichkeit gebiert die sich wie jede andere politische Bewegung oder Partei mit„Grabenkämpfen, persönlichen Streitereien und verletzten Eitelkeiten“! Und Leute, die zum politischen Gegner überlaufen und dabei ehemalige Mitstreiter der Strafverfolgung aussetzen, werden nicht mit Blumen verabschiedet! Skandalös, so ein moralisch-verruchter Haufen, diese Rechtsextremen. (mehr…)

„Marx21″ erklärt, warum in Deutschland widerstandsmäßig einfach nichts los ist…

mit einer ganz bewussten zustimmenden Haltung zu den herrschenden Verhältnissen, die sich das Proletariat, an das man sich fortwährend heranwanzen will, zugelegt hat, kann es schon mal nicht liegen. Um das zu beweisen, wird der kleine Trick benutzt, einfach die böse Gewerkschaftsführung mit der guten Basis auseinanderzudividieren, so als würden die sich in Sachen Standortnationalismus, (Befürwortung von) Konkurrenzmeierei und schiedlich-friedlicher Zusammenarbeit mit der „Arbeitgeber“seite viel nehmen. Dabei zeigt doch gerade der unter These 2 und 4 geschriebene Blödsinn, dass die Komplizenschaft der Gewerkschaftsführung bei der Veränderung des Sozialstaates und den damit verbundenen Härten mit der Passivität der Gewerkschaftsmitglieder und des einfachen Mannes einhergeht. Wenn letztgenannte voll auf Konfrontation mit ihren Ausbeutern getrimmt wären, könnte kein Gewerkschaftsboss der Welt für ein völliges Ausbleiben von Protest sorgen… (mehr…)

Wenn Demokraten ihre Liebe für Monarchen entdecken.

Letztens prangte mir in der Bahn von der Zeitung eines Mitfahrers der „frische Fritz“ entgegen: Das ist eine Kolumne, in der anlässlich irgendeines Jubiläums in Verbindung mit einem preussischen Monarchen eben jenem gehuldigt wird. Nicht nur das: An seinem Grab marschierten allerlei Verehrer auf und machten sich auf eine so gräßliche Art zum Affen, wie es vielleicht nur Nationalisten können. Dabei waren ihnen das Häufchen linker Protestierer derart lästig, dass sie direkt handgreiflich wurden. Die linken „Fritz“-Gegner fallen übrigens auf das Tschingderassabumm der deutschen Kartoffeln herein und nehmen den Preußen-Kitsch glatt ernster als dessen Verehrer. Denn abgesehen von ein paar wenigen, die die Monarchie wieder einführen wollen, sind die, die da Totenkult betreiben, aufrechte Demokraten.
Da mutet es doch schon seltsam an, dass ihnen gerade ein Herrscher Identifikationsfigur wird, der mit bürgerlichen Werten absolut garnichts am Hut hatte (auch wenn man das etwas unter den Tisch kehren möchte – aber das „aufgeklärter Absolutismus“ ein Widerspruch in sich ist, fällt sogar einer Satire-Zeitschrift auf). Es ist nicht so wirklich wichtig, was der „Fritz“ da so alles durchgeherrscht. Daher geht es glattweg am Thema vorbei, wenn man alle Schweinereien, die er auf dem Kerbholz hat, aufzählt, um dann zu mahnen, dass die Verehrung so eines Typen sich nun wirklich nicht gehört. Warum eigentlich und für wen denn nicht? Für eine Gesellschaft, die anstatt „Betteljuden“ nun „Wirtschaftsflüchtlinge“ und „Einwanderer in unsere Sozialsysteme“ wegjagt beziehungsweise zur Sau macht, wenn sie unglücklicherweise dem eigenen Volk angehören? Kein Demokrat bei Verstand macht für sich eine nüchterne Analyse der politischen Tätigkeit Friedrichs und kommt zu dem Schluss, dass er sie im Großen und Ganzen für gut hält. Andersherum: Er guckt mit einer nationalistischen Brille auf die Jahrhunderte und will lauter gute Gründe dafür entdecken, warum man darauf stolz sein soll, zur deutschen Volksgemeinschaft und der dazugehörigen Herrschaft (über sich) zu gehören. Warum? Weil er heute schon einen ganzen Haufen guter Gründe kennt, dem jetzigen deutschen Staat und der aktuellen Volksgemeinschaft die Treue zu halten. Das will er sich nochmal bestätigen: An einer Geschichte, deren Verlauf es nochmal unterstreicht, was für ein tolles Land das deutsche ist und wie glücklich man sich schätzen kann, dazuzugehören.
Dann finden sich diese Gründe auch – und zwar haufenweise. Man muss nur gut genug hingucken und die Geschichte nur interessiert genug interpretieren. Irgendwelche Stämme, die sich im Wald mit den Römern gehauen haben? Check. Ein Kommunist, den die damaligen Deutschen bis nach London gejagt haben? Ein Dichter, den selbst in Paris der Gedanke an seine „Heimat“ noch Albträume bereitet hat? Check. Oder eben ein preußischer Monarch, und wenn dessen humanistischen Großtaten waren, dass er Kartoffeln gepflanzt und nicht gleich alle Juden, die ihm unter die Finger gekommen sind, umgebracht hat (vielleicht gilt das als Großtat, weil man im allgemeinen Verständnis dafür hätte, wenn er doch…?).
Was angesichts des beschriebenen Umgangs mit der Geschichte, zur Produktion ideologischen Mehrwerts für den demokratischen Nationalismus, ansteht, ist die Kritik eben der Vorstellungen, die die Leute sich zu den heutigen Verhältnissen machen. Ihr braucht niemandem zu erzählen, dass Monarchie nicht cool ist – damit rennt ihr offene Türen bei den Leuten ein, die jedes Jahr brav wählen gehen und ansonsten auf „die da oben“ schimpfen. Ihr braucht keine „Traditionslinien“ von Friedrich zu Adolf verfolgen, mit beiden hat hier offensichtlich niemand bzw. nur um die 5% der Wähler etwas am Hut. Dass die Leute bei der Bestätigung ihres guten Urteils über „ihre“ Nation wenig über deren Geschichte wissen bzw. ausblenden, was den bruchlosen Bezug auf Deutschland erschwert, sagt einiges über deren abgefuckte Denke aus – aber es ist eben nur die Begleitmusik zu deutschen Sommermärchen.

Tourismus und Imperialismus.

Der Bekannte aus Berlin hat erzählt, es seien am Abend gleich 2 Partys am Strand. Allerdings ist gegen Mitternacht spätestens Schluss. Die Polizei duldet die endlosen Hippiepartys schon lange nicht mehr. Und von einer Goaparty möchte ich auch nicht sprechen, wenn ich das beschreiben soll, was am Abend stattfindet. Es wird halt in einer Bar Psytrance gespielt und ein paar Tücher werden am Strand aufgehängt. Die Indischen Zigeuner bauen rings herum ihre Stände auf. Es geht nur noch darum, blöde Hippietouristen anzulocken und ihnen möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich verdränge diesen Gedanken, trinke mehr Bier und kaufe mir einen LSD-Tropfen von einem Israeli. Wenigstens das gibt es hier. Und wo LSD ist, sind auch gute Menschen, denke ich mir. Schön ist, dass die Sonne an den Stränden von Goa am Horizont überm Meer untergeht. Als ich da war, allerdings schon immer um 18:00 Uhr. Und dann ist es Stockdunkel! Und die Hunde, die überall rumlaufen – mindestens soviele wie Kühe – werden aggressiv. „Nimm dir Nachts einen Stock mit, wenn du zu Fuss unterwegs bist“, hat der Berliner gesagt. Na super. Ich kann mir nichts schöneres vorstellen, als auf LSD mit einem Hund zu kämpfen.

Schon fies, dass die Einwohner von Goa-Disneyland nicht genau auf so eine Type gewartet haben, um sie mit authentischer Liebe und exotischer Lebensart zu überschütten. Klar, dass die arm sind, hat man ja gehört, aber bumsfidel ja wohl auch!

Natürlich ist der Tourist kein Imperialist. Er „erobert“ seine Urlaubsparadiese nicht im Auftrag seines Vaterlands, sondern als friedfertiger Privatmann und Gast. Er möchte das Land, in das er kommt, nicht nehmen, sondern nur anschauen und seine Reize ein paar Wochen lang genießen. Er kommt mit besten Absichten und mit Geld. Er zahlt seine Zeche, nimmt also niemandem etwas weg, sondern stiftet Einkommen bei den Einheimischen. Dass sein Geld überall gern genommen, oft dringend gebraucht wird, sorgt dafür, dass er sich in den fremdesten Ländern und Kulturen sofort heimisch fühlt. Über dieses Medium verständigt er sich mit den Einwohnern auch ohne Sprachkenntnisse. Dass er ihnen mit seinem Geld willkommen ist, begründet die ganze Beziehung des modernen Reisenden zum Gastland und seinen Menschen. Es ändert daran nichts, ob ein Tourist, Sorte Ballermann, sich auf unverschämte Weise zu diesem Umstand bekennt, mit seiner Deutschmark in der Tasche Ansprüche stellt und am Urlaubsort die Sau rauslässt, oder ob einer diesen Umstand eher verleugnet und für eine Verfälschung seines tieferen Verständnisses der fremden Kultur und seiner persönlichen Liebe zum Gastland hält. Auch die alternativen Touristen, die in die geschätzte Lebensart des Gastlandes eintauchen wollen, kommen von der banalen Grundlage ihrer Beliebtheit an südlichen Gestaden, sowie der Grundlage der Freundlichkeit der Dortigen nicht los.

Beide Fraktionen wollen nichts davon wissen, dass die Welt ihrer Reiselust nicht deshalb offen und zur Verfügung steht, weil ihnen dieses Bedürfnis so eingefallen ist, weil sie die Ferne lieben und/oder ihre Spesen bezahlen können. Die weltweite Wirksamkeit ihrer Geldmacht und der weltweite Bedarf nach ihrem Geld unterstellt schon ein bißchen bestimmtere Verhältnisse als das von Käufer und Verkäufer – nämlich eine komplette Weltwirtschaft samt imperialistischer Staatenordnung. Von der Erinnerung an so etwas lässt sich der moderne Weltbürger die „schönsten Wochen des Jahres“ nicht vermiesen. Ihm genügt, dass er mit seinem Geld durch die Welt kommt. Auf dieser Basis ist dann alles individuelle Auswahl und Vorliebe, Hobby und Fernweh, das jeder auf seine ihm persönlich entsprechende Weise befriedigt. […]

Tourismus und Imperialismus

Freerk Huisken zu Oslo.

[…] Und es fällt keinem der Kommentatoren ein, journalistisch auf
die Barrikaden zu steigen und den Geisteszustand der europäischen Politikergarde anzuprangern.
Warum eigentlich nicht? Und warum wird er bei A.Breivik bezweifelt? Nur weil die Damen und
Herren in Regierung und Opposition weder höchstpersönlich solche Bomben basteln noch
höchstpersönlich mit Schießeisen private Rachefeldzüge gegen Verräter durchführen? In der Tat:
Den Schreiberlingen und Talkmastern gilt nicht das politische Programm des A.Breivik als
Wahnsinn; sondern allein, dass da sich jemand unbefugt, also ohne politische Legitimation per
demokratischer Wahl auf einen privaten Rachefeldzug begibt. Denken darf jedermann diesen mehr
als groben Unfug, sogar aufschreiben darf er ihn. Dafür haben wir ja unsere Freiheiten. Und die
sind eben auch dafür da, dass der Privatmensch seinen Anti-Islamismus und Anti-Kommunismus
nur als Meinung im Kopf herum trägt, ansonsten aber seinen bürgerlichen Pflichten nachgeht:
arbeitet, wählt, Familien gründet usw.. Dann gilt so einer nicht als wahnsinnig. Für die Macher der
Öffentlichkeit beginnt der Wahnsinn erst dort, wo ein Privatmensch sein Leben diesem geistigen
Gebäude unterordnet, es mitsamt seinem bisschen hierzulande erlaubten Materialismus ganz der
fixen Idee opfert und den brutalen Standpunkt dann auch noch in die brutale Praxis umsetzt. Das
allein ist für sie das „Unbegreifliche“ der Taten von Oslo. […]

Wen die Ansichten des Attentäters an faschistische Pamphlete erinnern, der liegt nicht falsch. Ist Brevik daher jedoch ein Neonazi, wie es es aus vermeintlich ganz radikaler, linker Ecke heißt? Sein Blutbad jedenfalls will er als Weckruf zur Verteidigung westlich-christlicher Werte verstanden wissen, als Staatsform schlägt er eine gelenkte Demokratie nach Vorbild Russlands vor. Die Ähnlichkeit zu faschistischen Programmen wiederum keine exklusive Eigenschaft seines Machwerks – in der Sache der Verteidigung des Vaterlandes gegen die islamistischen/islamischen Horden, die religiöse wie säkuläre Werte zersetzen und „unserer“ Gesellschaft feindlich gesinnt sind, sie in ihrem Sinne umbiegen wollen, ist man sich einfach, egal ob in Norwegen oder Deutschland, von Kirche über Neonazi-Bewegung bis zur Sozialdemokratie und hinein in die „radikale Linke“ sehr einig. Aber ob man die Feinde der offenen Gesellschaft gleich (selbst) umbringen muss…

Hier der ganze Text von Huisken (drei Seiten).

Das Geseier über die Droge, die den Menschen kaputt macht, ist die Lüge über die Gesellschaft, die den Menschen kaputt macht. Zum „Krokodil“.

Fast so gut wie der hundertste Hitler-Aufmacher ziehen Drogenschocker. Diesmal erreichen uns über SpiegelOnline über eine neue, billige und mehr schlecht als recht eigenhändig herzustellende Droge, die anscheinend dazu geeignet ist, Abhängige innerhalb kurzer Zeit vor die Hunde gehen zu lassen und auch noch einen schön schaurigen Namen trägt: „Das Krokodil“.
Der selbstverständlich sehr objektive Artikel macht verrückterweise aus der Beschaffung der Droge – bzw. der Schwierigkeit, sie in einer annehmbaren Qualität im Wohnzimmer herzustellen – einen Skandal. Kann ja wohl nicht angehen, was die Leute sich für ne Scheiße spritzen.
Man könnte sich jetzt fragen: In was für Zuständen leben denn Leute, die für ein paar glückliche (oder abwesende) Stunden in Kauf nehmen, dass ihnen bald „das Fleisch in Fetzen vom Körper hängt“? Wie kam es soweit? Was sind das für arme Säue, die sich nicht einmal mehr Heroin leisten können?

Aber dann müsste man sich die Mühe machen, aufzuschreiben, warum der Kapitalismus für die ehemalige Sowjet-Bevölkerung das größte Glück auf der Welt ist und wo der Staat die Schrauben ansetzen müsste, damit sich sein Volk wieder mit dem legalen Wässerchen das Leid von der Seele, aber auch bitte nicht vor Ablauf des gewünschten Arbeitslebens totsäuft.

[…]

Nachtrag: Auch wenn man ganz schön in der Scheiße steckt, ist es sinnvoller, wenigstens zu versuchen, den Staat und seiner Wirtschaft anstatt sich selbst kaputtzumachen.

Hackts?! Jetzt wollen die Neger auch ein Stück vom Kuchen – wie unfair!

„Die deutsche Wirtschaft erhofft sich von der Kanzlerin Engagement für einen weiterhin freien Zugang zu Afrikas Rohstoffen“, sagte Wansleben der „Passauer Neuen Presse“. Dabei gehe es nicht nur um Öl und Gas, sondern auch um die sogenannten Seltenen Erden, für die zuletzt häufiger chinesische Unternehmen Exklusivverträge abschlossen. Diese Abkommen schadeten „nicht nur der deutschen Wirtschaft“, sagte Wansleben. Solche Vereinbarungen führten zur starken Abhängigkeit der Staaten von einem einzelnen Abnehmer, der dann die Konditionen diktieren könne. Ein Nutzen für die lokale Bevölkerung werde erst durch verantwortungsvolle Investoren sichergestellt.

…so war das mit der Globalisierung nicht gedacht! Und sowieso: China stärken, gleich doppelt verantwortungslos!

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„Widerspruchslösung“: Wenn der Staat dir an die Innereien will.

Die Verfügungsgewalt über den eigenen Körper, die einem angeblich auch niemand streitig machen darf, ist im Zweifelsfall eine Sache, an der ein Staat vorzüglich herumdefinieren kann. Und wie bei Knast, Todesstrafe, Wehrdienst, Zwangsarbeit und Hungerrationen sind die Folgen dieser Zurichtung des Volkes auf die staatliche Zwecksetzung der erfolgreichen Reichtumsproduktion noch nicht einmal dazu geeignet, Nationalisten ein Licht über ihr Verhältnis zum Souverän aufgehen zu lassen. Menschen, die am lohnarbeitsbedingten Körperverschleiß bei sich und anderen als natürliche Folge eines arbeitsamen Lebens nicht schlimmes erkennen können, können es wiederum nicht gutheißen, wenn „bis zu 12.000 Menschen jährlich“ in Deutschland sterben, weil sie auf eine Organspende angewiesen sind. Da sind sie ganz mit dem Staat – der weiß ja auch, dass die drei Viertel seines Volkes, die keinen Organspendeausweis haben, genügend nützliches aus ihrem Körper abzugeben hätten – zumal sie es ja nach so oft sowieso nicht mehr brauchen.
Verfügung über den Körper könnte also bald „Wenn du es versäumt hast, Formular B auszufüllen, schlachten wir dich aus“ heißen. Das ist vereinbar mit dem Quatsch-Konstrukt „Würde des Menschen“. Weil es vereinbar mit dem Recht der BRD ist. (mehr…)

Und was machen die Linken?

Neues Deutschland (sozialistische Tageszeitung): Ausländer sind für was gut, zum Beispiel zum Tore schießen. Für eine bunte Bundesrepublik Deutschland! Kritik an rassistischer Hetze und nationalistisch-herrschaftlichem Blick auf das Volk in Bezug auf seine Tauglichkeit zur Erwirtschaftung (nationalem) Reichtums erübrigt sich.

jungle World (Die linke Wochenzeitung): Die Bundeswehr ist nicht das Antisexismusbündnis Berlin und Krieg kann wohl auch etwas belastend sein. Kritik am Imperialismus erübrigt sich.