Archiv der Kategorie 'Kritik im Handgemenge'

,Raffend – schaffend‘ vs. „real – irreal“

Ein Auszug aus dem Artikel „Die deutsche Linke sieht sich bestätigt: Der neoliberale Turbo-Kapitalismus ist gescheitert! Machen wir’s besser!“ im GegenStandpunkt 1-09, der in Teilen auch hier einsehbar ist, der ganz ohne moralische Hämmer erklärt, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in einigen Bestandteilen der Finanzkapitalkritik der Linken und der Nazis bestehen und einen erfrischenden, sowie erhellenden Gegensatz zum „,Raffend‘ – ,schaffend‘ – das ist ja wie bei den Nazis! Geht garnicht!“-Geblöke der (antideutschen) Antifa der letzten Jahre darstellt, die mit dieser Fünf-Minuten-Kritik schon Gewerkschaften, Müntefehring, der Montagsdemo-“Bewegung“ und vielen anderen politischen Akteuren den Nazi-Schein ausgestellt hat.

Sehr interessant ist in der Mammut-Fußnote, die länger ist als das eigentliche Zitat, die Stelle, die über Schuldfragen und deren vermeintliche Auflösung handelt. Die Argumente, die Altvater dort bringt, fanden und finden sich auch bei „…umsGanze!“ und derem Aufruf zur Finanzkrisendemo und bei deren Ziehkind der antinationalen Schüler-Initiative „des rues de sucre“ (Straßen aus Zucker): „Die Kapitalisten sollen schuld sein? Quark, die können doch garnichts dafür, dass sie Kapitalisten sind, die werden einzig und allein von Fetischen, Sachzwängen und kapitalistischen Gesetzen betrieben, die haben keinen eigenen Willen; ergo: sie sind nicht ,schuld an der Krise‘!“. In einer Diskussion unter einem Beitrag des Weblogs „Das geprüfte Argument“ (der Beitrag selbst kam noch weitestgehend ohne Argumente aus) argumentierte ich vor kurzer Zeit noch ähnlich. Mittlerweile habe ich jedoch eingesehen, dass es zwar widersinnig und absurd ist, als Mensch immer nur Profiten, Wachstum(sbilanzen) und Kapitalanhäufung hinterherzujagen, dies aber dennoch von Managern gemacht wird. Sie legen in Interviews, in Börsenberichten und Firmentagungen auch immer wieder Zeugnis darüber ab. Den Rest der Fußnote (der sich mit Elsässer beschäftigt) liefere ich noch nach.

Im Artikel wird die Entgegensetzung ,raffend – schaffend‘ bzw. „real – irreal“ von „Realwirtschaft“ und „Finanzsektor“ äußerst überzeugend auseinandergenommen und aufgezeigt, dass das eine ohne das andere ebensowenig zu haben ist, wie Kapitalismus ohne Profitmaximierung(sstreben), dass die Werte, die „der Finanzsektor“ produziert, sehr wohl „real“ sind (zumindest haben sie „reale Millionäre“ produziert und alle Aktion mit sich vollziehen lassen, die man mit im Produktionssektor geschöpften Gewinnen auch anstellen kann) und dass die Linken in ihrer Kritik des Finanzkapitals dem restlichen Kapital doch einiges an Lob ausstellen.

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Besser spät als nie.

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via, achkeineahnung

Das geht alle Deutschen etwas an.

CDU, Linksparei, Antifas, israelsolidarische Vollidioten, palästinasolidarische Deppen, ein Stauffenberg-Fan und wer weiß was noch alles für gruselige Gestalten vereinigen sich zur Volksfront – vielleicht kann man das jedoch auch schon Querfront nennen… – gegen eine NPD-Kundgebung, die sich vorgeblich gegen die israelische Kriegsführung im Gaza-Streifen richtet, angesichts des Datums aber eher als die tausendste Provokation mit Holocaust-Bezug gedeutet werden kann.

Es wären ja sogar getrennte Veranstaltungen möglich gewesen, aber bei dem Thema sind sich wohl alle einig.

„Neonazis in Berlin: Proteste gegen NPD-Mahnwache“.

Angesichts solcher Ereignisse bin ich fast versucht, in Ablehnung dieser ganzen Bagage – Neonazis eingeschlossen – „antideutsch“ als Label für mich zu entdecken. Ungerichtete Reflexe, verständlich vielleicht, bei so einem Elend. „Antideutsch“ ist auch ein Fehler.

Viel vernünftiger ist es wohl, die deutsche Linke, an die man ja irgendwann mal den Anspruch hatte, dass sie radikal, gesellschaftskritisch, revolutionär und antagonistisch zu sein habe, als ein großes Freiluftkabarett zu verstehen und sie gleichzeitig endgültig als einen gleichberechtigten Teil der Volksgemeinschaft (no Nazi-Vorwurf) einzugemeinden. Das hat sie sich verdient.

kopfschüttelnd, angewidert; Wendy.

Achso: Die Hallas-Vögel löschen Artikel mit abweichender Meinung. Gabs kontra?

They gonna privatize the air!

Ich habe die ALB-Broschüre zum ersten Mai 2008 kommunistisch kritisiert, darauf aufbauend ein AgitProp-Konzept auf einen Bierdeckel geschrieben, ein paar Leute von der „Marxistischen Studentenschaft“ ins Boot geholt und alles schnell (>>form follows function!< <) aufgenommen. Man sieht aber schon noch, wo die Argumente herkommen. Bündnisfähig bleiben! Politik kann so einfach sein. Wenn man nur will!

Das Ergebnis präsentiere ich euch hiermit:

Pop-Antifa war gestern – zurück in die Zukunft!

P.S.: Wer (die) andere(n) linken Parolen findet, die ich im Text untergebracht habe, soll sie hier posten, es gibt dann Preise.
P.P.S.: Das sollte eigentlich kein ALB-Diss-Beitrag werden, aber nun ist es geschehen. Nächstes Mal wieder die NEA. ;)

Gegen den widerlichen Moralismus der Antideutschen.

Die Blogosphere ist gerade voll mit weinerlichen bis empörten Beiträgen darüber, dass es doch tatsächlich eine gewisse Gefahr darstellt, in der Nähe von Anti-Kriegs- bzw. Anti-Israel-Demonstrationen mit mehrheitlich palästinensischer Teilnehmerschaft die israelische Fahne zu schwenken.
Allein von der Fahne Israel lässt sich dieser Mob schon provozieren!“, „Das reicht schon um die Antisemiten zum Toben zu bringen!“.
Erstens Mal ist der Zweck solcher Aktionen die Provokation und dann ist es verwunderlich, dass sich bei Eintreten des gewünschten Effekts – die Demo wird in ihrem Ablauf gestört, man produziert Bilder vom tobenden Mob –, darüber echauffiert wird, dass er eingetreten ist.
Zweitens Mal führt Israel einen Krieg gegen die Hamas, der die Zivilbevölkerung in Gaza nicht schont, sondern „Kollateralschäden“ äußerst großzügig als in Kauf zu nehmende Variable mit einplant. Da gehen dann Leute, die etwas gegen diesen Krieg und oftmals als palästinensisch-nationalistische negative Abziehbilder der fahnenschwenkenden, linksdeutschen Kids auch gegen den Staat Israel haben, auf die Straße um ihren Unmut auszudrücken und gehen dann doch tatsächlich gegen Leute vor, die sich mit dem Schwenken der Fahne bewusst positiv zum Krieg und zu allen anderen Aktivitäten Israels stellen. Es ist Krieg, ihr seid Nationalisten, jetzt macht doch bitte nicht schon nach ein paar Schellen auf ernüchterte Soldaten im Schützengraben: Wer in allen Zeiten zu seinem (Wahl-)Volk steht, der muss vielleicht noch ganz andere Härten in Kauf nehmen. Es erzeugt Fremdscham, wenn kriegsgeile Nationalisten, die sich positiv zu Bombardierungen von Wohnvierteln und UN-Besitz, der Abriegelung eines ganzen Landstriches von Medikamenten, Nahrungsmitteln und Strom, Phosphorgranaten, Panzer und tote Palästinensern stellen, den Ausbruch der „verabscheuungswürdigen“ Gewalt erst dann bemerken wollen, wenn ihnen Empörung von der anderen Seite der Barrikade und vielleicht auch die ein oder andere Faust entgegenschlägt.

Da ich nicht tekknoatze bin und daher auch in der Lage bin, mich von Textpassagen zu distanzieren, sofern sie dumm sind1, die ich nicht mittrage, verbreite ich hier nur den Teil von brodagandas Artikel, den ich auch mittragen kann. Das „Solidarität mit Kuba, Liechtenstein, Taka-Tuka-Land oder gerade eben auch Israel ist politisch eine feine Sache“ ist, bestreite ich mit so ziemlich jedem Beitrag, den ich hier schreibe.

Zuvor nur noch eine Empfehlung: Haut euch, haut euch, haut euch auf die Schnauze! – aber heult dann nicht rum, wenn es weh tut, meine lieben Kindersoldaten.

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Deutsche Linke…

Ein paar Albernheiten, die im wahrsten Sinne des Wortes illustrieren, warum man auch im neuen Jahr keine große Freude an dem Haufen haben wird.

Zwei Deppen schwallen rum: Cyanide and Happiness. Die dazugehörige Diskussion findet sich hier1.

Laura hat dann zudem ein gif gemacht, das darstellt, womit sich die Linke hierzulande so die Zeit vertreibt. Ich weiß´ grad nicht, ob ich das gut finde, was sie dem noch inhaltlich zur Seite stellt. Nehmt den Beitrag hier also nicht als Affirmation dessen.

  1. Der Satz “Hmm, ja, ich weiss, das Lied diskrimiert alle Lesben und so, aber wenigstens hat es Beat!” ist übrigens sehr toll. [zurück]

Pointierte Polemik zum Anti-Nazi-Wahn.

So sehr Antifaschisten die NPD fürchten, so sehr brauchen sie sie auch. Gäbe es die NPD, die auch in der Zone kaum mehr als eine Splitterpartei ist, nicht, müßte man darüber reden, warum auch ohne organisierte Nazis der Durchschnittsbürger Ost deren Parolen noch im Schlaf zustimmend hersagen kann. (Bahamas, Nr. 50, Sommer 2006).

Diese wohl formulierte „Erkenntnis“, dass zwischen den politischen Koordinaten der Wähler und Aktivisten der NPD und der Wähler und Funktionäre der Linkspartei keine Welten, sondern höchstens ein paar Querstraßen liegen, sollten sich Antifa-Aktivisten einmal ‚reinfahren und dann erstmal verdauen. Die Schlußfolgerung der „Redaktion Bahamas“ aus dieser richtigen Beobachtung ist – wenig überraschend – eine falsche: Wenn da garnicht so viel dazwischen ist, dann kann das ja nur heißen, dass die Linkspartei-Wähler auch Nazis sind (, weil sie Deutsche sind, ist doch klar)! Hätte sich die Bahamas außer den vermeintlichen politischen Antipoden NPD und Linkspartei auch die anderen bürgerlichen Parteien angeschaut, hätte sie festgestellt, dass – wenn NPD und PDS schon lediglich einige Querstraßen liegen – der Unterschied zwischen beispielsweise der CDU und der NPD oder der SPD und der Linkspartei auch kein gewaltiger ist. Wäre die Bahamas nicht so seltsam induktiv (vom speziellen aufs allgemeine) schlussfolgernd, so wäre uns vielleicht, anders als es im weiteren Artikel der Fall ist, im folgenden die Analyse präsentiert worden, dass alle bürgerlichen Parteien anscheinend eine irgendwie geartete gemeinsame inhaltliche Basis teilen – und nicht etwa, dass alle Deutschen Nazis sind, es immer waren und auch immer bleiben werden. (Das lässt sich schon aus dem Umstand folgern, dass sich die politische Lage in anderen Ländern gleich darstellt.)

Die Bahamas hierarchisiert ihre Attacken folgerichtig nach der politischen Relevanz ihrer erklärten Feinde: Zuerst müssen alle Volksdeutschen (naja, im gleichen Abwasch kann man ja auch die „Islamnazis“ angehen) drangenommen werden, als Konsequenz daraus (gleichzeitig) die Linkspartei und wenn dann mit diesen „Linksnazis“ (himmelschreiend doof) aufgeräumt ist, kommt auch die Splitterpartei NPD zu ihrer Tracht Aufklärung. Bescheuert ist nicht die Methode, sondern die Wahl der Feinde; wie oben ausgeführt, weitere Ausflüge in die weit verzweigte und verworrene Welt der Inselaffen erspare ich mir an dieser Stelle…

Anders als die Bahamas machen Antifas nach der Erkenntnis, dass nicht nur in der Zone nationalistische Positionen (1) – die, wenn mal keine versprengte, dilletantische Wahlkämpfertruppe der NPD oder der DVU greifbar ist, noch nicht einmal von eben jenen geäußert werden muss – äußerst weit verbreitet sind, den Schritt schon nicht mehr mit, sich einmal umzugucken, wer sonst noch auf diesem Weg unterwegs ist. Da kommt es den „North East Antifascists“ so vor, als würden der in der „Braunzone (sic!) Pankow“ weit verbreitete Antisemitismus und Rassismus die Vorstufe der faschistischen Machtergreifung darstellen bzw. den „Sumpf“ aus dem sich die Neonazis rekrutieren – und nur diese, nicht etwa auch der ganz normale Staatsbürger (aber um dessen Beteiligung am antifaschistischen Kampf muss ja auch immer wieder neu gerungen werden…).
Das es in den meisten Fällen gar keine Neonazis braucht, um nationalistische, rassistische und/oder antisemistische Denkweisen zu verbreiten und zu artikulieren; dass dieser Job, wenn – wie so oft! – mal keine Vertreter der zahlenmäßig äußerst schwach aufgestellten deutschen extremen Rechten dingfest zu machen sind, in der Regel von Vertretern der etablierten bürgerlichen Parteien bzw. von denen, die endlich! zu einer solchen werden wollen, übernommen wird, das wollen weder die Antifas im Berliner Nordosten (die ja bedauerlicherweise mit der „Ipahb“ auf ein besonders agiles Exemplar, des zivilgesellschaftlichen Rassismus verweisen können) noch ihre „Genoss_innen“ wahrhaben.
Das Antifas konsequenterweise nach solchen antikritischen Meisterleistungen von bürgerlichen Rassisten als „Faschos“ und „Nazis“ sprechen, gibt hierrüber nur zu beredt Auskunft.
Das erdrückende an der politischen Lage in Deutschland ist ja sogar, dass es noch nicht einmal Vertreter der bürgerlichen Parteien braucht, um „Stammtischparolen“ zu klopfen. Vielmehr ist es so, dass einige politische Basics, die seitenlang in den Wahlprogrammen der bürgerlichen Parteien in wenig kreativen Variationen dokumentiert sind, Allgemeingut sind und damit allgemein durchgesetzt; anders könnte allerdings ein kapitalistischer Staat garnicht funktionieren.

Zusammenfassend bleibt also nochmals festzuhalten, dass die paar Faschos hierzulande weder der Grund für, noch der Hauptnutznießer von Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus sind und das sie schon garnicht das geistige Copyright auf diese Ideologien halten. Die genannten Ideologien sind die logische Folge aus der national und oft genug auch völkisch verfassten bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft.
Ein letztes Mal zurück zur Bahamas und zum Anti-Nazi-Wahn: Wenn hier jetzt Feindschaft nach gesellschaftlicher Relevanz verschenkt wird, könnte die Folgerung nur sein, sich zuallererst die bürgerliche Gesellschaft und die sie garantierenden Instanzen zum Ziel des Kampfes und zum Inhalt der Agitation zu machen.

Letzte Worte:

Das es hier wieder einmal die Berliner Antifa-Gruppe „North East Antifascists“ getroffen hat, hat damit zu tun, dass diese am Wochenende hier – sozusagen als Beigabe zu ihrem „internationalen Antifa-Kongress“, zu dem Antifas aus Spanien, so wie ihre ebenso militant antikommunistischen, wie denkfaulen Gesinnungsgenossen aus Polen und Russland anreisen – eine Demo unter dem Motto „Kein Kiez für Nazis – Wer wegschaut stimmt zu!(2)“ veranstaltet. Dazu kommt, dass sie, zumindest für den Berliner Raum, als eine der aktivsten Vertreterinnen der „Mehr als nur gegen Nazis!“-Linie gelten kann, deren Behauptung, dass der autistische Antifa-Zirkus, der von ihnen veranstaltet wird, mehr sei „als nur gegen Nazis“, revolutionärer, kommunistischer Kampf am besten noch, sei, nicht oft genug widerlegt werden kann.
Außerdem gilt: „Wer liegt, der kriegt!“.

Der Beitrag ist als Kommentar zum stattfindenden „Antifa-Monat“ zu verstehen, der in zwei Wochen mit dem Nazi-Aufmarsch in Neukölln zu Ende gehen wird.

Ebenso wie der Blogger „lysis“, der angekündigt hat, sich nicht mehr mit sog. „Antideutschen“ zu beschäftigen, behaupte ich an dieser Stelle einfach mal, dass ich mich auf absehbare Zeit nicht mehr mit Antifas beschäftigen will. Ich hoffe, mir gelingt der Ausstieg aus der Debatte besser als ihm, es gibt ja nun wirklich interessantere Themen…

Achso: Das ich hier ausgerechnet die Bahamas zitiere, hat nichts mit einem sich vollziehendem „antideutschen Turn“ zu tun… Und auch nicht im Umkehrschluss mit etwaigen konsumierten Drogen! :D

P.S

www.antifa.de

Das versprochene, prolligste Lied der Welt, ist jetzt auch endlich da.

(1) „Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“, „Gegen die Globalisierung – sozial geht nur national“, „Deutschland muss wieder was zu sagen haben in der Welt“, „Ich hab‘ nichts gegen Ausländer – wenn sie dort leben, wo sie herkommen“, „Die Amis sind die schlimmste imperialistische Macht (- die Friedensmacht Deutschland muss einschreiten

(2) Bestechende Logik: Wer nicht seine gesamte Zeit auf den Anti-Nazi-Kampf verschwendet oder sich einfach überhaupt nicht für diese interessiert, kann nur ein „stiller Sympathisant“ sein!

Anti-Islam-Konferenz, Antifa-Kongress, Gegen-Aktivitäten und die notwendige Diskussion.

Dieser Beitrag soll sich mit der „Anti-Islamisierungskonferenz“ und den Gegen-Aktivitäten zu ihr auseinandersetzen und damit, warum meine Unterstützung der Gegen-Aktivitäten gerade auf der Kippe steht. Ich werde in weiteren Beiträgen versuchen, eine Kritik an den Aufrufen zu formulieren, denn ein Auszug aus ihnen kam mir schon sehr affirmativ daher.

1. Die „Anti-Islamisierungskonferenz“

„Für das Wochenende vom 19. bis 21. September 2008 lädt die extrem rechte Bürgerbewegung pro Köln die europäische Rechte zu einem „Anti-Islamisierungskongress“ nach Köln ein.Erwartet werden nicht nur „Patriotische Gäste“ aus der BRD, wie Harald Neubauer (Herausgeber der neurechten Zeitschrift Nation und Europa) oder der Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche (ehem. CDU), sondern auch VertreterInnen rechtspopulistischer und rassistischer Gruppierungen aus ganz Europa. Jean-Marie Le Pen vom französischen Front National (FN), die Lega Nord aus Italien, die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), Vlaams Belang aus Belgien, Die Freiheitlichen aus Südtirol sowie extreme Rechte aus dem ehemaligen Jugoslawien, Ungarn usw. haben ihre Teilnahme zugesichert. Es ist mit 1000 Kongressgästen zu rechnen.“

Zu den Hintergründen des Kongresses, der richtigerweise von seinen Gegner_innen immer „Anti-Islam-Konferenz“ genannt wird, sei hierrauf und auf die Feststellung verwiesen, dass der Kulturalismus den klassischen Rassismus im modernen Diskurs ablöste, ohne unbedingt seine klassischen Argumentationen und Denkmuster nennenswert zu updaten. Die Huntingtonsche Denke von wesenhaften Kulturkreisen, die sich Kriege ums Überleben liefern und die – ebenfalls ihre Angehörigen – in sich homogen sind und die sich in höher- und minderwertige Kulturkreise unterteilen lassen, löst den biologistischen Rassismus ab, bedient sich jedoch am Ende nur in schöneren Worten seiner Denkweisen. Hier sei auf den einführenden Blog-Beitrag von lysis zum Thema verwiesen.

Für mich steht fest, dass es sich um bei der Konferenz um eine Veranstaltung handelt, die meinen Vorstellungen entgegensteht. Eben weil anstatt Religionskritik zu üben, rassistische „Islam-Kritik“ geübt wird, weil kulturalistisch-rassistische Argumentationsschienen bemüht werden und nicht zuletzt auch, weil die ReferentInnen und Teilnehmer_innen immer ein Interesse an der Verteidigung der Demokratie, des bürgerlichen Staates, des Systems, des Status Quo haben – vor allem, aber nicht nur gegen „die Vormoderne“, „den Islam“, „die Muslime“, „die Barbaren“.
Übel aufgestoßen ist mir, dass bei den Gegner_innen der Konferenz solch ein Interesse auch unterwegs zu sein scheint. Dazu später aber mehr.

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Feindbildpflegepersonal I

Achmed Toprak
Fuck, jetzt habe ich heute schon von zwei Leuten Beitragsüberschriften geklaut. :( Das alles wegen Dr. Ahmed Toprak, der ist Professor an der Fachhochschule Dortmund „forscht“ so:

Toprak kritisiert, dass im Kontext der Zwangsehe das öffentliche Augenmerk vor allem auf die Frauen gerichtet ist und Männer kaum thematisiert werden. In seiner Studie „Das schwache Geschlecht – Die türkischen Männer“ beschäftigt sich der Pädagoge Ahmet Toprak mit Gewaltprävention und interkultureller Pädagogik. In acht Interviews befragte er 15 junge türkische Männer, die ihre Ehefrau durch die Eltern in deren Heimatdorf auswählen ließen, obwohl sie in Deutschland zwischen 1964 und 1982 geboren wurden bzw. aufwuchsen. […]
Das Ergebnis dieser Arbeit ist die Erkenntnis, dass nicht wenige junge türkischer Männer und Familien der Zwangsehe/Ehearrangement offen gegenüberstehen oder sie sogar selbst praktizieren. Die Männer, die im Rahmen der Studie befragt worden sind, sind bewusst einseitig gewählt worden. Sie stammen allesamt aus traditionellen bildungsarmen Verhältnissen und somit ist die Studie laut dem Autor „nicht repräsentativ

1.2

Jemand drückte es so aus, dass er auch einfach eine Studie über mich machen und diese dann für Erkenntnissgewinnen über „Berliner Antifas“ nutzen könnte. Arbeitstitel: „Die Berliner Antifas. Zwangsblogging, Proletentum und Doppelmoral der Ehre.“. Das wär´ ungefähr genauso wissenschaftlich, wie wenn Dr. Toprak3 nach einer Studie mit 15 (in Worten fünfzehn) ausgewählten Jugendlichen aus „traditionellen bildungsarmen Verhältnissen“ zum Schluss kommt, alle türkischen Männer fänden es gut, wenn sie irgendwen heiraten sollen, zu dem sie wahrscheinlich kaum einen emotionalen Bezug haben und dafür eventuell sogar in die (unbehaglichen Gegenden der) Türkei zurückmüssen, aus der ihre Eltern stammen…

Sein Fazit: Alles Türken, alle gleich, alle Monster. Seine Artikel zu den türkischen Väter-Monstern sind auch sehr interessant.

Georg Klauda in seinem Artikel: „Mit Islamophobie gegen Homophobie?“ schreibt da eine gute Entgegnung zu.

Seine Seite bei der FH Dortmund (dort findet ihr auch die Schlägerväterartikel).

P.S.: Georg Klauda bringt bald ein Buch heraus. Titel: Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt.

  1. http://www.socialnet.de/rezensionen/3252.php [zurück]
  2. Quelle [zurück]
  3. Vor drei Jahren gab ich ein Interview im WDR, danach hat mir meine ehemalige Hauptschullehrerin eine E-Mail geschrieben: „Ich hatte mal einen Schüler, der hieß auch Ahmet Toprak, aber das können nicht Sie sein, denn der war so schlecht, dass er kein Doktor sein kann.“ [zurück]

Gruppe ISKRA – Mit Deutschland gegen die Deutschen

Beim Lesen des Textes der „Gruppe ISKRA“ zu den nationalistischen Ekelhaftigkeiten auch in Frankfurt / Oder fiel mir auf, dass diese Gruppe sich Nationalismus nicht hauptsächlich als Ideologie, die eine Herstellung einer allgemeinen Zustimmung zum kapitalistischen Staat zum Ziel hat, sondern als gemeinschaftsduselige Hudelei und Abgrenzung zu „den anderen“ vorstellt.
Warum und wie Staatsgrenzen und -völker entstehen, wer (na ratet mal…) diese in die Welt brachte, das interessiert die jungen Linken (no offense) nicht, ihnen zählt nur das Ergebnis: Der deutsche Staatsbürger, der Stolz auf sein Land und seinen Pass ist, er hält auch während internationalen Sportwettbewerben seinem Land die Treue. Die Vorstellung, sie seien „als Deutsche“ etwas völlig anderes als polnische Staatsbürger_innen, ist bei deutschen Nationalist_innen in der Tat integraler Bestandteil ihres Selbstbildes. Bei der „Gruppe ISKRA“ scheint jedoch immer der Gedanke durchzublitzen, es gäbe ein „Bedürfnis“ nach Abgrenzung, welches im Deutschen (autoritären Charakter/Bodymind…?) verwurzelt sei.
Auch wenn der Text für die Verhältnisse bei Antifa-Gruppen relativ lang ist, wird mensch eine treffende Analyse vergebens suchen. Stattdessen wird moralisiert, die Abgrenzung habe gefälligst aufzuhören. So wie die „Gruppe ISKRA“ deutsche Nationalist_innen kritisiert, könnte sie auch das Gebahren von Emos in einem x-b-liebigen Land kritisieren.

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