Archiv der Kategorie 'des Nationalismus'

Freerk Huisken: Die unselige Sarrazin-Debatte. (!)

[…] Das unterscheidet die regierenden Politiker vom Warner Sarrazin: Die Herstellung eines in allen Teilen nützlich einsetzbaren Staatsvolks mag zwar ihr Ideal sein, ist aber für sie nicht das praktische Maß aller Dinge. Als Politiker sind sie Realisten, die wissen, dass es gerade die erfolgreiche Benutzung des eigenen Staatsvolks – angereichtert um Teile fremder Völker – als Ressource ist, die immer wieder jene „Probleme“ hervorbringt, von denen aus Sarrazin seinen nationalen Untergang konstruiert. […]

Da fehlen jetzt noch einige Sätze, damit ein Schuh draus wird, aber da mich mein USB-Stick hasst und ich deswegen den Rest nicht mehr abtippen kann, empfehle ich euch früher als geplant das [weiterlesen] (.pdf-Link)!

Die Nation im »Fußball-Fieber« – das Spektakel ist vorbei, der Nationalismus besteht weiter!

[…]Nochmal: Worum geht es bei der WM und diesem Drumherum? „Es geht um Fußball, also um die Nation“, schreibt der Spiegel – und tut so, als sei das „also“ völlig logisch. Das Magazin für die Durchblicker weiß mal wieder, wie der Hase läuft: Sport wird hergenommen, um nationales Identitätsgefühl zu erzeugen – und findet das völlig in Ordnung! Denn an etwas orientieren, mit etwas identifizieren, das brauchen die Massen nun mal, insbesondere in „schweren Zeiten“. Warum sie das brauchen und was es ihnen eigentlich nutzt in ihren „schweren Zeiten“ – diese Frage soll genau so wenig aufkommen wie die: Was ist das eigentlich, die Nation? Denn auch da ist alles längst klar: Alle Menschen haben eine und es ist eine Art natürliches Lebensgefühl aller Menschen, sich in ihrer nationalen Gemeinschaft aufgehoben zu fühlen. Bumms. Aus! Mehr gibt es da nicht zu fragen! (mehr…)

Und am anderen Ende der Welt…

Deutschland-Fans
England-Fans

…da ich an diesem „Ende der Welt“ wohne, wäre es mir sehr genehm, wenn bald, sehr bald, sich hier ein Heulen, das am Himmelsgewölbe zerschellt, erheben würde…

Nie wieder Deutschland!

Die Qual der Wahl: Theo Wentzke zur Eurokrise und Junge Linke zu Standortnationalismus am Dienstag, dem 22.06.

Junge Linke: Standort, Standort, Standort — Antinationalismus & Kapitalismuskritik

[…] Mal rufen die Gewerkschaften zu einem kleinen Streik aus, mal demonstrieren Menschen jeden Montag gegen Hartz IV. Den meisten Protestler_innen in Deutschland ist dabei eines gemein: Sie haben nicht etwa Emanzipation, sondern das nationale Gemeinwohl im Sinn. Deutsche Gewerkschaften kämpfen für deutsche Standorte, HartzIV-Protestler_innen wünschen sich unter „Wir sind das Volk“-Rufen ganz romantisch den guten alten Sozialstaat zurück. Gleichzeitig stimmen alle gemeinsam mit der Regierung darin überein, dass „alle den Gürtel enger schnallen müssen“ – für Deutschland. Wie sieht eine deutschlandspezifische Kritik an Nation aus, die insbesondere einer kapitalismuskritischen Perspektive Rechnung trägt?

vs.:

Theo Wentzke: Die Eurokrise: Wenn Staaten ihren Kredit verlieren. Über das Zusammenwirken und den Gegensatz von politischer Macht und Finanzkapital

Die Finanzkrise geht in die nächste Runde und ruiniert Instanzen, die bisher als mächtige Retter der Banken und der Konjunktur aufgetreten sind: Souveräne Staaten und Währungen verlieren ihren Kredit. – Als erster Euro-Staat hat Griechenland seinen Kredit verloren; als nächste sind Portugal, Irland und Spanien ins Visier des Finanzkapitals gekommen, und auch der Kredit des G‑7/8-Mitglieds Italien ist längst in Zweifel gezogen.
Schon wieder erschüttert ein Akt der Spekulation die Welt und liefert einiges zur Aufklärung über die kapitalistische Welt: über das moderne Geld, über die Grundlagen der Finanzmacht der Staaten, über den inneren Imperialismus in der Europäischen Union und über die waghalsige Konstruktion einer gemeinsamen europäischen Weltwährung für 16 Nationen, die sich im Maastricht-Vertrag auf Konkurrenz gegeneinander verpflichtet und Finanzhilfen („Bail-out“) zur Abwendung drohender Staatspleiten ausdrücklich ausgeschlossen haben.
Und was bekommt das deutsche Publikum zu den dramatischen Vorgängen von Regierung und Medien mitgeteilt? Nichts als Unsinn und nationalistische Angeberei!
„Die Griechen (Portugiesen, Iren, Spanier, Italiener …) sind selber schuld!“, heißt es; sie hätten über ihre Verhältnisse gelebt; zu viel importiert und konsumiert, zu wenig gearbeitet und exportiert. Zu einer Außenhandelsbilanz aber gehören zwei Seiten! Der deutsche Export-Europameister erzielt Überschüsse im europäischen Handel haargenau in dem Maß, wie andere Länder – von überlegener Kapitalmacht und mit Kampfpreisen niederkonkurriert – Defizite ansammeln. Die griechische Pleite und der Zweifel an der Kreditwürdigkeit anderer Euro-Länder mit Importüberschuss ist das Spiegelbild des deutschen Erfolgs. Der EU-Binnenmarkt ist kein Kooperationsprojekt zur gegenseitigen Unterstützung befreundeter Völker, sondern ein Kampfplatz der Nationen, auf dem jede die Partner für ihr Kapitalwachstum ausnutzen will. Den Siegern stehen daher notwendig Verlierer gegenüber. […]
Bei all den imperialistischen Dummheiten und Frechheiten ist es höchste Zeit, dass man sich die neue politökonomische Weltlage wissenschaftlich erklärt, damit man sich nicht für „Sanierungs“programme vereinnahmen lässt.

Und da sage nochmal jemand, Nationalismus sei der ideologische Kitt einer Klassengesellschaft…

Südafrika hat es vollbracht: Außer mächtigen Verkehrsstaus gab es unbändige Freude und Stolz über den gelungenen WM-Auftakt. Die Zeitungen sprechen von „Explosionen des Glücks“, von Festplätzen brechend voll mit Fans. Die Zeitschrift Mail & Guardian berichtet von lauten, emotionalen Feiern in abgelegenen Dörfern, Armenvierteln oder reichen Stadtquartieren.

Berliner Zeitung: Südafrika bestaunt sich selbst.

Und wer selbst angesichts solch paradiesischer Zustände („Toooooooooooooor für Südafrika!“) auf so bornierten Einzelinteressen wie einem Lohn, bei dem man nicht Hunger leiden muss, beharrt, der kriegt halt mal eins auf den Deckel. Keine Sorge wegen schlechter Publicity. Die vierte Gewalt hilft durchaus auch fremden Souveränen im Kampf gegen ihre Arbeiter und lügt Polizei-Gewalt gegen Streikende in Gewalttätigkeiten eben jener um: „Streik der Stadionordner in Südafrika artet aus“ (NZZ Online).

P.S.: Der Mitschnitt der Veranstaltung zum WM-Nationalismus an der Humboldt-Universität kann sich jetzt auf der Website der Gruppe »kein kommentar« heruntergeladen bzw. angehört werden.

+49 30 61 28 27 30.

tanker bespricht dieses Telefongesprächformat zwischen diesen beiden Idioten von der „jungle world“ und „Cicero“:

Zu Beginn der ersten Folge begleitet der Zuschauer die beiden Kontrahenten auf dem Weg zur Arbeit. Dabei erfährt man, dass Antifa-Ivo immer noch seine Antifa-Schuhe trägt und dass die Marx-Lektüre immer noch ungelesen auf seinem Schreibtisch liegt. Sonnenstudio-David Harnasch hingegen lässt eigens für den Dreh den getunten Opel in der Garage und gibt recht bemüht den smarten Karrieristen, der, während er mit dem Taxi zu Arbeit fährt, telefoniert und auf seinem Notebook herumtippt. Das muss er in irgend einem Film gesehen haben.

8.6 | 18:30 | HU: Vortrag und Diskussion zum nationalistischen Spektakel Fußball-Weltmeisterschaft der Männer.

Im Juni 2010 rollt der Ball wieder und die Nationen der Welt treten in Südafrika gegeneinander an. Einen ganzen Monat liegen sich die Deutschen aller Coleur und unabhängig vom sozialen Status in den Armen und drücken der nationalen Kicker-Elite die Daumen. Für vier Wochen will man dann zu Gunsten der Völkerfreundschaft von sonst geltender Konkurrenz und Leistungsdruck nichts mehr wissen.

Wir möchten daher fragen und diskutieren:

Wieso leisten sich Staaten derlei nationale Großevents?
Warum springt die Bevölkerung auch noch so willentlich darauf an?
Weshalb braucht es bei all der Freude dann noch die riesigen Polizeitruppen, die ebenso aufgestellt werden?
Und was treibt eigentlich den Fußballfan, ob friedlich Fahnen-schwenkend oder radikal umher-prügelnd, an, dass er meint sein Deutsch-sein so nach außen kehren zu müssen?

Es referiert Dr. Freerk Huisken, der bis 2006 Professor an der Uni Bremen lehrte und noch immer regelmäßig kritische Standpunkte bezieht.

Datum: Dienstag, 8. Juni 2010
Zeit: 18:30 – 22:00
Ort: Humboldt-Universität zu Berlin :: Unter den Linden 6 :: Raum 3094/3096

Erreichbarkeit: S+U-Bhf Friedrichstraße (S1,S2,S25,S3,S5,S7,S75,U6), Bus-Haltestelle Staatsoper (100,200,TXL) & Straßenbahn-Haltestelle Am Kupfergraben (M1,12)

Weitere Infos & Ankündigungen:
http://www.fhuisken.de/
http://www.sowifachschaft.de

„Die Frage war mir jetzt zu lang“.

Ich habe mir mal die Veranstaltung der Naturfreundejugend Berlin im Tristeza angeschaut. Dort stellte der sog. „AK Pink Rabbit“ seine Broschüre vor. Die Veranstaltung unterteilte sich in ca. 1 h Vortrag und 1 h Debatte.

Vorab gleich mal meine Einschätzung: Gut gemeinte, aber letztlich erheblich mangelhafte Nationalismuskritik, die in der ersten Stunde vorgetragen wurde. Die Debatte war dann ein Totalausfall der Referentinnen und Referenten.

Gut gemeint war die Kritik deshalb, weil die Freunde der Natur immerhin festgestellt haben, dass der Staat und die Ideologie des Nationalismus einigen Leuten Leid antut. Gemeint sind aber lediglich queere Leute, Ausländer und wahrscheinlich auch Juden, wobei der Antisemitismus nicht großes Thema war.

Das hat natürlich den Hammer gleich in sich: Was der Staat mit den Inländern anstellt, was die sich da in ihrem Patriotismus falsch erklären, war gar nicht Thema. Der Höhepunkt war, dass ein Beitrag aus dem Publikum, in dem von den „Privilegien“ als Inländer („Ich bin privilegiert gegenüber aus Ausländern….ich kann mir jede Wohnung nehmen, die ich will“) schlicht unwidersprochen blieb.

Kritischen Beiträgen aus dem Publikum, von denen es recht viele gab, konnten die Referenten mehr oder weniger nichts entgegensetzen. „Die Frage war mir jetzt zu lang“. „Die Frage ist mir jetzt zu generell“ waren nur einige Höhepunkte des Totalausfalls der Rednerinnen und Redner.

Insofern ist die Nationalismuskritik der Naturfreunde eigentlich keine Kritik des Nationalismus, sondern vielmehr ein Auftakt zur Reform des Nationalismus; ein Plädoyer für einen Nationalismus, der Ausländer, queere Leute und Homos und Juden toleriert. Huch! Das gibt es ja schon längst.

Es gab sicher noch mehr zu sagen, ich hab aber nicht wirklich alles mitbekommen, weil ich schlecht saß. Es gibt aber Mitschnitte von der Veranstaltung.

Ziemlich dünn also alles. So bleibt zu sagen, dass der Rosa Hase allenfalls Hunger auf Hasenbraten gemacht hat.

P.S. Wenn man sich mal überlegt, dass bei 99,5 % Patrioten in diesem Land die 0,5 % Nationalismuskritiker so aussehen wie die Naturfreunde, dann weiß man gar nicht recht, was man schlimmer finden soll: die Nationalisten oder ihre Kritiker…

ARAB-Veranstaltung: „DDR – Die radikale Linke und der realsozialistische Versuch“.

Die Mitschnitte zur Diskussions-Veranstaltung der „Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin“ zur DDR sind endlich online und so konnte auch ich mir ein Bild davon machen, wie interessant und erkenntnisreich die Sache wirkich war. Auf den Indymedia-Artikel, der zeitnah erschien und von einem ziemlich enttäuschten Besucher der VA geschrieben wurde, wollte ich mich nicht verlassen. Leider muss ich nach dem Durchhören der Veranstaltung in den negativen Ton des Indy-Beitrags einstimmen. Angekündigt war der Versuch, zu bestimmen, „was die DDR eigentlich war“. Das ist erstmal sehr vernünftig und natürlich bitter notwendig, wenn man sich einen Kopf darüber macht, wie man als „radikale Linke“ zur DDR stehen soll bzw. was man davon halten soll, wie sich die Linke und der gesellschaftliche Mainstream gerade zur DDR verhalten. Dies fand schlicht und ergreifend nicht statt (mehr…)

„Meine Versöhnung mit Deutschland“

gedenkveranstaltung, bundesratsbank gut gefuellt, am existenzrecht israel darf es kein zweifel geben – jawohl! #bt